In 300 Tagen um die Welt - Ein kleines Reisetagebuch

Reisezeit: April 2005 - Februar 2006  |  von Sonja Liptai

Adelaide

Und brav wie ich bin, melde ich mich schon bei meiner naechsten Moeglichkeit...

Hallo ihr alle!

Australien ueberrascht uns momentan jeden Tag aufs Neue: Immer wenn wir denken, es wuerde jetzt erstmal Altbekanntes folgen, werden wir mit Ueberraschungen nur so ueberschuettet!
Aber chronologisch: Nachdem wir uns in Alice Springs herrlich ausgeruhrt haben, fuhren wir auf einem traumhaften, sandigen, beinahe griechisch anmutenden (naja, ich war noch nie in Griechenland, aber so muss es da sein, wenns nach mir geht!) Outback-Track zum Kings-Canyon, wo wir zwei Tage wandern waren, gelesen haben, Fliegen verjagten und realisiert haben, dass der Norden Australiens vielleicht rot ist, aber dennoch Red Center seinen Namen verdient hat. Kaum zu glauben, wie viele unserer Photos rote Steine zeigen!
Weiter ging es nach Yulara, dem Resort, das direkt vor dem Uluru - Kata Tjuta - NP liegt. Natuerlich haben wir uns gleich aufgemacht, um endlich den Stein zu betrachten, ich meine, immerhin ist er ja ein australisches Icon... und da fuhren wir dann nun, un anschliessend standen wir, und standen und standen... warum Uluru fuer die Aborigines etwas Besonderes und Heiliges darstellt, ist vielleicht aus der Ferne nicht zu begreifen. Doch wenn man davor steht, der blaue Himmel strahlt so dunkel wie sonst nie, das Rot brennt sich in Dein Gedaechtnis und nicht einmal die Fliegen gehen Dir mehr richtig auf die Nerven, dann spuerst Du unweigerlich etwas von der wahren Groesse dieses Steines. Das Besteigen wird von den Ureinwohnern und wahren "Besitzern" des Nationalparks nicht fuer gut geheissen, dennoch ist es nicht verboten, aber wir haben uns dagegen entschieden, denn immerhin sollte man den Wunsch respektieren. Viele tun es nicht.

Am naechsten Tag waren wir bei den Kata Tjuta, einer etwa 30km entfernten Felsformation, die schattiger, zerkluefteter und gruener ist, und sich deshalb anbietet, einen Spaziergang zu machen. Laura und Andi haben uns ja schon erzaehlt, dass es ihnen dort sehr gut gefallen hat, koennen wir nur bestaetigen!
Unsere Reise fuehrte weiter in den Sueden. Obwohl die Naechte jetzt deutlich kuehler wurden, haben wir uns nicht von unserem Zelt trennen koennen, allerdings schlafe ich inzwischen mit zwei Pullis und zwei Paar Socken und werde auch noch meine Jacke anziehen, wenn das alles nichts bringt!
Der Odnadatta-Track ist eine 600km lange Schotterpiste durch eines der trockensten Gebiete Australiens, entlang an riesigen Salzseen, kargen Wuestenlandschaften, einer Unzahl an Kuehen und drei "Ortschaften", wovon Williams Creek mit 6 permanenten Einwohnern die kleinste ist. Dort eine Nacht zu verbringen und im Pub ein paar Bierchen zu trinken hat mit Sicherheit zu den besten Entscheidungen gehoert, die wir in den letzten Monaten getroffen haben. Mehr mit Australien kann man kaum in Verbindung kommen (neben uns waren ein paar aeusserst nette und gespraechige Rentner und eine Schulklasse von 70 pubertierenden Kindern Gaeste, die uns erklaert haben, dass sie noch nie Aboriginals gesehen haben und nicht wussten, dass die Olgas eigentlich Kata Kjuta heissen)! Kaum vom Track runter hat Volker dann das erste mal Kangoroo gegessen. Kommentar: "Schmeckt gut, ein bisschen wie Rind. Haette irgendwie mehr Hase erwartet." Woraufhin er mit glasigen Augen an den Hasenbraten seiner Oma gedacht hat... Jaja, zu Hause schmeckts halt doch am besten!

Aber nicht, dass das schon alle angenehmen Erlebnisse gewesen waeren! Da das Wetter inzwischen ziemlich regnerisch geworden war, uebernachteten wir die naechste Nacht auf einem zum Campground umgebauten Schulgelaende, wo ich etwa eine Stunde lang versucht habe, ein kommendes Gewitter zu photographieren. Bis auf ein paar Zufallsbilder ist mir allerdings nichts gelungen. Irgendwelche Tips von passionierten Blitz -(wie Donner) Photographen? Der naechste Tag brachte dann ein paar Stueckchen blauen Himel und die Entscheidung, die Schotterpiste zu den Flinders Ranges zu nehmen. Und welch gute Entscheidung das war! Mit Freude konnte Volker endlich durch alle Flusslaeufe dieser Hemisphaere fahren, durch Dreckpfuetzen und Schlamm-Massen. Unser MAL sah aus wie Sau, aber dabei ziemlich wuerdevoll und ganz schoen cool! Als dann auch noch Emus unseren Weg passierten und riesige Kangoos gemuetlich in der Sonne lagen, waren die Flinders ganz schnell zu unserem Lieblings-NP geworden! So viele Tiere wie in diesen zwei Tagen haben wir sonst kaum gesehen. Sogar neben unserem Zelt sind die Kanguruhs seelenruhig herumgehuepft!
Weiter -ja, es geht noch weiter!- hat uns dann wieder die Zivilisation eingeholt. Und damit der Handy-Empfang. Kaum zu glauben, aber seit Cairns hatten wir den so gut wie gar nicht mehr! Die Nacht haben wir in einem von Australiens bekanntesten Weinanbaugebieten verbracht, wo wir beinahe erschlagen wurden von den huebschen, sehr europaeischen Doerfern mit ihren Steinhaeusern, Reben und gruenen Wiesen. Der deutsche Einfluess hier ist ueberall zu spueren, und das auf eine sehr angenehme Art und Weise! Die Landschaft erinnert stark an die neuseelaendischen Huegel, und das ist ein wahres Kompliment!
Und nun sind wir - endlich!- in Adelaide angekommen, wo wir schon in Chinatown verliebt sind und wunderschoene Haeuser im vorbeifahren bewundern durften.
Da frage ich: Was kommt noch?
Liebe Gruesse von den staendig in neuer Begeisterung schwelgenden SUV***

© Sonja Liptai, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Deutschland brechen wir über die USA, West Samoa, Neuseeland, Australien und Südostasien nach Indien und Südafrika auf, um dort im Krankenhaus einen Teil unseres Praktischen Jahres zu machen. Für mentale, passive oder philosophische Begleitung sind wir jederzeit dankbar!
Details:
Aufbruch: 20.04.2005
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 13.02.2006
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Samoa
Australien
Singapur
Indien
Der Autor
 
Sonja Liptai berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.