Leben und Arbeiten in Nepal

Reisezeit: September 2005 - Januar 2006  |  von Sandra K.

Jomosom Trek - kindisch, tierisch, blumig: Hinauf auf den Berg (Tag 1 bis 5)

Wo soll ich nur anfangen! Ok, so ein Beginn verschreckt schon mal jeden Leser, da dies nur bedeuten kann, dass die nachfolgenden Zeilen sehr konfus oder sehr lang werden ... Ich werde aber versuchen euch einen knackigen, detaillierten Bericht zu liefern:

Tag 1: Kathmandu - Pokhara
Wir fahren per Tourist Bus nach Pokhara. Zwar befinden sich in diesem Bus nur 2 andere Touristen, aber das Ding nennt sich eben so. Auf Grund jeder Menger Unfaelle in letzter Zeit, habe ich mich zu dieser 'teureren' Variante ueberreden lassen, auch meinen Lieben zu liebe - die Chancen, lebend am Ziel, stehen in so ein Bus ganz gut und man hat auch die ganze Fahrt ueber einen Sitzplatz fuer sich alleine! Also wie bereits erwaehnt befinden sich in diesem Tourist Bus kaum Touristen und man verbringt die 6 bis 8 Stunden Fahrt (haengt von der Anzahl der Police Checking Points ab) mit nepaelsischer Musik aus der Konserve (wuerg, und ich habe meinen MP3 Player in Bhaktapur vergesssen), einer Henne auf dem Vordersitz, eingewickelt in einem Plastiksackerl - nur der Kopf schaut raus und einem Maedchen, dass wegen ihrer bevorstehenden Hochzeit die Fahrt ueber durchheult.

Dorje, mein Guide, holt mich von meinem Hotel in Kathmandu ab. Wir fahren gemeinsam in diesem Bus, beim Einsteigen reisse ich ein tiefes Loch in meine Hose (na toll... aber auch wieder ein Grund zum Shoppen *g*) und er umsorgt mich die ganze Fahrt mit Tee, Orangen etc. Er ist ein echter Sherpa, aus einem kleinen himalaysischen Bergdorf und sein Name bedeutet Donnerwetter. Im Buddhismus gibt es nur 7 Vornamen, fuer jeden Wochentag einen und somit laufen jede Menge Dorjes rum und Spitznamen werden verwendet. Ich nennen ihn Gigolo, da er in jedem Dorf seine Freundinnen hat - ein typischer Guide eben

In Pokhara verbringen wir die Nacht (nicht gemeinsam natuerlich ...) und der Ort erinnert mich sehr stark an ein Mischung aus einem italienischen Feriendorf wie Lignano und Klagenfurt: einerseits die Berge, andererseits der See und das ganze geniesst man entlang einer Promenda aus Shops, Cafes und Haendler die einem was aufschwatzen wollen - so fuehlt sich Urlaub an!

Tag 2: Pokhara - Jomsom (2710m) - Kagbeni (2800m)
Da ich leider nicht so viel Zeit habe, muss ich einen Weg fliegen und ich entscheide mich 'rauf' zu fliegen und 'runter' zu gehen. Es wird spannend da immer wieder die Fluege wegen schlechter Sicht abgesagt werden muessen. Wir sitzen so gegen 6h morgens am Flughafen und warten. Um 8h gibt es dann die Starterlaubnis - juhu- und wir besteigen die 18 Sitzer Maschine. Der Flug dauert 20 Minuten und ich haette mir den Everst Mountain Flight sparen koennen - die Aussicht ist genial, die Berge so nah, ich wuerde am liebsten das Fenster aufreissen und sie angreifen (ja ich weiss, dass dies keine gute Idee ist *ggg*). In Jomsom geniesse ich zuerst mal die gute frische Bergluft und nach einem staerkenden Fruehstueck, dass mir die Essenvielfalt der naechsten Tage bereits ankuendigt - juhu, kein Dal Bhaat!, starten wir los. Und wow, Dorje legt ein ziemliches Tempo vor. Ich muss ihn immer wieder bremsen um Fotos zu machen und die Gegend zu bestaunen. Unser Ziel ist Kagbeni und nur knappe 3 Stunden entfernt, wir koennen es langsam angehen und da wir sehr gut unterwegs sind, machen wir immer wieder laenger Rast in der herrlich waermenden Sonne und ich beobachte die vorbeiziehenden Esel- oder besser gesagt Mulikarawanen die mich die naechsten Tage noch verfolgen werden. Kagbeni ist ein nettes Dorf, sehr tibetisch und der Ort, der dem verschollenen Koenigreich Mustang am naechsten kommt (will man Mustang betreten muss man fuer 10 Tage 700 $ zahlen).

