USA 2012 - 1. Teil - Colorado, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah

Reisezeit: Juni / Juli 2012  |  von Uschi Agboka

Von Tuscon nach Flagstaff

7. Tag - Jerome / Tuzigoot National Monument / Sedona / Oak Creek Canyon

Dienstag, 12. Juni 2012 7. Tag Flagstaff, Arizona Days Inn
Tuscon / Jerome / Tuzigoot National Monument / Sedona / Oak Creek Canyon / Flagstaff
Gefahrene Meilen: 304 (490 km)

Bei der Mission gestern lief uns ein junger Prairie-Dog vor die Füße, aber er wollte sic partout nicht fotografieren lassen, lief kreuz und quer weg. Ebenso ein Roadrunner, der seltsame Vogel, der schnell (25-30 km/h) rennen kann und den wir noch nie fliegen sahen.
Heute Morgen zeigen sie schlimme Bilder im Fernsehen von den Bränden in Colorado und New Mexico, schon ein Toter und mehr als 100 Häuser zerstört. Erschreckend.

Unser Wecker schellt um 6 Uhr, 7 Uhr Frühstück im Restaurant Country Folks, wieder sehr gut. Heute wird uns die Fahrt über Sedona nach Flagstaff führen, wo wir 2 Nächte bleiben wollen, um den Grand Canyon zu besuchen.
Zunächst fahren wir über die Interstate durch die Wüste, es ist heiß, sehr heiß. Wir halten nur kurz beim Harley Dealer am Rande von Tucson. Doch auch die Experten dort bekommen die Kommunikation zwischen Monikas und Josefs Helmen nicht hin. Irgendetwas funktioniert nicht. Wir sind sehr froh, als wir das heiße Phoenix hinter uns haben. Landschaftlich ist es heute wieder eine sehr schöne Strecke, doch einfach zu heiß. Überall wird gewarnt, Feuer zu machen oder Zigaretten wegzuwerfen. Um 13.15 Uhr kommen wir nach Jerome, das historische Kupferstädtchen. Als erstes geht es in den ältesten Saloon der Stadt, etwas Kühles trinken. Während die anderen die Stadt anschauen, hüte ich die Klamotten im kühlen Saloon, dort lässt es sich aushalten. Es gibt eine kuriose Sammlung von Bierkrügen und Bierflaschen zu sehen.

Jerome hat heute nur noch 343 Einwohner. Jerome wurde nach Eugene Murray Jerome benannt, einem New Yorker Richter und Investor, der die Rechte an den Minen besaß, die er ab 1883 ausbeuten ließ. Jerome war ein Cousin von Jennie Churchill und steht damit in einem engen Verwandtschaftsverhältnis zu Winston Churchill, dem späteren Premierminister von England. Jerome war ein kleiner Ausgrabungsort der ansässigen Yavapai. Die Spanier waren die ersten Europäer, die 1582/83 das Verde-Tal erforschten. Antonio de Espejo und eine Truppe von Konquistadoren kamen durch das Gebiet, um nach "El Cibola" (die mystischen sieben Städte des Goldes) zu suchen. Einheimische zeigten ihnen eine Stelle, wo sie Kupfer für ihren Schmuck gewannen, welche später als Cleopatra Hill bekannt wurde. 1620 besichtigten sogar Jesuitenpriester die Gruben. 1720 kamen die Spanier zurück. Sie bearbeiteten die Gruben für einige Jahre, bis sie durch die Indianer vertrieben wurden. Ihre Stollen und Werkzeuge wurden ein Jahrhundert später von den amerikanischen Prospektoren gefunden.
1863 wurde in der Nähe von Prescott Gold entdeckt, das Land wurde von amerikanischen Goldsuchern und Bergleuten überschwemmt. Blutige Kämpfe und Massaker waren die Folge und dauerten so lange, bis General George Crook die Yavapai im Winter 1872/1873 unterwarf. Die Yavapi wurden zum Camp Verde Reservat und später zum San-Carlos-Reservat umgesiedelt. Es war 1875, als der berühmte Armeescout Al Sieber das Verde-Tal auf seinen Erkundungsritten durchstreifte. Als er die alten Gruben auf der Seite des Kleopatra-Hügels in den Mingus Mountains sah, erkannte er, dass sie Potenzial hätten und ließ 1876 seinen Anspruch (Claim) eintragen. Es dauerte nicht lange, bis andere Schatzsucher seiner Route folgten. Eine weitere Schatzsucherin war Nora "Butter" Brown, eine unternehmungslustige Frau, die in Jerome das erstes Bordell eröffnete. 1883 kauften Agenten im Namen von Eugene Murray Jerome den Entdeckern ihre Rechte an den Claims für 15.500 Dollar ab. Der spätere Senator von Montana William A. Clark pachtete 1888 die Abbaurechte, ein Jahr später kaufte er den Claim komplett auf und gründete die United Verde Copper Company. Die United Verde Mine produzierte über eine Milliarde Dollar in Kupfer, Gold und Silber. Im Jahre 1912/1913 gründete "Rawhide" Jimmy Douglas, als neuer Minenkönig die Little Daisy Mine. Durch den Bergbau kam es zu unzähligen Bergrutschen. 1918 zerstörte ein Feuer 22 Meilen Minenschächte. Danach versuchte man, mit Dynamit die Minenschächte wieder frei zu setzen. Durch die Explosionen gab es häufig kleine Erdbeben. Der höchste Punkt des Kupferabbaus und der Gewinne war im Jahr 1929 erreicht. Als der Kupferpreis 1935 auf fünf Cent pro Pfund gefallen war, kaufte Phelps Dodge die Mine für 21 Millionen Dollar auf. Nur drei Jahre später wurde die Little Daisy Mine durch die zurückgehenden Gewinne und als Folge der großen Depression geschlossen. 1953 schloss die letzte Kupfermine in Jerome, die Phelps Dodge Mine. Ende der 1950er Jahre lebten noch etwa 50 Einwohner in der ehemals so großen Stadt. In ihrer Blütezeit 1929 besaß Jerome eine Bevölkerung von 15.000 Einwohnern, ein Krankenhaus, eine Schule, eine Highschool, ein Clubhaus, über 12 Bordelle und fast 100 Saloons.

