Tour-de-Deutschland Teil 5 - Unterwegs diesmal eher auf Luxemburgischer Seite

Reisezeit: August / September 2015  |  von Ulrike S.

Die Stadt Luxemburg

Auf dem Wenzel-Rundweg - 1000 Jahre Stadtgeschichte in 100 Minuten

Die Nacht über herrscht Dauerregen. Das kann ja hoffentlich nur besser werden....
Frühstück gibt es deshalb wieder nur drinnen und wir vertrauen unserer Wetter-App, die für das Wochenende Besserung verspricht.
Tatsächlich wird es zunehmend trockener und wir beschließen für heute den Besuch in der Landeshauptstadt Luxemburg. Unser Vierbeiner hütet derweil den Wohnwagen, denn die Temperaturen sind im Fröstelbereich. Kurz nach 10 Uhr machen wir uns also auf den knapp 50 Kilometer langen Weg. Die Entfernungen hier im Großherzogtum sind irgendwie überschaubar und trotzdem: aufgrund diverser Umleitungen fahren wir einmal mit der Kirche ums Dorf und die Anreise dauert dann doch etwas mehr als eine Stunde. Dann sind wir allerdings mitten in der City, wo wir auch einen Parkplatz in einem zentralen, aber ziemlich engen Parkhaus finden.

Inzwischen regnet bzw. dauer-nieselt es wieder. Nach einer ersten Orientierung und einem Besuch in der Touristen-Information machen wir uns auf den Wenzel-Rundweg.
"Drei Kilometer und 1000 Jahre Stadtgeschichte in 100 Minuten" - so verspricht es der Flyer aus der Tourist-Info. Wir starten den Rundgang direkt an der ältesten Stelle der Stadt, dem Bockfelsen. Noch ist die Aussicht von hier durch den Nieselregen etwas spärlich, aber die Wolken lichten sich bereits ein wenig.

Einen ersten Überblick verschafft uns die Orientierungstafel auf dem Bockfelsen

Einen ersten Überblick verschafft uns die Orientierungstafel auf dem Bockfelsen

Das Kirchberg-Plateau hatten wir uns irgendwie imposanter vorgestellt. Aber aus der Ferne betrachtet sieht das Herz der Luxemburger Bankenwelt doch eher bescheiden aus

Das Kirchberg-Plateau hatten wir uns irgendwie imposanter vorgestellt. Aber aus der Ferne betrachtet sieht das Herz der Luxemburger Bankenwelt doch eher bescheiden aus

Von Kasematten und dem schönsten Balkon Europas

Das Kirchberg-Plateau mit seinen Hochhäusern haben wir uns irgendwie imposanter vorgestellt. Sind doch hier die viel beschimpften Banker Zuhause. Doch aus der Ferne sieht das Quartier internationaler Geldinstitute, Firmen und des Herzens Europas doch eher bescheiden aus.
Hier im Bockfelsen verbergen sich auch die Kasematten, ein 1644 von den Spaniern zur Verteidigung angelegtes Labyrinth aus in den Fels gehauenen Gängen und Galerien.
Weiter geht es über den "schönsten Balkon Europas" - so unser Reiseführer. Von der Corniche aus hat man tatsächlich einen wunderbaren Blick über die Stadt und den Fluss Alzette.

Hier geht es hinab in die Kasematten des Bockfelsens

Hier geht es hinab in die Kasematten des Bockfelsens

Hinunter in die Unterstadt "Grund"

Durch das Grundtor geht es anschließend entlang der Festungsmauer hinunter in die Unterstadt "Grund". Auf dem Gelände der ehemaligen Abtei Neumünster, die unter anderem auch als Männergefängnis diente, befindet sich heute ein Kulturzentrum. Im Innenhof fühlen wir uns fast an den Louvre in Paris erinnert...
Die Abteikirche beherbergt ein ganz besonderes Kleinod: eine schwarze Madonna, deren dunkle Färbung auf die Zeit zurückgeht, als man sie gegen den "Schwarzen Tod" angerufen hatte.

