Marc und Marten um die Welt

Reisezeit: August 2013 - August 2014  |  von Marten Seifert

Phuket

Samstag 21. bis Montag 23. Juni 2014
Einen Tag vor Mittsommernacht hin oder her, als wir morgens im Taxi zum Flughafen fahren, ist es noch dunkel. Der kurze Flug ist angenehm ruhig und auch bei der Einreise nach Thailand verläuft alles nach Plan. Anders als beim Taxistand, wo wir noch eine Weile mit einem Fahrer herumstreiten, der den vollkommen utopischen Preis mit der angeblichen Rushhour und der Flughafengebühr begründet. Wir lehnen ab, suchen eine Weile vergeblich nach einer Alternativen wie Bus oder Bahn und geraten beim zweiten Versuch am Taxistand an einen wesentlich umgänglicheren Fahrer, der zwar auf das Taxameter verweist und nur einen ungefähren Preis nennen kann, aber selbst der liegt um ein Drittel niedriger. Bangkoks Straßen sind zu dieser Zeit tatsächlich ziemlich vollgestopft, allerdings ist die Infrastruktur in diesem riesigen Moloch wesentlich besser ausgebaut als in vielen anderen südostasiatischen Städten. Und so geht es für einen überschaubaren Mautpreis auf dem riesigen Betonhighway, der sich als gut fünfzehn bis zwanzig Meter hohe Brücke über die halbe Stadt zieht, in Richtung Zentrum.
Nach zehn Monaten Heimatlosigkeit freut man sich schon, wenn man ein zweites Mal an denselben Ort kommt und so geht es wieder in die Khaosan Road, in das Hotel vom letzten Mal. Irgendwie seltsam, dass man sich erst an uns erinnert, als Marc nach einer Rolle Klopapier fragt, aber gut. Das einzige Zimmer mit Klimaanlage ist leider ausgebucht und so nehmen wir trotz der Hitze doch wieder mit einem Ventilator vorlieb.
Was ich noch gar nicht erzählt habe: Gute zwei Wochen ist es her, dass ich genau hier am Tag unseres Abflugs nach Myanmar meine lieben gelernten Badelatschen verabschiedet habe. Ein für mich sehr schwerer und emotionaler, aber angesichts durchgelaufener Sohlen letztlich doch notwendiger Schritt. Und während ich die ersten Tage in Myanmar mit meinen Sandalen unterwegs war, heißt es seit vorgestern Flipfloptragen. Sehr ungewohnt mit diesem störenden Stück Gurt zwischen den Zehen...

Abschied tut weh  
PS: in Wirklichkeit habe ich übrigens auch 5 Zehen pro Fuß...

Abschied tut weh
PS: in Wirklichkeit habe ich übrigens auch 5 Zehen pro Fuß...

Abends geht es dann in die Bar vor der Haustür zum WM Spiel Deutschland gegen Ghana, wobei der Anpfiff bei uns erst Sonntagmorgen um 2 Uhr ertönt. Mit vier anderen Deutschen sitzen wir dann noch bis in den späten Morgen hinein zusammen und tauschen Reiseerlebnisse der vergangenen Wochen und Monate miteinander aus. Einer von den beiden Jungs ist inzwischen nach Hause geflogen, weil er auf irgendeiner Droge hängen geblieben ist und mit Leuten geredet hat, die nicht existiert haben. Was für kranke Sachen es doch gibt.
Mit dem restlichen Tag ist entsprechend nicht mehr so viel anzufangen, als wir irgendwann am frühen Nachmittag wieder erwachen und so schaffen wir es dann auch nur noch, einen Bus nach Phuket für Montagabend zu buchen und das immer noch währende Angebot des billigen Käseschinkensandwichs bei Subway zu genießen.
Montag nach dem Checkout erklären wir dann "nur nicht anfangen zu schwitzen" zu unserem neuen Mantra, damit wir heute Abend nicht klebrig durchgenässt im Bus sitzen müssen und so schlendern wir im Schneckentempo zwischen dutzenden Verkaufsständen der Umgebung hindurch und lassen uns davon in den Bann ziehen, wie die Thailänder irgendwelche Dinge essen, die wir selbst mit größter Vorstellungskraft niemals als genießbares Lebensmittel identifiziert hätten. Vor so einer Busfahrt ist allerdings der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, sich an solchen Dingen zu probieren. Erst recht, wenn sich wie bei mir der Verdauungstrakt seit Myanmar ohnehin noch nicht richtig erholt hat. Aber wir kommen ja noch ein drittes, letztes Mal hierher nach Bangkok.
Um 17 Uhr ist es dann schließlich soweit, dass man uns einen Sticker aufs T-Shirt klebt und uns mit einer Gruppe anderer Touristen zum Bus führt, vor dem wir noch eine halbe Stunde warten dürfen. Irgendwann um 18 Uhr geht sie dann los, unsere 17. Nachtbusfahrt seit Beginn der Weltreise.

