Fahrrad-Welt-Reise

Reisezeit: April 2005 - August 2008  |  von Eric Wehrheim

Ecuador:: Reportaje exclusivo - Los Sáparas

Exklusivbericht - Die Sáparas
(Ecuador, 02.12.2007 bis 10.12.2007)

Vorgeschichte:
Als wir im Frühjahr 2007 in Südkorea zu Besuch waren, besuchten wir im Juni das Danoje Festival in Gangneung. Wir kamen dabei in Kontakt mit den Organisatoren dieses Festes. Von ihnen erfuhren wir, dass das Danoje Festival unter dem Schutz der Unesco steht und dort im Rahmen des immateriellen Weltkulturerbe gelistet ist.

Prospekt des Danoje Festival in Gangneung, Südkorea

Prospekt des Danoje Festival in Gangneung, Südkorea

Danoje Festival Gruppe in Gangneung, Südkorea

Danoje Festival Gruppe in Gangneung, Südkorea

Da wir bereits zwei Dia-Vorführungen in der Stadt durchgeführt hatten, war den Organisatoren bekannt, das wir in Südamerika mit dem Fahrrad unterwegs sind. Nun fragten sie uns, ob wir nicht für sie über andere orale oder immaterielle Weltkulturerben, welche sich in Südamerika befinden, berichten könnten. Uns reiste diese Aufgabe sehr, doch wir mussten die Erwartungen der Organisation etwas dämpfen, da wir nur die Orte noch besuchen können, welche sich in der Nähe unserer weiteren Rute befinden. So letztendlich sind wir zu den Sápara Indianern im Ecuadorianischen Urwald gekommen.

Zuerst war es wirklich gar nicht so einfach, über diesen Indianerstamm etwas in Erfahrung zu bringen, da die Informationen hierzu, welche das WWW wiedergibt, äußerst dürftig und alt gewesen sind. Auch wussten wir gar nicht, ob es überhaupt erlaubt war, diesen Indianerstamm zu besuchen. Wir versuchten daher, als wir wieder in Südamerika zurück waren, von Peru aus über zwei Emailadressen, die wir im Internet auffinden konnten, Kontakt aufzunehmen. Mehrere male sendeten wir eine Nachricht, doch jedes Mal kam diese mit dem Vermerk: "Email-Adresse unbekannt" zurück. Fast schon hegten wir keine Hoffnung mehr, das ein Kontakt zustande kommen könnte, doch als wir in Ecuador ankamen besuchten wir das Tourismus Ministerium in Loja und ein sehr hilfreicher Mitarbeiter dort, gab uns die Adresse samt Telefonnummer von der Nazae Organisation in Puyo. Diese Organisation ist die offizielle Vertretung der Sápara Indianer. Puyo lag noch weit entfernt von unserer Route, doch als wir in Guayaquil ankamen und dort abschätzen konnten, wann wir in etwa in Puyo ankommen können, riefen wir die Nazae Organisation an.

Oscar mit Frau, beide Sáparas. Oscar war unser Ansprechpartner in Puyo

Oscar mit Frau, beide Sáparas. Oscar war unser Ansprechpartner in Puyo

Eigentlich erwarteten wir, das man unserem Anliegen kaum Beachtung schenken würde, waren und sind wir doch in erster Hinsicht "nur" Touristen und keine Ethnologen oder sonstig geartete Wissenschaftler. Doch wieder Erwartens war der Kontakt sehr einfach und schnell hergestellt und man teilte uns am Telefon mit, dass ein Besuch der Sápara Indianer vor Ort möglich ist. Mit dieser positiven Antwort radelten wir nun von Guayaquil aus los, zuerst noch an der Küste entlang und dann Land querfeldein hinüber nach Puyo. Am 27.11.2007 erreichten wir Puyo und am Folgetag besuchten wir gleich die Nazae Organisation. Erfreut stellten wir dort fest, das alle Leute, welche dort arbeiten, ebenfalls Sápara Indianer sind. So konnten wir neben der technischen Abwicklung, die Sáparagemeinden mussten über Funk informiert bzw. gefragt werden und auch ein Flug dorthin musste organisiert werden, bereits schon sehr viele Informationen in Puyo über diesen Indianerstamm erhalten.

