2023 Mit einem Geländewagen durch Albanien und Nordmazedonien

Reisezeit: Mai - August 2023  |  von Michael Bünte

Rückreise

Prolog

Irgendwann ist es soweit. Jetzt, nach zwölf Wochen intensiven Erlebens der Menschen, der Natur, der Bau- und Kunstwerke, der Lebensbedingungen in den westlichen Ländern des Balkan müssen auch wir mal rückwärts rechnen, wie viele Tage wir uns für unsere Rückreise nach Hamburg reservieren möchten.
Die Route steht fest, nachdem wir jetzt schließlich doch noch im Kosovo gelandet sind.

Montenegro

Da wir gelesen haben, dass die Einreise aus dem Kosovo nach Serbien problematisch werden könnte, wenn man nicht über Serbien eingereist ist, geht es für uns erst über die Passstraße R106 nach Rožaje in Montenegro. Der in Park4night angegebene Stellplatz ist der Bushof der gesamten Region, also ein Flop und nicht für eine Übernachtung geeignet. Und dabei hatten wir uns mühsam durch die steilen Straßen in das Zentrum dieser kleinen Stadt heruntergequält.
Also geht es nun durch die eng parkenden Autos wieder hinauf. Oben in den Bergen finden wir in der Nähe eines Sägewerks vor dem Eingang eines Naturparks eine große Fläche, auf der ein paar Holztransportanhänger abgestellt sind. Wir gesellen uns etwas im Abseits dazu und können eine ruhige Nacht in Montenegro verbringen. Morgens grüßen die wenigen vorbeikommenden Menschen freundlich. Die Sonne scheint heiß, doch die Luft ist frisch, so dass es sich im Halbschatten der Bäume sehr gut frühstücken lässt.
Hier legen wir auch den nächsten Ort unserer Fahrt in Richtung Heimat fest.

wir gesellen uns etwas im Abseits zu den Holztransportanhängern

wir gesellen uns etwas im Abseits zu den Holztransportanhängern

im Halbschatten der Bäume es sich sehr gut frühstücken

im Halbschatten der Bäume es sich sehr gut frühstücken

Serbien

Nicht weit entfernt der Stadt "Užice" finden wir in der App den "Camper Stop Tatinac-Sevojno" mit vielen guten Bewertungen. Wir wollen nicht mehr als 200 km am Tag zurücklegen, denn Zeit für kleinere Unterbrechungen, und sei es einen Sprung in ein abkühlendes Wasser, wollen wir auch noch haben.

die Burg über Užice

die Burg über Užice

Naturbad im Fluss mit Sprungturm unter der Bahnbrücke.
Gut für einen Sprung in ein abkühlendes Wasser

Naturbad im Fluss mit Sprungturm unter der Bahnbrücke.
Gut für einen Sprung in ein abkühlendes Wasser

bei Ratko

Dieser "Campingplatz" ist ein Paradies für uns. Von Ratko, dem Chef des Hauses, werden wir herzlich empfangen. Bevor irgendetwas passiert werden wir auf eine Couch auf der Terrasse gebeten.
"Coffee, Raki ?", fragt Ratko, der nur ein paar Worte Englisch und überhaupt kein Deutsch spricht. Da geht nur der Handy-Übersetzer.
Den türkischen Kaffee nehmen wir dankend an, den Raki lehnen wir jetzt um die Mittagszeit dankend ab. Da sitzen wir nun in einem fremden Land unter fremden Leuten und fühlen uns wohl.
Ein Pfau springt auf den Griff der Schubkarre. Ziegen liegen an der Hausecke im Schatten. Ratko zeigt uns, dass es hier auch Esel, Gänse und Hühner gibt. Überall stehen Geräte, die man für die Landwirtschaft braucht. Es ist also mehr ein Bauernhof als ein Campingplatz, auf dem die Tiere frei herumlaufen können.

