Altherrensegeln in Dänemark,das Ziel bestimmt das Wetter

Reisezeit: August / September 2025  |  von Manfred Sürig

Zeit, die Rückfahrtroute zu planen

5 bis 6 Tage bleiben uns noch bis zum Heimathafen Arnis. Bei den südlichen Winden werden wir über Sonderburg zurückfahren müssen. Da gibt es mehr Häfen als wenn wir nördlich von Alsen entlang fahren und zuletzt womöglich ein langes Stück gegenan kreuzen müßten. Da ist auch noch der schöne Liegeplatz in der Bucht von Mjelsvig. Augustenborg könnten wir uns auch noch vornehmen, um nicht zu früh in Sonderburg anzukommen. Der Wetterbericht bietet heute immerhin Süd bis Südwest an, da können wir ein langes Stück anliegen.
So kommt es dann auch, nur ganze zwei Kreuzschläge sind nötig, unter vollen Segeln bewährt sich auch die Fock.
Mjelsvig steuern wir unter Motor langsam an und werden von der Hafenmeisterin dort schon als Stammgäste begrüßt. Brötchen für morgen werden bestellt und ich krame aus unseren Bordvorräten heraus, was wir noch haben. Bier in Dosen satt, noch 2 Bib's Weisswein und Konserven noch für mehrere Wochen !
Tags darauf dasselbe Wetter.
Hoch am Wind können wir den Augustenborgfjord erreichen, aber als wir um eine Huk uns herumkneifen wollen, brummen wir wenige Meter vom Land entfernt auf.
Schnell hart Ruder geben, Motor an und wir kommen herum und sind frei. Wir waren wohl auf einen Steilhang unter Wasser gelaufen, denn das Echolot hatte kurz vorher noch 4 Meter Tiefe angezeigt. Der Blick auf den GARMIN hinterher zeigt jedoch, dass wir mit unserem Kurs unmöglich um die Nase hätten herumkommen können.
Eine Meile vor Augustenborg wird die Rinne zu eng, um überhaupt eine Wende fahren zu können, da motoren wir geduldig rein und nehmen uns einen sonnigen Platz am Ende eines langen Stegs längsseits.

Am nächsten Morgen merken wir, warum dieser Platz frei geblieben ist: bei Westwind läuft der Schwell genau auf diesen Vorsprung zu und man liegt fast auf Legerwall. Doch wir erleben es nur bei Windstärke 1 bis 2 !
Immerhin ein Grund früh genug auszulaufen, um jeden Wind nutzen zu können.
Nordwestkurs können wir fast halten, da kneifen wir um jeden Meter Höhe in der Fahrrinne zurück im Augustenborgfjord. Eine grüne Tonne liegt uns auf dem Weg eigentlich zu weit rechts, wir rutschen zu nahe am Flughafen lang, denken wir, doch schon brummen wir auf, nur 2 Meter von der Tonne weg ! Erneut hart Ruder geben, Motor an und frei sind wir wieder.. Anschließend ein Blick auf den GARMIN unten im Boot: Kein Wunder, das mußte ja so passieren !
Im Alsensund nach Süden auf Sonderburg zu passen wir ganz genau auf, schon bei 4 Meter angezeigter Wassertiefe machen wir unsere Kreuzschläge und erreichen die Brücke in Sonderburg wenige Minuten, nachdem sie gerade geöffnet und wieder geschlossen worden war. Also eine Stunde hin- und herfahren bis zur nächsten Brückenöffnung um 14.45 Uhr,
Als wir durch sind, begegnen uns schon hohe Wellen im Hafeneingang an der Burg. Unter Motor müssen wir gegenan, wie wir es lange nicht mehr kennen. Da wir heute ja ohnehin nicht weiter wollen, steuern wir den Yachhafen mit über 1000 Liegeplätzen an 13 Stegen an. Freie Plätze gibt es satt, die Einfahrbreiten zwischen den Pfählen sind gut angezeigt. Wir brauchen mindestens 3,20 Mter Breite, da fallen einige freie Plätze für uns aus.
Der Skipper fährt zwischen 2 Stegen auf einen freien Platz zu, der Wind drückt von Steuerbord kräftig, so dass wir beim ersten Versuch der Ansteuerung zu weit nach Backbord versetzt werden, also ein neuer Versuch mit mehr Schwung, damit das Boot besser am Ruder reagieren kann. Ich stehe mit der Backbord-Achterleine am Vordeck, um die Leine über den Pfahl stülpen zu können und gebe noch Zeichen, dass wir noch weiter nach Steuerbord müssen. Doch zu spät, wir sind zu schnell, der Pfahl bleibt links vom Steven und wir sausen auf das Heck eines dort vertäuten Bootes zu. Bremsen hilft nicht genug, unser Ankerbeschlag geht in die Höhe samt daraufliegenem Anker und es knirscht empfindlich am Heck des andern Bootes.

