Altherrensegeln in Dänemark,das Ziel bestimmt das Wetter
Eigentlich können wir nur nach Westen weiter
Das Barometer steht auf der Stelle -bisher
Skippers Handy bietet heute verschiedene Wetterberichte an, was die Windrichtungen betrifft, aber später wird es auffrischen aus Südwest oder West, das sagen sie alle.!
Nutzen wir am besten erst einmal den in die Svendborgbucht nach Westen setzenden Strom, vielleicht hilft sogar der Wind noch mit !
Der Skipper kennt hier jede Ecke ganz genau, er weiß, wo wir über Flachs etwas abkürzen können und wo man die Fahrwassertonnen genauestens respektieren muß. Ich folge seinen Anweisungen und wir erreichen die Brücke über den Svenborgsund ohne Mühe unter Segeln. Doch dann wirds komplizierter, eine Fähre aus Äro kommt uns entgegen, rechts überholt uns ein Motorboot mit offenbar weniger Tiefgang als wir ihn haben.
Da muß unser Motor mal mitschieben. Das macht er eine halbe Stunde lang gegen deutlich zunehmende Brise und zunehmendem Wellenschlag.
Wetterdienst löst alle Versprechungen ein !
Ziehen wir erst einmal ein erstes Reff ins Großsegel, damit wir beim Kreuzen nicht zu sehr krängen ! Nach nur 500 Metern muß auch das zweite Reff rein; gut, dass wir nur die Arbeitsfock gesetzt haben und nicht die Genua. So läßt sich das Boot halten und wir können unsere mögliche Höhe gut ausfahren. Spritzwasser gehört auch vereinzelt dazu, das wird ein sportliches Segeln. Oder gar noch Hochleistungssport ?
Von hier aus wären Faaborg oder Avernakö anlaufbare Ziele. Mit mindestens 4 Stunden dorthin müssen wir rechnen. Das schaffen wir ! So nehmen wir es uns jedenfalls vor.
mein GARMIN unter Deck zeichnet unsere Kurse ständig auf und läßt erkennen, wo es zu flach zum Weitersegeln wird, dazu das Echolot, auf das wir vom Cockpit aus blicken können. Da läßt sich der optimale Kurs herausholen !
Höhepunkt oder Tiefpunkt unserer Segelreise?
Der Blick unter Deck in meinen GARMIN sagt mir schon frühzeitig genug, wie lange wir etwa Zeit bis zum nächsten Kreuzschlag haben werden. So lange kann ich mich auch unten mal flach legen und den Skipper weitersegeln lassen. Zwischenerholung tut ganz gut!
Vielleicht schafft der Skipper sogar , auf dem Nordwestkurs um ein Flach vor der Einmündung einer Bucht Richtung Faaborg vorbeizukommen, das Echolot wird es entscheiden müssen, dann wird er mich zur Wende an Deck rufen !
Da kommt sein Ruf doch !
Ich schieße hoch, will die Fockschot zum Lösen greifen, da löst sie sich aber schon von selbst, weil ich wohl auf ein loses Schotende getreten bin.
Die Fock flattert zu früh, der Skipper versucht zu wenden, die Fock schlägt wie wild, aber die Wende gelingt nicht.
Neuer Versuch, jetzt unter Motor, den er sofort angeworfen hatte.
Da knallt es vorn!
Die Fock ist von unten nach oben ca. 40 cm parallel zu ihrem Achterliek gerissen und flattert wild weiter, per Fockschot dichter holen geht nicht, da würde man den Riß nur noch verlängern!
Es bleibt erst mal nur, mit Südwestkurs von der Untiefe freizukommen, dabei die Roll-Fock soweit möglich aufzurollen und dann nach erneutem Kurswechsel nach Nordwesten auf Faaborg zuzusteuern.
Das gelingt unter Motor zwar, aber trotz stehendem gerefftem Großsegel machen wir nur 1,8 Knoten über Grund ! Vorher waren es ständig zwischen 4 und 6 Knoten gewesen !
