...wir sind dann mal fast weg!

Reisezeit: September / Oktober 2020  |  von Katja Jäger

Tag 11 und 12

We did it

We did it

Und ganz am Ende des Tunnels scheint das Licht!!!

Unser mini Hotel -nebst super Frühstück-  haben wir zu den Top 3 unserer Hotels hinzugefügt und mit schweren Herzen haben wir die knapp 20 km nach Padrón - relativ spät angetreten.

Da auch Padrón als unspektakulär degradiert wurde, hatten wir es nicht wirklich eilig. Da wir mittlerweile recht fit sind ( wir sind ja auch Pilgerer der 2. Kategorie, klaro),
kamen wir aber gegen 14h in Padrón an.
Aber, was sollen wir sagen, der Ort ist klein, hat wirklich nicht viel zu besichtigen, aaaaaaaber hat schöne Kneipen.

Leider sassen in vielen Kneipen Pilger Kollegen.

Was ja nicht weiter schlimm wäre, wenn diese nicht unverantwortlich unvorsichtig wären.
Grosse Gruppen, alle ohne Maske, Backe an Backe nebeneinander. Mannomann, die haben es immer noch nicht kapiert. Im Hintergrund liegen die Nachrichten im TV, dass Madrid und andere Orte ( auch hier in der Nähe) abgeschottet werden, und dieses IDIOTEN bespaßen sich.
Wir bevorzugten andere Bars, wo keine Pilgerer waren.
Sicher ist sicherer!

Ach ja, ein Kulturprogramm haben wir gestern knallhart durchgezogen:

In einer Kirche liegt genau der Stein, wo im 1. Jahrhundert das Boot vom * leider Namen entfalllen* festgemacht wurde. Diesen Stein kann man besichtigen.
Und genau dieser Stein hat oben eine Einkerbung, in die man ganz zufällig Münzen werfen kann, und dann gehen bestimmt auch die
( finanziellen ) Wünsche ( des Pators) in Erfüllung!!!

Unser Hotel in Padrón ( wo übrigens die kleinen, grünen Paprikas her kommen) war klein und doch rieeeeeesig.

Wir waren wahrscheinlich die einzigen Gäste letzte Nacht. Es sind 90% weniger Pilger unterwegs. Es ist erschreckend, wie viele Lokalitäten leer stehen. Viele Geschäfte sind einfach zu, innen jedoch komplett eingerichtet, aber ein " zu vermieten" Schild an die Scheibe geklebt.

Als wir gestern Abend im Hotel galizische Spezialitäten assen,  waren wir auch die einzigen Gäste. Hammer!

Wir dachten, der kleine Speisesaal, wo wir saßen, wäre alles....aber dem war nicht so.
Thorsten kennt die komplette untere Etage des Gebäudes, weil nämlich er eine privat Schnitzeljagd mit dem Nachtportier gemacht hat.

Wir haben gestern  wieder mal ein bissi wichtiges Zeugsel gewaschen. Und Katja hat ein wichtiges Oberteil in das geöffnete  Fenster zum trocknen gehängt.
Tja, und heute morgen, als wir packten, da war das Oberteil, samt Holzkleiderbügel weg!!!

Es war noch dunkel, aber im schwachen Licht der Stirntaschenlampe konnte man eine Etage tiefer  etwas erkennen.

Also, haben wir gepackt und dem besagten Nachtportier das Problem geschilder. Wir haben ihm erklärt, wo unser Zimmer ist. Aber, da das Hotel so weitläufig ist, hatte er keine Ahnung, wo das Oberteil gelandet sein könnte.
Es war 7.15 h, er hatte irgendwie Skrupel die Chefs anzurufen. Katja nicht!
Erst ist er mit Thorsten auf die Suche gegangen, aber das Hotel ist wirklich sehr weitläufig gewesen, daher kamen die beiden ohne Erfolgserlenbis zurück.
Der Herr Nachtportier wollte immer noch nicht seinen Chef wecken, aber wir mussten los. Die letzte Etappe bis Santiago de Compostella wurde mit ca. 24 km veranschlagt.
Die Aussage " einer von uns beiden muss jetzt mal deinen Chef anrufen" fruchtete und wenige Minuten später war das Oberteil im Rucksack und wir konnten aufbrechen.
Im Dunkeln, so richtig Dunklen! Und nur 12 Grad!
Laut Wegmakierung 25 km.

Kein Problem, für Pilger der Kategorie 2. Wenn da nicht das Zeitfenster bis spätestens 15.20h Ankunft in Santiago gewesen wäre!

Wir wollten heute noch bis zum Ende der Welt, nach Fisterre, mit dem Bus fahren. Und der fährt nun mal nur um diese Zeit. Thorsten machte eine grobe " soll"  Km/h Berechnung, wie viele Pausen wir alle wieviel Kilometer machen dürfen und wie lange jede Pause sein darf.
Und es klappte!
Da der Busbahnhof etwas ausserhalb liegt, haben wir heute in einer Rekord Geschwindigkeit 27 km geschafft.

Aber die letzte Etappe hatte es in sich. Der gute, alte Jakob dachte sich wohl : euch lass ich noch mal Berg auf laufen und schwitzen, so am Ende des Weges!

Natürlich haben wir wieder die Frau der 1000 Taschen gesehen.  Und einen Pfarrer, er stand oben auf einer Treppe, vor einer Kirche und winkte uns zu, das wir die 20 Treppen
hoch kommen sollen.

Genau diese gingen aber genau auf der anderen Seite wieder runter, so dass wir wieder auf genau dem gleichen Weg angekommen wären, wie wir genau 40 Treppen vorher gewesen wären.
Sinnlos oder?

Also, fragten wir freundlich ( natürlich) warum wir diese 40 Treppen Umweg gehen sollen?!?! Er signalisiert uns : für einen Stempel in unserem Pilger Pass von seiner Kirche!
Wir hätten am liebsten gesagt: Kollege, da musst du schon mit anderen Mitteln frohlockt!!!
Haben aber nur dankend abgewunken! Er guckte dennoch etwas deplaziert!

Unser Zieleinmarsch auf den Platz der Kathetrale von Santiago war ohne Pauken und Trompeten. Aber wir haben es geschafft!!!!

243 gelaufenen Kilometer!!!

Morgen laufen wir noch bis zum Ende der Welt!

Die Frau der 1000 Taschen

Die Frau der 1000 Taschen

Ein Monument von vielen auf dem Weg

Ein Monument von vielen auf dem Weg

Wir sind mit unserer Aufgabe gewachsen und jetzt grösser als Verkehrsschilder

Wir sind mit unserer Aufgabe gewachsen und jetzt grösser als Verkehrsschilder

© Katja Jäger, 2020
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Der portugisische Jakobsweg- für Tiefenentspannte! ... ein weiterer Punkt auf unserer TO DO Liste!
Details:
Aufbruch: 28.09.2020
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 14.10.2020
Reiseziele: Portugal
Der Autor
 
Katja Jäger berichtet seit 16 Monaten auf umdiewelt.
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