Deutschlandtour mit dem Lidl-Ticket

Reisezeit: November 2016  |  von Sabine H.

Das Cinderella-Schloss...

Ohne Frühstück checke ich aus dem Privathotel Riegele aus, weil es mir dafür zu früh ist. Ich schleife meine Habseligkeiten hinter mir her zurück in Augsburg´s Bahnhof. So gegen 08.00 Uhr morgens ist da viel los, aber ich habe Zeit und erwerbe ein Wasser, ein belegtes Brötchen und eine BILD-Zeitung. Proviant für den Weg ins Allgäu.

Überraschend bequem war dann der Einstieg in einen Regionalzug Richtung - tah da - Füssen !!! Und somit ist mein nächstes Ziel bekannt. Füssen im Allgäu, tiefste bayrische Provinz, aber wegen Schloss Neuschwanstein eine der Top-Touri-Destinationen in ganz Deutschland - heimgesucht jedes Jahr von Hunderttausenden Touristen aus aller Welt. Allerdings nicht im November...

Und weil dieses Schloss auf seinem Felsen so schön ist und die Vorlage bildete für das Cinderella-Disney-Märchen-Schloss schlechthin, möchte ich da auch endlich mal hin.

Zunächst jedoch befördert mich die Regionalbahn mit Halt an vielen Stationen über 2 Stunden hinweg zu meinem Zielbahnhof. Ich werde allerdings sehr gut unterhalten von einer Gruppe ca. 18-jähriger Schülerinnen, die sich lautstark über eine wohl sehr ausgeuferte Party vom letzten Wochenende unterhalten. Inklusive Alkohol-Exzess, Schlägerei, Krankenwageneinsatz, Polizei-Präsenz, Einberufung einer Eltern-Konferenz, drohendem Schulverweis und regionaler Berichterstattung in der örtlichen Zeitung. Die Mädels fanden es lustig und so mancher Zug-Passagier - so, wie auch ich - lauschte aufmerksam und grinste sich einen...

Zurück zum Thema Füssen: Der Bahnhof ist winzig und auch eine Baustelle. Der eigentliche Bahnhof ist komplett "under construction" und gar nicht zugänglich. Über einen provisorisch geschaffenen Seitenausgang geht es hinaus. Taxis ? Fehlanzeige. Ich warte ca. 20 Minuten auf ein Taxi. Ich wäre wohl doch besser in den Bus gestiegen, aber ich wusste ja noch nicht, wie mein anvisiertes Hotel Bushaltestellen-technisch erreichbar ist.

Taxi kommt: "Hotel Waldmann, bitte, in Hohenschwangau". "Ja, mei, dös is in Alterschrof´n, gell ?" Von mir aus ! "Geh´, dös san´s 5 Minuten bis da ´naus, gell." Umso besser ! Ich antworte "ja, kann sein, ich kenne mich hier überhaupt nicht aus". "Wo kommen´s denn her ?" "Aus Flensburg." Schweigen im Walde..., im wahrsten Sinne des Wortes, denn wir haben die Kleinstadt Füssen bereits verlassen, überqueren eine Brücke und ich sehe nur noch Wald links und rechts. Wenig später hält das Taxi vor einem großen Haus, das für meine Begriffe so richtig nach Bayern aussieht.

Die Tochter (oder Schwiegertochter ?) des Hauses empfängt mich, erklärt die Dinge des Hauses, überreicht mir die Karte zur kostenlosen Nutzung des ÖPNV, warnt mich allerdings vor, dass der ÖPNV zur Winterzeit nur sehr eingeschränkt verkehrt und so manches zu dieser Jahreszeit geschlossen ist.

Da bin ich jetzt abgeblieben...

Da bin ich jetzt abgeblieben...

