Israelrundreise 2009

Reisezeit: September 2009  |  von Eduard Macheiner

Dominus flevit und Gethsemane

Dominus flevit

Dominus flevit

"Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder um mich sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt. Darum wird euer Haus (von Gott) verlassen. Und ich sage euch: Von jetzt an werdet ihr mich nicht mehr sehen, bis ihr ruft: 'Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!'"
Matthäus 23, 37 - 39

.... Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: "Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschliessen und von allen Seiten bedrängen. Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein auf dem anderen lassen: denn du hast die Zeit der Gnade nicht erkannt."
Lukas 19, 41 - 44

Am Westhang des Ölbergs weinte Jesus im Anblick der Heiligen Stadt. Die Überlieferung sieht dieses Ereignis am Ort, der heute 'Dominus flevit' (der Herr weinte) genannt wird.
Die heutige Kapelle, in Form einer Träne, wurde vom Architekten Barluzzi (1955) auf den Ruinen einer vorhergehenden gebaut, von der noch ein schöner Mosaikfussboden mit Fruchtmotiven erhalten ist (6. Jahrhundert).
Wer in dieser Kirche die Eucharistie feiert, genießt - wie zur Zeit Jesus - einen herrlichen Blick auf die Heilige Stadt, genau auf den Felsendom und die Grabeskirche.
Die Ausgrabungen, die vom Studium Bilicum Franciscanum unter der Leitung von P. Bagatti (1953 - 55) unternommen wurden, haben unter den Gelehrten großes Aufsehen erregt. Man fand dabei einen jüdisch-christlichen Friedhof aus dem 1. Jahrhundert. Die 'Ossuaria' oder Steinkassetten für die Aufbewahrung der Gebeine weisen zahlreiche Kritzeleien (Graffiti) mit einigen der ältesten christlichen Symbole auf. Es fällt unter anderem ein Monogramm vom 'konstantinischen' Typ ins Auge, doch auf Grund dieser Entdeckung muss dieser Typ als viel älter betrachtet werden, nämlich als judenchristlich (Konstantin starb im Jahre 337 A.D.).
Ferner wurden hier wertvolle Sarkophage mit Pflanzenschmuck oder geometrischen Mustern gefunden, die zu den schönsten der römischen Zeit zählen. Heute befinden sie sich im Museum der Flagellatio (Geißelungskapelle).


Nach einem kurzen Aufenthalt in dieser Kapelle (der Eintritt verzögerte sich etwas, da gerade eine Andacht in der Kapelle gehalten wurde) und 'schießen' des obligaten Foto's durch das Fenstergitter auf den Felsendom, spazierten wir talwärts Richtung Kidrontal und betraten den Garten Gethsemane.

Garten Gethsemane

Garten Gethsemane

Der Name Gethsemane entstand aus dem hebräischen Gath-Shamma, das so viel wie Ölpresse bedeutet. Nachdem Jesus mit seinen Jüngern am Vorabend zum Freitag vor dem Pessachfest zusammengesessen hatte, ging er mit ihnen "zu einem Stück Land, das Gethsemane hieß" (Matth. 26, 36), wo er, von Todesangst geplagt, betete, während die Jünger schliefen. Kurz darauf wurde er von Judas verraten und von Soldaten des Hohenpriesters gefangen genommen.
Im Garten Gethsemane erbaute bereits Kaiser Theodosius I. im 4. Jh. über dem Felsen, an dem Jesus in Todesangst (Lukas 22, 41 - 44) gebetet hat, eine Basilika. Ihr Grundriss ist im Fußboden der modernen Kirche zu erkennen, die zwischen 1919 und 1924 mithilfe von Spenden aus vielen Ländern - daher der Name "Kirche der Nationen" - errichtet wurde. In deutlichem Kontrast zur Farbigkeit der Fassade mit ihrem goldglänzenden Giebelmosaik wirkt das Innere dämmerig. Sechs Säulen tragen das aus zwölf kleinen, mosaikgeschmückten Kuppeln bestehende Dach, rotbraune Säulen symbolisieren die Ölbäume von Gethsemane. Das niedrige Gitter um den Felsen erinnert an die Dornenkrone.

Todesangstbasilika
oder
Kirche der Nationen

Todesangstbasilika
oder
Kirche der Nationen

Nach dieser beschaulichen Wanderung vom Ölberg über Dominus Flevit bis in den Garten Gethsemane und die Todesangstbasilika fuhren wir quer durch Jerusalem in den südwestlichen Vorort En Karim (Ein Karem) wo wir die Marienquelle und die Besuchskirche besichtigten.

© Eduard Macheiner, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Tel Aviv, Jaffa, Cäsarea, Haifa, Akko, Golan, Kapernaum, Tabgha und Nazareth nach Jerusalem und Bethlehem
Details:
Aufbruch: 08.09.2009
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 22.09.2009
Reiseziele: Israel
Der Autor
 
Eduard Macheiner berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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