ein Pfau springt auf den Griff der Schubkarre

ein Pfau springt auf den Griff der Schubkarre

das Haus von Ratko ist mehr ein Bauernhof als ein Campingplatz

das Haus von Ratko ist mehr ein Bauernhof als ein Campingplatz

auch kleine Ziegen laufen hier frei herum

auch kleine Ziegen laufen hier frei herum

An der Wand über der Tür hängen drei Todesanzeigen. Wir fragen nach deren Bedeutung und erfahren von Ratko, dass sein Sohn im letzten September mit seinen Freunden auf der Rückfahrt von einem Diskothekenbesuch tödlich verunglückt ist. Wir sind bestürzt, zeigen ihm unser Mitgefühl und er dankt uns mit leichtem Kopfnicken, einer Hand auf dem Herzen und einem tiefen, seufzenden Atemzug. Eine Frau gibt es auch nicht mehr auf dem Hof. Jetzt lebt der "alte Wolf" hier allein mit all den Tieren um sich herum. Doch hat Ratko noch weitere Projekte. In der nächsten Woche will er für seine Gäste ein Restaurant eröffnen. Der Pavillion ist gerade rechtzeitig fertig geworden. Wer kocht? Na, er natürlich. Er kann nach guten Rezepten kochen, hat er die letzten Jahre für sich und seinen Sohn ja auch gemacht.

Die Nacht unter der Milchstraße verbringen wir in absoluter Ruhe. Nur am Morgen werden wir von hohl trompetenden Lauten erschreckt. Nein, es ist keine Vuvuzela von der letzten Fußballmeisterschaft. Die Pfauen begrüßen sich und den neuen Tag.
"Räder schlagen sie nur im April und im Mai", lässt Ratko die Handy-App übersetzen. Jetzt sehen die Schwanzfedern der beiden Hähne ziemlich ramponiert und abgewetzt aus. Die langen Kiele fallen ihnen aus. Die werden ja nur für die Balz gebraucht. Wie große farbenprächtige Hühnervögel schreiten sie auf unserer Frühstückswiese im Abstand um uns herum. Ein friedliches Bild in einer paradiesischen Umgebung.

am Morgen auf der Campingwiese . . .

am Morgen auf der Campingwiese . . .

. . . bekommen wir neugierigen Besuch

. . . bekommen wir neugierigen Besuch

exotisches Schillern

exotisches Schillern

ein etwas anderes Kroatien

"Kroatien hat einen Donauhafen und damit Zugang zum Schwarzen Meer."
"Nein, das glaube ich jetzt nicht. Das könnte man ja in einer Quizzfrage bei 'Wer wird Millionär' verwenden."
Doch es ist tatsächlich so. Die Stadt Vukovar liegt am diesseitigen Ufer der Donau, die für ein paar Kilometer die Grenze zwischen Serbien und Kroatien bildet. Dort sehen wir seegängige Schiffe, die gerade beladen werden. Und von hier aus können sie eben bis zum Schwarzen Meer gelangen.

Wir sitzen mit Albert im Aufenthaltsraum seines Campingplatzes. Er ist der Chef hier, hat heute schon drei Stunden auf seinem Trecker dem Nachbarn geholfen, und ist froh, heute Abend mit uns abhängen zu können. Albert spricht Deutsch, was dabei hilft, jede Menge Informationen von diesem Landstrich zu bekommen. Albert spricht viel. Und Albert stellt drei Flaschen Bier auf den Tisch. Später stellt er uns auch noch seinen selbst gebrannten Raki vor.
"Die letzten Jahre, als Corona war, habe ich sehr viel Raki gebrannt. Und dann kam da keiner, der ihn haben wollte. Ich habe noch den ganzen Keller hier unter uns voller Flaschen mit Raki", grinst er.
Wir unterhalten uns köstlich. Die Raki-Flasche geht sowieso gegen Ende. Also teilt Albert den Rest auf unsere drei Gläser auf. Wir verabschieden uns herzlich von ihm, denn morgen will er nach Trogir zu seiner Mutter fahren, die ihn um Hilfe gebeten hat.

Heute Abend erfahren wir von Albert, dass der Landstrich zwischen der Drau und der Donau, der vorher zu Ungarn gehörte, nach dem ersten Weltkrieg an das neu gegründete Jugoslawien fiel. Jetzt, nachdem Jugoslawien in separate Staaten zerbrochen ist, gehört der Landstrich Slawonien zu Kroatien, doch die Menschen dort sprechen immer noch Ungarisch, die Sprache ihrer Vorfahren. Die Orte, durch die wir gefahren sind, könnten genauso gut auch in Ungarn sein. Das flache Land mit den endlosen Mais- und Sonnenblumenfeldern, die Reihen der kleinen Einzelhäuschen entlang der Straßen mit ihren Gemüsebeetvorgärten, die mit spinnennetzartigen Kabelverbindungen gespickten Telegraphenmasten mit unzähligen Storchennestern darauf. Wir hatten uns gefühlsmäßig in Ungarn geglaubt, doch hier sind wir in Kroatien.

