Marc und Marten um die Welt

Reisezeit: August 2013 - August 2014  |  von Marten Seifert

über Manta nach Quito

La Basilica in Quito

La Basilica in Quito

Samstag 26. Oktober 2013
Dass es am Wochenende in unserem Hotel kein Frühstück gibt, kommt uns, nachdem wir erst irgendwann nach um drei ins Bett gegangen sind, sogar ganz gelegen. Für mich ist schon der Checkout um 12:30 Uhr zu früh. Aber hilft ja nichts. Wenn wir erst irgendwann spät abends in Manta ankommen, ist schließlich auch keinem geholfen. Also gibt es noch ein schnelles Mittagsmenü, bevor wir an der Hauptstraße auf den nächsten Bus warten. Der kommt auch wirklich schon nach zwei Minuten und die Frage "Manta?" beantwortet der fürs Abkassieren zuständige Ecuadorianer mit heftigem Nicken.
Als wir dann von dem Abkassierer erfahren, dass der Bus doch nicht nach Manta sondern nur in die Richtung fährt, ist das irgendwie schon ein bisschen ärgerlich. Der abendliche Blick auf die Landkarte von Google Maps sagt uns zwar, dass es kein großer Umweg war, aber das wissen wir zu dem Zeitpunkt ja noch nicht. Viel ärgerlicher ist ohnehin, dass wir jetzt für zwei Busse bezahlen müssen, nur weil uns der Typ angelogen hat.
Unsere Gesichter sind entsprechend lang, als wir am Busbahnhof von Xipixapa oder auch Jipijapa rausgeschmissen werden und keine Ahnung haben, wo wir hier eigentlich sind. Aber das Schicksal ist uns wohlgesonnen. Ein anderer Ticketheini erspäht uns, ruft uns "Manta" entgegen und treibt uns im Laufschritt zu seinem Bus und 2,5$ für uns beide sind dann auch weniger, als wir befürchtet haben.

Manta

Manta

Das kurze Stück nach Manta prägt sich vor allem durch die vielen verschiedenen Gerüche in unser Gedächtnis ein. Gemahlener Kaffee, Jauche, Blumenduft, alter Urin, frischer Urin, Kokos, frisch Gebackenes und gebratener und vergammelter Fisch wechseln sich hier innerhalb weniger Kilometer ab.
Der Busbahnhof von Manta ist ziemlich unübersichtlich und wo das Zentrum ist, wissen wir auch nicht. Also beschließen wir, im Hotel direkt gegenüber nach einer Unterkunft zu fragen. Als wir das 36$ Angebot für ein ganz normales Doppelzimmer ablehnen, geht man auf 30$ runter und erklärt uns unfreundlich, dass es auch woanders nicht billiger wird. Im Hotel direkt nebenan gibt es ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad für gerade mal 18$. So viel also dazu.
Es geht noch mal kurz zum Abendessen vor die Tür in ein ziemlich dreckiges, stinkendes Stadtviertel, bevor wir dann den Abend mit Seriengucken auf dem Laptop ausklingen lassen. Endlich wieder Internet auf dem Zimmer und nicht nur in der Lobby muss man schließlich ausnutzen.

Sonntag 27. Oktober 2013
Es ist schon um elf, als wir langsam wach werden und mir schwant nichts Gutes in Hinblick auf die Nachtbusfahrt nach Quito heute Abend. Vermutlich werde ich kein Auge zukriegen, weil ich so ausgeruht bin. Zeitumstellung gibt es hier übrigens nicht und wir haben jetzt nur noch sechs Stunden Unterschied zu Deutschland.
Unser Gepäck können wir wie immer im Hotel lassen und uns Manta angucken, bis unser Bus für 9$ p.P. um 9 Uhr abends 9 Stunden nach Quito fährt. Wo das Zentrum von Manta ist, wissen wir aber immer noch nicht und so geht es über das stinkende, dreckige Viertel von gestern an den Strand, der an sich ganz okay ist. Das Wasser ist zwar ziemlich braun und lädt nicht wirklich zum Baden ein, aber es liegt kaum Müll rum. Und dass der dunkle Sand bei Ebbe noch vollkommen matschig ist, hält hier auch niemanden davon ab, sich darin zu suhlen. Weder Kinder, noch Erwachsene.