Khaosan Road by night

Khaosan Road by night

Dienstag 24. Juni 2014
Morgens um halb fünf lässt man uns an irgendeinem runtergekommenen Restaurant raus, wo wir alle unterschiedlichen Gruppen zugeordnet werden. Die Leute, die nach Phuket wollen, die nach Krabi, Kho Samui und und und.
Nach einer Stunde Wartezeit geht es im Pickup Truck zu einem anderen Büro der Agency, wo man uns den Transfer vom Busbahnhof Phuket Town nach Patong, dem Touristenort auf Phuket, für 5€ pro Person aufquatscht und nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit geht es wieder weiter, um uns nach zehn Minuten Fahrt in einen anderen alten Bus zu verladen. Ganz ehrlich, Thailand ist das touristischste Land Südostasiens und dann ist es nicht möglich, bei irgendeiner Agency mal einen Direktbus zu buchen? Das hat bis jetzt in jedem anderen Land der Welt geklappt, das ist doch eine Frechheit und einfach nur Abzocke pur. Nach einer SIEBZEHNSTÜNDIGEN Odyssee und einem weiteren Mal umsteigen, erreichen wir schließlich vollkommen fertig Patong, wo wir zum Glück sehr schnell ein günstiges, zentral gelegenes Hotel finden, in dem wir den Tag ausklingen lassen.

Mittwoch 25. Juni bis Mittwoch 2. Juli 2014
Am nächsten Tag steht erstmal ein Hotelwechsel ins "Happy Guesthouse" an, wo wir für ein Zimmer mit Klimaanlage unschlagbare 11€ pro Nacht zahlen. Wenn auch mit Doppelbett, ein ansonsten sehr schönes und gemütliches Zimmer. Gut in der Badtür fehlt die Scheibe, weshalb man vom Bett aus direkt auf denjenigen guckt, der gerade duscht, aber im Vergleich zum "Due" Hotel mit der Dusche mitten im Zimmer ist das ja quasi immer noch Privatsphäre pur. Ansonsten ist das Zimmer für diesen Preis wie gesagt wirklich sehr gut und die beiden riesigen Kakerlaken, von denen eine auch ohne Kopf noch eine halbe Stunde weiterlebt, hätten einen schließlich in jedem Hotel heimsuchen können.
Die Zeit in Phuket vergeht dann die nächsten Tage sehr ähnlich. Es gibt einen schönen Sandstrand, bei dem wir uns bemühen, ihn zumindest einmal am Tag für ein paar Stunden aufzusuchen. Die Wellen sind meistens schön groß und das Wetter stimmt auch mehr oder weniger. Leider ist genau der Tag komplett verregnet, den wir eigentlich als Strandtag auserwählt hatten und durch den vielen Regen hat es dann am Tag danach auch noch Unmengen an Müll ins ansonsten erstaunlich saubere Meer gespült, was dem Badespaß zumindest an diesem Tag entsprechend mindert. Wer Einsamkeit sucht, ist auf Phuket natürlich fehl am Platz, zumindest in Patong Beach, aber nach 10 Monaten Weltreise genießen wir die Anwesenheit anderer Touristen inzwischen ja regelrecht.