Ihr fragt euch bestimmt, mit welchem Anliegen die Sápara Indianer in der oralen bzw. immateriellen Weltkulturerbeliste der Unesco aufgenommen wurden. Nun es ist die eigene Sprache der Sápara, welche unter dem Patronat der Unesco steht. Es ist nämlich so, das innerhalb der sowieso sehr kleinen Gruppe von Indianern der Sápara, es gibt Schätzungsweise nur etwa 200 von ihnen, nur noch 4 ältere Leute, die die Sprache der Sápara beherrschen. Innerhalb der letzten 100 Jahre nämlich war der sprachliche Einfluss der Kichwa Indianer (es sind eigentlich, wie in Peru oder Bolivien, Quechua sprechenden Hochlandindianer, doch im Amazonasgebiet von Ecuador nennen diese sich Kichwa) so stark, dass die Sáparas heute nur noch ausschließlich Kichwa untereinander reden. Die Sprache war also so gut wie schon ausgestorben, aber nun, Dank der Unesco Unterstützung, werden die Sáparakinder zusätzlich zu der Kichwa Sprache auch in Sápara unterrichtet.

Nachdem wir also die technischen Angelegenheiten alle geregelt hatten und einen Flug für den 02.12. reserviert hatten, machten wir uns in den verbleibenden zwei Tagen auf den Weg, dort bei den Indianern dringend benötigte Dinge, wie z. B.: Schulhefte, Bleistifte, Farbstifte für die Schulkinder sowie Reis, Salz und Waschseife für die Familien als auch ein paar einfache Medikamente Wurm- und Amöbenmittel oder entzündungshemmende Salben einzukaufen. Am 02.12. dann fuhren wir zusammen mit unseren Guide Rosario raus nach Shell zum Flughafen und bestiegen, nach über 3 Stunden Wartezeit, das Wetter wollte uns nicht früher loslassen, eine kleine Viersitzer Chesna. Einen Mitbringsel Sack mussten wir aber zurück lassen, denn wir hatten zuviel Gewicht dabei. Das war aber auch kein Problem, den bei der Abholung aus dem Urwald konnte dieser dann vom Piloten mitgebracht werden.

Unser 'Airbus' für unseren Flug zu den Sáparas nach Llanchama

Unser 'Airbus' für unseren Flug zu den Sáparas nach Llanchama

Blick auf die Landepiste in Llanchama

Blick auf die Landepiste in Llanchama

Der Flug dauerte nur etwa 30 Minuten, doch bereits nach etwa 10 Minuten Flugzeit, hatte man nur noch Regenwald und ein paar Flüsse unter sich. Die Gedanken, was würde wohl passieren, wenn z.B. der Motor etwa ausfällt, verdrängte man so gut wie es ging. Landepisten oder -möglichkeiten gab es dort unten nämlich keine. Alles verlief aber glatt und nach 30 Minuten tauchte unser Ziel, Llanchamacocha auf und wir landeten gut durchgeschüttelt auf der Urwaldlandepiste. Unsere weitere Planung sah so aus, das wir noch zwei weitere Indianergemeinden der Sápara flussabwärts besuchen wollten, doch nun waren wir erst einmal in Llanchamacocha und alle aus dem Dorf, welche zur Landepiste geeilt waren (nun gut, sehr zu beeilen brauchten sie sich auch nicht, denn die Piste liegt mitten in der Siedlung) schauten uns neugierig an. Der erste Kontakt war so sehr zurückhaltend aber durchaus freundlich. Es gab dann auch anschließend gleich eine kleine Dorfversammlung wo wir uns vorstellen durften und unser Anliegen vortragen konnten.

Einwohner von Llanchama

Einwohner von Llanchama

Danach spielten wir Nikolaus und machten unsere mitgebrachten Säcke auf und verteilten die Mitbringsel an die Kinder und Familien.

Mun Suk beim verteilen unserer Gastgeschenke und dem Schulmaterial für die Kinder

Mun Suk beim verteilen unserer Gastgeschenke und dem Schulmaterial für die Kinder

Ach ja, bevor wir unser Anliegen vorgetragen hatten gab es erst einmal für alle das Standard Getränk Chicha. Auch wir wurden dazu eingeladen und nahmen ein paar kräftige Züge davon.

Mun Suk beim Chicha trinken

Mun Suk beim Chicha trinken

Chicha gibt es zwar fast überall in den Andenregionen, doch hier wird es aus Yuka hergestellt, auf traditionelle Art und Weise, soll heißen: zuerst wird die Yuka gekocht, anschließend gestampft und dann von den Frauen kräftig durchgekaut und eingespeichelt um danach in einen Topf gespuckt zu werden, wo dann das Ganze etwa 3 bis 5 Tage vor sich her gären kann. Klingt sehr appetitlich, nicht?

