Israelrundreise 2009

Reisezeit: September 2009  |  von Eduard Macheiner

Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem"

Vom Hertzl-Berg gelangt man zum Berg des Gedenkens (Har Hazikaron) mit der 1957 errichteten Gedenkstätte Yad Vashem. Yad Vashem ist ein erschütterndes Denkmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden und darüber hinaus ein umfangreiches Archiv mit Dokumenten zum Holocaust. Der hebräische Name der Stätte - "ein Denkmal und ein Name" - bezieht sich auf den Propheten Jesaia (Jes. 56, 5): "So spricht der Herr: Ich will ihnen in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll." Im weitläufigen Gelände sind mehrere Denkmalstätten verteilt.
Als Symbol von Yad Vashem gilt der sechsarmige Leuchter beim Eingang zum Verwaltungsgebäude. Seine sechs Arme stehen für die rund sechs Millionen Juden, die Opfer des Naziterrors wurden.
Nach dem Visitor Center geht man zunächst durch die Allee der Gerechten. Sie ist Nichtjuden gewidmet, die unter Einsatz ihres Lebens Juden gerettet haben. Israel verleiht ihnen den Ehrentitel "Gerechter der Völker" und sie erhalten das Recht, hier einen mit ihrem Namen gekennzeichneten Johannisbrotbaum zu pflanzen. Bekannte "Gerechte der Völker" sind z. B. Raoul Wallenberg und Oskar Schindler.
Nun folgt das neu gestaltete Holocaust History Museum, das anhand von persönlichen Gegenständen, Fotos und Schriftdokumenten, die die Individuen in den Vordergrund stellen, das Leid und Martyrium der Juden im Dritten Reich vor Augen führt. Im Museum muss man zunächst einem Berg von Büchern ausweichen, die von jüdischen Autoren geschrieben und von den Deutschen verbrannt wurden. Später findet man sich auf dem originalen Straßenpflaster des Warschauer Gettos wieder, vor einem Viehwaggon der Deutschen Reichsbahn, der Juden in KZs und Vernichtungslager transportierte. Man sieht Loren der Zwangsarbeiter aus den Steinbrüchen und eine Baracke von Auschwitz; Zyklon -B- Kanister sind gestapelt. Brillen, Schuhe, Zahnbürsten, Tagebücher wirken wie erst hier abgelegt.

Das Ende des Holocaust History Museum markiert die Hall of Names. Hier werden die Namen der rund sechs Millionen Opfer des Holocausts verzeichnet und aufbewahrt. Schon von rund zwei Millionen Menschen wurden "Pages of Testimony" - kurze biografische Notizen - erstellt und bis heute werden noch fehlende Namen zusammengetragen. Am Ende des Durchgangs eröffnet sich der Blick über die Stadt Jerusalem.
Das ebenfalls neu konzipierte Holocaust Art Museum besitzt rund 10.000 Kunstwerke, geschaffen von KZ-Häftlingen, von Überlebenden und von Künstlern, die sich mit der Shoa beschäftigen.
Neben dem Exhibition Pavillon mit wechselnden Ausstellungen folgt das Learning Center. Es bietet mit Computerterminals und anhand von Hörbeispielen die Möglichkeit, eigenen Fragen nachzugehen, Erzählungen von Überlebenden des Holocaust zu hören und sich mit Kommentaren zu den Geschehnissen auseinanderzusetzen. Das Visual Center zeigt Dokumentarfilme.
Die Synagoge enthält Gegenstände aus während des Naziterrors geplünderten und zerstörten Gotteshäusern, dient aber auch als Ort des Gebets und für religiöse Zeremonien.
Die Hall of Remembrance ist ein aus Beton und großen Feldsteinen ohne Fenster errichteter Raum. Hier sind die Namen von Konzentrations- und Vernichtungslagern in hebräischen und lateinischen Buchstaben in den Boden eingelassen. Eine ewige Flamme brennt zum Gedenken und als Mahnung.
Ein erschütterndes Mahnmal ist das 1987 geschaffene Children's Memorial. In einem unterirdischen, dunklen Raum stehen Glaswände, in denen sich die Flammen von fünf Kerzen unzählige Male spiegeln. Jede Flamme ist Symbol für die Seele eines der 1,5 Millionen Kinder, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Eine Frauenstimme nennt ihre Namen, ihr Alter und ihren Geburtsort. Gestiftet wurde es von Abe und Edita Spiegel, deren Sohn Uziel im Alter von zweieinhalb Jahren in Auschwitz ermordet wurde.
Dem polnisch-jüdischen Arzt, Schriftsteller und Pädagogen Henrik Goldschmidt, besser bekannt als Janusz Korczak, ist eine bemerkenswerte Skulptur gewidmet. Er leitete ein Waisenhaus im Warschauer Getto und ging Anfang August 1942 freiwillig mit rund 200 Kindern in das Vernichtungslager Treblinka.
Das am westlichen Hang errichtete Denkmal besteht aus grob behauenen, aufeinander geschichteten Steinen, zwischen denen auf Steinplatten die Namen von mehr als 5000 jüdischen Gemeinden eingraviert sind, Gemeinden, die von den Nazis und deren Kollaborateuren ausgelöscht wurden.
Ein höchst ausdrucksvolles Denkmal ist das Cattle Car Memorial: Ein Gleis ragt über den Abhang hinaus, an seinem Ende steht einer der Viehwaggons der Deutschen Reichsbahn, mit denen die Juden in die Konzentrations- und die Vernichtungslager transportiert wurden. Der quasi über dem Abgrund schwebende Wagen symbolisiert aber nicht nur die Fahrt in die Hölle der Vernichtung, sondern - auf die Stadt Jerusalem ausgerichtet - auch die Hoffnung der Juden auf ein Leben in ihrem Land.

Nach Yad Vashem hatten wir bis zum Abendessen noch Zeit in der Altstadt außerhalb der Mauer zu einem Umtrunk einzukehren.

© Eduard Macheiner, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Tel Aviv, Jaffa, Cäsarea, Haifa, Akko, Golan, Kapernaum, Tabgha und Nazareth nach Jerusalem und Bethlehem
Details:
Aufbruch: 08.09.2009
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 22.09.2009
Reiseziele: Israel
Der Autor
 
Eduard Macheiner berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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