Nachdem wir den Strand stadteinwärts wieder verlassen haben, landen wir in einem Wohnviertel. Von Zentrum also auch hier keine Spur. Dafür ernten wir jede Menge neugieriger Blicke der Einheimischen. Es geht zurück, am Busbahnhof vorbei, die Küstenstraße entlang in die andere Richtung. Hier gibt es dann einen wirklich tollen Sandstrand und eine Promenade mit lauter Restaurants und netten Cafés. Hätten wir das früher gewusst, wären wir vermutlich auch noch mal baden gegangen. Nicht nur, dass der Pazifik hier nämlich wieder schön blau statt braun ist, die Sonne lässt sich anders als in Montanita bei schwülen knapp dreißig Grad auch immer mal wieder blicken.
Egal, wir werden sicherlich noch genug heißes Wetter an schönen Stränden haben. Ansonsten gibt es dann aber auch wirklich nicht viel zu sehen. Denn auch auf dieser Seite des Busbahnhofes hat Manta kein wirkliches Zentrum und man wird ständig von irgendwelchen Besoffenen auf der Straße auf Spanisch angelabert. Man versteht zwar kein Wort, aber einfach freundlich lächeln, widerwillig Hände schütteln und dann schnell weitergehen ist eh immer das Beste. Inzwischen verstehen wir übrigens auch, warum in Ecuador Alkohol sonntags verboten ist. Bringt aber natürlich auch nichts, wenn sich kein Mensch drum schert.
Bei Einbruch der Dunkelheit sehen wir dann zu, so schnell wie möglich zurück zum Busbahnhof zu kommen und irgendwann um 21:00 Uhr geht es los in Richtung Quito.

Nach nicht mal fünf Minuten Fahrt schiebt sich dann eine dicke Kakerlake an der Buswand am Vordersitz vorbei und taucht unauffindbar in unserem Fußraum wieder ab. Herrlich.
Wie erwartet bin ich wirklich kein bisschen müde, aber an Schlaf ist eh nicht zu denken, weil wir in den ersten drei Stunden noch zwei Stopps machen. Eine halbe Stunde steht unser Bus dann hell erleuchtet auf irgendeinem Bahnhof und irgendwelche Getränke-, Gebäck-, Zahnpasta- und "was weiß ich noch alles"-Verkäufer quetschen sich laut grölend in den engen, stickigen, heißen Bus und preisen ihre Waren an.

Quito von oben

Quito von oben

Montag 28. Oktober 2013
Irgendwie bin ich doch noch eingeschlafen, denn als ich das nächste Mal die Augen öffne, fahren wir schon durch die Vorstadt von Quito. Leider kommen wir nicht wie erwartet um sechs sondern schon um kurz nach fünf an. Nachtbus fahren in Ecuador steht für uns anscheinend unter keinem guten Stern. Aber wir sind eben auch einfach von Peru verwöhnt, wo der Standard der Nachtbusse in der Weltrangliste einen der vordersten Plätze einnimmt.
Aber der Busbahnhof ist nicht so zugig und kalt wie in Cuenca und so lässt es sich halbwegs aushalten. Die Touristeninfo macht leider erst um acht auf und so entscheiden wir uns dann irgendwann kurz vor sieben dazu, einen Metrobus in die Innenstadt zu nehmen. Laufen scheidet diesmal nicht nur deswegen aus, weil wir keine Ahnung haben, in welcher Richtung das Zentrum eigentlich liegt, wegen der furchtbar schmalen Form zieht sich das Stadtgebiet von Qutio über zwanzig Kilometer in die Länge und der Busbahnhof ist auch hier alles andere als zentral gelegen.
Die Türen öffnen sich und wir stürzen mit hunderten anderen in den viel zu kleinen Bus, um mit unseren großen Rucksäcken wenigstens einen Stehplatz am Fenster und nicht direkt im Gang zu ergattern. Dass der Metrobus irgendeine Motorpanne hat und erst mit zehn Minuten Verzögerung richtig in Gang kommt, ist vor allem deswegen unschön, weil wegen der Verspätung der Bus bereits nach der übernächsten Station so überfüllt ist, dass sich die Türen gar nicht mehr öffnen. Im Stadtzentrum zivilisiert sich die ganze Lage endlich ein bisschen und sogar wir mit unserem Gepäck schaffen es, den Bus zu verlassen.