Reine Frauensache, Sápara Frauen bei der 'mundgerechten' Zubereitung von Chicha

Reine Frauensache, Sápara Frauen bei der 'mundgerechten' Zubereitung von Chicha

Wundersamer Weise hat uns die Chicha als auch das Essen hier keinerlei Probleme, mit der Verdauung (mit der hygienischen Anschauung schon) bereitet. Nachdem dann das Chicha trinken vorbei war, wir unser Anliegen erklärt und die Sachen verteilt hatten gingen wir zu unserem Quartier, welches wir in der hiesigen Schule hatten. Es waren nämlich gerade Ferien und so stand das Schulgebäude leer. So spannten wir dort unser Moskitonetz auf und legten unsere Isomatten aus.

Unsere Schlafstätte im Schulgebäude

Unsere Schlafstätte im Schulgebäude

Kurz nach 19:00 Uhr ist es dann ruck zuck dunkel geworden. Rosario, unsere Führerin, holte uns ab zur Hütte ihrer Mutter, Luisa Santi, um noch etwas zu Abend zu essen. Es gab gekochte Yuka und Banane sowie etwas Wildtierfleisch dazu. Kein Auto- oder Stadtgeräusch trübte die Nacht, lediglich die Grillen, Frösche und andere Wildtiere waren zu hören. So schliefen wir bei dieser Melodie schnell ein. Das Leben am nächsten Morgen ging schon recht früh zugange. Um 05:00 Uhr standen die Ersten auf und auch die Hähne schlugen schon ab etwa 04:00 Uhr laut an und krähten um die Wette. Etwas gerädert, zum einen von den frühen Aktivitäten außerhalb der Bewohner oder noch mehr des Getiers und zum anderen, da wir seit langen schon nicht mehr auf unseren dünnen Isomatten genächtigt hatten, standen wir dann um 07:00 Uhr auf und gingen zum Frühstücken. Wie am Abend zuvor gab es Kochbananen. Wir hatten bewusst darauf verzichtet eigenes Essen mitzunehmen, lediglich etwas Instandkaffee hatten wir mit dabei und so gab es für uns das Gleiche zu essen, was die Leute dort auch essen. Das bedeutete nun 8 Tage lang Kochbananen und gekochte Yuka und ab und zu mal etwas Fleisch oder Fisch als Mahlzeit.

Für den Tag hatten wir uns vorgenommen, etwas über die Unterrichtung in der Sápara Sprache zu dokumentieren. So wurde am Nachmittag eine Scheinklasse aufgestellt, es waren ja Schulferien, die Lehrer als auch manche Schulkinder waren so nicht anwesend. Als dann schließlich ein paar Kinder im Klassenraum waren und Rosarios Mutter ihnen auf Sápara etwas erzählte, war das Ganze doch dann nicht so wie wir es uns gewünscht hätten, denn die Kinder interessierten sich viel mehr für uns und was wir denn mit der Videokamera so anstellten.

Kleiner Versuch eines nachgestellten Sápara Sprachunterrichts

Kleiner Versuch eines nachgestellten Sápara Sprachunterrichts

Den nächsten Tag haben wir dann zusammen mit ein paar Leuten einen Ausflug zu ihren Chacras (Anbaufeldern), um zu sehen wir dort Yuka angebaut wird und geerntet wird. Danach ging es dann noch etwas in den Urwald hinein, denn wir wollten sehen, wo die Leute ihr Trinkwasser herhaben. Dieses fangen sie nämlich von einem Quellfluss direkt ab und leiten es per Kunststoffrohre an die Häuser weiter. Es war kein allzu weiter Marsch, doch mussten wir einen kleinen Fluss auf einem umgestürzten Baum überqueren und danach sehr steil, durch wildes Urwaldgelände nach oben laufen. Geregnet hatte es nicht, doch all unsere Kleidung war von oben bis unten nass, durchgeschwitzt. Der Dschungel lässt grüßen.

Am 05.12.2007 ging es dann weiter, zum nächsten Urwaldsdorf, Jandiayacu. Der Weg dorthin, in einen Einbaum, dauerte aber alleine 2 Tage.

Unser Einbaum Kanu für die 2 Tagestour auf dem Conambo Fluss

Unser Einbaum Kanu für die 2 Tagestour auf dem Conambo Fluss

Vielfach versperrten umgestürzte Bäume ein Weiterkommen. Erst nachdem der Baum ein zweites Mal gefällt wurde konnten wir uns dann weitertreiben lassen auf dem Fluss

Vielfach versperrten umgestürzte Bäume ein Weiterkommen. Erst nachdem der Baum ein zweites Mal gefällt wurde konnten wir uns dann weitertreiben lassen auf dem Fluss

Vielfach war der Flusslauf versperrt durch umgestürzte Bäume, so dass manchmal die Baumstämme erst mit einer Axt durchgehackt werden mussten, bevor es weitergehen konnte. Ursprünglich war für diese Fahrt nur ein Tag angedacht, aber wie gesagt kamen wir nicht so weit und mussten an diesem Tag mitten im Urwald übernachten. Zum Glück hatten wir unser Zelt mit dabei, so dass wir von den lieben Plagegeistern geschützt waren, doch dafür konnten wir in unserem eigen Sud schmoren, den es war zu Anfang noch recht schön feucht und schwülwarm.

Unser Rastplatz mitten im Urwald

Unser Rastplatz mitten im Urwald

Am nächsten Tag ging es dann etwas zügiger voran, denn wir konnten z.T. den mitgeführten Außenbordmotor einsetzen. Tags zuvor ging es nur per Strömung flussabwärts. Gegen Mittag erreichten wir dann Jandiayacu. Hier wurde wie zuvor das Gleiche Ritual durchgeführt. Dorfzusammenkunft, Chicha trinken unser Anliegen vortragen und die Mitbringsel verteilen.

Zusammenkunft in Jandiayacu

Zusammenkunft in Jandiayacu

Beim Chicha trinken hielten wir uns aber mittlerweile zurück. Irgendwie war die Vorstellung über die Zubereitung und die Darreichung der Chicha, die Frau, welche das Getränk übergibt, stochert mit ihren Fingern im Getränk umher und fischt die groben Anteile der Yuka heraus, uns dann doch etwas zuviel des Guten. Das wir nicht Chicha tranken war aber auch kein Problem für die Leute, sie akzeptierten es einfach ohne irgendwelches aufheben darum zu machen. Viel weiteres, was die Unterrichtung in der Sáparasprache anbelangt konnten wir dort nicht unternehmen, doch wir machten nochmals einen Ausflug mit zwei jungen Männern in den Urwald hinein, zum Jagen mit dem Blasrohr.

Auf der Jagd mit dem Blasrohr

Auf der Jagd mit dem Blasrohr

Abschuss. Der kleine Piepmatz war noch am Leben und tat uns so leid, dass die beiden baten ihn wieder frei zu lassen.

Abschuss. Der kleine Piepmatz war noch am Leben und tat uns so leid, dass die beiden baten ihn wieder frei zu lassen.

Zwar jagen die Sápara heutzutage auch eher mit dem Gewehr, doch haben die meisten Männer auch immer noch ein Blasrohr bereit, mit den dazugehörigen in Curare getauchten Giftpfeilen. Wir glaubten erst nicht, das wir überhaupt etwas fangen bzw. schießen würden, doch die Männer sind unglaublich geschickt und zielfertig, so dass sie nach etwas Zeit der ersten Abschuss hatten. Es war ein kleiner Vogel, welcher von einem Pfeil, welcher nicht mit Curare behandelt, durchbohrt worden ist. Der kleine Piepmatz war aber nicht tot, da der Pfeil wohl keine lebenswichtigen Organe verletzt hatte. Uns tat er jedoch so leid, das wir die beiden baten ihn wieder frei zu lassen. Der Piepmatz lies sich das nicht zweimal sagen und machte sich schnell aus dem Staub und flog davon. Hoffentlich hat er es gut überstanden. Dem zweiten Abschuss ging es dagegen nicht so gut. Wieder war es ein kleiner Vogel, doch dieser segnete zeitige sofort nach dem Abschuss. Unsere Frage was sie denn mit so einem kleinen Vogel anstellen wollten, belustigte unsere Führer. Natürlich essen sagten sie, was denn sonst. Keine Ahnung was die da essen wollen, mehr als 5 Gramm Fleisch dürfte wohl nicht an so einem Piepmatz stecken. Wir begnügten uns am Abend lieber mit gekochter Yuka und Banane.

Von Jandiayacu ging es dann am 08.12.2007 mit dem Einbaum wieder weiter zum nächsten Dorf, Masaramu.

Ob das Schild wohl uns galt?

Ob das Schild wohl uns galt?

Diesmal aber dauerte die Fahrt nur eine halbe Stunde, denn das Dorf war nicht sehr weit entfernt, es gab keine Baumstämme, welche die Weiterfahrt blockierten und zudem ging es größtenteils per Außenbordmotor voran. Auch waren hier noch ein paar Leute der Nazae Organisation vor Ort, sie hatten bereits in Jandiayacu eine Versammlung durchgeführt und warteten nun in Masaramu auf ihren Rückflug. Auf Grund des schlechten Wetters jedoch war für sie vorerst kein Weiterkommen möglich. So saßen wir mit ihnen zusammen und konnten ein klein wenig über die Sápara Angelegenheiten plaudern sowie unsere Erfahrungen, welche wir auf unserer Tour bisher bei den Sáparas gemacht hatten, mitteilen. Wir aßen am Mittag zusammen und diesmal gab es was wirklich leckeres zu essen, gegrillter bzw. geräucherter Kaiman.

Geräucherter Kaiman und ein anderes unidentifiziertes Wildtier auf dem Grill

Geräucherter Kaiman und ein anderes unidentifiziertes Wildtier auf dem Grill

Wirklich ein sehr leckeres Fleisch, welches zudem dazu noch gesund sein soll. Angeblich soll man keine Erkältung bekommen, wenn man dieses Fleisch ist. Das Abendessen war dann auch noch mal interessant, jetzt gab es Fleisch von einem anderen Wildtier. Keine Ahnung was für eins es diesmal war, doch auch dieses war unwahrscheinlich lecker. Die Gruppe aber aus Puyo hatte uns schon zuvor verlassen gehabt, denn das Wetter hatte aufgeklart und ein Flugzeug aus Puyo kam vorbei, um sie abzuholen.

Den nächsten Tag unternahmen wir dann noch mal einen Anlauf, um etwas mehr vom Urwald zu sehen. Wir wollten zu einer kleinen Laguna gehen, doch hätten wir gewusst, welche Strapazen das bedeutet, bestimmt hätten wir dann eine andere Unternehmung für uns gesucht. So gingen wir mit einem Jungen und einer 64 Jahre alten Frau in den Wald hinein. Zuerst mussten wir aber per Einbaum auf die andere Seite des Flusses überwechseln und dann anschließend noch auf einem etwas rutschigen Baumstamm, über einen anderen Fluss überwechseln. Danach ging es steil einen längeren und sehr rutschigen Hügel bergauf. Ich versuchte so gut wie ging mit der Machete den Weg frei zu schlagen, denn leider war, wenn einer vorhanden war, dieser nicht auf meine Köpermaße abgestimmt. Das wir bereits nach ein paar Metern wieder klatschnass waren, brauche ich glaube nicht besonders zu erwähnen. Es ging auch nicht nur einen Hügel nach oben, nein zweiter wartete auch noch auf uns. Ziemlich ausgelaugt erreichten wir so nach etwa 1 ½ Stunden eine kleine Laguna, doch leider war diese nicht so praktisch angelegt, wie man das sonst von Lagunen her gewöhnt ist. Es gab keinen Uferbereich bzw. freigelegten Aussichtspunkt und wir konnten uns dem Wasser nur auf einem umgestürzten Baumstamm her nähern.

Eine kleine Laguna mitten im Urwald

Eine kleine Laguna mitten im Urwald

Olympia, eine 64 jährige Sáparanerin beim Palmherzen schälen. Ihr schien der feuchtheiße Urwald überhaupt nichts auszumachen.

Olympia, eine 64 jährige Sáparanerin beim Palmherzen schälen. Ihr schien der feuchtheiße Urwald überhaupt nichts auszumachen.

Eric nach der Urwaldeinlage, mit 'etwas' durchgeschwitzten Klamotten am Leib.

Eric nach der Urwaldeinlage, mit 'etwas' durchgeschwitzten Klamotten am Leib.

Nach 5 Metern war mir das Ganze dann aber doch etwas zu heikel, hatte ich doch meine gute Kamera mit dabei und wollte mit ihr an diesem Tag nicht unbedingt baden gehen. So überließen wir das Angelglück allein unserem jungen Führer, doch das Glück war ihm an diesem Tage nicht hold und so zogen wir, nach etwa 20 Minuten wieder ab und machten uns auf den Rückweg. Zuvor hatte unser junger Führer bereits mehrere Bäume und Palmen begutachtet und als wir an einer ca.15 Meter hohen Palme vorbeikamen, machte sich dieser daran diese zu fällen. Wir machten derweil in sicherer Entfernung halt, denn wir wollten nicht von der umstürzenden Palme erschlagen werden. Nach etwa 15 Minuten gab die Palme nach und kippte krachend um. Dann kam der Junge mit einem Teil des oberen Palmenstammes uns entgegen. Im Kern des mitgebrachten Palmenstammes befand sich das sogenannte Palmenherz, welches wir denn alle gleich vor Ort verspeisten. Schon wieder etwas Leckeres. Das dem Jungen der Marsch in den Urwald nichts ausmachte war uns schon klar, dass aber dazu auch die 64 Jahre alte Frau keine Anzeichen von Erschöpfung zeigte und auch ihre Kleider noch total trocken waren, war uns Stadtmenschen schon etwas peinlich. Na ja, wir sind halt nicht für den Urwald gemacht bzw. nicht darin oder damit aufgewachsen. Beim Übersetzen über den Fluss wurde es dann aber nochmals etwas lustig, den ich kippte fast beim Ausstieg aus dem Kanu um und landete so etwas zu früh, so dass ich mit halbem Körper noch im Wasser und Ufermatsch steckte. Mun Suk wollte mir denn zugleich zu Hilfe eilen, was aber nur dazu führte, das auch sie ausrutschte und bis zu den Knien um Ufermatsch feststeckte. Es war ein gutes Stück Arbeit sich aus den Fängen des Uferschlamms zu befreien und zu allem Überfluss sahen wir danach dann natürlich auch dementsprechend aus. Aber was soll's, in Puyo wartete ja eine Wäscherei auf uns und unsere total versaute und stinkende Kleidung.

Am 08.12., das Flugzeug kam überpünktlich vorbei, nahmen wir Abschied von den Sápara Indianern. Der zuvor in Shell zurück gelassene Sack mit den Mitbringseln war zum Glück mit an Bord, so dass wir in schnell verteilen konnten und dann ging es wieder zurück in die Zivilisation.

Noch ein letzter Schnappschuss vom Ecuadorianischem Urwald

Noch ein letzter Schnappschuss vom Ecuadorianischem Urwald

Zum einen waren wir froh, in unserer altgewohnte Lebensumgebung wieder zurück zu sein, doch gleichzeitig schwang auch etwas Wehmut mit dabei, denn die Sáparas sind uns mit der Zeit doch gut ans Herz gewachsen. Es ist ein sehr friedlich lebendes, von der Grundüberzeugung her fröhlich und lustiges Volk. Auch wenn es nur noch wenige von Ihnen gibt, so halten sie doch zusammen und versuchen nun, ihre Kultur zu retten und in die für sie neue Zeit mit hinein zu nehmen. Klar, auch den Sáparas ist unsere Art von Welt nicht unbekannt und viele Dinge wecken bei Ihnen Sehnsüchte. Doch ich glaube und hoffe für sie, dass sie sich ihre Kultur weitgehendst behalten werden.

Am 13.12.2007 sind wir dann mit dem Bus nach Quito gefahren. Zum einem, um unser Touristenvisum aufzufrischen und zum anderen, um dem hiesigen Unesco Büro einen Besuch abzustatten. Das mit dem Visum hatte wieder Erwartens reibungslos funktioniert und auch einen Besuch im Unesco Büro konnten wir dann ein paar Tage durchführen. Maria Gloria Amoroza, von der Unesco in Quito, hatte sich für uns Zeit genommen und uns mit weiterem Informationsmaterial über die Sáparas gut versorgt.

Vor dem Unesco Büro in Quito. In der Mitte Maria Gloria Amoroza.

Vor dem Unesco Büro in Quito. In der Mitte Maria Gloria Amoroza.

© Eric Wehrheim, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Fahrradweltreise Teil II. Fortsetzung unserer Fahrradtour Teil I (1998 bis 2000 von Deutschland nach Korea). Teil II unserer Fahrradweltreise findet in Lateinamerika statt.
Details:
Aufbruch: 24.04.2005
Dauer: 3 Jahre
Heimkehr: 14.08.2008
Reiseziele: Weltweit
Südkorea
Argentinien
Chile
Bolivien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Kenia
Der Autor
 
Eric Wehrheim berichtet seit 19 Jahren auf umdiewelt.
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