Marc und Marten um die Welt

Reisezeit: August 2013 - August 2014  |  von Marten Seifert

Bagan

Thatbyinnyu

Thatbyinnyu

Donnerstag 12. Juni 2014
Heute geht es mit dem Bus weiter nach Bagan. Es gibt zwar auch einen Nachtbus, aber bei offiziell sechs Stunden Fahrt würde das nicht mal dann Sinn machen, wenn die Busse in Myanmar nicht ständig zu früh ankommen. Man kann ja nicht immer das Glück eines Motorschadens haben. Für einen geringen Ticketaufpreis haben wir den Abholdienst vom Hotel mitgebucht, der nur den Bruchteil eines Taxis kostet und man schwitzt auf der luftigen Ladefläche dieser Trucks auch noch weniger. Genial.
Am Busbahnhof angekommen wollen dann ständig irgendwelche Kindermönche Geld von uns haben. Aber ganz ehrlich, bei so vielen jugendlichen Mönchen, die hier mit irgendwelchen nagelneuen Smartphones rumlaufen, hält sich unsere Spendenbereitschaft ziemlich in Grenzen.
Mit dem Anschnallen verhält es sich auch heute wieder wie in den letzten Bussen, es ist nur theoretisch möglich, denn die Gurte sind so unterm Sitz verknotet worden, dass man sie beim besten Willen nicht hervorholen und schon gar nicht zusammenschnallen kann. Und so fliegen wir dann alle entsprechend unsanft gegen die Vordersitze, als der Bus bei einer Vollbremsung eine besonders träge Kuh mitten auf der Straße nur um Haaresbreite verfehlt.
Die Landschaft wird mit jedem Kilometer, den wir uns Bagan nähern, trockener und die Hütten und Dörfer der Leute wirken immer ärmer und ursprünglicher.
An der Endhaltestestelle angekommen, springen wie immer dutzende Taxifahrer herbei, die sich am Ende schon fast um uns schlagen, bis wir schließlich willkürlich irgendeinen auswählen, der uns solange zu billigen Hotels fahren will, bis wir uns für eins entscheiden. Klingt doch gut.
Auf dem Weg nach Nyaung U, dem touristischen Zentrum der Umgebung, müssen wir uns noch für 15$ das Baganticket kaufen, das einem den Besuch sämtlicher Pagoden in der Umgebung erlaubt. In Nyaung U angekommen, nehmen wir dann auch gleich das erste Hotel, an dem wir halten, weil das Doppelzimmer hier nur 18$ kostet, allerdings erst ab morgen frei ist, weshalb wir für heute für 25$ mit einem Dreibettzimmer vorlieb nehmen müssen, auch mit eigenem Bad, Klimaanlage und Frühstück.
Danach geht es noch mal raus, Wasser einkaufen und Essen gehen. Außerdem finden wir heraus, dass Cola in 500ml Flaschen aus unerfindlichen Gründen billiger ist, als in 330ml Dosen. Allerdings sollte man drauf achten, dass auf der Flasche auch Druck ist, andernfalls erwischt man nicht selten eine ohne Kohlensäure.

Freitag 13. Juni 2014
Gleich neben dem Hotel gibt es einen Fahrradverleih, wo das Fahrrad nur 1$ für den gesamten Tag kostet! Und die Räder haben sogar eine Gangschaltung, bei der man immerhin drei bis vier der insgesamt eigentlich sechs Gänge reinbekommt. Das Wetter scheint uns ebenfalls wohlgesonnen zu sein, denn auch wenn die dichte Wolkendecke für Sonnenauf- und Sonnenuntergang natürlich Gift ist, sind wir bei über dreißig Grad einfach nur dankbar, nicht im prallen Sonnenschein Rad fahren zu müssen. So geht es dann morgens gleich nach dem Frühstück los in Richtung Old Bagan, das cirka fünf, sechs Kilometer südwestlich von Nyaung U liegt. In der Umgebung um Old Bagan befinden sich die meisten und beeindruckendsten der ca. 2000 Pagoden, die heute noch von den einst rund 6000 übrig sind.
Noch vorm Ortsausgang Nyaung U verlassen wir die Hauptstraße und schlängeln uns mit unseren Rädern auf irgendwelchen Staubwegen zwischen Holzhütten und alten Ziegelpagoden hindurch zur Shwezigon Pagode, die eine der wenigen fast vollständig vergoldeten Pagoden in Bagan ist. Wie gesagt, irgendwann sehen die goldenen Pagoden zwar immer noch beeindruckend und schön, aber letztlich doch sehr ähnlich aus.