Preistechnisch ist Phuket doch relativ teuer, vor allem wenn man es mit der letztlich ebenfalls sehr touristischen Region um Krabi und Ao Nang vergleicht. Es fängt schon damit an, dass Bars dir irgendwelche Getränkekarten geben, auf denen ein ganz anderer Preis deklariert wird, als der, den man am Ende zahlt. Irgendwo auf der letzten Seite steht dann im Kleingedruckten etwas von "Servicegebühr" und "Preise gelten nur zwischen 16 und 19Uhr". Im Groben und Ganzen ist es natürlich trotzdem typisch asiatisch günstig, aber es wird eben viel abgezockt. Es sind eben diese Kleinigkeiten, die einen dazu bewegen, beim nächsten Mal vielleicht doch lieber wieder nach Malaysia, Kambodscha oder irgendein anderes Land Südostasiens zu reisen, statt nach Thailand, wo man den Touristen auch wesentlich weniger das Gefühl gibt, willkommen zu sein. Das ist zumindest unsere Erfahrung von Thailand im Vergleich zu den Nachbarländern. Außerdem stinkt es dort auch nicht so. Selbst die Bangla Road als Haupttouristenstraße stinkt nach altem Fett, vergorenem Obst, Ausscheidungen und verwesendem Tier, das kann man sich wirklich nicht vorstellen. Keine Ahnung wie die Thailänder das immer hinbekommen.
Um Geld zu sparen beschränken wir uns dann kulinarisch bis auf ein-, zweimal Pizza Essen gehen auf Toast mit Mortadella und unzähligen Bechern Nudelsuppe, die unseren Wasserkocher auf dem Zimmer regelrecht zum Glühen bringen. Essenstechnisch wird Phuket also kein wirkliches Highlight für uns. Ach so, zweimal gehen wir auch noch grünes thailändisches Curry mit Reis essen, was wirklich sehr, sehr lecker ist. Allerdings meinte auch die Apothekerin noch mal, dass ich auf Schärfe verzichten soll. Neben Kohletabletten hat sie mir außerdem noch irgendwelche anderen Tabletten verkauft, ein, wie ich erst später erfahre, normalerweise verschreibungspflichtiges Antibiotikum. Naja, vielleicht hilft es ja wenigstens.
Ansonsten besteht unser Tag neben an den Strand gehen und Nudelsuppe schlürfen hauptsächlich aus schlafen und entspannen, bevor es dann abends ab und zu in eine Bar geht. Aber Marcs und meine Vorstellung gehen da leider ziemlich weit auseinander und ich finde das Nachtleben in Phuket ehrlich gesagt relativ scheiße. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir beide zurzeit sowieso einen echten Durchhänger haben. Mein Magendarmvirus macht mich wütend und schwach, man sehnt sich nach deutschem Essen und Marc und ich können uns einfach nicht mehr sehen. Wir streiten über jede noch so dumme Kleinigkeit und es gibt Missverständnisse, wo keine sein müssten. Einfach mal für ne Woche getrennte Wege gehen will Marc auch nicht, weil er keinen Sinn darin sieht, man guckt im Internet sogar schon nach Heimflügen und beschließt am Ende, dass man es doch noch mal einen Tag miteinander versucht, bevor abends das Ganze wieder von vorne losgeht.
Marc wollte nur zum Party machen nach Phuket, ich bin aber, wie gesagt, wegen meinem Magen nicht so in Partystimmung und Bars mag ich ohnehin nicht sosehr wie Clubs und mit dieser Gesamtsituation lässt sich das Nachtleben hier vermutlich auch nicht gerade objektiv beurteilen.

