Kambodscha-Reisebericht :Unsere Reise geht weiter, auf dem "Landweg" von Australien nach Europa

Südost Asien von 09.01. bis 18.02.2018: Kambodscha Teil 3 – von 24.01. bis 29.01.2018

Ziel: Von Siem Reap noch ein Tagesausflug Richtung Norden bis an die Grenze zu Thailand zum Preah Vihear Tempel, um dann per Schnellboot in die Hauptstadt von Kambodscha, nach Phnom Penh zu fahren.

Wetter: Nachts angenehm, tagsüber meist sonnig, teils heiss, oft strahlend blauer Himmel < 35º.

Sok hat uns wieder ein Auto mit Fahrer besorgt, ($100/Tag bei ca. 450km zurückgelegter Strecke) der uns mal wieder überpünktlich (7:30 statt der vereinbarten 8:00) vom Hotel abholt. Über zahlreiche lokale Märkte am Wegesrand

erreichen wir nach 3 ½ Stunden über teils recht abgelegenen Landstrassen den Tempel Preah Vihear der im Rahmen eines bewaffneten Grenzkonfliktes mit Thailand auch schon den Internationalen Gerichtshof in Den Haag beschäftigt hat. Letztendlich wurde er Kambodscha zugesprochen und seither ist ‚Ruhe im Schacht“. Wir bezahlen unsere Eintrittsgebühr von E=$10,- pP, dürfen dann noch als Transportmittel zwischen Moped ($5pP) oder Jeep ($25 für bis zu 6 Personen) wählen um die nächsten 300Hm auf einer abenteuerlich steilen Strasse zu überwinden. Ein eventueller Aufstieg hier würde wegen der Wegstrecke gut 2-3 Stunden dauern, kommt also für Tagesbesuche nicht in Frage. Endlich sind wir droben auf’m Berg, bewundernd eine verfallene Tempelanlage

die noch gut 200 Jahre älter als Angkor Wat ist.

Wir werfen noch schnell einen visafreien Blick nach Thailand,

bevor wir zum Tempel Koh Ker (E=$10,-pP) weiterfahren. Dieser Tempel, ein echtes Unikat unter den Angkor Tempeln, erinnert doch sehr stark an eine der Maya Stufen-Pyramiden,

trotz seiner 38m Höhe im Dschungel versteckt,

schön grün bewachsen, ein beliebtes Objekt für Hochzeitsfotografen.

Seit langen fallen uns am Strassenrand sowas wie Holzstückchen auf, die da zum Trocknen ausgelegt sind, auf Rückfrage erklärt unser Fahrer, dass das anscheinend kartoffelartige Wurzeln (Yams??) sind hier angebaut, geerntet, gehackt und trocknet werden, um sie dann in Thailand zu Viehfutter verarbeiten zu lassen. Unser Versuch diese Wurzelstücke zu fotografieren ging natürlich nur unter reger Beteiligung

und lauter Jubelschreie der Dorfjugend von statten.

Gegen 18h sind wir wieder im Hotel, Abendessen auf der Pub Street, heute Amok, eine Kambodschanische Spezialität, die eigentlich jeder mal probiert haben sollte. Fleisch bzw. Fisch wird mit etwas Gemüse in einer leckeren Gewürzmischung und Kokosmilch gegart, etwas Reis dazu, uns hat es gut geschmeckt.
Man(n) findet keine Ruhe in diesem ‚Urlaub‘. Schon wieder klingelt der Wecker um 6h, wir sollen wieder einmal bereits um 7h abgeholt werden – denn wir wollen heute per Schnellboot nach Phnom Penh reisen. Zum Glück beeilen uns mit dem Frühstück, denn wie befürchtet steht der Bus bereits um 6:50 vor der Tür, noch eine kleine Fahrgasteinsammelstadtbesichtigungsrunde und wir sind am Hafen von Siem Reap angekommen. Um 8:30 legen wir ab, brechen auf zum nächsten Abenteuer, einer gut 7 stündigen ‚Schnell‘-bootfahrt nach Phnom Penh. Das Gepäck wird auf dem Dach verstaut, die Passagiere dürfen da droben auf Wunsch auch in der Sonne brutzeln,

wer Tragflügelboote wie die Flying Dolphins in Griechenland kennt, wird von der Reisegeschwindigkeit hier enttäuscht sein, aber trotzdem, wir fahren recht zügig über den See, dann auf dem Fluss Richtung Süden, sehen Floating Villages und Fischerdörfer in allen Variationen,

aber trotzdem erscheint die Gegend hier selbst vom Boot aus wesentlich ‚reicher‘, sauberer, keine Müllkippen am Flussufer, fast kein Plastikmüll im Fluss, am Ufer,…. Wir erreichen Phnom Penh,

wandern den knappen km zum Hotel und brechen dann gleich mal zur ersten Stadtbesichtigung, zur Suche nach einem standesgemäßen Abendessen auf. Heute am 25. ist einer unserer privaten Fest-und Feiertage, dieses Schwein grinst uns zwar an, aber die 2-3 Stunden bis sein Garpunkt erreicht ist wollen wir doch nicht mehr warten

und auch am Night Market erfüllt die angebotene Verpflegung nicht unsere Feiertagskriterien.

