Israelrundreise 2009

Reisezeit: September 2009  |  von Eduard Macheiner

Tempelberg

Sonntag, 13. September 2009
5. Tagestour

Heute stand der Tempelberg, die Via Dolorosa, das Österreichische Hospiz, die Grabeskirche, die Klagemauer und die Holocaust-Gedenkstätte 'Yad Vashem' auf dem Tagesplan.

Al Aksa - Moschee

Al Aksa - Moschee

Bereits zeitig in der Früh betraten wir durch das Jaffator die Altstadt und stellten uns am Checkpoint zum Tempelberg zur Kontrolle an. Wir als Nichtmuslime mussten dann das Bar el-Magharibeh (Maghrebinertor) auf der Südwestseite des Tempelbergs, rechts von der Klagemauer, benutzen, um auf den Tempelberg zu gelangen. Obwohl Michal uns schon die vergangenen Tage auf die Bekleidungsvorschriften in muslemischen Stätten hingewiesen hatte (Frauen: Schultern bedeckt, Röcke mindestens bis über die Knie; Männer: ebenfalls Schultern bedeckt, lange Hose), wußten es unsere übergläubigen 'Engerl' (so nannten Martha und ich zwei junge Mädchen aus Dresden) wieder mal besser und wollten den Tempelberg mit Spaghettiträgern betreten. Sofort wurden sie von der israelischen Polizei, welche für die Einhaltung der Ordnung am Tempelberg zuständig ist, zurückgewiesen. Wir mussten in der Folge warten, bis sich die zwei in Begleitung ihrer Mutter dann endlich in der Nähe der Klagemauer Schultertücher besorgt hatten.


Nirgendwo sonst sind Judentum, Christentum und Islam so eng verbunden wie hier. Der alte Tempelplatz Israels, von den Arabern Haram el-Sharif, "erhabenes Heiligtum" genannt, ist das bedeutendste islamische Heiligtum nach Mekka und Medina. Von dem Felsen, auf dem heute der Felsendom steht, ritt nach islamischer Glaubensvorstellung der Prophet Mohammed auf seiner Stute Al-Burak in den Himmel. Der Zweite Tempel stand hier seit dem 7. Jh. V. Chr. als einzig legitimes Heiligtum der Juden. Hier wurde Jesus als Knabe dargebracht (Lukas 2, 22 - 24), hier disputierte der Zwölfjährige mit den Schriftgelehrten (Lukas 2, 46). auf der Tempelzinne versuchte ihn der Teufel (Matth. 4, 5), aus dem Vorhof vertrieb Jesus Händler und Geldwechsler (Matth. 21, 12) und lehrte selber im Tempel (Matth. 4, 23).
Die Al Aqsa-Moschee (Mesdschid el Aksa) nimmt mit ihren Nebengebäuden den größten Teil der Südseite des Tempelberges ein. Ihre Gebetsrichtung weist nach Süden, nach Mekka. Die Kreuzfahrer sahen in ihr das Templum Salomonis und richteten in der Moschee ihren Palast ein. Die Juden nennen sie Salomos Schule (Midrash Schelomo). Der Bau wurde mehrfach erneuert, zuletzt in den Jahren 1938 bis 1943, als man die von Mussolini zur Verfügung gestellten Säulen aus weißem Carrara-Marmor aufstellte und die vom ägyptischen König Faruk gestiftete Decke einzog.

Die El Aqsa-Moschee und der Felsendom liegen in einer Achse, aber nicht auf derselben Höhe. Bevor wir die Treppen zum Felsendom hinaufsteigen, kamen wir am großen runden Reinigungsbrunnen (El Qaas) vorbei. Während Michal uns die zwei Moscheen erklärte, säuberte ein Palästinenser mit einer Kehrmaschine lautstark neben unserer Gruppe den Vorplatz der Al Aqsa-Moschee. Damit wurde uns angedeutet, dass wir 'Ungläubige' auf dem Tempelberg unerwünscht sind.

Vor dem Felsendom

Vor dem Felsendom

Der Bauherr des bedeutendsten islamischen Heiligtums in Jerusalem war Ab del-Malik (683 - 705), der fünfte Kalif aus dem Omaijadenhaus. Er ließ über dem heiligen Felsen Morija einen achteckigen, überkuppelten Zentralbau errichten, dessen harmonische Wirkung das Resultat genau berechneter Proportionen ist. Die prächtige Fassade ließ der osmanische Sultan Suleiman im 16. Jh. mit kunstvollen Fayencen verkleiden, die elegante, 33 m hohe Kuppel erstrahlt seit ihrer Restaurierung 1958 bis 1964 in vergoldetem Aluminium. König Hussein von Jordanien finanzierte 1993 die Erneuerung der Kuppelvergoldung - rund 8 kg 24-karätiges Blattgold wurden verarbeitet. Bekrönt wird die Kuppel von einer 3,6 m hohen Mondsichel.


Da das Betreten der Al Aqsa-Moschee und des Felsendomes Nichtmuslimen nicht gestattet ist, verließen wir den Tempelberg über die Löwen- oder Marientorstraße (Tariq Sitti Maryam), welche das ehemalige Areal der Antonia-Festung durchzieht. Herodes baute die von den Seleukiden errichtete Burg zu einem prachtvollen Palast aus und benannte sie nach Marcus Antonius, dem damaligen Herrscher im Osten des Römischen Reiches. Der 100 x 160 m große Komplex war die Residenz von Pontius Pilatus wenn er in Jerusalem weilte und damit der Ort, an dem der Leidensweg Jesu begann - deshalb nimmt hier auch die Via Dolorosa ihren Anfang welche wir dann durchschritten.

© Eduard Macheiner, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Tel Aviv, Jaffa, Cäsarea, Haifa, Akko, Golan, Kapernaum, Tabgha und Nazareth nach Jerusalem und Bethlehem
Details:
Aufbruch: 08.09.2009
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 22.09.2009
Reiseziele: Israel
Der Autor
 
Eduard Macheiner berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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