Shwezigon Pagode

Shwezigon Pagode

Auf einigen Schleichwegen geht es immer tiefer hinein in die Randbezirke Nyaung U's, in denen man ein Bild von der wahren Armut Myanmars bekommt. Es ist eben nicht umsonst zusammen mit Nepal und Haiti eines der ärmsten Länder außerhalb Afrikas. Wobei es an sich erstaunlich ist, dass gerade die Umgebung von Bagan auch so ärmlich wirkt, wo es sich doch um einen der absoluten Touristenmagneten Myanmars handelt.
Mit jedem Meter, den wir uns wieder der Hauptstraße nähern, werden die Hütten etwas größer und gehen schließlich in zum Teil sehr ansehnliche Holzhäuser über, als wir die asphaltierte Straße erreichen, von denen Myanmar im Übrigen erstaunlich viele hat.

Zu den einzelnen Pagoden führen von der Hauptstraße aus immer wieder kleine Sandwege, die sich allerdings selbst mit unseren Rädern überraschend gut befahren lassen. Wie viele kleine, große und zum Teil riesige Pagoden es hier gibt, ist aber auch nicht mehr normal. Dieses ganze Gefühl der endlosen Weite der Pagodenlandschaft muss man wirklich am eigenen Leib erfahren. Kein Foto und keine Erzählung kann beschreiben, wie es ist, wenn man auf dem Dach eines dieser alten Ziegelbauten steht und soweit das Auge reicht nur andere Pagodenspitzen zwischen den grünen Baumkronen der staubbraunen Savanne emporragen sieht, bevor sich die Weiten irgendwo am Horizont im diesigen Schatten der fernen Berge verlieren.

Auch wenn das Wetter die nächsten Tage von "Ende der Trockenzeit" in den "Beginn der Regenzeit" übergeht, haben wir auch insofern absolutes Glück, dass es kaum andere Touristen gibt. Gerade an den vielen kleineren Bauten sind wir meist die einzigen Besucher und treffen vielleicht ab und zu mal auf einen Einheimischen, der uns Sandbilder oder Getränke verkaufen möchte. Doch auch das Verkaufen geschieht hier wesentlich angenehmer und dezenter als in den meisten anderen Ländern Südostasiens.
An der bisher größten Pagode, dem Htilominlo Tempel, sind dann immer noch genauso wenig ausländische, aber immerhin ein paar einheimische Touristen da, die sich dieses imposante Gebäude angucken. Von innen besichtigen kann man die Pagode nur dahingehend, dass man einmal den äußersten Ring umwandern darf. Hat man eine der großen Pagoden von innen gesehen, kennt man sie alle. Denn man kommt grundsätzlich nur in den äußersten Ring, wo man dann in jeder der vier Himmelrichtungen auf eine große Buddhastatue trifft, bevor man bis zur nächsten Himmelsrichtung durch einen mehr oder weniger schmalen, dafür aber meist sehr hohen Gang geht, in dem es unfassbar nach Tauben- und Fledermausscheiße stinkt. Wie laut man die Fledermäuse hier sogar kreischen hört, Wahnsinn.

Htilominlo Tempel

Htilominlo Tempel

Nach oben oder in den Raum innerhalb des ersten Rundganges kommt man leider bei den ganzen großen Pagoden nicht, weshalb es dann auch relativ schnell weiter zur Ananda Pagode geht, die man als eine der wenigen zumindest teilweise restauriert hat. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich das Gebäude von der einen schwarzweiß und runtergekommenen und der anderen hellbraun restaurierten Seite wirkt. Und auch wenn der kleine vergoldete Teil der Spitze hier sehr gut in das Gesamtbild passt, sind wir doch ansonsten froh, wie ursprünglich der mit Abstand größte Teil der Pagoden noch wirkt. Es ist doch wesentlich schöner und vor allem geschichtsträchtiger, wenn die ganzen zum Teil über 900 Jahre alten Pagoden in ihrer ursprünglichen braunen Steinfarbe erscheinen, als modern weiß angestrichen. Wie die ganzen Gebäude letztlich damals aussahen, wissen wir natürlich nicht. Und auch wenn von den meisten Malereien im Inneren nur noch ein geringer Teil erhalten ist, gibt es zumindest einen Eindruck vom Reichtum dieser Region während ihrer Blüte als Hauptstadt des damaligen Bagan Reiches.