der weiße VW-Bus

Gerade haben wir unsere Siebensachen zusammen gepackt, haben gut gefrühstückt und uns gefreut, dass der Raki von gestern keine bemerkbaren Nachwirkungen in unseren Köpfen hinterlassen hat, da kommt ein weißer VW-Bus mit Klappdach vorbei gefahren. Er dreht kurze Zeit später, kommt zurück und bleibt direkt vor unserem Auto stehen.
"Was hält der weiße Bus denn ausgerechnet hier ?", denke ich mir im Stillen.
Ein Mann im weißen T-Shirt steigt aus. Nicht wiederzuerkennen, es ist Albert mit dem wir gestern Abend unseren Absacker genommen haben. Heute Morgen ist er extra noch einmal hergekommen, um sich persönlich von uns zu verabschieden. In der rechten Hand schwenkt er eine Literflasche mit seinem selbstgebrannten Raki, eisgekühlt. Wir sind sprachlos. Welch eine nette Geste von ihm.
"Das muss er sich gestern Abend noch ausgedacht und sich tierisch darauf gefreut haben, uns heute dermaßen überraschen zu können."
Der Abend gestern mit uns hat ihm offensichtlich gefallen. Wir haben einen Draht zueinander gefunden. Nach einer herzlichen Verabschiedung springt er gewandt in den Bus und fährt davon.
Wir müssen uns nach diesem Überfall und unserer Rührung erst einmal berappeln.

Sturmschäden

Auf unserer Fahrt durch Kroatien sehen wir, dass ganze Sonnenblumenfelder flach liegen. Bis zum Horizont liegen die noch nicht aufgeblühten Blumen auf der Seite.
"Das ist ja wahnsinnig". Hier muss vor wenigen Tagen ein schrecklicher Sturm durch gegangen sein. Es tut uns in der Seele weh, das zu sehen. Die ganze Arbeit, die da reingesteckt wurde, der finanzielle Verlust, der da entstanden ist. Wir denken an das finanzielle Desaster der Bauern.

nach dem Hagelschlag liegen ganze Sonnenblumenfelder flach

nach dem Hagelschlag liegen ganze Sonnenblumenfelder flach

Wir fragen an einer Tankstelle, was hier passiert sei und erfahren, dass vor vier Tagen ein Orkan hindurchgezogen ist
"Die Hagelkörner waren größer, als Golfbälle", hieß es vom Tankwart.
Mit diesem Wissen fallen uns auch die vielen Baumarbeiten an den Straßenrändern und die dort aufgeschichteten Äste auf. Strommasten sind abgeknickt, bei einer Kirche, an der wir vorbeifahren, fehlt das Kreuz und die Turmspitze. Dafür sehen wir ein großes Loch im Kirchendach, durch die das fehlende Stück Kirche offensichtlich hindurch gefallen ist.
"Wo waren wir, als hier die Unwetter durchzogen ?"
Da hatten wir südlich der Berge noch schönsten Sonnenschein. Aber in nördlicher Richtung waren tiefdunkle Wolkenbänder zu sehen.
"Da haben wir richtig Glück gehabt, dass wir so langsam weitergekommen sind, sonst hätten wir jetzt auch Hagelschlagbeulen in unserem Auto."

Strommasten sind abgeknickt

Strommasten sind abgeknickt

Ungarn

Pécs

"Nach Pécs möchte ich aber auch noch einmal", höre ich vom Beifahrersitz.
Da wir genügend Tage für eine entspannte Rückfahrt mit Zwischenstopps übrig haben, lässt sich das natürlich einrichten. Das familiär geführte "Famila Camping" liegt etwas außerhalb der Stadt, doch man kann von dort aus mit dem Bus bequem in die Stadt fahren. Das spart den Stress, das Auto in der Stadt abzuwerfen. Außerdem steht der Wagen hier unter den Nussbäumen schön im Schatten.

während wir in der Stadt sind, steht der Wagen hier unter den Nussbäumen schön im Schatten

während wir in der Stadt sind, steht der Wagen hier unter den Nussbäumen schön im Schatten

"Bei den Arkaden müsst ihr aussteigen", hat uns Katinka beim einchecken noch gesagt. Sie hat uns auch ausführlich mit Wissen versorgt, wo wir die Fahrkarten für den Bus kaufen können, welche Buslinien wir nehmen können, wo diese abfahren, und wo der Schlüssel vom Campingplatz hängt, wenn wir spät abends zurückkommen.