Fishtail (Machhapuchhare 6997m)

Fishtail (Machhapuchhare 6997m)

Sehr karg!

Sehr karg!

Blick auf Kagbeni und das Land das sich im Hintergrund erstreckt ist Upper Mustang, nur mit Genehmigung betretbar.

Blick auf Kagbeni und das Land das sich im Hintergrund erstreckt ist Upper Mustang, nur mit Genehmigung betretbar.

Ob Maeci davon weiss?!

Ob Maeci davon weiss?!

Wenn man durch das untere Loch spaziert ist man von allen Suenden befreit - habe ich natuerlich nicht gemacht, wo ich meine Suenden so hart erarbeitet habe

Wenn man durch das untere Loch spaziert ist man von allen Suenden befreit - habe ich natuerlich nicht gemacht, wo ich meine Suenden so hart erarbeitet habe

Am Abend, im Teahouse, lerne ich einen Ami kennen. Er hat die letzten 2 Jahre in Wien verbracht (wohnte in der Moelkerbastei - Groebi kennst du ihn? Andrew ist sein Name, 25 Jahre, ganz nett anzusehen) und er verbringt Weihnachten in Wien - ich habe ihm gesagt, er soll euch schoen gruessen *g*! Ansonsten sind gluecklicherweise nur wenig Touristen unterwegs und man kann die Gegend alleine und in Ruhe erkunden. Es gibt kaum Vegetation, Steinwueste ist angesagt und das Ganze wird einem heftigen Wind, der taeglich puenktlich um 11 Uhr startet, begleitet. Eine staubige Angelegenheit, aber irgendwie inspirierend!

Tag 3: Kagbeni (2800m) - Muktinath (3800m)
Wir starten so gegen 9 Uhr. Heute geht es nicht mehr so gemuetlich weiter, da wir doch hoch hinauf muessen und gleich zu Beginn ist Morgensport mit einem einstuendigen Non Stop Climb angesagt - ich verfluche Dorje ... Wir treffen auf 3 Chinesen die sich fuer den Aufstieg Pferde gemietet haben - man kann so gut wie den ganzen Trek aus als sog. Pony Trek machen - und wir gehen ca. im gleichen Tempo weiter, die armen Pferde, denn teilweise ist es schon sehr steil! Nach etwas mehr als 3 Stunden sind wir am Ziel bzw. in Ranipauwa, der Ort wo wir naechtigen. Da ich ganz leicht Kopfweh habe, keine Ahnung ob es der Wind ist oder die Hoehenmeter, rast ich fuer eine Stunde und erklimme dann Muktinath, das Pilgerzentrum fuer Buddhisten und Hindus. Ich lasse mich dort 'segnen' - kaltes jedoch heiliges Wasser wir mir ueber den Kopf geschuettet - brrr - und mir wird das Angebot gemacht, taeglich fuer mich zu beten, der Spass kostet 50.000 Rupees fuer ein Jahr! Von dort oben habe ich eine gute Aussicht auf den Thorung La Pass (der groesste Pass weltweit auf 5416m). Im Oktober, als ich im Valley mit Regen zu kaempfen hatte, hat es hier oben geschneit (sehr ueberraschend und so starben zu dieser Zeit 4 Franzosen und 14 Nepalesen in einer Lawine) und nun ist der ganze Pass ziemlich vereist. Diejenigen die in jetzt uerbwinden kommen ziemlich abgekaempft in Muktinath an, jeder Schritt gleitet unter ihren Fuessen weg, eine superrutschige Angelegenheit, die ich auf 3800m nur teilweise zu spueren bekomme. Noch immer sind ein paar stellen vereist und mittlerweile liegt eine Staubschicht ueber diesen Stellen und man merkt erst, dass es etwas rutschig ist, wenn es schon fast zu spaet ist. Ich habe auch erhofft auf ein paar Yaks zu treffen, aber ich sehe nur eines in weiter Entfernung, nicht wert ein Foto zu schiessen. Dafuer mache ich Bekanntschaft mit dem Kuh - Yak Mischlingen!