Ein Hotel ist auch direkt neben der Haltestelle und billiger als 14$ pro Nacht für uns beide wird es garantiert auch nirgendwo. Perfekt. Da kann man sogar geflissentlich über das Fehlen ein Klobrille (ist ja eh nicht das erste Mal für uns) und die Tatsache, dass nur die Steckdose im Bad funktioniert, hinwegsehen.
Danach geht es auf die Suche nach einem Visaautomaten. Konnte wirklich niemand ahnen, dass sich das hier in Quito zu einer derartigen Schnitzeljagd ausweitet. Die meisten Banken haben hier um halb neun nämlich noch zu und mit ihnen auch die Automaten. Als wir dann endlich einen finden, klappt es aber irgendwie trotzdem nicht. Sehr beruhigend, wenn man bereits Pin und Auszahlungsbetrag eingegeben hat, dann aber statt das erwartete Geld nur irgendeine Errormeldung auf Spanisch kommt. Das gleiche Spiel wiederholt sich dann mehr oder weniger genauso an drei Weiteren Automaten, bis irgendwann die Banken aufmachen und uns ein fünfter Automat endlich das gewünschte Geld ausspuckt. Bis zur nächsten Kreditkartenabrechnung heißt es also erstmal bangen und hoffen.
Nach einem verdienten Mittagsschlaf geht es noch mal los, essen gehen und sich über eine Tour in den Regenwald informieren. Mit Delphinen sind wir aber auch schon in Bolivien geschwommen und auch sonst sind die Touren fast identisch, nur viel teurer. Genauso überteuert sind geführte Touren in einen Nationalpark in der Umgebung von Quito, also wollen wir übermorgen versuchen, das Ganze selbst in die Hand zu nehmen. Mal sehen wie das klappt...

Kirchenfenster in der Basilica

Kirchenfenster in der Basilica

Dienstag 29. Oktober 2013
Heute gönnen wir uns zum ersten Mal ein Frühstücksmenü in einem der unzähligen Straßenrestaurants. Es gibt zu lang gebratenes Rührei, frischen Saft, ein Käsebrötchen, einen Einrührkaffee und Hühnchen mit Reis. Schön deftig also und genau das Richtige für mich.
Auf der Straße des 6. Dezembers geht es weiter in die Neustadt von Quito und deren Zentrum, dem Plaza Foch. Am Wochenende ist hier in den vielen Cafés sicherlich einiges los. Dienstagvormittag braucht man nicht extra herzulaufen. Überhaupt erinnert die Neustadt an irgendein unspektakuläres Stadtviertel, wie man es auch in Europa antreffen könnte.

Plaza Foch

Plaza Foch

Also geht es ziemlich schnell wieder weiter in Richtung Westen zur Teleferiqo, einer Seilbahn, die bis auf knapp über 4000 Höhenmeter hinauffährt. Auf dem Weg zur Talstation fragen wir uns ein bisschen, wozu überhaupt noch Seilbahn fahren, wenn wir jetzt schon so hoch über der Stadt sind. Aber der Ausblick von der Bergstation oben ist dann doch noch mal um einiges spektakulärer und die 8,50$ p.P. absolut wert.

Auf dem Weg zu Talstation

Auf dem Weg zu Talstation

nahezu unberührte Natur hoch über Quito

nahezu unberührte Natur hoch über Quito

Das Gebiet hier oben ist einfach großartig und so weitläufig, dass es für mehrtägige Wandertouren einlädt. Leider ist die Sicht heute von den Wolken ein bisschen getrübt und wird auch nicht besser, als sich plötzlich eine Gewitterwand vor uns aufbaut. Normalerweise genau das Richtige für mich, wenn man dann aber vollkommen ungeschützt oben auf dem Bergkamm steht und auf gleicher Höhe mit den Wolken und Blitzen ist, wird einem doch ein bisschen anders. Also schnell zurück zur Bergstation, zu hageln fängt es nämlich auch noch an. Etwas schade, aber da wir eh zurück in die Altstadt laufen müssen und noch einiges auf dem Programm steht, vielleicht auch ganz gut so. Wer weiß, wie lange wir hier oben sonst noch durch die schöne Natur gewandert wären.