Eine Engstelle vor Faaborg müssen wir auch noch passieren, auf der uns hoffentlich nicht viel Strom entgegenkommt !
Die Stelle erreichen wir und durchqueren sie mit 1,1 Knoten !
Nun geht es auf Faaborg Hafen zu, die Restfock knallt weiter von oben bis unten, an eine Bergung von Deck aus ist nicht zu denken ! Aber weiter aufrollen geht auch nicht !
Wir laufen in den Hafen ein, alle dort liegenden Segler sehen uns besorgt einlaufen. Wir müssen unbedingt einen Liegeplatz finden mit Steven gegen den Wind, die gibt es heute an den Pfählen an keiner Stelle.
Nur eine einzige Lücke an Steuerbord an der Kaimauer, da müssen wir festmachen können !
Ohne eine Festmachhilfe von Land aus unmöglich, denn ich komme vorn an der flatternden Fock nicht mit einem Sprung an Land, aber achtern zuerst festmachen, wäre zu riskant!
Eine Frau an Land ruft einen jungen Mann zu Hilfe und gibt ihm und mir Anweisungen vom Ufer aus, was wir machen sollen!
Er schnappt eine zugeworfene Leine, legt sie an Land um einen Poller und wirft mir beide Enden wieder zu. Ich krieche unter der flatternden Fock nach vorn, kann die Leine dort befestigen. Das Boot treibt etwas zurück, Fender dazwischen, bevor die Vorderleine stramm wird, da drückt es uns an die Mauer und wir machen auch achtern fest.
Der junge Mann springt an Deck und gemeinsam versuchen wir, die Fockfall zu lösen.
Aber aufgerollt läßt sie sich nicht runterziehen!
Wir lösen auch die Fock an der Aufrolleine, die freiwerdende größere Segelfläche bringt die Fock noch mehr zum Flattern, aber das Schlimmste:das abgerissene Endstück hat sich oben um den Vorstag in Gegenrichtung gewickelt!
Wir reißen gemeinsam am Achterliek der Fock nach unten, dabei knallt mir die Fockschot ins Gesicht ! Nur gut, dass dort kein harter Schäkel befestigt war, sondern nur zwei Pahlstegknoten !
Die Frau auf dem Ufer gibt uns viele nützliche Hinweise, in welche Richtung wir ziehen sollten und nach 5 Minuten endlich bewegt sich alles nach unten !
Geschafft !
Wie kann es nun weitergehen ? Die Fock dürfte kaum noch zu reparieren sein !
Künftig ständig mit der Genua weitersegeln ? Bei so viel Wind ? Und dann womöglich eine Genua so bergen müssen wie heute ?
Dem Skipper läßt das keine Ruhe. Da könnte unter der Vorderkoje in einem bläulichen Segelsack noch die alte Fock von anno dunnemals stecken, sieh doch mal nach. Ich krieche runter, schon ziemlich entkräftet und finde auch den Sack.
Wir öffnen ihn, tatsächlich, das ist eine Fock !
Nur diese Fock heute schon ins Vorderliek einziehen, da muß der Wind erst mal nachlassen.! Meine Kräfte reichen noch, die zerrissene Fock wegzupacken, dann ist erst mal Ruhepause angesagt.
Auch der Skipper ist beruhigt, die Reise hat hier kein Ende gefunden.
Gegen 20 Uhr hat der Wind etwas nachgelassen. Die alte, nun zu benutzende Fock liegt doch nur im Wege, jetzt können wir die schon mal ins Vorliek einziehen.
Gesagt getan. Anschließend sieht sich der Skipper alle Wetterberichte für morgen auf dem Handy an. Mir ist heute erst mal alles egal.!
| Aufbruch: | 15.08.2025 |
| Dauer: | 3 Wochen |
| Heimkehr: | 03.09.2025 |
Deutschland