Tour-de-Deutschland Teil 4: Unterwegs im wilden Osten Deutschlands

Reisezeit: August / September 2014  |  von Ulrike S.

Eine erste Spreewald-Rundfahrt

In der Nacht regnet es teilweise recht heftig, doch gegen Morgen wird es trockener. Wir entschließen uns nach dem gemütlichen Frühstück zu einer ersten Erkundungsfahrt in die Region um mal zu sehen, wo wir denn hier so gelandet sind.

Unser erstes Ziel ist Raddusch. Bereits bei unserer gestrigen Anreise sind uns zwei interessante Dinge aufgefallen. Zunächst das Hinweisschild zu einem Bauernhofladen. Diesem folgen wir neugierig und legen einen Einkaufsstopp ein. Neben Streicheltieren und einem Schau-Hühnerstall gibt es allerhand Spreewälder Spezialitäten, frisches Obst und Gemüse, Eier, Fisch, Wurst und Fleisch zu kaufen. Da versorgen wir uns doch gleich mal für das bevorstehende Wochenende mit Spreewaldgurken, Aueroxen-Salami und Schwarzbier.

Weiter geht es zur Slawenburg Raddusch. Im Frühmittelalter errichteten hier Slawen einen großen Ringwall, dessen Reste von 1984 bis 1990 ausgegraben wurden. 1991 stoppte der Braunkohle-Tagebau kurz vor der Grabungsstätte. Heute steht an dieser Stelle ein Nachbau des Ringwalls, der im Rahmen der internationalen Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land" rekonstruiert wurde. Wir schauen uns den imposanten Wall nur von außen an und vertreten uns ein wenig Beine in der vom Braunkohle-Tagebau geprägten Landschaft.

Eine erste Auflugsrunde in die nähere Umgebung von Burg

Vorboten des nahen Herbstes

Vorboten des nahen Herbstes

Die Folgen des Braunkohle-Tagebergbaus

Die Folgen des Braunkohle-Tagebergbaus

Die gefluteten Löcher sollen einmal zur größten, zusammenhängenden Seenplatte Deutschlands werden.

Die gefluteten Löcher sollen einmal zur größten, zusammenhängenden Seenplatte Deutschlands werden.

Lübbenau - im Herzen des Spreewaldes

Unser nächstes Ziel ist das wenige Kilometer entfernte Städtchen Lübbenau. Es ist DER touristische Ausgangspunkt für die Erkundung des Spreewaldes und hier begegnen uns auch die ersten asiatischen Tagestouristen, die vom 100 Kilometer entfernten Berlin mal eben einen Abstecher in den Spreewald unternehmen. Insgesamt ein hübsches Städtchen, sehr pittoresk mit netten Geschäften. Aber auf uns macht es mit seinem zentralen Kahnhafen eher den Eindruck vom "Ballermann des Spreewalds".

Der zentrale Kahnhafen in Lübbenau vermittelt uns ein wenig den Eindruck des "Ballermanns vom Spreewald"

Der zentrale Kahnhafen in Lübbenau vermittelt uns ein wenig den Eindruck des "Ballermanns vom Spreewald"

Warten auf Kundschaft

Warten auf Kundschaft

Unser nächstes Ziel ist Lübben, das wir allerdings nur mit dem Auto durchqueren. Hier geht es ebenfalls recht touristisch zu, doch insgesamt ist es weniger umtriebig als das benachbarte Lübbenau.

In Neu-Zauche, so ist in unserem Reiseführer nachzulesen, soll es die Spreewälder Kerzenmanufaktur geben. Also machen wir uns mal auf die Suche danach und werden tatsächlich fündig. Alle Kerzenformen werden in einer kleinen Werkstatt von den Betreibern selbst hergestellt und die Kerzen in einem Lädchen verkauft. Nachdem wir den Weg hierher gefunden haben, wandern natürlich auch ein paar Kerzen in die Einkaufstüte.

In Straupitz sind wir überrascht über die große Kirche, die bereits von weitem zu sehen ist. Fast fühlen wir uns ein wenig an Nôtre Dame in Paris erinnert. Das klassizistische Bauwerk wurde nach Plänen des berühmten Baumeisters Karl Friedrich Schinkel von 1827 bis 1832 erbaut.

Ein imposantes Bauwerk auf dem flachen Land: die klassizistische Schinkel-Kirche in Straupitz

Ein imposantes Bauwerk auf dem flachen Land: die klassizistische Schinkel-Kirche in Straupitz

Nur wenige Schritte von der Kirche entfernt findet sich der historische Kornspeicher. In dem imposanten Fachwerkgebäude mit vielen hölzernen Lüftungsklappen befindet sich ein uriges Café samt Schautöpferei und einem Ausstellungsraum mit allerhand historischen Utensilien.
Für uns wegen des duftenden und noch ofenwarmen Apfelkuchens höchste Zeit für eine Kaffeepause!

Zeit für eine Kaffeepause im Garten des alten Kornspeichers von Straupitz

Zeit für eine Kaffeepause im Garten des alten Kornspeichers von Straupitz

Ein weiteres Wahrzeichen von Straupitz ist die Holländer-Windmühle aus dem Jahr 1850. Sie ist die einzige, funktionstüchtige Dreifachmühle Europas und wird sowohl als Korn-, Öl- und Sägemühle genutzt. Unter anderem wird hier das berühmte Leinöl produziert, der Weltrekordhalter an Alpha-Linolensäure und typisches Urlaubs-Mitbringsel (neben den Gurken) aus dem Spreewald. Wie heißt es doch hier so schön: "Kartoffeln, Leinöl und Quark machen den Spreewälder stark"

Nachdem wir wieder zurück auf dem Campingplatz sind, der sich inzwischen bis auf den letzten Platz gefüllt hat, können wir unser Feierabend-Bier draußen genießen. Es ist sonnig und mild und wir beschließen, uns nach dem Abendessen auf den (langen) Fußweg ins Zentrum von Burg zu machen. Dort findet an diesem Wochenende ein Trachten- und Heimatfest statt und auf dem Programm steht eine abendliche Light-Show der Freiwilligen Feuerwehr "Bunte Wasserträume" am Spreehafen. Das wollen wir uns dann doch mal anschauen. Der Anfang ist auch recht vielversprechend. Nachdem alle Lichter gelöscht und die Wasserspiele in Gang gesetzt sind, fällt leider die passende Hintergrundmusik aus. Damit wird das Ganze zwar ganz nett, aber irgendwie auch etwas fade. Wir machen uns deshalb allmählich auf den Rückweg und kehren noch auf ein Absacker-Bier in der Campingplatz-Gaststätte ein.

Die "Bunten Wasserträume" der Feuerwehr in Burg sind leider aufgrund einer technischen Panne sprichwörtlich etwas ins Wasser gefallen.

Die "Bunten Wasserträume" der Feuerwehr in Burg sind leider aufgrund einer technischen Panne sprichwörtlich etwas ins Wasser gefallen.

© Ulrike S., 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Einmal mit dem Wohnwagen entlang Deutschlands Grenzen reisen - die 2012 begonnene Tour geht im Sommer 2014 weiter mit einer Reise in den wilden Osten Deutschlands nach Brandenburg
Details:
Aufbruch: 29.08.2014
Dauer: 14 Tage
Heimkehr: 11.09.2014
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Ulrike S. berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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