mitten in den Gewitterwolken

mitten in den Gewitterwolken

auch auf über 4.000 Meter darf eine Kirche nicht fehlen

auch auf über 4.000 Meter darf eine Kirche nicht fehlen

Unten im Tal hat der Regen schon wieder aufgehört und wir kommen trocken zurück in die Altstadt. Unser nächstes Ziel ist die Basilica von Quito, ein atemberaubendes Gebäude, das nicht zuletzt durch seine gehobene Lage diese unglaublich Macht und Dominanz ausstrahlt. Faszinierend ist, wie stark sich die noch nicht mal 150 Jahre alte Basilica durch ihren Baustil von den anderen Gebäuden und Gotteshäusern der Stadt unterscheidet. Einfach wunderschön, wenn man wie ich ohnehin nicht so auf den bunten Kitsch steht, zu dem die südamerikanischen Katholiken ja meistens neigen.

Hauptaltar in der Basilica auch bunt und kitschig, aber irgendwie trotzdem anders

Hauptaltar in der Basilica auch bunt und kitschig, aber irgendwie trotzdem anders

Natürlich gibt es auch hier vergoldete und bunt bemalte Holzaltare, aber ansonsten zeigt sich das hohe Kirchenschiff eher schlicht in seiner Imposanz. Danach geht es dann auf den Kirchturm hoch, von wo aus wir noch mal einen tollen Blick auf die Altstadt werfen können, nachdem uns oben das Gewitter die ganze Sache etwas verhagelt hat. Wer in Quito ist, sollte sich also unbedingt die Zeit nehmen und die "Basilica del Voto Nacional" besichtigen.

Basilica von innen

Basilica von innen

Den Großteil der Altstadt haben wir eigentlich auch schon gestern auf der Suche nach einem Visaautomaten gesehen. Heute gilt es dann aber, das Ganze noch mal in Ruhe und mit dem gezückten Fotoapparat abzuschreiten. Neben der Basilica ein absolutes Muss ist der Besuch der "Iglesia de la Compania de Jesus", einer von innen komplett vergoldeten Kirche. Eigentlich beträgt der Eintritt 3$ pro Person, aber mit der Ansage "estudiantes" kommen wir für den halben Preis rein. Wir verstehen ohnehin nicht, warum grundsätzlich nur Studenten bevorzugt werden und wir genauso armen Ex-Azubis immer gleich doppelt so tief in die Tasche greifen sollen...
Fotos darf man hier leider nicht machen und in Worten ist der Prunk dieser vergoldeten Kirche auch kaum auszudrücken. Auf jeden Fall ist es einfach nur der absolute Wahnsinn und man kann gar nicht genug von dem warmen Schimmern der Wände, Decken, Altare und Figuren bekommen, die allesamt mit Blattgold überzogen sind.
Um auf den altstadtnahen Hügel mit der Madonnastatue zu steigen ist es leider schon zu spät und es beginnt auch schon wieder zu regnen. Mit anderen Worten genau der richtige Augenblick, um endlich einen Kaffee aus frischen Bohnen zu trinken, wenn man schon in Ecuador ist.
Ansonsten lässt sich noch sagen, wer in Deutschland denkt, Wein aus dem Tetrapack schmeckt nicht, der hat noch keinen Wein aus dem Tetrapack in Ecuador getrunken...