Trotz allem ein kurzer Anriss unserer Erfahrungen: Das meiste Nachtleben spielt sich also auf der, nur zwei, drei Gehminuten von unserem Hotel entfernten, Bangla Road ab. Eine Bar reiht sich an die nächste und überall zerren irgendwelche Leute an einem, die wollen, dass man in ihre Bar kommt, für Geld mit ihnen schläft, oder eine Ping Pong Show besucht. Bei diesen berüchtigten Shows kann man dann zusehen, wie thailändische Frauen neben Ping Pong Bällen lebende Tiere wie Goldfische, Babyschildkröten, Vögel und Mäuse, aber auch Rasierklingen, Nägel und weiß ich was noch alles aus ihrer Vagina herausholen. Zumindest haben wir das gehört.
Es ist hier wirklich alles auf Sextourismus ausgelegt und sobald sich gegen 21 Uhr abends die letzten Familien mit Kindern ins Hotel zurückgezogen haben, kann man keine fünf Meter mehr laufen, ohne dass einem Sex gegen Geld angeboten wird. Nach zwei, drei Tagen finde ich das einfach nur noch unfassbar anstrengend. In den Bars kann man sich jede Kellnerin mit nach Hause nehmen und selbst als wir dann einen Club mit sogar echt guter Musik finden, vergehen keine zwei Minuten, ohne dass irgendwelche Prostituierten ankommen, einen umgarnen und in den Schritt fassen. Ist vermutlich auch wirklich eine blöde Konstellation, wenn zwei junge Männer ohne Freundin reisen. Das zieht Prostituierte regelrecht magnetisch an. Selbst irgendwelche "Thaiboys" fragen uns, ob wir mit ihnen "ficken" möchten. Wir lehnen dankend ab. Das eine Mal werde ich dann auf offener Straße einfach von einer Prostituierten auf den Mund geküsst, bevor ich weiß, was überhaupt los ist. Marc will mir immer noch weiß machen, dass das zu allem Übel auch noch eine Shemale war.
Im Umkehrschluss guckt man sich dann beim Deutschlandspiel gegen die USA an, wie irgendwelche alten Männer der Kellnerin ihre Zunge in den Hals stecken und diese mit gequältem Gesichtsausdruck so tun muss, als würde es ihr gefallen.
Bei der Bodymassage, auf die ich hier vorahnend verzichte, darf sich Marc dann ebenfalls anhören, wie die Leute neben ihm, auf der anderen Seite des Vorhangs, die Variante mit Happy End gebucht haben.
Während ich mich also immer weiter in die ganze Sache reinsteigere und das Nachtleben immer blöder finde und im Hotel bleiben will, ist es bei Marc genau andersrum, weil er es als letzte Chance vor Ende der Weltreise sieht, noch mal richtig unter andere Leute zu kommen und Party zu machen. Und so kommen wir schließlich auf die wahnwitzige Idee, um einem endgültigen Bruch zwischen uns beiden zu verhindern, doch tatsächlich einen Flug von Kuala Lumpur nach Bali zu buchen.

Donnerstag 3. und Freitag 4. Juli 2014
Gesagt, getan. Einen Direktbus nach Kuala Lumpur gibt es natürlich nicht und so geht es auf angeblich direktem Wege nach Hat Yai. Als ob. Der Minibus kommt morgens schon mal ne halbe Stunde zu spät, danach kurven wir eine weitere Stunde ziellos durch die Straßen Patongs, bevor wir nach einer weiteren halben Stunde den letzten Touristen aufgreifen, dessen Hotel keine hundert Meter von unserem entfernt liegt. Eine Stunde später kommen wir zu einem der inzwischen wohlbekannten Restaurants mitten im Nichts, wo man uns bereits ein überteuertes Weiterfahrtticket nach Kuala Lumpur andrehen will, bevor man uns wieder in einen anderen Minibus verlädt. Und als wir denken, dass es endlich losgeht, halten wir schon wieder an, um den Minibus zu wechseln. Die tun hier aber auch wirklich alles, damit wir Thailand nicht vermissen. Ein paar Stunden später erreichen wir schließlich Hat Yai und werden an irgendeinem Ticketbüro abgeladen, wo wir unseren Anschlussbus nach K. Lumpur für einen wesentlich günstigeren Preis buchen.
Wir sitzen uns also unsere Hintern auf der unbequemen Couch der Touristagency platt, während ich die letzten Scheiben Toast mit inzwischen am Rand angetrockneter, gewellter Mortadellawurst und Chilisoße in mich hineinstopfe. Ich weiß, die Apothekerin meinte, ich soll wegen meinem Magen nichts Scharfes essen, aber was soll mir noch passieren? Abgesehen davon, landet ohnehin die Hälfte der Soße auf dem Fußboden. Obwohl ich den Boden brav mit einer Servierte wieder sauber wische, hat die Besitzerin keine Lust mehr, uns die ganze Zeit in ihrem Büro rumsitzen zu haben und entscheidet prompt, ihr Angestellter soll uns doch jetzt schon zur Busstation fahren.