nicht restaurierte Seite der Ananda Pagode

nicht restaurierte Seite der Ananda Pagode

restaurierte Seite der Ananda Pagode

restaurierte Seite der Ananda Pagode

Mit dem Rad geht es immer weiter Richtung Südwesten über die Grenzen von Old Bagan hinaus, bis uns schließlich die leeren Trinkwasserflaschen und die einsetzende Erschöpfung langsam zur Umkehr bringen. Man kann sich einfach nicht satt sehen an der Vielzahl so ähnlich und doch immer wieder anders aussehenden Pagoden und so bleiben selbst nach dem ersten Löschversuch noch über 500 Pagodenfotos von diesem wunderschönen Flecken Erde übrig, von denen wir uns einfach nicht trennen können.
So gegen 14 Uhr, auf dem Rückweg nach Nyaung U, erreichen wir den Shwesandaw Tempel. Die Schuhe muss man auch hier -genau wie bei jeder anderen Pagode vorher- ausziehen und der heiße Stein brennt entsprechend an der nackten Fußsohle, als wir die oberste Ebene des pyramidenförmigen Bauwerks erreichen. Der Ausblick von hier oben ist einfach nur atemberaubend. Ein Traum dieses Landschaftsbild mit den trockenen aktuell unbewirtschafteten braunen Feldern, den unzähligen Pagoden und den grünen Bäumen und Palmen. Selbst wenn es später wäre, auf den Sonnenuntergang warten macht bei so dichten Wolken allerdings wie gesagt wenig Sinn. Also geht es dann auf direktem Wege zurück nach Nyaung U in unser Stammlokal und zurück ins Hotel.

Htilominlo Tempel

Htilominlo Tempel

Ananda Pagode

Ananda Pagode

Samstag 14. Juni 2014
Heute geht es erst mittags mit dem Fahrrad los, weil wir uns zumindest offen halten wollten, den Sonnenuntergang anzugucken. Wenn man sich den bedeckten Himmel so ansieht, haben wir zumindest alles richtig gemacht, nicht um halb fünf für den Sonnenaufgang aufzustehen. Zwischendrin beginnt es sogar leicht zu nieseln, was wir allerdings eher erfrischend als störend empfinden.
Auf dem Plan steht die ebenfalls sehr pagodenreiche Region drei, vier Kilometer südlich von Nyaung U. Als wir die Hauptstraße an der Kreuzung, wo es in die andere Richtung zum Flughafen geht, verlassen, sind wir die nächsten zehn Minuten die einzigen auf dieser Straße, die mitten durch die verlassene Savanne führt. Es ist ein absoluter Traum. Der Asphalt geht in einem ausgetrockneten Flussbett in Staub über, der uns die nächsten Kilometer erhalten bleiben soll. Es geht weiter durch ein einsames Dorf, an Gruppen der alten Backsteintempeln vorbei und hin zu einer Ansammlung kleiner Pagoden, die sich durch ihre noch ausgesprochen gut erhaltenen Wandmalereien auszeichnen.

Eine weitere große, bekannte Pagode ist wegen Restaurationsarbeiten gerade eingerüstet, aber das sind wir ja inzwischen gewohnt und so geht es weiter auf immer verlasseneren Staubwegen über die trockenen Felder der Savanne, bis wir plötzlich in ein touristenfernes Einheimischendorf kommen, in dem man uns verdutzt, neugierig aber trotzdem immer freundlich anguckt. Die Kinder freuen sich, uns zu sehen und so wird ausgelassen gewunken und gegrüßt, bevor wir irgendwann wieder eine Straße finden, die aus dem verarmten Dorf hinausführt. Die Berge von Plastikmüll am Dorfrand lassen wir hinter uns, schlängeln uns durch eine träge Herde abgemagerter weißer Kühe hindurch und gelangen schließlich wieder zum Shwesandaw Tempel, der als Sammelstelle für Sonnenuntergangbeobachter bekannt ist, da man bei keiner anderen Pagode so hoch hinauf kommt. Entsprechend voll ist es hier bereits jetzt am späten Nachmittag, wobei es mehr einheimische Verkäufer als Touristen gibt. Wir wiegeln dankend ab und führen noch ein bisschen Smalltalk mit ihnen. Wobei vor allem die jungen Mädchen besser Deutsch sprechen können, als die Mitarbeiter in Reisebüros Englisch. Ist doch krank so was. Aber gut, die Deutschen waren schon immer eine kaufkräftige Reisenation. Das weiß man eben auch hier, wo der Tourismus eine der Haupteinnahmequellen, wenn nicht sogar die einzige ist.

Für den Sonnenuntergang ist es noch zu früh und ohnehin zu bewölkt, weshalb es weiter zum ausgesprochen eindrucksvollen Dhammayangyi Tempel geht, der mit seiner Form und der massiven, sehr exakt gearbeiteten Bauweise am ehesten an eine Pyramide erinnert.
Auf die oberen Etagen kommt man auch hier wieder nicht, aber dafür bei einem kleineren Tempel ein kleines Stückchen weiter südöstlich. Wirklich ein großartiger Anblick Bagan von oben, weshalb sich hier zur Hauptsaison Flüge mit einem Heißluftballon großer Beliebtheit erfreuen.
Für uns geht es dann am Ende des zweiten Tages Bagan auf der Hauptstraße wieder zum Hotel zurück, um in unserem Stammlokal gebratene Nudeln zu essen.

Dhammayangyi

Dhammayangyi

Sonntag 15. Juni 2014
Nachdem es vorgestern Abend schon geregnet hat, ist heute also endgültig der Tag, an dem das Ende der Trockenzeit in den Beginn der Regenzeit übergeht. Vorerst ist es allerdings nur dicht bewölkt, als wir zusammen mit einer anderen deutschen Backpackerin aus unserem Hotel auf der Ladefläche eines Autos sitzen, das uns für 10$ pro Person zum 50km südwestlich gelegenen Mount Popa fährt. Um genau zu sein zum daneben gelegenen Vulkankegel Taung Kalat mit einer vor allem von Einheimischen sehr stark frequentierten Pagode auf dem Gipfel.
Doch bereits gute zehn Minuten vor der Ankunft am Fuße des Berges setzt feiner Nieselregen ein, der wohl so schnell nicht wieder aufhören wird. Als wir ankommen, liegt der gesamte Berg in dichten, dichten Wolken und die Sache mit dem sonst vermutlich sehr beeindruckenden Panoramablick hat sich damit endgültig erledigt. Zur Pagode aufsteigen muss man natürlich trotzdem, wenn man nun schon hier ist. Und so drängen wir uns mit hunderten Einheimischen und ein paar anderen Touristen die unzähligen triefnassen Stufen hinauf und versuchen, während des Aufstieges nicht von irgendeinem Affen angegriffen zu werden. Wie viele es hier gibt, ist wirklich abnormal und die stinken, das glaubt man kaum. Stacheldraht im Wellblechdach über uns hin oder her, diese Viecher hocken wirklich überall und auch, dass der Frau direkt vor mir ein kräftiges Affenmännchen auf den Rücken springt, lässt uns nicht gerade entspannter werden. Doch wir bleiben zum Glück verschont.
Oben angekommen kann man sich dann im vom Wind peitschenden Sprühregen dichte Wolken angucken und ab und zu mal die Schatten des Dorfes am Fuße des Berges. Wirklich sehr ärgerlich mit dem Wetter. Fotos kann man total vergessen. Auf dem Rückweg wird dann noch am Obstmarkt ein großer Beutel Mangos eingekauft, bevor wir uns vor dem inzwischen auch in Bagan einsetzenden Monsunregen, der alles unter schwarzen, zugemüllten Schlammflüssen verschwinden lässt, aufs Zimmer zurückziehen.

© Marten Seifert, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein ganzes Jahr haben wir uns Zeit genommen, um von Berlin aus über NY, Südamerika, Australien und Ozeanien und Südostasien um die Welt zu fliegen, bevor es wieder in die Heimat zurückgeht.
Details:
Aufbruch: 27.08.2013
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 26.08.2014
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Peru
Bolivien
Chile
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Französisch Polynesien
Neuseeland
Australien
Singapur
Indonesien
Malaysia
Thailand
Myanmar
Kambodscha
Deutschland
Der Autor
 
Marten Seifert berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.