Israelrundreise 2009

Reisezeit: September 2009  |  von Eduard Macheiner

En Karim (Ein Karem) und Bethlehem

Das ca. 4 km südwestlich gelegene, ehemals von Arabern bewohnte Dorf gilt in der christlichen Überlieferung als der Ort, wo Zacharias und Elisabeth lebten, wo Maria ihre schwangere Cousine Elisabeth besuchte, bekannt als Heimsuchung (Lukas 1, 39 - 56), und wo Elisabeths Sohn, Johannes der Täufer, geboren wurde (Lukas 1, 57 - 66).
Von der Hauptstraße führt eine Straße zum Johanneskloster der Franziskaner. Die Kirche wurde im 17. Jh. über der Geburtsgrotte Johannes' erbaut. Nahe dem Eingang ist ein Mosaik aus dem 5./6. Jh. mit Pfauen und Tauben erhalten; deren griechische Inschrift lautet "Sei gegrüßt, Märtyrer Gottes". Eine Marmorplatte in der Krypta weist die Inschrift auf: "Hic Praecursor Domini natus est" (Hier wurde der Vorläufer des Herrn geboren). Reliefs erinnern an Ereignisse aus dem Leben Johannes' des Täufers.
Die Quelle mitten in En Karim wird seit der Kreuzfahrerzeit 'Marienquelle' genannt, weil hier Maria, vor dem Anstieg zu Elisabeth's Haus, aus dieser Quelle trank. Bei der Quelle steht noch die Moschee der arabischen Bevölkerung, die den Ort 1948 verließ. Steintreppen führen zur Franziskanerkirche Visitatio Mariae (Kirche der Heimsuchung) an der Stelle des Hauses, in dem Maria Elisabeth besucht hat. Der zweigeschossige moderne Bau mit einem Mosaik der Visitatio an der Stirnseite wurde über den Ruinen einer Kreuzfahrerkirche errichtet.

Marienquelle

Marienquelle

Magnifikat

Magnifikat

Besuchskirche

Besuchskirche

Nach Ein Karem besuchten wir kurz das Israelische Parlament, die Knesset, und fuhren anschließend weiter nach Bethlehem. An der Stadtgrenze von Jerusalem verließ uns unsere Führerin Michal, da sie als Israelitin nicht nach Bethlehem einreisen durfte. Deshalb stieg am Checkpoint nach Bethlehem, Shukri Abu Allis, ein arabischer Christ aus der Geburtsstadt Jesu', welcher in München Architektur studiert hatte, zu uns in den Bus. Shukri führte uns vorerst mal in ein palästinensisches Restaurant zu einem vorzüglich schmeckenden Essen. Bier und Wein zum Essen war für die Palästinenser in diesem Restaurant überhaupt kein Thema, obwohl sie selbst als Muslime ja keinen Alkohol trinken. Nach diesem Mittagessen besichtigten wir die Geburtskirche.

Geburtskirche in Bethlehem

Geburtskirche in Bethlehem

Bethlehem
Der hebräische Name des Geburtsortes Jesu spielt auf die Fruchtbarkeit der Region an, denn er wird mit "Haus des Brotes" übersetzt (hebr. "lehm" = Brot), während der arabische Ortsname "Haus des Fleisches" (Beit Lahm) bedeutet. Christen aus aller Welt pilgern hierher, um in der Geburtsgrotte zu beten.
Erstmals erwähnt wird der Ort im Bericht über den Tod von Jakobs Frau Rahel. Sie starb bei der Geburt ihres zweiten Sohnes Benjamin "und wurde begraben am Wege nach Efrata, das nun Bethlehem heißt" (1. Moses 35, 19). Jahrhunderte später ging die verwitwete Ruth aus Moab mit ihrer Schwiegermutter Naemi in deren Heimat Bethlehem zurück. Dort heiratete Ruth Boas und gebar Obed, "der Vater Isais, welcher Davids Vater ist". David wurde in Bethlehem zum König gesalbt. Aus seinem Geschlecht schließlich stammt der Überlieferung nach Jesus, der in Bethlehem geboren wurde, nachdem Maria und Josef von ihrem Wohnsitz Nazareth zur Volkszählung hierher gezogen waren (Lukas 2, 1 - 7).
Von 1967 bis zum 21. Dezember 1995 war Bethlehem, etwa 10 km südlich von Jerusalem in einer hügeligen, fruchtbaren Landschaft gelegen, von Israel besetzt, heute steht die Stadt unter palästinensischer Verwaltung. Bethlehems arabische Bevölkerung besteht zur Hälfte aus Christen und Muslimen. Ein Großteil der Einwohner lebt vom Tourismus - besonders prominent sind die Herstellung und der Verkauf von Heiligenfiguren und Krippen aus Olivenholz, aber auch von schmuck sowie Perlmutt- und Stickereiarbeiten.