Die Busstation stellt sich als ein weiteres Ticketverkaufsbüro heraus, das keine hundert Meter entfernt ist. Theoretisch. Denn wie in den meisten Städten Asiens ist auch hier sowohl die Anzahl der Einwohner als auch deren Verlangen nach Autos wesentlich schneller gewachsen, als es die infrastrukturellen Möglichkeiten hergeben würden und so gibt es fast ausschließlich Einbahnstraßen. Mit anderen Worten, wir brauchen für hundert Meter Luftlinie ungelogen volle sieben Minuten mit dem Auto zum neuen Ticketoffice. Hier soll der Bus angeblich gegen 18:00 Uhr halten. Wir werden sehen. So oder so sind wir ähnlich störend wie zuvor, weshalb uns auch hier die Besitzerin irgendein Einkaufscenter als absolute Touristenattraktion verkaufen will, nur um uns nicht in ihrem Laden an der Backe zu haben. Man muss dazu sagen, dass es dort ohnehin dermaßen nach Katzenurin gestunken hat, dass wir es keine zwei Minuten länger ausgehalten. Das angepriesene Einkaufscenter ist ein Klamottenladen, der sich in einem überdimensionierten Betonklotz angesiedelt hat. Wir schlendern also weiter durch die geschäftigen Nebenstraßen mit ihren vielen netten Essensständen und weiter an diversen selbsternannten Touristeninfos vorbei, die sich überhaupt nicht rentieren können, so wenig Touristen wie es hier gibt, und setzen uns schließlich mit einer Cola auf den Bürgersteig, hoffend, die Wartezeit möge endlich vergehen.
Marc kommt dann auf die glorreiche Idee, sich einfach eine Stunde Thaimassage zu gönnen, bei der man am Ende ja auch nicht mal das Problem mit den ganzen Ölrückständen auf der Haut hat.
Ich versuche mehrmals klar zu machen, dass ich nur eine Nackenschulter- und keine Ganzkörpermassage möchte, aber das interessiert die Masseurin mal absolut gar nicht. Na gut, ist mir dann auch egal, zumal die Massage echt gut ist und ich am Ende einen halben Euro weniger bezahlen muss als Marc, weil ich ja mit dem Besitzer vereinbart hatte, für eine einstündige Nackenschultermassage nur 4 statt 4,5€ zu bezahlen. Sachen gibt's.