Der Pariser Louvre lässt grüßen

Der Pariser Louvre lässt grüßen

Hinauf auf das Rham-Plateau

Auf der gegenüberliegenden Seite der Alzette geht es nun wieder bergauf - diesmal hinauf auf das Rham-Plateau, wo der französische Festungsbauer Vauban seine Spuren hinterlassen hat. In den ehemaligen Kasernen ist heute ein Seniorenzentrum untergebracht. Alles ist funkelnagelneu modernisiert und renoviert. Da gerade Mittagszeit ist, sehen wir durch die verglasten Fassaden die Bewohner in einem zentralen, neuen Gebäude auf drei Stockwerken in den Speisesälen beim Mittagessen. Die betagten Herrschaften werden hier an gedeckten Tischen von Servicekräften in Kellnerkleidung bewirtet wie in einem Restaurant. Das zeigt, dass Luxemburg ein wohlhabendes Land ist. Das zeugt aber vor allem von Respekt und Achtung gegenüber den Heimbewohnern. Wir sind einmal mehr beeindruckt.

Eine steile Treppe führt uns wieder hinunter an die Alzette und über einen alten Wehrgang - dem "Maierschen" - zur Grund-Schleuse. Schließlich erreichen wir das Ende des Wenzel-Rundgangs und fahren mit einem Aufzug wieder hinauf auf das Heilig-Geist-Plateau. Wir finden uns nun mitten im Justiz-Viertel, der Cité Judiciaire, mit seinen imposanten Bauwerken wieder.

Das "Maierschen" - ein alter Wehrgang bei der Grund-Schleuse. Jogger nutzen die Mittagspause, um einmal eine Runde um die Altstadt zu drehen.

Das "Maierschen" - ein alter Wehrgang bei der Grund-Schleuse. Jogger nutzen die Mittagspause, um einmal eine Runde um die Altstadt zu drehen.

Hier endet unser Rundweg und ein Aufzug bringt uns wieder hinauf und mitten hinein ins Justizviertel

Hier endet unser Rundweg und ein Aufzug bringt uns wieder hinauf und mitten hinein ins Justizviertel

Nun knurrt uns allerdings vernehmlich der Magen und wir machen uns auf den Weg in die Innenstadt und die Suche nach einem Café. In der Altstadt legen wir schließlich die wohl verdiente Pause auf dem Place des Armes im Café de Paris ein. Eine Fehlgriff, wie sich herausstellt. Der Snack ist teuer und im Salat knirscht der Sand zwischen den Zähnen. Schließlich taucht auch noch ein Lehmklumpen auf - gewaschen wurde dieses Grünzeug vor dem Servieren wohl nicht. Wir ziehen also weiter, bummeln noch ein wenig durch die Geschäfte und finden schließlich gegenüber des Herzogspalastes Trost in einer Chocolaterie. Inzwischen scheint auch die Sonne, wir sitzen draußen und genießen einen wunderbaren Kaffee sowie lecker "Törtchen", die die Dimensionen von Kalorienbomben haben und mit Messer und Gabel serviert werden....

Unser Fazit für Luxemburg-Stadt:
wir sind sehr angetan von dieser Metropole. Großstädtisches Flair, weltoffen und trotz allem ein Hauch von Provinzialität. Alles geht einen Gang geruhsamer - so unser Eindruck.
Auf der Rückfahrt über Ettelbrück finden wir schließlich noch einen Supermarkt, in dem wir uns unter anderem mit einem Sortiment an luxemburgischen Moselweinen eindecken. Bei der abendlichen Verkostung fällt der Auxerois schon mal durch. Dieser Tropfen ist uns einfach zu süß - andere nennen es auch "lieblich". Unser Geschmack ist er nicht, aber bestimmt lässt sich daraus ein leckeres Weinsößchen zaubern
Zum Abendessen können wir draußen sitzen, die Sonne scheint und am Wochenende soll der Hochsommer nochmals zurück kehren.

© Ulrike S., 2015
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Worum geht's?:
Streng genommen sollte dieser Reisebericht unter der Rubrik "Luxemburg" stehen - doch diese Reise ist Bestandteil unserer Tour entlang Deutschlands Grenzen. Diesmal erfolgte die Erkundung jedoch überwiegend aus Sicht des Großherzogtums.
Details:
Aufbruch: 26.08.2015
Dauer: 11 Tage
Heimkehr: 05.09.2015
Reiseziele: Deutschland
Luxemburg
Der Autor
 
Ulrike S. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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