In der Stadt hören wir laute Musik.
"Da ist irgendwas los. Sieh mal die vielen Menschen, die uns in der Fußgängerzone entgegen kommen."
"Offensichtlich kommen wir etwas zu spät zu einem Konzert auf dem Marktplatz."
Doch die Musik geht noch weiter. Der Marktplatz ist voller Verkaufsstände, eine große Bühne ist am oberen Ende aufgebaut. Die Klänge aus starken Lautsprechern hallen über den Platz, verfangen sich in den großen Gebäuden, die so mit Stuck überladen sind, dass sie den Schall schlucken, wie eine gute Konzertsaalwand. Es ist bombastisch. Der Platz, die überreichen Gebäude, die Menschen, die Musik, wie das Finale eines gerade aufgeführten Theaterstücks.

der Platz, die überreichen Gebäude, die Menschen, die Musik, wie das Finale eines gerade aufgeführten Theaterstücks

der Platz, die überreichen Gebäude, die Menschen, die Musik, wie das Finale eines gerade aufgeführten Theaterstücks

Fabeltiere speien Wasser

Fabeltiere speien Wasser

Kunst aus Stein

Kunst aus Stein

Unseren Hunger bei diesem Festival in einem netten Restaurant zu stillen, ist nicht möglich. Man sagt uns, dass wir schon mit einer Wartezeit von 1 - 2 Stunden rechnen können. Also gibt es für heute Abend etwas auf die Faust.
"Wir können uns dann ja noch auf einen Wein irgendwo reinsetzen."
Später erfahren wir noch, wo wir da hineingeraten sind. Es ist die Bekanntgabe des für die Aufnahme zum Studium erforderlichen Notenschnitts und die Begrüßung der neuen Studenten, die im kommenden Jahr hier ihr Studium anfangen dürfen.

der Dom von Pécs mit seinen vier Türmen

der Dom von Pécs mit seinen vier Türmen

feine Filigranarbeiten über dem Domportal

feine Filigranarbeiten über dem Domportal

das reich verzierte Theater

das reich verzierte Theater

Ziemlich spät, unser Bus fuhr um 23:30 Uhr, stehen wir vor dem großen gußeisernen Gitter, durch das wir schon unser Auto sehen können. Der Schlüssel hängt genau da, wo Katinka es uns beschrieben hatte. Müde und voller Eindrücke kriechen wir unter unsere Decken.

Székesfehérvár . . .

. . . ein unaussprechliches Wort, kompliziert und nicht zu behalten. Früher hieß diese Stadt Stuhlweißenburg. Doch wenn man das ungarische Wort in seine drei Teile teil, ist es gar nicht mehr so schwierig. Die Stadt heißt heute noch ähnlich, wie in ihrer östereichischen Zeit. (székes - fehér - vár / Stuhl - weiß - Schloss)

In dieser Stadt finden wir einen Campingplatz, von dem aus wir die Stadt zu Fuß erreichen können. Es ist nicht mehr ganz so heiß, wie wir es bisher erlebt haben, so dass wir, Bewegung tut uns gut, mit schnellen Schritten unterwegs sind. Auch diese Stadt, die wir schon aus Erzählungen unserer Großeltern kennen, ist aufwändig und vollständig restauriert. Gewaltige Kirchenwände rechts und links lassen die Straßen zu Schluchten werden. In der gesamten Hauptachse der Stadt fahren keine Autos. Alles ist perfekt geordnet und herausgeputzt. Wieder eine Theaterkulisse, die wir durchwandeln.

in der gesamten Hauptachse der Stadt fahren keine Autos

in der gesamten Hauptachse der Stadt fahren keine Autos

das Uhrenhaus mit Glockenspiel

das Uhrenhaus mit Glockenspiel

I love Székesfehérvár. Das Wort ist einfach zu lang.

I love Székesfehérvár. Das Wort ist einfach zu lang.

die Tagessuppe

Am Abend fallen wir auf den Scherz eines Gastwirtes herein. Da wir schlimmen Hunger bekommen haben, freuen wir uns über das Schild, auf dem "Soup of the day" angeboten wird.
"Guck mal, hier gibt es eine Tagessuppe. Das wäre doch etwas für uns."
Das Mädel, das uns in dem Lokal empfängt, lacht uns aus.
"Nein, hier gibt es keine Suppe. Das ist ein kleiner Scherz vom Chef. Wir meinen damit ein Glas Martini mit Orange."
"Oh, und wir dachten, das Glas Martini mit Orange gäb's dazu."
Lachend ziehen wir weiter.
Dass wir darauf reingefallen sind.

am Abend fallen wir auf den Scherz eines Gastwirtes herein

am Abend fallen wir auf den Scherz eines Gastwirtes herein

Es gibt dann doch noch etwas für uns in einem kleinen Lokal am anderen Ende der Fußgängerzone, vor der uns ein Springbrunnen eine Symphonie aus sich farbig verändernden, tanzenden Wasserfontainen aufführt.

es gibt dann doch noch etwas für uns in einem kleinen Lokal

es gibt dann doch noch etwas für uns in einem kleinen Lokal

ein Springbrunnen führt eine Symphonie aus sich farbig verändernden, tanzenden Wasserfontainen auf

ein Springbrunnen führt eine Symphonie aus sich farbig verändernden, tanzenden Wasserfontainen auf

Durch die Slowakei

Unsere Rückfahrt führt uns ein paar Kilometer durch die Slowakei. Gestern Abend haben wir einen Wiesenweg hinter dem Deich der Donau gefunden. Wir waren froh darüber, mit dem richtigen Auto hier zu sein, um dorthin zu gelangen.
Heute Morgen frühstücken wir etwas weiter auf einem Parkplatz oben auf der Deichkrone. Ein großes Ruderboot kommt am Ufer entlang, ein stattlicher Achter, wie wir es von der Alster her kennen. Doch die Ruderer und Ruderinnen verharren und ziehen nicht in voller Fahrt an uns vorbei.
Mit laut quäkender Stimme fährt ein kleines Motorboot um den Achter herum. Es werden am laufenden Band Anweisungen durchgegeben. Wir erkennen italienische Sprachbrocken.
Das große, ungelenke Boot wendet, damit es gegen den Strom an der Ausstiegsstelle unter uns anlanden kann. Ein zweiter Achter, ein dritter und dann ein vierter folgen dem ersten. Jetzt laufen 36 italienische Sportbegeisterte auf dem Deich herum.
Auf unsere Frage, "woher, wohin" bekommen wir zur Antwort, dass sie als Gruppe 12 Tage lang von Passau nach Budapest unterwegs sind. "Ein Hühnerstall erwachsener Menschen", kommt es uns vor. Alles rennt laut diskutierend herum.
Doch sie machen nicht nur Pause. Hier müssen sie die Boote umtragen, also aus dem Wasser heben und ein Stück über Land laufen, weil weiter vorne eine Staustufe die Weiterfahrt unterbricht.
Alle Mann (und Frauen) an die Boote. Dann geht es mit vielen Kommandos und italienischem Temperament, die schweren Boote zwischen sich tragend, an uns vorbei. Manchen sieht man an, dass sie wirklich schwer tragen, andere halten sich nur mit zwei Fingern daran fest.
Da erweist sich die Abkürzung für TEAM wieder als völlig zutreffend: "Toll, Ein Anderer Macht's".
Viermal kommen sie an uns vorbei. Nicht alle lachen, einige scheinen nach der Fahrt ziemlich erschöpft zu sein.
Als die das letzte Mal vorbeikommen sind wir für einige schon "alte Bekannte". Man lacht sich an. Dann verschwinden sie mit ihrer Ausrüstung in einem kleinen Weg durch die Büsche. Für sie geht es weiter nach Budapest.

heute Morgen frühstücken wir oben auf der Deichkrone

heute Morgen frühstücken wir oben auf der Deichkrone

als die das letzte Mal vorbeikommen sind wir für einige schon "alte Bekannte"

als die das letzte Mal vorbeikommen sind wir für einige schon "alte Bekannte"

Tschechien

Bade- und Campingplatz an der Eger.
Wir sind also im Egerland

Bade- und Campingplatz an der Eger.
Wir sind also im Egerland

Třebíč

Weiter geht es für uns dann durch Tschechien. Wir machen Halt in der kleinen Bezirksstadt "Třebíč", die uns auf unserem letzten Übernachtungsplatz von einem einheimischen Pärchen wärmstens empfohlen wurde. Seit 2003 zählen das aufwändig restaurierte Jüdische Viertel und die Basilika in der Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

im Jüdischen Viertel, das seit 2003 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist

im Jüdischen Viertel, das seit 2003 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist

In "Třebíč" angekommen schlagen wir, um nicht völlig ziellos herumzurennen, den auf Info-Tafeln vorgezeigten Rundweg durch die Stadt ein.
Er führt uns bergauf, bergab über klobige Kopfsteinwege, durch Hinterhöfe und an einem ausgedienten Schornstein vorbei, auf dem in Augenhöhe neben der Figur eines kleinen Schornsteinfegers aus Blech drei Störche hocken.

drei Störche hocken in Augenhöhe auf einem ausgedienten Schornstein

drei Störche hocken in Augenhöhe auf einem ausgedienten Schornstein

Auf dem Marktplatz dann kommen wir zu einen "Springbrunnen" der besonderen Art. Aus einem riesigen golden Ring, der vielleicht vier Meter über dem Kopfsteinpflaster zu schweben scheint, werden in regelmäßigen Abständen, abwechselnd mit Starkregen, dichte Nebelschwaden ausgestoßen.

ein etwas eigenartiger Springbrunnen auf dem Marktplatz versprüht Nebelschwaden

ein etwas eigenartiger Springbrunnen auf dem Marktplatz versprüht Nebelschwaden

Gut und günstig essen kann man in Tschechien immer noch, allerdings hauptsächlich da, wo traditionell tschechische Kost angeboten wird. Auch der Diesel, also das Futter für unser Auto ist in diesem Land 40 Cent günstiger, als bei uns. Also heißt es : hier noch einmal volltanken.

auch das Bier ist hier noch recht günstig und schmeckt phantastisch

auch das Bier ist hier noch recht günstig und schmeckt phantastisch

Schlagbäume gibt es innerhalb der EU nicht mehr. Grenzen erkennt man nur noch an dem kleinen blauen Schild mit dem Hinweis: "Sie fahren gerade nach Deutschland hinein."

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Dann geht es weiter über die Ostautobahn, also über Berlin.
In dem kleinen, hübschen, aber abends ausgestorbenen Städtchen "Perleberg" machen wir unseren letzten Stopp. Hier hat die Gemeinde einen kostenlosen Übernachtungsplatz für Durchreisende eingerichtet. Ein Dank an die Stadtverwaltung, die uns dieses Geschenk beschert hat.

letzter Stopp: Perleberg

letzter Stopp: Perleberg

Rückblende

Nach 12 Reisewochen durch den Balkan, nach vielen Begegnungen mit den Menschen anderer Kulturen, nach siebentausendfünfhundert Kilometern in unserem "Wüstenschiff", rollen wir mit unzähligen Eindrücken in unseren Heimathafen Hamburg-Rissen ein.
Die häufigste Frage, die uns gestellt wird, ist:
"welches war das schönste Land, das Ihr gesehen habt?"
Doch diese Frage können wir nicht beantworten. In jedem Land gibt es schöne oder weniger schöne Natur. Das Miteinander der Menschen ist von Ort zu Ort unterschiedlich. In manchen Gebieten einzelner Länder ist es einfacher, auf unsere Art zu reisen, in anderen Landstrichen fühlen wir uns nicht so richtig wohl.
Uns kommt es bei unseren Reisen sehr auf die Kommunikation mit den Menschen an, die dort leben wo wir uns als Gast eingeladen haben. Gute Gespräche, vertrauensvolles Beisammensein, Erfahrungen austauschen, das ist es, was für uns den Wert unserer Reise ausmacht.

© Michael Bünte, 2023
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir starten in Hamburg und reisen mit einem Toyota HZJ78 über Italien, Kroatien, Montenegro nach Albanien. Dieses ist der Bericht unserer zwölfwöchigen Reise.
Details:
Aufbruch: 15.05.2023
Dauer: 12 Wochen
Heimkehr: 06.08.2023
Reiseziele: Albanien
Der Autor
 
Michael Bünte berichtet seit 26 Monaten auf umdiewelt.
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