USA 2012 - 1. Teil - Colorado, New Mexico, Arizona, Nevada, Utah

Reisezeit: Juni / Juli 2012  |  von Uschi Agboka

Aufenthalt Flagstaff - Grand Canyon

8. Tag - Grand Canyon/Little Colorado River/Wupatki N.M./Sunset Crater N.M.

Mittwoch, 13. Juni 2012 8. Tag Flagstaff, Arizona Days Inn
Flagstaff / Grand Canyon South Rim / Little Colorado River Canyon / Cameron / Wupatki National Monument / Sunset Crater Volcano National Monument / Flagstaff
Gefahrene Meilen: 216 ( 348 km)

Aufstehen 6.30 Uhr, um 7.30 Uhr wollen wir starten, zunächst zum Frühstück, dann zum Grand Canyon South Rim. Wir fahren ein Stück auf der historischen Route 66 und frühstücken in einer typischen Arbeiterkneipe. Dann 78 Meilen (125 km) bis zum South Rim. Erster Halt am Mather Point mit Besuch des Visitor Centers. Wir sehen uns einen Film an, der anschaulich die Entstehend des grandiosen Canyons schildert. In den letzten 8 Jahren ist hier übrigens enorm viel gebaut und verändert worden. Monika und Josef, das erste Mal da, sind mehr als beeindruckt und fotografieren, was das Zeug hält.

Der Grand Canyon, eine ca. 450 km lange Schlucht, zwischen 6 und 30 km breit, bis zu 1.800 m tief, die während Millionen von Jahren vom Colorado River ins Gestein des Colorado-Plateaus gegraben wurde, wird im Jahr von ca. 5 Mio. Menschen besucht. Viele Geologen sind der Ansicht, dass sich das Einzugsgebiet des Colorado River (zu dem der Grand Canyon gehört) vor ca. 40 Mio. Jahren gebildet hat. Der Grand Canyon ist wohl nicht viel älter als 5 bis 6 Mio. Jahre. Geologisch gesehen ist das "jung". Der Canyon zählt zu den größten Naturwundern der Welt. Francisco Vasquez de Coronado begann seine Suche nach den sieben Städten der Cibola in Mexico City. 300 Soldaten, 300 Indianer, 4 Priester, 1.000 Indianer-Sklaven und 1.500 Rinder begleiteten ihn. Er kam bis Kansas. Die Goldstädte fand er nicht, aber dafür wurde durch ihn viel unentdecktes Land bekannt. Coronado hörte u. a. auch vom Goldland Quivira. Er folgte dem Indianer El Turco, der angeblich den Weg kannte. Doch das Ziel des Indianers war es, die Spanier in den endlosen Weiten der Prärie verhungern und verdursten zu lassen. In Quivira angekommen, gestand El Turco seine List. Coronado ließ ihn hinrichten und kehrte nach Mexico-City zurück.

Schon vor 3.000 Jahren lebten Menschen im Grand Canyon. Die Indianer waren Jäger und Sammler, die Körbe und Sandalen herstellen konnten und mit Speerspitzen aus Stein auf die Jagd gingen. Vor 2.000 Jahren besiedelten die Anasazi das Gebiet. Sie wohnten in Lehmhäusern und bauten diese an die Wände der Schlucht. Sie betrieben Landwirtschaft und hinterließen viele Felsenzeichnungen. Vor ca. 700 Jahren ver-schwanden die Anasazi plötzlich. Die Hopi sind ihre Nachfahren. Noch heute besiedeln einige Havasupai-Indianer den Grand Canyon. Um Schutz vor möglichen Angreifern zu suchen, zogen sie auf den Boden des Grand Canyon. Noch heute sind sie der isolierteste Indianerstamm in den Vereinigten Staaten. Ihr Reservat im Havasu Canyon kann man nur zu Fuß oder auf dem Pferderücken über zwei lange Trails erreichen, die vom Rand des Canyons hinunterführen. Der Grand Canyon selbst wurde durch den Spanier Garcia Lopez de Cardenas aus Coronados Gruppe für die Weißen entdeckt und zwar im September 1540. Unter Führung eines Hopi erreichten er und ca. 20 Männer den Südrand der Schlucht. Sie waren auf der Suche nach "dem großen Fluss". Drei Soldaten stiegen in den Canyon hinab, kamen aber nach einem Drittel des Weges aus Wassermangel zurück. Pedro de Castameda berichtete 20 Jahre später in seinen Memoiren von den Erlebnissen, u. a., dass sie Felsen sahen, die höher waren als der Turm von Sevilla. Der Grand Canyon wurde jedoch für wertlos befunden und über 200 Jahre von keinem Europäer mehr besucht! Erst in den 1850er Jahren schickte der Mormone Brigham Young erste Siedler in das Gebiet, mit dem Ziel, eine Möglichkeit zur Flussüberquerung zu finden. Diese Siedler knüpften gute Beziehungen zu den Indianern und so wurden die beiden Orte Lee's Ferry und Pierce Ferry zur Überquerung des Colorado River gefunden. Die wissenschaftliche Expedition des einarmigen John Wesley Powell begann am 24. Mai 1869 in Green River, Wyoming. Nach 1.500 km, durch zahlreiche gefährliche Stromschnellen im Green River und im Colorado River kam die Expedition am 30. August zum Virgin River, dem Endpunkt des Grand Canyon. Powell wiederholte diese Fahrt zwei Jahre später und fertigte genaue Karten und Berichte an. Er gab dem Canyon auch seinen heutigen Namen.