Um 14.15 Uhr verlassen wir den interessanten kleinen Ort und fahren zum Tuzigoot National Monument. Tuzigoot - "Cooked Water" in der Apachensprache. Es handelt sich hier auch um ein Pueblo der Sinagua aus dem 12. bis 14. Jh. Die Sinagua - sin agua = ohne Wasser - besiedelten das Tal des Verde Rivers ab der Mitte des 11. Jh. Sie entwickelten sich nach dem Ausbruch des Vulkans Sunset Crater in den Jahren 1064/65, dessen fruchtbare Vulkanasche die Voraussetzungen für Ackerbau in der durch Wüsten geprägten Region verbesserten. Vorgänger waren die Hohokam, die Anasazi und Mogollon, deren unterschiedliche Einflüsse sich mit der Sinagua Kultur vermischten. Das Pueblo von Tuzigoot wurde um 1125 begonnen. Wie andere Pueblos im Tal des Verde Rivers bevorzugte man erhöhte Lagen, die sich gut verteidigen ließen. In der letzten Ausbaustufe Ende des 14. Jh. umfasste das Pueblo 110 Räume auf drei Stockwerken und wurde von über 200 Personen bewohnt. Die Bewohner bauten Mais, Bohnen und Kürbis und Baumwolle an. Doch sie waren auch Jäger und Sammler. Die Pueblo Indianer exportieren Salz und Baumwolle und führten Muschelschalen vom Golf von Kalifornien ein. Um 1400 wurde das Pueblo aufgegeben, die Sinagua Kultur ging unter. Über die Gründe sind sich die Wissenschaftler noch heute nicht einig. Heute betrachtet man die Walapai, Havasupai und Yavapai als Nachfahren. Die Hopi behaupten, dass die Sinagua zwischen 1250 und 1450 in ihre Gebiete zugewandert seien, ihre Gebräuche übernommen hätten und mit ihnen verschmolzen seien. Dies lässt sich aber archäologisch nicht beweisen. Doch eines ist sicher, diese Menschen waren großartige Architekten und Künstler. Ihre Bauten haben mehr als 600 Jahre überlebt. Tuzigoot ist eines der besterhaltenen Pueblos im Südwesten der USA.

Gegen 15 Uhr verlassen wir diesen schönen Ort und erreichen um 15.45 Uhr das herrliche Sedona, umgeben von prächtigen roten Felsen. Im Cowboy Club trinken wir Kaffee, die Hitze kann man hier gut aushalten, denn überall um die Tische herum wird Wasser hauchfein versprüht, welches für Kühlung sorgt.

Sedona (Spitzname: Beverly Hills on the Rocks) liegt am Ausgang des Oak Creek Canyon im Verde Valley. Bis 1821 gehörte das Land zu Spanien und ging dann in den Besitz von Mexiko über. 1848 fiel es nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg an die USA und gehörte nun zu Arizona. Sedona wurde 1902 als Farmerdorf gegründet. Der Name stammt von der Gattin von T. C. Schnebly, der hier 1899 eine Poststation eröffnete. Sie hieß Oak Creek Crossing and Schnebly Station. Der Postverwaltung war der Name zu lang und so gab Schnebly dem Ort den Namen seiner Frau, Sedona. Ab 1946 zogen viele Künstler, u. a. Dorothea Tanning und Max Ernst, nach Sedona. Sie prägten das Stadtbild ganz entscheidend. Heute kommen jährlich Tausende von Touristen in die Stadt, angezogen von den Naturschönheiten der umgebenden Landschaft. Sedona ist außerdem ein Zentrum der NEW AGE Bewegung, da die Berge in der Gegend spirituelle Kräfte besitzen sollen.

Weiter geht die Fahrt, am Oak Creek Canyon Overlook machen wir einen Stopp. Eine traumhafte Landschaft, Felsen, mit grünen Auwäldern (Arizona Platanen) und Arizona Zypressen bewachsen. Wir sind auf ca. 1.000 m Höhe, es ist hier etwas kühler. Der Oak Creek ist ein Neben-fluss des Verde River und zählt zum Einzugsgebiet des Colorado River.

Flagstaff erreichen wir um 18 Uhr, nach 10 Stunden. Das Abendessen in dem Lokal direkt an unserem Hotel Days Inn ist sehr gut, aber sehr teuer. Monika hat Forelle, Josef Nudeln, Rolf Steak und ich Salat, kann aber nur 1/3 essen, ich bin von der Hitze zu müde und geschafft. So muss Rolf sich opfern. Um 21 Uhr liegen wir im Bett, so erschöpft sind wir von dem heißen Tag.

© Uschi Agboka, 2012
Du bist hier : Startseite Amerika USA Von Tuscon nach Flagstaff
Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisetagebuch über die Motorradtour durch 11 Staaten des Süd- und Nordwestens der USA vom 6. Juni bis 9. Juli 2012 - zurückgelegte Meilen 7.930 (12.767 km) – Text: Uschi Agboka Fotos: Rolf Kummer – www.harley-rolf.de
Details:
Aufbruch: 06.06.2012
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 09.07.2012
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors