Israelrundreise 2009

Reisezeit: September 2009  |  von Eduard Macheiner

Akko

Nach Haifa machten wir noch einen Abstecher nach Akko, der Kreuzfaherstadt. Abstecher deshalb, weil wir die ausgegrabene Kreuzfahrerstadt im Eiltempo durchliefen und keine Zeit hatten, die schöne Altstadt ausgiebiger zu besichtigen. Lediglich im Hafen hatten wir in der Nähe von Souvenirgeschäften und -ständen Gelegenheit, uns etwas umzusehen. Wahrscheinlich kassiert Michal von den Besitzern Provission. Das ist uns auch schon in der Altstadt aufgefallen, als uns ein Palästinenserkind frischgepressten Orangensaft verkaufen wollte und Michal uns sofort zum weitermarschieren aufforderte. In der Karawanserei stand dann ebenfalls ein Stand mit frischem Orangensaft und an diesem animierte uns Michal sogar noch, ein Glas zu kaufen. Die Verkäufer waren Israeliten - soviel mal vorerst zum Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern.

Altstadt von Akko

Altstadt von Akko

Karawanserei in Akko

Karawanserei in Akko

Das auf einem mauerbewehrten Landvorsprung ins Meer ragende Akko war von der Antike bis ins 19. Jh. der bedeutendste Hafen Palästinas und ist heute eine der lebendigsten und meistbesuchten Städte des Landes. Aus seiner Zeit als Hauptstadt eines Kreuzfahrerkönigreiches sind sehenswerte Bauten erhalten geblieben. Die Altstadt gehört seit 2001 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Geschichte
Altertum
Akko wird schon in den Amarnatexten des 14. Jahrhunderts v. Chr. erwähnt. König der Stadt war damals Zurata, dessen Sohn Sutatna ebenfalls erwähnt wird. Akko wird unter anderem im Papyrus Anastasi I aus dem späten 13. Jahrhundert v. Chr., der die Küstenstädte Kanaans aufzählt, erwähnt. Akko taucht auch in Städtelisten aus der Zeit von Sethos I. und Ramses II. auf. Das Hypostyl des Ramses-Tempels in Karnak zeigt die Zerstörung von Akko, vermutlich zwischen 1276 und 1270 v. Chr. Dem entsprechen Zerstörungsschichten in Bauperiode 9 des Tells.
Auch im Alten Testament der Bibel ist von Akko die Rede (Ri 1,31 EU).
332 v. Chr. wurde die Stadt von Alexander dem Großen erobert. Um das Jahr 64. v. Chr. wurde Akko von den Römern erobert und gehörte zu deren Provinz Syria.
Der Apostel Paulus verbrachte im Jahr 57 einen Tag in Akko (Ptolemais) (Apg 21,7 EU).
Mittelalter
Im Rahmen der islamischen Expansion kam die Stadt 638 unter arabische Herrschaft, die bis 1104 anhielt. In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts beauftragte der ägyptische Herrscher Ahmad ibn Tulun den Architekten Abu Bekr al-Bana' mit der Erweiterung des Hafens. Der mit Steinlagen auf Sykomoren-Bohlen ausgebaute Hafen hatte eine große Bedeutung für den Handel im Mittelmeer. Die Einfahrt wurde nachts durch Ketten verschlossen.

Im Mittelalter war Akko der einzige Hafen an der Levanteküste, in dem bei jedem Wetter Ware gelöscht werden konnte, weshalb er für die Kreuzfahrer von besonderer strategischer Bedeutung war. Nachdem das Heer des Ersten Kreuzzugs vor der Belagerung von Jerusalem 1099 die gut befestigte Stadt noch umgangen hatte, unternahmen die Könige des durch sie gegründeten Königreichs Jerusalem alsbald deren Eroberung. König Balduin I. belagerte die Stadt 1103 erfolglos. In einem zweiten Versuch im Jahr 1104 gelang ihm schließlich die Eroberung der Hafenstadt nach zwanzigtägiger Belagerung.
1187 wurde neben Jerusalem auch Akko durch Sultan Saladin zurückerobert. Nach erbitterter und langer Belagerung (1189-1191) fiel die Stadt schließlich wieder an die Kreuzritter, die Verstärkung durch den Dritten Kreuzzug unter Richard Löwenherz erhalten hatten. Da Jerusalem in den Händen Saladins blieb, wurde Akko nun Hauptstadt des verbliebenen Königreichs Jerusalem.
Während der Belagerung Akkos gründeten im Jahr 1190 Kaufleute aus Lübeck und Bremen den Deutschen Orden (Deutschritterorden) als Hospitalgemeinschaft. 1198 erfolgte die Umwandlung in einen Ritterorden, wobei Akko bis zum Verlust der Stadt 1291 Amtssitz des Hochmeisters blieb, der dann nach Venedig und schließlich 1309 in die Marienburg verlegt wurde.
1219 stiftete Franz von Assisi das noch heute existierende Franziskaner-Kloster.
1229 wurde Akko nach dem Frieden von Jaffa zwischen Friedrich II. und dem Ayyubiden-Sultan al-Kamil unter die Verwaltung des Johanniterordens gestellt - der alternative Name St. Jean d'Acre weist darauf hin. Akko wurde eine wichtige Schnittstelle für die Vermittlung arabischer Kultur und Wissenschaft nach Europa.

Nach der endgültigen Eroberung Jerusalems durch die Muslime 1244 war Akko einer der letzten Stützpunkte der Kreuzfahrer. Mit der Eroberung der Festung am 18. Mai 1291 durch die Truppen des ägyptischen Mamluken-Sultans al-Malik al-Asraf Chalil waren die Kreuzzüge endgültig gescheitert.
1517 wurde Akko unter Sultan Selim I. Teil des Osmanischen Reiches.
Neuzeit
Im 18. Jahrhundert ab 1749 wurde die zum Teil noch immer verwüstete Stadt neu aufgebaut. Es entstand die heutige Festungsanlage, die von Jezzar Pascha, dem damaligen Gouverneur von Damaskus, auf der Grundlage der Kreuzritterfestung erbaut und von Dhaher al-Omar, dem Scheich von Galiläa, ausgebaut wurde. Bis 1774 war Akko Hauptstadt des Herrschaftsgebiets von Dhaher.
1799 wurde Akko 61 Tage lang vergeblich von Napoleon belagert. Einer Legende nach warf dieser beim Rückzug der Truppen mit den Worten "Wer Akko erobert, erobert die Welt!" seinen Hut ins Meer. Von ihm zurückgelassene Kanonen stehen heute auf dem Festungswall.
Mit dem Aufkommen von Dampfschiffen im 19. Jahrhundert verlor der Hafen von Akko an strategischer Wichtigkeit, weil die großen Schiffe im dortigen Hafen nicht anlegen konnten.
1869 kam Baha'u'llah, der Religionsstifter der Bahai, als Gefangener des Osmanischen Reiches in die Festungsstadt Akko, wo 1873 eines seiner zentralen Bücher, das Kitab-i-Aqdas, entstand. Hier entstand auch die Schriftensammlung "Botschaften aus Akka".
Am 17. Mai 1948, drei Tage nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung, wurde Akko von der Hagana besetzt.
2001 wurde die Altstadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
2006 war die Stadt Ziel von Raketenangriffen der Hisbollah während der Israel-Libanon-Krise 2006.
2008 kam es während des Jom Kippurs in der Neustadt zu Ausschreitungen zwischen der jüdischen und arabischen Bevölkerung.

Am Ende dieser ersten Tagestour fuhren wir durch und über das Karmelgebirge und bezogen im Kibbuz 'Liva' unsere schönen Zimmer und speisten anschließend im Gästespeisesaal zu Abend. Das Essen wurde in Buffetform angeboten und war überaus abwechslungsreich und schmackhaft. Dazu tranken wir eine Flasche Rotwein vom Golan. Danach musste natürlich Edi's 50. Geburtstag gefeiert werden - also begaben wir uns an die Bar, wo wir von einer lieben Bardame (Alter 82 Jahre, geboren in Berlin, Mitte 1939 nach England ausgewandert und 1954 nach Israel in den Kibbuz Liva übersiedelt) bedient wurden. Als ich jedoch zwei Wodka/Martini, geschüttelt und nicht gerührt, bestellte, musste sich die alte Dame Hilfe in einem jüngeren Mitarbeiter des Kibbuz' suchen. Dieser mixte die Drinks jedoch so stark, dass wir danach schon etwas beschwipst waren. Wir verließen die Bar und genehmigten uns auf der Terrasse unseres Zimmers noch eine weitere Flasche Rotwein. So feierte Edi seinen 50. Geburtstag unter den Sternen des Heiligen Landes in der Nähe vom Kinnaret.

© Eduard Macheiner, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Tel Aviv, Jaffa, Cäsarea, Haifa, Akko, Golan, Kapernaum, Tabgha und Nazareth nach Jerusalem und Bethlehem
Details:
Aufbruch: 08.09.2009
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 22.09.2009
Reiseziele: Israel
Der Autor
 
Eduard Macheiner berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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