auf dem Weg zurück in die Altstadt

auf dem Weg zurück in die Altstadt

Mittwoch 30. Oktober 2013
Heute ist so ein Tag, an dem einfach alles zusammenkommt und an dem man lieber im Bett hätte liegen bleiben sollen. Es fängt damit an, dass ich, während Marc noch schläft, einen Fehler in meiner Kreditkartenabrechnung finde. Eines unserer letzten Hotels hat die Übernachtung abgebucht, obwohl wir sie vor Ort bereits bar bezahlt haben. Geht zwar "nur" um knapp 20€, aber wiederhaben möchte man das Geld ja trotzdem. Englisch kann hier ja auch immer niemand, also mal sehen, wie wir das wieder geklärt kriegen.
Zu Fuß geht es dann wieder in die knapp 5km entfernte Neustadt, weil es hier eine Busgesellschft gibt, die uns bis nach Kolumbien fährt. Zwischendurch fängt es dann an zu gewittern und die Buszentrale ist auch nicht dort, wo sie sein sollte. Wir irren also noch eine Weile durch den Regen, bevor wir irgendwann unter einem Vordach Zuflucht suchen, bis sich das Wetter wieder etwas beruhigt hat.
Immerhin finden wir das Büro von "Rutas de America" dann doch noch. Der Bus fährt innerhalb von fünf Tagen von Lima nach Caracas. Leider nicht über Bogota, wo wir eigentlich hinwollen, aber zumindest über Cali, was schon mal in der richtigen Richtung liegt. Für 50$ p.P. werden zwei Tickets gebucht und als wir das Büro wieder verlassen, hat es sogar aufgehört zu regnen.
Da es in der Neustadt wie gesagt ohnehin nicht viel zu sehen gibt, geht es mit dem Metrobus zum Plaza Grande, wo wir in der Touristeninfo noch mal nachfragen, wie wir jetzt morgen am Besten in den Maquipucana Nebelwald kommen. Man erzählt uns was vollkommen anderes, als noch einen Tag zuvor und auch die Googlesuche am Abend lässt uns nicht wirklich schlau werden. Na mal sehen, was das wird...
Der Geldautomat spuckt uns dann noch einen 20$-Schein mit einem Brandloch in der Mitte aus, von dem wir jetzt schon wissen, dass wir ihn nirgendwo wieder loswerden und alle Banken haben zu dieser Uhrzeit natürlich auch schon zu.
Auch heute geht es wieder in ein Café, einen richtigen Kaffee aus frischen Bohnen trinken. Zuerst überredet uns die nette Verkäuferin aber, einen Colada Morada zu trinken, am besten vergleichbar mit heißer roter Grütze, die durch Weihnachtsgewürze verfeinert wurde. Sehr lecker, vor allem weil uns die Verkäuferin sogar noch eine Art Lebkuchenmännchen (Guaguas de Pan) schenkt, die es hier zu dieser Jahreszeit überall gibt.

Eigentlich sollte es danach zum El Panecillo, die riesige auf dem altstadtnahen Hügel gelegene Marienstatue, gehen, aber das viele scharfe Essen der letzten Tage zwingt uns, erst noch mal kurz einen Abstecher im Hotel zu machen.
Der Weg hinauf auf den Hügel ist trotz der unfassbar vielen Hundehaufen auf den Treppenstufen ganz nett. Durch ein Wohnviertel Quitos gelangt man auf hunderten Stufen immer höher über die Altstadt, bis man schließlich den Gipfel erreicht hat. Für 1$ p.P. darf man auch auf die Statue hoch und kann einen noch besseren Rundumblick genießen. Leider nimmt die Ticketverkäuferin wie erwartet den 20$-Schein mit dem Brandloch in der Mitte nicht an und dann vergeht uns auch die Lust. Abgesehen davon haben wir ihr gesagt, wir haben kein anderes Geld und können jetzt nicht plötzlich doch noch einen anderen Schein hervorziehen.

el Panecillo

el Panecillo

Blick auf die Basilica vom el Panecillo

Blick auf die Basilica vom el Panecillo

Ist aber auch gar nicht schlimm, weil man ohnehin die ganze Hügelspitze abwandern kann und auch auf diese Weise einen großartigen Ausblick in alle Richtungen bekommt. Wirklich unglaublich, wie langgezogen Quito ist.
Auf dem Weg zurück in die Altstadt fängt es dann schon wieder an zu regnen und ein Junge erklärt uns, wir sollen lieber einen anderen Weg nehmen, weil der hier gefährlich ist und man leicht ausgeraubt und überfallen wird. Ob es nun stimmt oder nicht, beruhigend ist so eine Ansage nicht gerade.
Die nächsten Versuche, im Supermarkt und beim Kippenkaufen den 20$-Schein loszuwerden, scheitern ebenfalls. Wirklich unschön und wir fragen uns ein bisschen, wie es sein kann, dass ein Geldautomat so einen Schein überhaupt auszahlt. Die Stimmung ist also nicht so rosig und die Leute hier gehen uns heute auch auf die Nerven. Ich meine, Quito hat nun schon wirklich schmale Bürgersteige, vor allem in der Altstadt, aber es ist wirklich unfassbar, was die Leute hier für ein Talent dafür haben, im Weg zu stehen, einem direkt vor die Füße zu laufen oder einen einfach unsanft zur Seite zu stoßen. Selbst für südamerikanische Verhältnisse ist das nicht mehr normal.
In unserem Standardrestaurant direkt neben dem Hotel gibt es dann für jeden noch ein Menü zum Abendessen. Leider kommt ein Obdachloser, der von oben bis unten mit Kot und Erbrochenem vollgeschmiert ist, zum Betteln an unseren Tisch. Von dem bestialischen Gestank will ich gar nicht anfangen. Auf jeden Fall alles andere als Appetit anregend, aber passt eben zum heutigen Tag.
Dafür werden wir hier den 20$-Schein endlich los. Wo Schatten ist, ist eben auch Licht. Na ja, so ähnlich zumindest.

