Mit Zug und Schiff von Basel nach Japan

Reisezeit: August - Oktober 2005  |  von Claudia Grieder

Irkutsk-Ulan Bator

Also gut, der Knueller kommt zuerst. Jeder Mensch, der nach Irkutsk reist tut dies, weil er den grandiosen Baikalsee sehen moechte. Ein Naturwunder. Ich natuerlich auch. Aber wisst ihr was? Ich habe weder einen Tropfen noch ein Strandkoernchen dieses anscheinend unglaublichen Gewaessers gesehen. So eine Schande... Da sind mir naehmlich ein paar entscheidende Fehler in der Planung unterlaufen: 1. Liegt Irkutsk ca. 70 km vom See entfernt und ist also nicht so schnell erreichbar. 2. Habe ich gedacht, dass der naechste Zug ja 2 Stunden am Ufer entlang faehrt und man ihn da ja schoen anschauen kann. 3. Die Abfahrtszeit ist zwar bei 15.10, aber auf den Tickets ist bekanntlich immer Moskau-Zeit angegeben, was heisst, dass wir schlussendlich um 20.10 abgefahren sind. OK, jetzt kommt die harte Schlussfolgerung... ja, es war stockfinster, von See natuerlich nichts zu sehen. Aber ich konnte das zum Glueck recht gut hinnehmen, nun habe ich einen Grund mehr, diese Strecke irgendwann in meinem Leben nochmals zu machen. Und um doch noch etwas auf den Baikal-Geschmack zu kommen habe ich an einem Bahnhof von den Babuschkas einen frisch geraeucherten Fisch gekauft! Der war vielleicht gut...

Auf der Strecke hatte es jetzt bedeutend mehr Touristen. Also eigentlich hauptsaechlich, den Grenzuebertritt in die Mongolei machen anscheinend nicht viele Russen. So war ich dann auch mit einem schweizer Paar im Abteil. Scheinbar bucht Globotrek die Leute wirklich ins gleiche Abteil ein, was ich nicht nur gut finde, da man so deutlich weniger in Kontakt kommt mit den einheimischen Reisenden. Aber dafuer ist es entspannend, weil man sich problemlos unterhalten kann. Nun gut, am zweiten Tag stand also der Grenzuebertritt bevor. Der Zug wurde angehalten und wir mussten geschlagene 4 Stunden auf den Gleisen herumhaengen (waehrend aber auch gar nichts passierte...). Immerhin hatte es ein ansehnliches Plumpsklo, das wir benutzen konnten, juhui. Nach vier Stunden wurden wir dann hereingebeten und die russische Kontrolle begann. Da wurde alles genaustens kontrolliert, Paesse, Gepaeck, Ablegefaecher, sogar eine Bodenluke im Gang des Zuges-einfach unglaublich. Nach 6 Stunden sind wir dann also endlich weitergefahren, um eine halbe Stunde spaeter an der mongolischen Grenzwache nochmals mind. 2 Stunden zu warten. Gleiches Procedere nochmals: Paesse abgeben, tausend Formulare ausfuellen, moeglichst freundlich dreinschauen. Das glaubt niemand, der es nicht selbst erlebt hat (wir haben dem Reisefuehrer auch nicht geglaubt...).
Wie durch ein Wunder haben wir dann aber am naechsten Morgen rechtzeitig Ulan Bator erreicht. Es ist doch unglaublich, nun bin ich schon in der Mongolei! Das Wetter ist kuehl und regnerisch, die Stadt wirkt auf den ersten Blick schmutzig und grau. Ich schlafe bei Hanna, einer lustigen alten Frau (sie lacht immer und klopft mir dabei auf die Schulter). Alles ist supersauber und in meinem Zimmer haengen 4 ausgestopfte Tierkoepfe und eine gruselige Maske. Wenn ich da nicht gut schlafe... Ihre Kueche ist ein Sammelsurium aus Toepfen und Reiskochern-bestimmt ist sie eine gute Koechin. Genau solche Dinge mag ich an den Familystays, da sieht man, wie die Menschen wirklich leben. Morgen starte ich zu meinem 3-taegigen Trekkingtrip, wo ich hoffentlich einen kleinen Eindruck ueber Land und Leute gewinnen werde.

© Claudia Grieder, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Basel-Koeln-Moskau. Dann mit der transsibirischen Eisenbahn ueber Novosibirsk, Irkutsk und Ulan Bator nach Peking. Weiter nach Shanghai und schliesslich mit dem Schiff nach Osaka.
Details:
Aufbruch: 30.08.2005
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 26.10.2005
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
China
Japan
Der Autor
 
Claudia Grieder berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.