Geburtskirche
Nach der Niederschlagung des Bar-Kochba-Aufstandes errichtete Kaiser Hadrian 135 über der Geburtsgrotte ein Adonisheiligtum, das Kaiser Konstantin 325 durch eine Kirche ersetzen ließ Bei dieser handelte es sich wahrscheinlich um eine fünfschiffige Basilika mit Atrium im Westen und einem Oktogon im Osten. Darunter lag die Grotte, auf die die Pilger durch eine Öffnung in der Mitte hinunterblicken konnten. 386 reiste Hieronymus nach Bethlehem, ließ sich in einer Höhle neben der Geburtsgrotte nieder und verfasste seine berühmt gewordene lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata. Schon damals kamen Pilger aus vielen Ländern nach Bethlehem.

Rebellierende Samariter zerstörten die Kirche 529. Sabbas, der im nahen Kloster Mar Saba lebte, versuchte Kaiser Justinian für einen Neubau zu gewinnen. Justinians Architekt übernahm von der älteren Kirche das fünfschiffige Langhaus, ersetzte das Oktogon durch eine Dreikonchenanlage (Konche = Einbuchtung oder halbrunde Nische) und verzichtete auf das Atrium.
Dass diese Kirche bis heute steht, mutet wie ein kleines Wunder an. So haben etwa die gegen Byzanz vorrückenden Perser sie 614 verschont, weil sie in den orientalisch gewandeten Heiligen drei Könige auf einem Relief über dem Eingang Landsleute zu erkennen glaubten. An Weihnachten 1100 wurde Balduin I. hier zum ersten König von Jerusalem gekrönt. 1161 bis 1159 ließ Kaiser Manuel von Byzanz die Kirche gründlich restaurieren.
Im 18. und 19. Jh. kam es immer häufiger zu Auseinandersetzungen zwischen Griechisch-Orthodoxen, Katholiken und Armeniern, die sich durch das Eingreifen von Russland und Frankreich noch verschärften. Die Hohe Pforte versuchte dem 1757 durch eine Nutzungsregelung entgegenzusteuern, die bis heute gültig ist.
Die festungsartige Geburtskirche steht in der Ostecke des Krippenplatzes eingezwängt zwischen einem Franziskanerkloster mit der Katharinenkirche im Norden, einem griechisch-orthodoxen Kloster im Südosten und einem armenischen Kloster im Südwesten. Von ihren ursprünglich drei Eingängen sind die beiden seitlichen vermauert. Am Mittelportal blieben das originale Türgewände und der Architravbalken des justianischen Baus aus dem 6. Jh. erhalten. Die Kreuzfahrer haben den Eingang verkleinert, indem sie ein Spitzbogenportal hineinstellten und die oberen Partien vermauerten. Später wurde er noch einmal verkleinert, sodass er heute nur noch 1,20 m hoch ist und den Eintretenden zu einer gebückten Haltung zwingt - deshalb auch der Beiname Demutspforte.
Von beiden Seiten des Querhauses kommt man durch ein fein gearbeitetes Spitzbogenportal mit Bronzetüren aus der Kreuzfahrerzeit über eine Treppe hinab in die gut 12 m lange und 4 m breite Geburtsgrotte. Die Stelle der Geburt Jesu kennzeichnet ein Silberstern mit der Inschrift "Hic de virgine Maria Jesus Christus natus est ("Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus geboren"). Darüber steht in einer Nische ein Altar mit kaum noch erkennbaren Mosaiken aus dem 12. Jh. Gegenüber, drei Stufen tiefer, liegt die Krippenkapelle, wo die Anbetung der Hirten stattfand (Lukas 2, 16 - 19); nahebei steht der Altar der Heiligen Drei Könige.

Wir betreten durch das "Tor der Demut" (Höhe 1,20 m) die Geburtskirche.

Wir betreten durch das "Tor der Demut" (Höhe 1,20 m) die Geburtskirche.