Zurück bei der Touristagency heißt es dann, der Bus kommt doch erst gegen 18:30 Uhr und als er schließlich um 18:50 Uhr vor der Tür hält, geht es, von der arktischen Kälte in burmesischen Bussen geprägt, mit Pullover, langer Hose und Schlafsack an Board. Das Highlight: Es ist ein malaysischer Bus, was bedeutet, dass es wieder nur drei Sitze pro Reihe gibt, die man zudem sehr, sehr angenehm weit nach hinten kippen kann. Lebt wohl thailändische Toyotaminibusse.
Der Grenzübergang läuft auch sehr entspannt ab; der Busfahrer führt uns sogar persönlich zum "Nicht-Thailänder-Schalter" und bei der Einreise nach Malaysia sind wir die einzigen am Schalter.
Auch die Klimaanlage ist zum Glück sehr angenehm eingestellt, sodass es sich wunderbar einschlafen lässt. Ehe wir uns versehen kommen wir auch schon morgens um 5 Uhr im noch in Dunkelheit liegenden K. Lumpur an. Unsere Freude, wieder an bekannte Orte zu kommen, kann der Typ von der Hotelrezeption vermutlich nur bedingt teilen, als wir ihn zu dieser unmenschlichen Zeit aus dem Bett klingeln, um einchecken können. Aber ohne Extrakosten zu dieser Zeit das Zimmer beziehen zu dürfen, ist wirklich einfach nur der Hammer.
Der Tag wird hauptsächlich mit Schlafnachholen und Essen gehen verbracht, bevor es abends zu Fuß losgeht, das WM Spiel Deutschland gegen Frankreich gucken. Ein genaues Ziel haben wir nicht, wobei das Viertel Bukit Bintang sehr bekannt ist zum Partymachen und Weggehen und so finden wir uns nach zwanzig Minuten mehr oder weniger blindem "die Richtung wird schon stimmen" durch die Gegend Gelaufe plötzlich in der Straße wieder, wo wir vor einem guten Monat mit Joan und ihrer Freundin zu Abend gegessen haben. Zwei Querstraßen weiter reiht sich dann in einer sehr netten Gesamtatmosphäre Bar an Bar und wenige Minuten vor Spielbeginn haben wir Glück, noch einen der letzten guten Plätze im Freien mit Blick auf den Fernseher zu bekommen.

Das Wetter hat heute leider einen geradezu lächerlich zynischen Sinn für Timing und so fängt es fünf Minuten nach Anpfiff zum ersten Mal an diesem Tag an zu regnen. Unsere der Markise anlastenden Hoffnung wird jäh enttäuscht, als diese ausgefahren schließlich so tief hängt, dass sie uns die Sicht versperrt.
Egal, wir finden drinnen, im Trockenen doch noch einen guten Platz, bestellen Bier für Preise, wie sie mitten aufm Kudamm kaum höher sein könnten und genießen das Spiel im bunt gemischten Publikum aus deutschen und französischen Fans, wobei letztere zum Schluss entsprechend nicht mehr ganz so gut gelaunt sind. Unser letzter Ringgit geht dann für die zweite Runde Bier drauf, was hauptsächlich der Tatsache geschuldet ist, dass sich die Getränkepreise hier mit Voranschreiten des Abends im Zweistundentakt erhöhen. Und plötzlich gibt es auch noch eine Servicegebühr. Ärgerlich. Zumal wir extra gefragt haben und sie uns dann trotzdem einen höheren Betrag in Rechnung stellen. Pech für sie, denn wir haben eben nicht mehr Geld.
Pünktlich zum Schlusspfiff geht der Nieselregen in einen brachialen Wolkenbruch über und so dackeln wir begossenen Pudeln gleich im glückseligen Bier- und Siegesrausch auf geradezu unheimlich direktem Wege durch irgendwelche wildfremden Stadtviertel zurück nach Hause. Das Wissen, in weniger als 3 Stunden zum Flughafen aufbrechen zu müssen, wird von der unendlichen Vorfreude auf Bali überdeckt.

© Marten Seifert, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein ganzes Jahr haben wir uns Zeit genommen, um von Berlin aus über NY, Südamerika, Australien und Ozeanien und Südostasien um die Welt zu fliegen, bevor es wieder in die Heimat zurückgeht.
Details:
Aufbruch: 27.08.2013
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 26.08.2014
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Peru
Bolivien
Chile
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Französisch Polynesien
Neuseeland
Australien
Singapur
Indonesien
Malaysia
Thailand
Myanmar
Kambodscha
Deutschland
Der Autor
 
Marten Seifert berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.