Thorung La Pass (5416m)

Thorung La Pass (5416m)

Muktinath Tempel auf 3800m

Muktinath Tempel auf 3800m

Tag 4: Muktinath (3800m) - Marpha (2670m)

Es geht wieder bergab und Dorje denkt, da ich die Strecke schon kenne, kann er in so eine Art Meditation verfallen und den Weg laufen. Wir wollen zwar das groesste Stueck bis 11 Uhr, vor dem Windstart, schaffen, aber wir muessen nun wirklich nicht rennen. Wuerde er nicht meine Wasserflasche haben, wuerde ich wahrscheinlich bockig werden und extralangsam dahinmarschieren. Aber er hoert nicht mal mein Rufen und nichts und deswegen bleibt mir nichts anderes uebrig als ihm hinterher zu laufen. Wir legen die Tagesetappe statt in 6 in 4,5 Stunden zurueck und das Ergebnis ist eine Blase am Fuss Aber Marpha, der Ort wo wir naechtigen ist einfach wunderschoen. Beruehmt fuer seine Apfel und Marillen, geniesse ich den ganzen Nachmittag auf der Dachterrasse im Sonnenschein, Blick auf den Nilgiri und verspeise einen leckeren Apfelkuchen. Da wir schon so frueh im Teahouse sind kann ich auch noch eine Hot Shower geniessen, funktioniert hier meist solarbetrieben und deswegen gibt es nur warmes Wasser bei vollen Sonnenschein (also morgens, abends und beim ersten Schatten kann man das vergessen). Nach meiner Dusche wird das Teahouse ploetzlich ziemlich voll und es kommen 6 Englaender an. Die Armen sind total erschoepft, sie hatten eine harten Aufstieg (dh fuer mich morgen bergab *g*) und sind trotzdem eine total lustige Truppe. Wir verbringen den Abend gemeinsam, spielen Tiger & Goat (so wie unser Fuchs und Gans, oder Henne oder was haben wir da fuer Tiere?), trinken Apfel Brandy (sehr lecker!!!) und quatschen ziemlich lange. Dorje versichert mir, dass morgen ein Easy Trek ansteht und deswegen koenne wir uns ruhig noch einen Apfel Brandy genehmigen ...

Nicht mehr ganz so karg  Ein toller Wechsel in nur ein paar Stunden Marsch!

Nicht mehr ganz so karg Ein toller Wechsel in nur ein paar Stunden Marsch!

Und manche Menschen wohnen hier noch ziemlich einfach. Dies ist ein Haus mitten im Kali Gandaki Flussbett. Wenn der Monsum kommt, muessen sie raus aus dem Haus, da es weggeschwemmt wird. (Im Hintergrund Nilgiri Range)

Und manche Menschen wohnen hier noch ziemlich einfach. Dies ist ein Haus mitten im Kali Gandaki Flussbett. Wenn der Monsum kommt, muessen sie raus aus dem Haus, da es weggeschwemmt wird. (Im Hintergrund Nilgiri Range)

Tag 5: Marpha (2670m) - Ghasa (2010m)

Aua, die Blasen am Fuss tun weh und Dorje leidet unter zu viel Apfel Brandy. Deswegen muss ich ihn heute gar nicht bremsen und wir gehen sehr langsam. Auch er hat zum ersten Mal in seinem Leben eine Blase und als wir auf eine Schweizerin treffen, die auch mehr humpelt als geht, erfahre ich, dass auch sie eine hat - Blister Time!!! Wir sind also eine Gruppe von 4 Personen und wir nehmen den Weg sehr gemaehlich und deswegen zieht er sich auch ins unendliche. Das bergab sehe ich kaum, es ist mehr ein rauf, runter, rauf, runter und macht muede. Ich will eigentlich nur mehr ins Guesthouse und hoffe hinter jeder Biegung Ghasa zu sehen. Trotzdem schaffe ich es irgendwie die Landschaft zu geniessen, man fuehlt sich ja so winzig im Kali Gandaki Valley - rechts ragt der Dhauligiri empor, links der Annapurna I, man ist umgeben von den 8.000er, einfach genial.

Dort hinter diesen Bergen (Nilgiri) war ich vor ein paar Tagen, der Weg ist echt nett!

Dort hinter diesen Bergen (Nilgiri) war ich vor ein paar Tagen, der Weg ist echt nett!

© Sandra K., 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die naechsten 3 1/2 Monate werden ich in Nepal verbringen. Nach meiner Einschulung in Kathmandu und einem einwoechigen Trek, beginne ich mit dem Englisch unterrichten in Bhaktapur. Ich habe keine Ahnung was mich hier erwartet!
Details:
Aufbruch: 27.09.2005
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 06.01.2006
Reiseziele: Nepal
Der Autor
 
Sandra K. berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.