Ich mache mich auf einen Einkaufsspaziergang nach Füssen auf, als erstes. Dauert zu Fuß ca. 35 Minuten bis zum REWE im Ortszentrum, wo ich alles für mein Self-catering Abendessen einkaufe, denn das hauseigene Restaurant meines Hotels ist über die Wintermonate geschlossen. Bewaffnet mit meiner Einkaufstasche steige ich am Bahnhof in den Bus und mache - unfreiwilligerweise - die große Sightseeingtour durch die Großgemeinde Schwangau. Was allerdings nicht uninteressant ist, weil ich so ein wenig besser die Gegend kennenlerne und mich orientieren kann. An einer Bushaltestelle in der Nähe des Hotels Waldmann steige ich aus und lade meine Einkäufe im Zimmer ab. Und jetzt ? Hunger auf was Warmes !

Im Hausflur treffe ich auf eine ältere Dame, die zur Familie gehört: Ich frage sie, wo ich in der Nähe denn wohl was zu Mittag essen könne ?

Sie überlegt kurz und rekapituliert, welche Restaurants und Gasthöfe jetzt in der Nicht-Saison alle geschlossen sind, scheinbar fast alle. Und mittags erst recht. "Ah, geh´, pack´mer´s, schau´n mer mal. I hol das Auto und dann fahr´ich Sie fei hi, zum Laufen ist´s zu weit."

Was ich jetzt hier als den örtlichen Slang verkaufe, ist vermutlich echt falsch, man möge mir verzeihen - ich kann sonst nur plattdeutsch.

Knapp 2 Minuten später fahre ich auf dem Beifahrersitz von Oma´s Auto durch Schwangau und werde vor einem geöffneten Gasthof abgesetzt mit der Empfehlung " da ist´s guat und die die Bushaltestelle ist glei´davorn".

Ich betrete das urige Gasthof-Etablissement und habe sogleich einen Essenswunsch im Kopf, denn ich befinde mich natürlich im Heimatland meines Lieblings-Kommissars der Literatur "Klufti". Kommissar Kluftinger hätte hier niemals im Leben etwas anderes bestellt, als "Käs´-Spatz`n".

Die Entscheidung ist also super-klar: Eine Apfelschorle + Käs´-Spatz´n. Erst kommt eine Weizenglas-große Apfelschorle (0,5 L), dann ein riesiger grüner Salat und schlussendlich eine (gefühlte) Tonne Käse-Spätzle. Boah !!! Wie soll man denn damit fertig werden ? Die Käs´-Spatz´n sind dazu noch sooo dermaßen mit Käse verrührt, ich verstehe jetzt die Gewichtsprobleme von Klufti. Ich kapituliere früh und der Wirt scheint beleidigt zu sein, weil ich nicht annähernd aufgegessen habe. Ob ich den Rest für den "Hund" mitnehmen möchte ? Nein, ich habe keinen Hund. Leider. Nicht mal mehr ´ne Katze.

Ich will jetzt einfach nur ins Hotel zurück, stelle mich an die Bushaltestelle und warte geduldig. Seeehr geduldig. ÖPNV in Schwangau ist im November echt eine Geduldsprobe. Der nächste Bus nimmt mich mit und ich mache wieder eine Dorftour. Komme aber auch wieder am Ticketcenter der Schlösser vorbei und nehme so auch wieder wichtige Informationen mit.

Ein Nachmittag in süddeutscher Provinz - in Norddeutschland wäre es nicht anders verlaufen - zurück im behaglichen Hotel. I-pad an, es läuft "Shopping Queen" aus Flensburg, zum ersten Mal ! Da muss ich dabei sein...

Und mit diesem geilen Bild gehe ich ins Bett...

Und mit diesem geilen Bild gehe ich ins Bett...

© Sabine H., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Verkaufsaktion von Lidl mit den vergünstigten Bahntickets hat mich zu einer spätherbstlichen Deutschland-Reise inspiriert...
Details:
Aufbruch: 11.11.2016
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 27.11.2016
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Sabine H. berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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