Der 2. Halt ist am Grand View. Von hier führt ein Pfad zur Horseshoe Mesa. 1.000 m unterhalb befindet sich die "Last Chance Mine". Hier baute Pete Berry ab 1890 17 Jahre lang mit Gewinn Kupfer ab. Warnschilder weisen immer wieder darauf hin, dass man die Wanderwege etc. nicht unterschätzen darf. Hier in der Nähe starb 2004 die berühmte Marathon-Läuferin Bradley auf einer Wanderung, weil sie die vorgegebenen Ratschläge nicht befolgt hatte - zu wenig Wasser, zu wenig Salziges. Statt 24 km war der Weg 43 km lang und sie hatte nur 1,5 l Wasser, 1 Apfel, 2 Energieriegel dabei. Ihr Partner wartete im Schatten auf Rettung, er überlebte. Sie lief weiter, bei 41 Grad und starb.

3. Halt Desert View - es ist 12.45 Uhr. Ich besuche hier das Visitor Center, schön kühl dort. Auch heute haben wir wieder über 40 Grad. Vom Desert View Point hat man einen ausgezeichneten Ausblick. Im Osten erblickt man Painted Desert, die "angemalte Wüste", eine ebene Region genannt Marble Plattform. Dann erhebt sich das Gelände um 400 Meter zum Kaibab Plateau. Weiter westlich erstreckt sich schließlich die gewaltige Furchenlandschaft des Grand Canyon.

Nun fahren wir zum Little Colorado River Canyon. Auf der Strecke hat man den Eindruck, am Horizont gleich einige Indianer oder John Wayne zu sehen. Rolf und mir gefällt diese Strecke besonders gut.
Little Colorado River Gorge ist der kleine Bruder vom Grand Canyon. Der Little Colorado River (entspringt in den White Mountains im Apache County) ist einer der beiden großen Nebenflüsse des Colorado River. Unmittelbar bevor er in den Colorado River mündet, hat er eine kleine spektakuläre Schlucht geschaffen. Diese ist sehr eng und schmal, bietet aber abenteuerlich steile Einblicke. Little Colorado River Gorge liegt auf dem Land der Navajo Indianer Nation und zählt zu den Navajo Nation Parks. Wir halten uns hier nur kurz auf, es ist zu heiß. In Cameron tanken wir und erfrischen uns. Außerdem ist ein Besuch in dem authentischen indianischen Geschäft für mich ein "Muss". Ich erstehe auch in diesem Jahr einige schöne indianische Arbeiten für unsere Indianerwand Zuhause.

Weiter geht die Fahrt durch die heiße Wüstenlandschaft bis zum Wupatki National Monument, wo wir um 15.45 Uhr eintreffen. Hier in dem 140 km² großen Gebiet wurden fast 2.600 prähistorische Fundstellen entdeckt, darunter die Ruinen von Pueblos der Anasazi-Kultur. Das Wupatki Pueblo war im 12. Jh. das größte bekannte Bauwerk auf dem nordamerikanischen Kontinent. Der Ausbruch des Vulkan Sunset Crater 1064/1065 schuf die Lebensgrundlage für das Wupatki Pueblo. Die fruchtbare Vulkanerde ermöglichte den Anasazi oder Sinagua den Anbau von Feldfrüchten. Wupatki Pueblo hatte einst mehr als 100 Räume, einen Turm, Gemeinschaftsräume und das berühmte "Blowhole", ein geologisches Phänomen, wo von unterirdischen Gängen Luft durch eine kleine Öffnung durch Druckunterschiede ausgeblasen oder angesaugt wird. Vieles ist noch gut erhalten und mit dem hervorragenden Info-Material, welches man kostenlos in den Visitor Centern erhält, ist man gleich mitten "in der Geschichte". 1190 lebten hier mehr als 2.000 Menschen. Wupatki Pueblo zeigt Kayenta und Sinagua Architektur und 100 verschiedene Pottery-Typen (Töpferwaren). Die Anasazi bzw. Sinagua (Volk ohne Wasser) lebten von Mais, Kürbis und Bohnen. Sie jagten Ga-belböcke und Nagetiere, außerdem sammelten sie Beeren. Kunstvoll bemalte Keramiken und wunderschöne Kleidung aus gewebten und bunt gefärbten Textilien wurden von ihnen hergestellt. Tonscherben belegen, dass es Handelsbeziehungen durch den ganzen Südwesten der USA gab. Bis heute sind die Rätsel um die Anasazi bzw. Sinagua von den Archäologen nicht gelöst. Diese alten Völker verließen die Region um den Sunset Crater Volcano und zogen auf die Colorado Plateaus (Mesa Verde) bzw. gen Osten zu den Hopi Mesas. Sie nahmen ihre Lebensgewohnheiten mit, die sie befähigten, mehr als 2.000 Jahre in wasserarmen Gegenden zu überleben. Ich bin immer wieder fasziniert von diesen Geschichten.

Sunset Crater Volcano schauen wir uns natürlich auch an. Der Sunset Crater, ein kleiner Vulkan, 2.451 m hoch, liegt auf dem Colorado Plateau. An seinen Hängen wachsen Kiefern und verschiedene Wildblumen, u. a. Apache Plum. In ca. 6 Mio. Jahren hat der Vulkan über 600 Hügel und Berge im San Francisco Feld geschaffen. Die Eruptionen haben auf dem Vulkan einen 340 m hohen Kegel entstehen lassen und die Bewohner (Sinagua Indians) vertrieben. Am Fuße des Vulkans, der mit Pinien und Wildblumen bewachsen ist, kann man die losen Lapilli und die Lavaströme erkunden. Der Berg selbst darf nicht mehr betreten werden, um die empfindliche Struktur und die Vegetation nicht weiter zu schädigen. Wir fahren durch eine schwarze Landschaft, bewachsen mit grünen Bäumen, hauptsächlich Birken. Die Navajos benutzen noch heute in einer Zeremonie den Blütenstaub der Birken für die jungen Mädchen: Er soll die Haut sanft erhalten, ohne Falten und Schönheit geben bis ins hohe Alter.

Es geht nun zurück nach Flagstaff, wo wir um 19.30 Uhr eintreffen. Wir waren mehr als 10 Stunden bei großer Hitze unterwegs. Erst tanken, dann zum Sizzler essen. Schlechte Lokalwahl war das, Selbstbedienung, Josef hat ein neues Getränk erfunden: Eistee mit Cola, Rolf mixt Cola und Sprite. Später genießt Rolf seine Zigarre auf dem Balkon unseres Hotels und wir lassen den schönen Tag mit einem Bier ausklingen.

Flagstaff, auf 2.100 m Höhe, wird auch "Tor zum Grand Canyon" genannt. Die Legende berichtet, dass Siedler, die nach Westen zogen, hier anhielten, um den Unabhängigkeitstag zu feiern. Da sie einen Mast benötigten, um die amerikanische Flagge zu hissen, köpften sie einen Baum und befestigten daran die Flagge. Später kamen andere Menschen, die die Gegend besiedelten. Der Name Flagstaff für den Ort wurde aufgrund des ehemaligen Flaggenmastes gewählt.

© Uschi Agboka, 2012
Du bist hier : Startseite Amerika USA Aufenthalt Flagstaff - Grand Canyon
Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisetagebuch über die Motorradtour durch 11 Staaten des Süd- und Nordwestens der USA vom 6. Juni bis 9. Juli 2012 - zurückgelegte Meilen 7.930 (12.767 km) – Text: Uschi Agboka Fotos: Rolf Kummer – www.harley-rolf.de
Details:
Aufbruch: 06.06.2012
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 09.07.2012
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors