Marc und Marten um die Welt

Reisezeit: August 2013 - August 2014  |  von Marten Seifert

Neuseeland Südinsel

Freitag 24. Januar bis Montag 27. Januar 2014
Pünktlich um 0:45 Uhr steigen wir in den schön warmen Bus ein, wo wir die letzten freien Plätze nebeneinander ergattern können. Und nachdem sich geklärt hat, dass unser Fahrer doch nicht betrunken ist, sondern unser Bus allein des enormen Windes wegen von links nach rechts auf der Straße entlangschlingert, lässt es sich dann auch mehr oder weniger ruhig einschlafen. Der ständige Wind, der uns schon gleich bei der Ankunft in Auckland aufgefallen ist, scheint wirklich ein neuseelandweites Phänomen zu sein, das nur an wenigen Tagen im Jahr aussetzt.
Um 6:30 Uhr in Wellington angekommen haben wir dann etwas Zeit auf dem Bahnhof, bevor wir uns zu Fuß auf den Weg Richtung Fähre begeben. Weniger um akzeptable 2NZD p.P. für den Shuttle zu sparen, sondern vielmehr um sich die Zeit zu vertreiben und beim Warten nicht zu frieren. Da Neuseeland, wie gesagt, leider nicht zu den fußgängerfreundlichsten Ländern dieser Welt gehört, müssen wir mehrere Male eine Schnellstraße zur Rushhour ohne Ampel überqueren, aber schließlich kommen wir wohlauf an der Fährstation an und können unser Gepäck aufgeben.
Genauso pünktlich wie die Fähre ablegt, kommen wir dank ruhigem Wellengang auch in Picton an, von wo aus es mit unserem Anschlussbus gleich nach Nelson weitergeht. Während der Weg anfangs noch von Obst- und Weinanbaugebieten geprägt wird, geht es dann den Rest der Fahrt zwischen Pinienhügeln entlang. Ursprüngliche Vegetation gibt es hier kaum.
Der Campingplatz, den wir uns eigentlich rausgesucht hatten, ist weiter weg als gedacht und so schreibt man uns in der Touristeninfo die Adresse zweier Backpackerhostels auf, von denen das erste zum Glück ausgebucht ist. Sicherlich wäre es bestimmt auch ganz nett gewesen, aber das "Hostel Paradiso" in der Weka Street ist einfach großartig. 29NZD pro Person und Nacht im 4-Personen-Schlafsaal sind für hiesige Verhältnisse auch okay und inklusive ist neben kostenlosem Internet und Pool nicht nur das Frühstück, sondern auch noch ein großer Topf Gemüsesuppe am Nachmittag.
Von der letzten Nacht ziemlich erschlagen, heißt es dann am ersten Abend, endlich wieder frisch rasiert und heiß geduscht, früh schlafen gehen.

Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück mit Cornflakes und Toast zum geografischen Zentrum Neuseelands, das man nach einer guten halben Stunde wandern von unserem Hostel aus erreichen kann. Die Landschaft ist hier nett aber relativ unspektakulär, typisch neuseeländisch hügelig und grün eben. Und auch wenn es im "Mai Tai Tal" vermutlich nicht den gleichnamigen Cocktail gibt, klingt es ja schon mal vielversprechend. Von dort aus führt uns dann ein netter Weg direkt am Fluss entlang wieder zurück ins Stadtzentrum von Nelson.
Dass es in Neuseeland viele Deutsche gibt, wissen wir ja inzwischen, aber was hier im Paradiso Hostel abgeht, ist wirklich nicht mehr normal. Mindestens 90% der Gäste hier kommen aus unserer Heimat und ehrlich gesagt tut es nach vier Monaten Südamerika bzw. französisch Polynesien auch echt mal wieder gut, von so vielen netten, normalen Leuten umgeben zu sein. Wie Zuhause eben.
Außerdem bekommen wir hier auch von anderen Leuten zu hören, dass die neuseeländische Milch und das Wasser nicht so gut, eklig könnte man fast schon sagen, schmecken. Liegt also nicht nur an unserem Geschmackssinn. Highlight des Tages ist das abendliche Feierngehen. Um Längen besser als in Auckland. Vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass wir diesmal Leute haben, die uns zeigen, wo was los ist. Und in der Gruppe Party machen ist sowie immer geiler.
Dass die Clubs auch hier schon um kurz nach drei Uhr nachts zumachen, kommt uns heute sogar halbwegs gelegen, weil wir auf diese Weise, zurück im Hostel, unseren Bus für morgen früh nach einigem Hin und Her noch mal um zwei Tage nach hinten verschieben können. Die anderen sind schon im Bett, als ich sogar mal wieder zum Skypen komme und danach entsprechend einer der ersten bin, als es morgens um sechs Frühstück gibt.

Ein Zeltstellplatz ist in dieser Minute auch noch frei geworden und da die Rezeption leider noch zu hat und die wenigen Plätze für Zelte weggehen wie die alltägliche Nachmittagsgemüsesuppe, baue ich noch vorm Schlafengehen unser Zelt auf.
Die Rezeptionistin ist dann wohl nicht so begeistert, als Marc ihr ein paar Stunden später erklärt, das Zelt sei schon aufgebaut, aber gut. Für 30€, die wir auf diese Weise in den nächsten beiden Nächten sparen, hört man sich auch gerne eine kurze Moralpredigt an.
Außer gammeln, das Internet nutzen und sich mit anderen unterhalten, passiert hier tagsüber eigentlich ziemlich wenig, aber das Wetter lädt eben auch einfach nicht zu mehr ein. Inzwischen verstehen wir es aber auch zu unterscheiden, wie man dieses Land bereist. Wenn man eine Weltreise macht, gibt es spektakulärere und vor allem billigere Reiseländer. Um den Gedanken des "work an travel" nachzugehen, ist man aber vermutlich in keinem Land der Welt besser aufgehoben als hier in Neuseeland. Dank Mindestlohn bekommt man sogar fürs Blaubeerpflücken ca. 8€ die Stunde und da viele Touristen in Hostels und Restaurants viel Arbeit machen, gibt es auch für eben jene Touristen entsprechend immer wieder genug Aushilfsstellen, um sich die Weiterreise finanzieren zu können. Und fernab der Heimat mit so vielen immer neuen Leuten unter einem Dach zu wohnen, ist natürlich auch eine Erfahrung für sich.
Am letzten Abend geht es dann noch mal in eine Bar mit kleiner Bühne für jedermann. Die Begeisterung ist entsprechend groß, als sich zwei aus unserem Hostel nach vorne trauen und singen, beziehungsweise Gitarre spielen.
Der Abschied ist nach so schönen Tagen hier schon ein bisschen wehmütig, aber so ist das eben, wenn man nur auf der Durchreise ist.

Dienstag 28. Januar 2014
Als uns der Wecker um 5:30 Uhr nach nicht mal vier Stunden Schlaf wachklingelt, kostet es schon ein bisschen Überwindung, den warmen Schlafsack zu verlassen und dass es hier gerade mal einen guten Monat nach der Mittsommernacht erst kurz vor sechs hell wird, macht die Sache nicht besser. Das Zelt ist beim Einpacken natürlich auch noch komplett nass.
Die unter Busfahrern verbreitete Berufskrankheit des leisen und undeutlichen Sprechens ist auch in Neuseeland ziemlich verbreitet und vor allem unser heutiger Busfahrer ist extrem betroffen. Gut, betroffen sind ja eigentlich wir Fahrgäste, weil man kein Wort von seinen Erzählungen versteht, aber solange man weiß, wann es nach der Pause wieder weitergeht, ist das alles ja auch nicht so schlimm.

Die ersten Stunden durch langweilige, endlose Pinienwälder hindurch verschlafen wir beide zum Glück, bevor wir irgendwann auf der Küstenstraße wieder aufwachen. Am Wachwerden sind weniger die schmalen Sitze, als vielmehr die unfassbar vielen Kurven schuld, die einen ständig nach links und rechts fliegen lassen. Es gibt zwar auch ein paar gerade Autobahnen in Neuseeland, aber irgendwie nie auf den Strecken, die wir fahren.
Selbst auf den Autobahnen gilt hier übrigens lächerlich geringe 100km/h Höchstgeschwindigkeit. Eben jene 100km/h darf man dann aber auch auf diesen furchtbar kurvigen Serpentinenstraßen fahren, die infolge dessen bei geringerem Verkehrsaufkommen zum Teil genauso bunt mit Blumen und Kreuzen geschmückt sind, wie die berüchtigten brandenburgischen Alleen. Logik wird auf der anderen Seite der Welt eben anders definiert.

Mit den Pausen meint man es auf dieser Fahrt auch etwas zu gut, aber der Stopp an den so genannten Pancake-Felsen ist natürlich großartig. Ein zwanzigminütiger Wanderweg führt uns durch die ursprüngliche Vegetation an die Steilküste, wo der raue Ozean tolle Formationen in den Fels gewaschen hat, die einen an übereinander gestapelte Pancakes erinnern. Insgesamt sind Landschaft und Vegetation entlang der Westküste sehr ursprünglich und einzigartig, weshalb wir uns nicht nur mit Neuseeland insgesamt etwas aussöhnen, sondern auch froh darüber sind, dass es für diese immerhin zehnstündige Fahrt keinen Nachtbus gab.
Weil es keine zentrale Busstelle in Franz Josef gibt, werden wir dann direkt am Zeltplatz rausgelassen, wo wir für ca. 12€ p.P. und Nacht unser Zelt aufschlagen.

Mittwoch 29. Januar 2014
Da wir nur einen Tag in Franz Josef haben, was aber auch vollkommen ausreichend ist, geht es gleich nach dem Frühstück zum Gletscher. Nach insgesamt ca. 5km haben wir den zentralen Gletscherparkplatz erreicht, wo uns der Anschlussweg ein kleines Stück durch einen wundervollen, urigen, von Moosen und Flechten geprägten Feuchtwald führt. Die letzte halbe Stunde des Weges läuft man durch das ehemalige Gletscherbett, in dessen Mitte sich ein schlammiger, grauer Fluss durch die riesige Schneise aus Sediment, Geröll und Steinen windet.

Wäre man vor fünf Jahren hier gewesen, wäre das Ganze sicherlich auch noch etwas beeindruckender gewesen. Bilder zeigen, wie schockierend stark der Gletscher seit 2008 zusammengeschmolzen ist. Aber gut, Schnee haben wir schließlich auch alljährlich (diesen Winter mal ausgenommen) in Deutschland, spätestens beim Skifahren in den Alpen sowieso. Und schön anzusehen ist es ja immer noch, wie sich die nach oben hin immer weißer und sauberer werdende Eismasse am Talende den Berg hinaufzieht.
Das einzige, was in dem hiesigen Supermarkt günstiger ist als im Countdown, sind Spaghetti mit Tomatensoße aus der Dose "Made in Italy". Wie Nudeln aus der Dose schmecken, weiß sicherlich jeder, aber ehrlich gesagt ist es echt mal wieder eine willkommene Abwechslung, die dann sogar noch durch einen heruntergesetzten Zuckergusskuchen abgerundet wird.

inzwischen ist sogar noch mehr weggeschmolzen...

inzwischen ist sogar noch mehr weggeschmolzen...

Dass die Vögel in Neuseeland keine, beziehungsweise kaum natürliche Feinde haben, macht das Fotografieren zwar einfacher, führt aber leider auch dazu, dass hunderte von ihnen tot und überfahren am Straßenrand liegen. Und wenn ich schon gerade bei der Fauna bin, kann ich auch gleich ein paar Worte über die lästigen Sandfliegen verlieren, die die gesamte Westküste der neuseeländischen Südinsel unsicher machen. Die Stiche sind um einiges fieser als die von Mücken, hören zum Teil erst nach einer Woche auf zu jucken und brauchen dann noch mal eine Woche, bis sie mehr oder weniger abgeheilt sind. Um meine eigene Gesundheit und die meiner Mitmenschen nicht unnötig zu gefährden, haben meine Turnschuhe eine Zwangsauslüftungspause verordnet bekommen. Ich bin also wieder in Badelatschen unterwegs und habe dafür ein halbes Dutzend Sandfliegenstiche pro Fuß kassiert. Zum Glück übertragen die hier keine Krankheiten.

Donnerstag 30. Januar 2014
Keine zwei Minuten stehen wir vor unserem Zeltplatz an der Straße, als auch schon unser Bus kommt und uns einsammelt. Der heutige Busfahrer ist besonders redselig und hat zu jedem Baum am Straßenrand eine Geschichte parat. Ab und zu ist man sich allerdings nicht ganz sicher, ob er nur ein bisschen stottert, oder gerade einen Herzinfarkt erleidet. Spätestens auf dieser Busfahrt verfliegt dann aber auch das letzte bisschen Enttäuschung über Neuseeland, die uns auf der Nordinsel ja doch ein bisschen belastet hat. Die Landschaft entlang der Westküste der Südinsel ist wirklich wunderschön. Leider ist auch hier jeder Quadratmeter Wiese mit Stacheldraht umzäunt als Kuh-, Schafs- oder Hirschweide deklariert, aber gut. Irgendwann entfernt sich dann die Straße immer weiter von der Küste und führt ins mit jedem Kilometer trockener werdende Hinterland. In Queenstown selbst ist das Klima so trocken, dass die meisten Berge komplett baumfrei sind und nur einzelne Sträucher und Gräser an den kargen Hängen gedeihen. Nur der Bergrücken direkt über Queenstown ist von einem dichten Douglasienwald bewachsen.
Wie auch schon in Franz Josef ist es unfassbar, wie viele Asiaten hier Urlaub machen. Naja, die wussten schon, warum sie die Nordinsel auslassen. Deutsche gibt es hier natürlich auch wieder in Massen, aber wir sind ja eh immer überall.
Dank Touristeninfo, von denen es hier gleich ein halbes Dutzend gibt, finden wir auch den billigsten Zeltplatz am Ortsausgang, wo uns die Nacht zusammen 30 NZD kostet. Zum Abendbrot gibt es wieder Nudeln mit Tomatensoße. Naja, "Made in New Zealand" schmeckt man leider auch.

© Marten Seifert, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein ganzes Jahr haben wir uns Zeit genommen, um von Berlin aus über NY, Südamerika, Australien und Ozeanien und Südostasien um die Welt zu fliegen, bevor es wieder in die Heimat zurückgeht.
Details:
Aufbruch: 27.08.2013
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 26.08.2014
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Peru
Bolivien
Chile
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Französisch Polynesien
Neuseeland
Australien
Singapur
Indonesien
Malaysia
Thailand
Myanmar
Kambodscha
Deutschland
Der Autor
 
Marten Seifert berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.