In 300 Tagen um die Welt - Ein kleines Reisetagebuch

Reisezeit: April 2005 - Februar 2006  |  von Sonja Liptai

Indien: Infos ueber PJ in Bangalore

Da ich wiederholt Anfragen wegen des PJ in Bangalore bekommen habe, hier ein paar Infos:

1. Berichte
Neben meinem kleinen Bericht ueber den Alltag im Krankenhaus habe ich sehr viele Informationen ueber Bangalore, aber auch den Rest der Krankenhaus-Welt auf folgenden Seiten gefunden:
www.dfa-germany.de : Viele Famulatur- und PJ-Berichte aus der ganzen Welt machen einem die Entscheidung wirklich schwer, wohin man eigentlich gehen will.
www.medizinstudent.de : Meist Verweise auf DFA, aber auch andere Berichte
www.thieme.de/viamedici/laender/index.html
www.indianchild.com/medical_schools_india.htm: massenhaft Adressen von indischen medical schools, bei denen wir theoretisch PJ machen koennten (vorher natuerlich beim LPA anfragen...)

2.Ansprechpartner
Am besten wendet Ihr Euch per email an den Dean des St.John Medical College: deansjmc@vsnl.net. Ihr bekommt von Ihm einen Vordruck mit allen Infos. Ausfuellen, abschicken und hoffen, dass Ihr an alles gedacht habt, die Reaktionen sind naemlich ganz schoen langwierig, wenn denn ueberhaupt welche kommen. Aber es ist kein Problem, einen PJ-Platz zu bekommen! Bewerbt Euch gut ein halbes Jahr im Voraus, der Schriftverkehr, auch der per Internet, ist ganz schoen zaeh!

3. Anrechnung
Prinzipiell weiss ich leider nicht, welches Landespruefungsamt Bangalore akzeptiert und welches nicht, aber ich weiss, dass Stuttgart sehr nett ist und eigentlich immer mit sich reden laesst. Denkt daran, dass man offiziell nur drei Monate in Bangalore machen darf (waehrend unserer Zeit war es aber kein grosses Problem, einfach einen Monat zu verlaengern...)!

4. Kosten
Fuer zwei Monate haben wir 250 Dollar pro Person bezahlt, alles was darueber geht, kostet automatisch 500 Dollar. Jeweils im Voraus per komischem Check zu bezahlen, oder aber vor Ort (dies aber mit Sekretaerin klaeren!)

5. Wohnen
Es ist kein Problem, irgendwo in Bangalore ein Hotel zu finden, aber mal ehrlich: Das Wohnheim direkt neben dem Krankenhaus ist einfach zu bequem! Vielleicht ist es nicht das Hilton, aber wer Luxus erwartet, ist in Indien eh falsch! Also einfach mit Hock-Klo und Kakerlaken anfreunden und die Naehe zum Krankenhaus geniessen!

6. Eigene Meinung
Diese email habe ich vor ein paar Tagen Desi geschrieben, die sich nach Bangalore erkundigt hatte, aber das kann ich wohl mal einfach kopiert an alle richten:

Den Wunsch, nach Indien zu gehen, um einen Teil des PJ oder eine Famulatur
zu machen, kann ich gut verstehen.
Bist Du schon einmal in Indien gewesen? Ich frage, weil ich finde, dass man
sich vor einer solchen Entscheidung, dort in ein Krankenhaus zu gehen, klar
machen muss, worauf man sich einlaesst. Dass hoert sich ganz schoen stressig
an, was? Indien ist nicht gefaehrlich, mal abgesehen davon, dass manche
Maenner westlich aussehende Frauen ziemlich anstarren und ab und zu mal
schon eine Hand an Deinem Hintern entlangstreift. Aber auch das passiert
extrem selten und eigentlich nur am Anfang, wenn einem das Ueberfordertsein
noch im Gesicht geschrieben steht.

Nicht die Gefahr macht Indien aus, sondern die Tatsache, dass das Land
einfach total anders ist als alles, was man sonst kennt. Es ist dreckig,
laut, man sieht ausgemergelte alte Frauen, behinderte Maenner und hungernde

Kinder. Und egal, was man sich vornimmt: Irgendwann kommt man darauf, dass
man das Land hasst. -Um es nach drei Minuten wieder voellig irrational zu
lieben und sich zu schwoeren, immer wieder zurueck zu kommen.

Aber genug von dem Land, vielleicht hast Du selbst bereits genuegend
Erfahrungen gesammelt, mach Dir einfach nur bewusst, dass es eine
Herausforderung ist, die Dich wesentlich mehr beanspruchen wird als ein Land
wie USA, Australien oder England.
Das PJ im St. John's Hospital in Bangalore ist nicht fuer jeden etwas: Es
sind ueberdurchschnittlich viele Deutsche dort, was in unserer Gruppe total
klasse war, was aber bestimmt fuer andere ganz schoen nervig sein kann. Zu
unserer Abreise sind sechs neue Deutsche angekommen, man kann also
davonausgehen, dass es eher der Regel entspricht.
Ich persoenlich war bedingt gluecklich auf meinem Department. Einerseits
sind die Aerzte wirklich extrem nett, aber das indisch-englisch ist enorm
anstrengend, und irgendwann schaltet man oft ab, obwohl man doch eigentlich
was lernen wollte... andererseits war ich in der gluecklichen Situation,
dass eine Aerztin sich meiner angenommen hat und mich in OPs auch mal hat
etwas machen lassen, was ich total spannend fand. Allerdings ist nur zweimal
in der Woche OP-Tag, und von dem her war ich nicht gerade ueberarbeitet...
andere Leute hatten weniger Glueck und standen am OP-Tag nur bloed rum.

Also ich wuerde Dir raten, Dir vorher Gedanken zu machen, was genau Du Dir
vorstellst: Willst Du wirklich chirurgisch etwas lernen? Gehe lieber nach
Sued-Afrika. Willst Du vor allem Indien sehen und viel Freizeit haben, um
Land und Leute kennenzulernen? Dann ist Bangalore eine gute Entscheidung.
Oder Du waehlst ein anderes indisches Krankenhaus wie z.B. Mumbai, dort
hatten wir ebenfalls ohne Probleme eine Zusage bekommen und Mumbai ist mit
Sicherheit die interessamtere Stadt (dafuer liegt Bangalore weiter im
Sueden... es hat Vor- und Nachteile!).

So, ich hoffe, diese Informationen helfen Euch weiter, ansonsten habt ihr ja meine Adresse, ich weiss zwar nicht viel, aber ich werde gerne versuchen, Eure Fragen zu beantworten!
Liebe Gruesse, Sonni***

© Sonja Liptai, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Deutschland brechen wir über die USA, West Samoa, Neuseeland, Australien und Südostasien nach Indien und Südafrika auf, um dort im Krankenhaus einen Teil unseres Praktischen Jahres zu machen. Für mentale, passive oder philosophische Begleitung sind wir jederzeit dankbar!
Details:
Aufbruch: 20.04.2005
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 13.02.2006
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Samoa
Australien
Singapur
Indien
Der Autor
 
Sonja Liptai berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.