2023 Mit einem Geländewagen durch Albanien und Nordmazedonien

Reisezeit: Mai - August 2023  |  von Michael Bünte

Der Kosovo

eine weitere Entscheidung muss von uns gefällt werden

"WIE FAHREN WIR ZURÜCK ?" Das ist die Frage, die wir uns jetzt langsam stellen müssen.
Entweder geht es jetzt nach Kumanovo und von dort über die Grenze nach Serbien, um auf dem berühmt, berüchtigten "Autoput" nach Norden zu fahren, oder wir fahren wieder zurück nach Albanien in die Berge, denn die Bergwelt im Norden Albaniens hatten wir am Anfang unserer Reise wegen schlechten Wetters ausgelassen. Das würde allerdings bedeuten, dass wir dieselbe Strecke durch Kroatien und über die Alpen nach Hamburg zurück fahren würden, auf der wir auch in den Süden gefahren sind.

Eine dritte Möglichkeit hatten wir bisher vollkommen außer acht gelassen.
"Wir könnten doch auch von Skopje über Priština nach Norden fahren und, da wir noch ein paar Tage Spielraum haben, ein paar Tage im Kosovo verbringen."
KOSOVO - ein rotes Tuch für uns. Wir haben von den Unruhen und den Straßensperren gehört, die in den Nachrichten verbreitet wurden. Unsere grüne Versicherungskarte gilt in dem Land nicht.
Wir hatten gelesen, dass man an der Grenze zum Kosovo eine extra Versicherung in Höhe von 50 Euro abschließen muss. Alle hatten uns davon abgeraten, durch den Kosovo zu fahren.

Jetzt überlegen wir noch einmal genau:
Erstens: "Die Unruhen sollen nur in einigen Orten im Norden an der Grenze zu Serbien stattgefunden haben." Wenn wir uns also von den nördlichen Gebieten fernhalten ist die Wahrscheinlichkeit, in einen Unruheherd zu gelangen, nicht höher als in Hamburg auch.
Zweitens: "Der Kosovo wäre für uns eine völlig neue Erfahrung, die wir nicht machen würden, wenn wir nur außen herumfahren."
Drittens: "Jetzt haben wir die Berge im Norden Albaniens schon ausgelassen und wollen nicht wieder durch Kroatien zurück fahren, dann könnten wir doch wenigsten in die Berge des Kosovo fahren, die ja nur auf der anderen Seite der Grenze liegen."
Viertens: "50 Euro Eintrittsgeld, wenn wir 4 Tage in dem Land bleiben, sollte uns diese Erfahrung Wert sein."

Von Priština aus, der Hauptstadt des Kosovo, die uns wärmstens von anderen Reisenden empfohlen wurde, würde unser Weg dann weiter in Richtung Westen nach Peja führen. Dort soll es eine eindrucksvolle Berglandschaft mit tiefen Schluchten geben.
Immer mehr festigen sich diese Gedanken, rücken in die Möglichkeit des Machbaren und wecken unseren Entdeckergeist, bis schließlich die Entscheidung feststeht.
Wir werden in den Kosovo fahren.

über die Grenze in den Kosovo

Nicht lange auf guter Straße in Richtung Norden erreichen wir den nordmazedonischen Grenzposten. Ausweise zeigen, fertig. Der Schlagbaum öffnet sich.
"Kommt gleich noch ein kosovarischer Grenzposten wegen der Zusatzversicherung?", frage ich den Beamten hinter der Glasscheibe auf Englisch. Er nickt. "200 meters ahead is the next stop".
Weiter geht es für uns, bis die leuchtend blaue Flagge mit den Konturen des Kosovo und den 6 weißen Sternen in Sicht kommt. Was kommt jetzt?

Der freundliche Beamte nimmt unsere Ausweise, die er uns kurz darauf wieder zurückgibt.
"Ja, die Versicherung für das Auto müssen Sie dort drüben in der CBK-Bank abschließen." Er spricht Deutsch. "Sie können den Wagen dort an der Seite abstellen."
Wir fahren also am Zoll vorbei und parken auf einem schönen Schattenplatz unter Dach, allerdings nicht für lange, denn ein freundlicher Herr kommt herbei gerannt und meint, dass wir noch auf der Straße stünden. Wir sollten auf einen der Parkplätze in der gleißenden Sonne halten.
"It was such a nice place in the shadow", meine ich zu ihm. Er lacht zurück, doch er besteht darauf, obwohl ansonsten auf dieser 'Straße' kein Fahrzeug zu sehen ist. Ok, wir fügen uns.
Ab in die brüllheiße Sonne.

In der kleinen Baracke, dem Bankgebäude der "Central Bank of Kosovo" weiß man natürlich gleich, was wir wollen.
"Die Fahrzeugpapiere bitte". Lange, sehr lange betrachtet sich der Beamte den umfangreichen Text, der all die Sonderausstattungen unseres Fahrzeugs aufführt. Er sucht irgendetwas, mit dem er unser Fahrzeug kategorisieren kann.
"Camper?", werden wir gefragt, denn der Wagen ist als Campingwagen eingetragen.
"Yes, small camper, it is a car, a Land Cruiser"
Es gibt eine kurze Rücksprache mit dem Kollegen. Wir meinen das Wort "Jeep" in dem Gespräch gehört zu haben. Dann bekommen wir die Aufforderung, dass wir für die kosovarische Kfz.-Versicherung 15 Euro, also die Gebühr für einen einfachen PKW zu zahlen hätten.
Welch eine freudige Überraschung. Dann ist das ja längst nicht so teuer, wie wir gedacht hatten.

Zurück beim Auto fällt uns auf, dass wir ja noch gar nicht durch den Zoll gefahren sind, sondern uns gleich hinten herum am Zoll vorbei auf den Parkplatz gestellt haben. Wir gehen zu Fuß zu den Zollbeamten. Als wir uns als Deutsche zu erkennen geben kommt ein großer, glatt rasierter Beamte auf uns zu. Ein deutscher Polizist, von der UN hier abgestellt.
"Da haben sie ja eine heiße Zeit erwischt", schmunzelt er uns an. Wir erklären ihm, dass wir noch gar nicht durch den Zoll seien, dass wir die Versicherung bezahlt hätten, und fragen ihn, ob wir jetzt weiterfahren könnten. "Es ist alles ok, gute Reise noch".

Flagge des Kosovo.
Die 6 Sterne stehen für die sechs größten ethnischen Gruppen des Landes.

Flagge des Kosovo.
Die 6 Sterne stehen für die sechs größten ethnischen Gruppen des Landes.

Wir stellen dem freundlichen Beamten schnell noch unsere Frage nach der Autobahnvignette.
"Es gibt im Kosovo noch keine Vignette und auch keine Autobahngebühr," bekommen wir als Antwort. Die Schilder dafür sind zwar alle schon aufgestellt, doch man ist noch nicht so weit. Meistens sind sie durchgestrichen, und wenn nicht, dann sind sie nicht gültig."

Also geht es für uns zurück zu unserem Wagen. Wir sind im Kosovo und fahren auf perfekt ausgebauter Autobahn, an den Ausfahrten mit einer durchgehenden Kette von Straßenlaternen versehen, in den Kosovo hinein. Schon in Tetovo hatte uns der Restaurantbesitzer gesagt, dass wir uns im Kosovo "wie in der Schweiz" fühlen würden. Und tatsächlich, eine doppelspurige Autobahn "schwebt" auf Stelzen über einer bewaldeten Schlucht. Wir gleiten praktisch in sanften Schwüngen oberhalb der Baumwipfel das Tal hinunter. Atemberaubende Brückenkonstruktionen tauchen auf. Wer diese Straßen wohl finanziert hat? Hier ist eine Menge Geld in die Hand genommen worden, das eventuell an anderer Stelle im Land fehlen könnte.

welche Währung ?

Als nächstes geht es für uns darum, herauszufinden, welche Währung es im Kosovo gibt und wo wir diese bekommen können. Wir fahren von der Autobahn runter. Wir brauchen eine Pause. An einer Tankstelle sehen wir einen Preis von 1,37 angeschlagen. "Ok, merken wir uns. Aber zu welcher Umrechnung?" Wir wissen, dass wir schlecht vorbereitet sind auf dieses Land. Doch da unsere Entscheidung, überhaupt hierher zu fahren, erst gestern gefallen ist, ist das vielleicht entschuldbar.

Es ist unerträglich heiß. In einem kleinen Ort vor einem Supermarkt stellen wir unseren Wagen in den Schatten eines Baumes und wollen eigentlich nur wissen, ob wir, wie in den anderen Ländern bisher auch, beim Kauf einer Ware, die wir in Euro bezahlen, das Rückgeld in der Landeswährung bekommen. Ist aber nicht nötig. Alle Waren sind in Euro ausgezeichnet. Wir haben die Landeswährung bereits im Portemonnaie.
Also läuft das hier genauso wie in Montenegro. Das Land ist nicht in der Währungsunion, verwendet aber dennoch den Euro.
"Wir müssen uns heute Abend im Internet dringend mehr über dieses Land informieren", ist unser fester Entschluss.
Ohne etwas zu kaufen gehen wir wieder zum Auto zurück.
Priština ist unser nächstes Ziel.

vielleicht sind die Straßen in diesem Land ja doch nicht überall so erstklassig ausgebaut

vielleicht sind die Straßen in diesem Land ja doch nicht überall so erstklassig ausgebaut

© Michael Bünte, 2023
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir starten in Hamburg und reisen mit einem Toyota HZJ78 über Italien, Kroatien, Montenegro nach Albanien. Dieses ist der Bericht unserer zwölfwöchigen Reise.
Details:
Aufbruch: 15.05.2023
Dauer: 12 Wochen
Heimkehr: 06.08.2023
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Michael Bünte berichtet seit 26 Monaten auf umdiewelt.
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