Donnerstag 31. Oktober 2013
Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker, weil wir den Bus in Richtung Nebelwald erwischen wollen. Aber von wollen kann zu dieser Uhrzeit keine Rede sein. Marc und ich gucken uns an und beschließen einstimmig, die ganze Aktion abzublasen. Wirklich schwach, das wissen wir auch selber. Aber es geht bei der ganzen Sache nicht nur um das frühe Aufstehen, sondern hauptsächlich darum, dass uns immer noch niemand sagen konnte, wie wir nachmittags wieder zurück nach Quito kommen. Irgendwie sicherlich alles machbar, aber in Hinblick auf unseren 50$-Bus, der nur zweimal die Woche fährt, ist uns das alles irgendwie zu unsicher.
Also wird erstmal friedlich weitergeschlafen, bevor wir dann beim Bäcker nebenan Brötchen für die lange Busfahrt kaufen. Der Verkäufer will zuerst nicht recht glauben, dass wir wirklich 22 Stück wollen, aber nach mehrfacher Bestätigung wird unser Wunsch schließlich erfüllt und wir bekommen einen riesigen Beutel frischer Brötchen überreicht.
An sich haben wir ja die gesamte Altstadt schon gesehen, weshalb wir etwas ziellos durch die Gassen schlendern und die Stadt mit ihrer weniger tollen Bevölkerung noch mal richtig auf uns wirken lassen. So pauschal lässt sich das mit den Leuten natürlich nicht sagen, weil es auch hier sehr nette Menschen gibt, aber der Großteil ist wirklich ausgesprochen ich-fixiert und die ganzen Bettler, Obdachlosen, Schuhputzer und Straßenverkäufer sind echt aufdringlich.

Es treibt uns also wieder in das Café von gestern mit der netten Inhaberin und dem leckeren Kaffee und Kuchen. Ansonsten passiert eigentlich auch nicht mehr viel, außer dass heute so eine Art "Tag der offenen Kirche" zu sein scheint und man fast jede Kirche betreten und teilweise sogar von innen fotografieren darf. Wirklich toll, dieser großflächige Einsatz von Blattgold, an dem auch in den ganzen weniger bekannten Kirchen nicht gespart wurde.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit geht es dann mit dem Metrobus zum Rutas de America Büro, von wo in drei Stunden unser Bus abfahren soll. Steckdosen und Internet gibt es hier sogar auch und so vertreiben wir uns die Zeit mit Onlineskat und lassen uns auch nicht davon stören, dass es erst um Mitternacht statt um zehn losgeht.
Danach werden wieder ein paar Leute eingesammelt, eine Dame regt sich so lange auf, dass sie doch bitte alleine sitzen möchte, bis ihre Sitznachbarin tatsächlich den Platz wechselt und die beiden Frauen hinter uns vertreiben sich die Zeit damit, sich auf unseren Kopflehnen abzustützen, ihren Käsefuß auf Marcs Armlehne zu legen und an unseren Sitzen zu zerren, als gäbe es kein morgen mehr.

Iglesia San Francisco

Iglesia San Francisco

Iglesia y Convento de la Merced

Iglesia y Convento de la Merced

© Marten Seifert, 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein ganzes Jahr haben wir uns Zeit genommen, um von Berlin aus über NY, Südamerika, Australien und Ozeanien und Südostasien um die Welt zu fliegen, bevor es wieder in die Heimat zurückgeht.
Details:
Aufbruch: 27.08.2013
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 26.08.2014
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Peru
Bolivien
Chile
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Französisch Polynesien
Neuseeland
Australien
Singapur
Indonesien
Malaysia
Thailand
Myanmar
Kambodscha
Deutschland
Der Autor
 
Marten Seifert berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.