Endlich, gerade bei unserem Hotel um die Ecke finden wir die Oyster Bar, die uns eine magenfüllende Kombination aus gegrillten Austern, Fisch und Schrimp zusammenstellt. Wir fühlen uns verstanden, umsorgt, gesättigt,…bereit für die kommenden Stadtbesichtigungsrunden.
Heute erst mal über und durch den Central Market, eines der klassischen Beispiele französischer Kolonialarchitektur,

dann hoch zum Wat Phnom (E $1, aber nur für Ausländer), einem Buddha Tempel droben auf einem künstlich aufgeschütteten 28m hohen Hügel,

dem die später ringsum entstandene Stadt Phnom Penh (=PP) ihren Namen verdankt.

Weiter zur Al-Serkal Mosque, einer der zwei gossen Moscheen hier in PP,

auf dessen Parkplatz einer dieser hier in PP recht zahlreich zu sehenden Hummer H2 Pickups bewundert werden kann.

Die Moschee selbst dann streng in einen Teil für Männer

und einen für Frauen aufgeteilt.

Auf unserem weiteren Weg gilt es wieder heftige Überzeugungsarbeit zu leisten, dass wir weder TukTuk noch Rikscha fahren wollen,

sonder planen uns per walk-walk weiter durch die Stadt zu bewegen. Wir erreichen mit dem Wat Ounalom

einen weiteren der ‚muss man hier gesehen haben‘ Tempel,

stehen vor der ebenfalls von einem Franzosen erbauten Chaktomuk Conference Hall, dürfen aber nicht rein, weil drinnen gerade irgendein Meeting?? stattfindet,

stehen vor dem Royal Palace und dürfen nicht rein, weil Anjas Knie und Schultern unbedeckt sind und wir neben den geforderten E = $10pP nicht auch noch $6 für irgendwelche Züchtigkeitsbedeckungsfetzen zahlen wollten – (in den bisher von uns besuchten Ländern wurden doch auch immer irgendwelche Tücher und Maxiwickelröcke leihweise zur Verfügung gestellt) aber hier ist die Touristenmelkgier absolut Scham- und Grenzenlos. Wir beschränken uns heute mal mit einem Bild vom durch einen Bauzaun derzeit verunstalteten Victoria Gate

und wandern dann zum Hotel zurück. Noch ein leichtes Abendessen, ein paar Beruhigungsbierchen,…
Der heutige Tag ist der dunklen Vergangenheit Kambodschas gewidmet. Unter dem Regime der Roten Khmer wurden zwischen 1975 und 1979 ca. 3 Mio. Kambodschaner (=mehr als ¼ der Bevölkerung) auf sogenannten Killing Fields systematisch ermordet, in Massengräbern verscharrt. Wir haben uns wieder einmal ein TukTuk gemietet ($20 / Tag) und lassen uns erst einmal nach Cheong Ek, dem Killing Field von Phnom Penh bringen (E=$6pP incl. Audio Guide), wo die Überreste von ca. 30.000 Männer, Frauen, Kindern, Säuglingen aus solchen Gruben geborgen wurden.

Vitrinen mit Kleidungsresten, Gebeinen,

Schädeln begleiten uns auf dem Rundgang.

Am Schluss noch ein langer nachdenklicher Blick auf diese Stupa,

die an diese Opfer hier erinnern soll, im Innern weitere 5000 Schädel und zahllose Knochen auf insgesamt 17 Ebenen verteilt. Zum Schluss noch ein kurzer, nachdenklich Stimmender Film im Museum, bevor wir dann am sogenannten Russen Markt vorbei, einst der Schnäppchenmarkt für Kopien von Designerprodukten, heute eher eine knapp ½ qkm grosse Schlussverkaufswarenwühlkistenramschbude, zum S21, dem Tuol Sleng Genocide Museum fahren (E=$8pP incl. Audio Guide),

einst eine Schule, umgebaut zu einem von landesweit ca. 200 Gefängnissen, in denen Menschen zu Geständnissen gefoltert wurden, bevor sie nach ihrer Aburteilung zu den Killing Fields gebracht wurden. Von den geschätzten 12.000 bis 20.000 Personen die hier durchgeschleust, in solchen Zellen nackt ans Eisenbett gefesselt ‚verhört‘ wurden,

haben nachweislich nur 12 überlebt. Den Rest wollen wir Euch ersparen und eher noch ein paar erfreulichere Bilder zeigen.
Wir haben für heute Abend noch den Besuch einer Traditional Dance Show im Nationalmuseum gebucht (E=$ 15 – 25pP), eine Stunde lang Volkstänze aus allen Regionen Kambodschas mit schönen Kostümen und recht abwechslungsreicher Musik.

Heute, am Sonntag lassen wir es mal ganz ruhig angehen, erst ein spätes Frühstuck, dann ein Bummel zum Central Market

dessen Obst, Gemüse und

Fischabteilung wir wesentlich interessanter finden,

als die zahllosen T-Shirt, Hosen, Schuhe, Taschen etc. Verkaufsstände, deren Geschäftsmodell / Verkaufsstrategie wir immer noch nicht verstanden haben. In einer Wühlkiste kann man ja kramen, aber wie soll man in einem 3qm grossen Kabuff, in dem gefühlte 10.000 Hosen ordentlich in halbmeterhohen Türmen gestapelt rumliegen irgendetwas auswählen, finden? Wir brechen unsere Suche ab, erfrischen uns beim aus Siem Reap schon bekannten Mexikaner und gehen zum Hafen um uns Boots- und Bustickets für die nächsten Überlandreisen zu kaufen. Noch eine ergebnislose Runde über den Nachtmarkt, aber auch hier ein Angebot, das irgendwie aus Ladenhütern von Siem Reap zu bestehen scheint. Irgendwie scheinen die Interessen der Touristen hier anders geartet zu sein als in Siem Reap. Während dort ein südländisch anmutendes Strassen-Nachtleben mit Essen und Musik vorherrscht, scheint hier mehr eine an einschlägig bekannte Gegenden von Thailand erinnernde ‚Barkultur‘ vorzuherrschen. ‚Working Ladies‘ an allen Ecken und Enden,…
Wir kehren ins Hotel zurück, planen noch kurz unsere Route für Morgen, ein letztes ‚Gute Nacht Bier‘ auf Bini’s Wohl, das war‘s für heute.
Morgens regnet es in Strömen, also erst mal ab, zurück ins Zimmer und der Live Übertragung der Grammy (= Oskar für die Musiker) Verleihung zugeschaut. Gegen 11h ist der letzte Grammy (sieht aus wie ein kleines vergoldetes Grammophon) vergeben, die Übertragung und der Regen beendet, wir wandern zum Olympic Stadium.

Warum das so heisst, keine Ahnung, eigentlich genauso wenig sehenswert wie der Tempel gegenüber. Wir wandern eine Kleinkraftrad-Shopping Street entlang,

können aber trotz mindesten 1.000 angebotenen ‚Mopeds‘ der Versuchung wiederstehen, erweisen dafür dem verstorbenen King Sihanouk unsere Referenz

und erwerben dann, diesmal züchtig bekleidet die Tickets zum Besuch des Royal Palace. Auch hier wieder einmal ein leuchtendes Beispiel des Touristen-Melken. Üblicherweise wird hier im Land in US$ mit einem Kurs von 1:4000 abgerechnet, aber hier wird der Eintrittspreis mit Riel 40.000 angegeben – und da der offizielle Wechselkurs mittlerweile bei etwa 1:4010 liegt, werden natürlich $10 + 1000 Riels verlangt, denn Kleinvieh macht auch Mist und bei allein ca. 1.000 chinesischen Besuchern pro Tag eine stolzes Zubrot. An der Main Conference Hall vorbei,

drinnen der Königsthron mit Fotografier-Verbot belegt, in dunkler Ferne versteckt, zum Victoria Gate,

aber auch von hier nur Baustellenbilder, der Innenhof mit Königsgräbern

wie hier der Sihanouk Stupa,

im Nachhinein gesehen ein Besuch auf den man(n) eigentlich verzichten könnte, wenn da nicht die Empfehlungen in den Reiseführern wären,… Wir stärken uns noch an diesem Grillstand bei sehr leckeren Spare Rips und Hühnerbrüstchen,

eigentlich eher Größe F statt der erwarteten B, holen uns noch ein paar ‚Gute Nacht Bierchen‘ bei unserer Bierlady, die unser Lieblingsbier (ABC Extra Stout) um etwa 30% günstiger anbietet als unser Hotelkühlschrank und ziehen uns dann in unser Zimmer zurück, Morgen 7:45 ist Pick-Up Time, es geht weiter zum nächsten Abenteuer. Doch davon mehr im nächsten Kapitel.

© Anja & Wolfgang, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nochmals 3 Monate Australien, dann während unser Auto nach Japan verschifft per Flug, Bus und Boot durch Kambodscha und Vietnam. Mit dem Auto über Japan nach Russland und dann auf den üblichen Umwegen durch die Mongolei, Kasachstan, Kirghistan,... Richtung Westen, mit dem Ziel bis Anfang Oktober in Deutschland anzukommen.
Details:
Aufbruch: 12.11.2017
Dauer: 11 Monate
Heimkehr: 11.10.2018
Reiseziele: Australien
Malaysia
Kambodscha
Vietnam
Japan
Live-Reisebericht: Anja & schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt. Anja & über sich:
Weltreisende aus Leidenschaft