Altherrensegeln in Dänemark,das Ziel bestimmt das Wetter
Segeln ist bekanntermaßen Hochleistungssport.
Mit 78 Lebensjahren sollte man damit aufhören.
Wir sind aber 88 und 90, das Boot ist startbereit in Arnis an der Schlei. Nur als schwimmende Laube benutzen ?
Mal versuchen, ob Wind und Wetter etwas mehr zulassen werden
der Wettebericht stimmt schon mal
Smartphone und GARMIN sind die wichtigsen Instrumente beim Start
Der Skipper hat das Smartphone ständig griffbereit, 3 verschiedene Seewetterberichte kann er damit empfangen, die dänischen Berichte sogar für ganz eng begrenzte Gebiete und genaue Vorhersagezeiträume. Wenn auf allen 3 Kanälen etwa dasselbe vorhergesagt wird, dann wird man sich darauf für die nächsten Stunden darauf verlassen können.
Und heute wird es Nordwestwind geben, am Nachmittag mit maximal 5 Windstärken!
Ideal, um uns Marstal auf Aerö vorzunehmen !
Die Brücke in Kappeln passieren wir pünktlich um 10.40 Uhr, schon 500 Meter schleiabwärts setzen wir die Segel und rauschen nach 40 Minuten aus der Schleimündung raus, jetzt Kurs Nordost mit halbem Wind ohne viel Wellengang, wer soll das Ruder übernehmen ?
Das mache ich !
Bis Marstal Ansteuerung könnten wir in gut 3 Stunden dort sein.
Am GARMIN-einer ist vom Cockpit aus zu erkennen, ein weiterer hängt unten im Schiff mit gleicher Zieleingabe, aber noch weiteren Extras - kann man ablesen, ob ich vom vorgesehenen Kurs abweiche-gemessen als Fahrt über Grund und mit der Pinne versuche ich den vor mir baumelnden Kompass auf 45 Grad etwa zu halten. Bei der glatten See im Wellenschatten der Küste gelingt das mit dem kleinen Finger an der Pinne. Unsere Comfortina 32 ist prima für solche Kurse! Wir segeln sogar manchen größeren Booten davon !
Mit meinem am Kompass orientierten Kurs ist der GARMIN aber nicht ganz einverstanden. Etwas anluven, empfiehlt der Skipper. Da müssen wir wohl einen nach Südosten setzenden Strom haben, vermute ich. Genauer Kurs halten, denkt der Skipper. vielleicht.
Au Backe, das erste Spritzwasser kommt rüber und ich kriege gleich etwas davon ab. Das wird wohl noch öfter vorkommen, also Ölzeug anziehen ! Pullover gleich noch drunter, das kann ich vertragen.
Zum Festhalten der Pinne ist nun auch schon öfter die ganze Hand erforderlich. Und zum Ausgleich höher gewordener See muß ich das Ruder auch schon mal deutlich herumreißen, bis der Kurs wieder stimmt, dabei geht unsere Speed aber zurück und manchmal komme ich zu hoch an den Wind, da flattert das Segel und ich muß es dichter holen.
So pirsche ich mich vorsichtig an die auf dem GARMIN vorgegebene Kurslinie wieder heran. Fast 15 Grad mehr nördlich am Kompass, da haben wir aber ganz schöne Abdrift und/oder südöstlich setzenden Strom.
Immer öfter aber ertappe ich mich dabei, dass mein Kurs nicht stimmt, nach etwas über 90 Minuten am Ruder. Ermüdungserscheinungen ? Segeln scheint doch anstrengend zu sein.
Gern übergebe ich das Ruder nun dem Skipper und lege mich im Windschatten hinter dem Sprayhood lang. Der Skipper hält die Pinne auch fest in der Hand und hat auch satt zu tun. Äro liegt Backbord voraus in Sicht, die deutsche Küste verschwindet achteraus,
In locker einer Stunde können wir den Wellenschatten des dort nordöstlich verlaufenden Inselufers mt Steilküstenabschnitten erreichen, da gibt's weniger Spritzwasser. Der Skipper lockert die Großschot etwas, das Großsegel flattert ab und zu, aber Reffen können wir uns ersparen.
Aber auch nicht zu hoch an den Wind gehen, denn dann werden wir dort hinten vom Ufer abgedeckt !
Ich darf das Ruder wieder übernehmen, noch gut 500 Meter, da hinten wirds wohl ruhiger ! Etwas Abfallen, da stört die hohe See nicht so, im ruhigeren Wasser kannst Du ja wieder mehr Höhe fahren!
Im übrigen wärmt die Sonne auf der windabgewandten Ölzeugseite.
Noch 40 Minuten bis zu unserem Wegepunkt, der Ansteuerungstonne zum Fahrwasser in die Gewässer südlich Fünen. Steuerbord voraus sehen wir einen Segler, der diese Tonne wohl, vielleicht von Bagenkop kommend, ansteuert.
Entgegen kommen keine Boote, und das bei so tollem Wind ?
Allmählich kommen die Wellen mehr achterlich und sie scheinen länger zu werden, das Spritzwasser hat abgenommen, kein Segel flattert mehr, nun können wir den Horizont gut absuchen.
Am Vordeck stehend kann ich die Ansteuerungstonne ausmachen, da könnten wir ja noch deutlich abfallen, müssen dann aber zum erreichen der nächsten Tonnen hoch am Wind kneifen. Da können wir auch die erste Folgetonne ansteuern, wenn es dorthin tief genug bleibt.
Ein Blick auf die Seekarte, tja, da müssen wir aber unsere jetzige Position genau einzeichnen, mit Bleistift. Die Position nennt uns der GARMIN zwar, aber mt 2 Linealen auf unebenem Untergrund den Strich ziehen, das dauert verdammt lange. Unsere auch auf dem GARMIN angegebene Soll-Peilung zeigt auch Wassertiefen in Farben, aber in 5-Meter-Abständen, und da ist nur dunkelblau zu sehen, also weniger als 5 Meter., das wissen wir auch sowieso, aber wie wenig genau ? Ich klettere runter ins Boot zu dem anderen GARMIN, der zeigt die Kurslinie auch, aber die Tiefengrenzen im Abstand von 2 Metern. Da können wir auf die zweite rote Tonne zuhalten !
| Aufbruch: | 15.08.2025 |
| Dauer: | 3 Wochen |
| Heimkehr: | 03.09.2025 |
Deutschland