Die Geburtsstelle
Der heiligste Ort des Christentums

Die Geburtsstelle
Der heiligste Ort des Christentums

Ich berühre die Geburtsstelle

Ich berühre die Geburtsstelle

Nach dem Berühren der Geburtsstelle, des heiligsten Ortes des Christentums, setzten wir uns gegenüber der Geburtsgrotte ein Weilchen in die Stühle und ließen den soeben erlebten Eindruck noch einmal auf uns einwirken. Danach entzündete Martha einen Bund Kerzen an der Geburtsstätte. Anschließend besichtigten wir noch das Grab des Hieronymus und dessen Studierzimmer. Auf dem Krippenplatz hatten wir dann eine kurze Verweildauer, um uns diese heilige Stätte noch einmal in Erinnerung zu rufen - ein erhebendes Gefühl breitete sich in uns aus.
Danach durchstreiften wir einen, von arabischen Christen geführten, Souvenirladen, um uns mit diversen Andenken einzudecken. Shukri wies uns darauf hin, dass wir etwaige Mitbringsel in diesem Geschäft kaufen sollen, da mit dem Erlös der christlichen Gemeinde in Bethlehem geholfen wird. Das hier ziemlich überhöhte Preise verlangt wurden, merkten wir erst am nächsten Tag in Jerusalem - aber was soll's, wir sind ja keine Bettler!!
Zusammen mit Reisegruppen, Nonnen und Pilgern aus aller Welt irren wir anschließend durch ein Labyrinth aus Gängen und Metalltüren. Wir pressen unsere Pässe an die Scheiben, ernten ein Nicken, drücken uns durch Drehtüren und Drehkreuze - grelles Neonlicht, mattgelbes Wellblech, Pfützen in den Gängen. Die Soldaten, meist weiblichen Geschlechts, verbergen sich hinter Panzerglas, auf einem Gitter über unseren Köpfen patroulliert ein Soldat, die Waffe im Anschlag. Am Ausgang dann ein Plakat, in meterhohen Buchstaben darauf der für uns höhnische klingende Spruch: "Peace be with you". Es ist nicht der Stern von Bethlehem, der uns leitete, sondern Flutlicht. Die Weihnachtsstadt ist verschwunden, hinter einem Zaun, der hier eine Mauer ist, acht Meter hoch, höher als die meisten Häuser von Bethlehem, massiver Beton, er kreist die Stadt auf fast drei Seiten ein. Teil eines Sicherheitswalls, bereits insgesamt 200 Kilometer lang, noch 400 Kilometer sollen dazu kommen. Der Zaun schottet Bethlehem ab von Jerusalem, das gerade mal zehn Kilometer entfernt im Norden liegt, schottet es ab von den Siedlungen, die direkt davor liegen. "Der Zaun ist keine Grenze. Die Grenze wird durch Verhandlungen festgelegt werden", steht in einer Broschüre am israelischen Checkpoint. Aber hier steht kein Zaun, sondern eine betonierte Grenze, an der man einen Pass braucht; hier sieht es nicht nach Provisorium aus, sondern nach Endzustand.

The Wall

The Wall

Zwischen Bethlehem und Jerusalem stieg Michal wieder in den Bus und wir fuhren durch Jerusalem ins Hotel.
Nach dem Abendessen wurden wir mit dem Bus in die Nähe des Jaffa-Tores chauffiert und durchstreiften anschließend die Viertel der Altstadt. Die Bewachung der touristischen Plätze wurde erst jetzt in der Nacht ersichtlich. An jeder Straßenkreuzung, vor jedem Tor und vor allem rund um die Klagemauer patrouillierten eine Vielzahl von Militär und Polizei.
Teilweise noch hektisches Leben herrschte in diesen Abendstunden in der Altstadt. Händler priesen lautstark ihre Waren, welche sie am Tage nicht losgeworden sind, zu 'günstigen' Preisen an, ultra-orthodoxe Juden strömten zur Klagemauer, Blitzlichtgewitter von Touristen in den engen Gässchen blitzte. Nach ein paar Verweilmomenten an der Klagemauer - eine Kippa zu tragen war obligatorisch - machten wir noch einen Abstecher in die Neustadt und kamen in einer Fußgängerzone auch mit israelischen Jugendlichen in Kontakt, welche uns die Hoffnung auf einen Frieden im Nahen Osten wieder näher brachten. Die Jugendlichen waren sehr aufgeschlossen und verabscheuten zum größten Teil den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.

Jerusalem bei Nacht

Jerusalem bei Nacht

Vor der Klagemauer

Vor der Klagemauer

Ein paar besinnliche Minuten vor der Klagemauer.
Eine Kippa zu tragen ist obligatorisch

Ein paar besinnliche Minuten vor der Klagemauer.
Eine Kippa zu tragen ist obligatorisch

Betende, orthodoxe Juden an der Klagemauer

Betende, orthodoxe Juden an der Klagemauer

Dormitio-Abtei bei Nacht

Dormitio-Abtei bei Nacht

Auf einem Dach gegenüber der Dormitio-Abtei wurden wir von Michal zu einem Umtrunk mit Rotwein eingeladen und genossen dabei den Blick auf die erleuchtete Altstadt.
Danach durchfuhren wir das Viertel Mea Shearim, welches von ultra-orthodoxen Juden bewohnt wird. Benimm- und Bekleidungsregeln hingen vielerorts an Hauswänden und die Touristen wurden aufgefordert, dieses Viertel zu verlassen, da die Bewohner nicht als Exoten begafft werden wollen. Laut Michal wohnt in diesem Viertel auch eine Vielzahl an Juden, welche den Staat Israel nicht anerkennen!!!!

© Eduard Macheiner, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Tel Aviv, Jaffa, Cäsarea, Haifa, Akko, Golan, Kapernaum, Tabgha und Nazareth nach Jerusalem und Bethlehem
Details:
Aufbruch: 08.09.2009
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 22.09.2009
Reiseziele: Israel
Der Autor
 
Eduard Macheiner berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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