Mit kräftigem Rückwärtsgang kommen wir zwar wieder frei, aber dieser Liegeplatz kommt wohl nicht für uns infrage, zu starker seitlicher Wind.
Wir fahren in eine ganz andere Öffnung zwischen zwei Stegen und können zwei nebeneinanderliegende freie Plätze erkennen. Wir suchen uns den in Luv gelegenen Platz aus und erreichen prompt den leewärtigen Platz, können uns aber , auch dank der Mithilfe von andern Leuten auf benachbarten Liegeplätzen gut festmachen.
Ich gehe nun sofort zu Fuß zu dem Steg, den wir ursprünglich anlaufen wollten, mache mehrere Fotos der beschädigten Stelle am Heck des gerammten Bootes und komme wieder zurück am Büro des Hafenmeisters vorbei. Ihm erzähle ich von unserem Mißgeschick, er weiß jedoch längst Bescheid, weil andere Bootseigner am ursprünglchen Steg den Hafenmeister sofort telefonisch verständigt hatten. Der Eigner des beschädigten Bootes sei mit dem Auto bereits unterwegs zum Yachthafen und werde sich bei uns in Kürze melden.
So kommt es dann auch. Der Skipper tauscht seine Versicherungsdaten mit dem andern Eigner aus und verspricht, für den Schaden aufzukommen. Nicht schön, aber leider nicht zu ändern.
Am späten Nachmittag kommen mehrere Gruppen von Jugendlichen an unsren Steg, betreten drei Segelboote und segeln untereinander wohl eine Feierabendregatta draußen auf der Flensburger Außenförde. Kurz nach Sonnenuntergang rauschen sie unter vollen Segeln wieder in den Hafen, biegen in die Öffnung zwischen den Stegen ein und fahren zum Schluß mit flatternden Segeln genau zwischen die Pfähle ihrer Plätze. Binnen Sekunden kommen die Segel herunter, ein Besatzungsmitglied springt auf den Steg, bremst am Steven des Bootes von Hand ab, zwei Leinen vorn und zwei hinten werden zugeworfen und binnen einer Minute liegt das Boot so am Platz, wie es liegen muß. Eine meisterhafte Anlegeleistung, ja, aber mit je 6 Mannschaftsmitgliedern an Bord, von denen jeder seine Rolle genau kannte!

© Manfred Sürig, 2026
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Segeln ist bekanntermaßen Hochleistungssport. Mit 78 Lebensjahren sollte man damit aufhören. Wir sind aber 88 und 90, das Boot ist startbereit in Arnis an der Schlei. Nur als schwimmende Laube benutzen ? Mal versuchen, ob Wind und Wetter etwas mehr zulassen werden
Details:
Aufbruch: 15.08.2025
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 03.09.2025
Reiseziele: Dänemark
Deutschland
Der Autor
 
Manfred Sürig berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.