Zwischen Rapsfeldern und Streuobstwiesen

Reisezeit: April / Mai 2017  |  von Herbert S.

Michelstadt I

Zwischen Erbach und Michelstadt fällt die vielen bekannte Koziol-Fabrik mit angeschlossenem Outlet ins Auge, ein Wechsel in die absolute ‚Moderne‘.
Viele tolle Ideen für Dinge, die man nicht wirklich braucht, werden im Kunststoffspritzgußverfahren vollautomatisch hergestellt. Man kann in die Produktion hineinschauen - es ist beeindruckend wie Roboter die Arbeit ohne Menschenhand verrichten.
Trotz ausführlichem Stöbern im Outlet widerstehen wir jeder Versuchung, einige dieser Plastikteile zu kaufen.

das Museum hat (mal wieder) geschlossen.

das Museum hat (mal wieder) geschlossen.

Erst in Michelstadt haben wir dann die Möglichkeit einen Kaffee zu trinken. Wir beginnen unseren Altstadtrundgang natürlich am historischen Rathaus.
Das Baujahr 1484 ist mit, in der Spätgotik üblichen, arabischen Ziffern in das Holz eingehauen. In der offenen Rathaushalle tagte das Zentgericht, Bürger und Zentmannschaft bildeten dabei den sogenannten Umstand. Im Obergeschoß hatte das ehrbare Gericht, später Rat der Stadt genannt, seinen Sitz. Heute dient das' Gebäude u.a. als Trauzimmer.

Der Erzengel Michael steht auf einem Würfelstein, der das gräfliche und das städtische Wappen zeigt und hält mit dem Flammenschwert und der Seelenwaage das Böse von' der Stadt ab. Der aus Sandstein gehauene Schutzpatron ist nicht der Namensgeber der Stadt. Michelstadt - michlinstat - kommt von dem Althochdeutschen Wort michlin (= groß).

Marktbrunnen

Marktbrunnen

Das ehemalige Gasthaus „Zum goldenen Löwen" erbaute der Gräfl.-Erbach-Fürstenauische Marsch-Commissar Johann Nicolaus Friedrich. Seine Initialen sowie das Erbauungsjahr 1755 schmücken den Ziergiebel des Barockbaus. In dem heutigen Verwaltungsgebäude befand sich früher zudem einmal eine Posthalterei von Thum und Taxis.

Löwenhofreite

Löwenhofreite

Das Drei-Hasen-Motiv (Restaurant) kenne ich bereits aus Soest.

Das Drei-Hasen-Motiv (Restaurant) kenne ich bereits aus Soest.

Die Stadtkirche ist im Wesentlichen in der Zeit vor 1461 bis 1537 entstanden und wurde dem Erzengel Michael und dem heiligen Kilian geweiht. An ihrem Platz stand in früherer Zeit eine Holzkirche der Iroschotten, die durch eine karolingische Steinkirche ersetzt wurde. Die hier befindliche Gruft der Grafen zu Erbach ist eine wichtige Grablege.

An der Stadtmauer befindet sich der Diebesturm. In diesem Eckturm der Kellerei wurden Straftäter bis zum Gerichtstag oder von der Urteilsverkündung bis zur Urteilsvollstreckung festgehalten. Die untere Tür war nicht vorhanden, die Gefangenen wurden durch eine Falltür in Stockwerkshöhe in das Verlies gebracht.

Diebesturm

Diebesturm

Ebenfalls fast in die Stadtmauer integriert ist die Kainsbacher Mühle, 1426 erstmals erwähnt, als historische Getreidemühle aus Nieder-Kainsbach im Gersprenztal stammt.

Kainsbacher Mühle

Kainsbacher Mühle

All dies liegt in einem wunderschönen großen Innenhof, an dessen Kopfseite die sog. Kellerei ein Museum beherbergt/ beherbergen soll. Es wird derzeit massiv umgestaltet.
Das Areal kam 815 durch Schenkung in den Besitz Einhards, dem Biograph Karls des Großen. Das Kloster Lorsch trat dessen Erbe an und ließ durch Abt Gerbodo den fränkischen Hof ausbauen. Der Zerstörung im Jahr 1307 folgte der Wiederaufbau. Ab dem 16 Jhr. wohnte hier ein gräflicher Verwaltungsbeamter, der so genannte „Keller".

Museum in der Kellerei

Museum in der Kellerei

Auf dem Rundgang haben wir die Menukarten vom Hotel Drei Hasen und vom Grünen Baum studiert und uns entschieden, im zweiten zu essen, u.a. weil dieser in der TV-Sendung 'Hessen geht essen' vorgestellt wurde. .
Gegen 18.00 Uhr treffen wir dann im Grünen Baum ein; alle Tische reserviert! Trotzdem geht noch was und wir entscheiden uns für Wildsülze mit Bratkartoffeln (U) und Lammhaxe mit Bohnen und zweierlei Knödel. Zuhause steht dann Bordbuch von gestern und heute an.

© Herbert S., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Hessen Drei brachte eine ganze Reihe von Sendungen über die Perlen des Landes, die uns Lust machte mal eine Woche im Odenwald zu verbringen.
Details:
Aufbruch: 23.04.2017
Dauer: 9 Tage
Heimkehr: 01.05.2017
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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