Von Antalya auf die Hochebene Zentralanatoliens

Reisezeit: Oktober 2005  |  von Herbert S.

Konya: Ausflug nach Catal Höyük ins 6. Jt. vor Chr.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Catal Höyük.
37°40'11" N // 32°50'35" O
Wie bereits von einem Studenten im Internet beschrieben (Bericht einer Reise 'mit nem alten Golf durch die Türkei') , ist zur Stadt raus so gut wie nichts angezeigt, man kann im Prinzip nur nach Sonnenstand fahren; das machen wir auch und finden tatsächlich auf Anhieb den Abzweig nach Karaman. Auf der Hauptstraße erstehen wir dann 6 große Flaschen Wasser (2YTL) und ein Brot (0,25YTL). Die Hauptkosten verursachen natürlich wieder die Benzinkosten (90 YTL für 32 ltr - 2,80). Nach ca. 60 km einschl. einer innerstädtischen Umleitung in Cumra erreichen wir Catal Höyük.

Der knapp 18 m hohe und ca. 12 ha große Siedlungshügel von Catal Höyük liegt etwa 10 nordöstlich der kleinen Stadt Cumra, die wiederum 60 km südwestlich der Hautptstraße von Konya nach Alanya liegt. Er ist Teil eines 21 ha umfassenden Gesamtkomplexes, von dem bislang nur etwa 5 % ausgegraben wurden.

Die Gründung der ersten Siedlung an diesem Platz wird auf 6250 v.Chr. datiert, den Niedergang der jüngsten von insgesamt zehn Siedlungen schätzt man anhand von Brandspuren auf etwa 5400 v. Christus.

Der Ort gilt als eine der größten jungsteinzeitlichen Siedlungen, die Bevölkerungszahl soll etwa 5000 Personen betragen haben.

(interessanter Bericht einer Architekturstudentin über ihre Beschäftigung mit der angeblich ältesten Stadt der Welt)

Unter einer großen Halle sind die Ausgrabungen von vielen Schichten zu sehen . Das Gebäude zieht sich den Hang hinab, die tiefste Schicht liegt sogar etwa 2 m unter dem heutigen Bodenniveau. Mit der entsprechenden Beschriftung und den Erläuterungen des jungen Archäologen sind die unterschiedlichen Zeitepochen gut zu unterscheiden.

Beschriftungstafel in der großen Halle

Beschriftungstafel in der großen Halle

Die jüngste Ausgrabung auf dem Hügel liegt etwas oberhalb der Halle und ist mit Sandsäcken vor Beschädigungen geschützt. Man hat einen guten Rundumblick auf die Hochebene in etwa 1000 m Höhe. Von hier kann man sich auch eine Vorstellung der vielen Schichten der Ausgrabungen machen, die in einem Plan verdeutlicht sind.

mehr als 10 Schichten

mehr als 10 Schichten

Am Eingang des Areals ist ein kleines Museum untergebracht, in dem viele Erläuterungen (auch mittels Video) gegeben werden.

Die häufige Verwendung von Stierhörnern und -schädeln, die die Wände eines jeden Hauses zierten, lassen auf einen ausgeprägten Stierkult schließen. Von diesen Hörnern stammt auch der heutige Ortsname Catalhöyük (Geweihhügel). Tonstatuetten von fettleibigen Göttinnen und mehrfarbige Wandmalereien mit Bildern von Gottheiten weisen außerdem auf die Verehrung der Fruchtbarkeitsgöttin hin.

Stierkult

Stierkult

fettleibige Göttin

fettleibige Göttin

Viele Ausstellungsstücke sind nicht hier, sondern im Museum für Zentralanatolische Kultur in Ankara zu bewundern.
Aber die Rekonstruktion eines kleinen Hauses bildet den Abschluss.

im Inneren des rekonstruierten Hauses

im Inneren des rekonstruierten Hauses

Da wir bei Ankunft in Catal Höyük einen Wegweiser (!) 'Konya' gesehen haben, wählen wir diesen Weg zurück und kommen durch urige zentralanatolische Dörfer (8623 -8625) mit z.T. beeindruckenden Hütten. - U: 'dass da überhaupt noch Menschen drin leben' - nahezu direkt wieder nach Konya zurück. Wir landen fast am Mevlana Kloster und finden daher auch sehr einfach unseren Weg zum Hotel zurück

Idylle oder?

Idylle oder?

'Behausungen' auf dem Rückweg nach Konya - aber mit Solardach und neuer Moschee

'Behausungen' auf dem Rückweg nach Konya - aber mit Solardach und neuer Moschee

© Herbert S., 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Für die meisten ist Kappadokien heute ein Begriff für eine außergewöhnliche, märchenhafte Tuffsteinlandschaft mit Hunderten von Höhlenkirchen und Klöstern im Bergland westlich von Kayseri. Die Vielfalt der Farben und Formen dieser bizarren Landschaft bezaubert Besucher. Es gibt aber auch noch eine Hochkultur zu erkunden: das Reich der Hethiter. Und ein Stück Seidenstraße befahren wir auch noch.
Details:
Aufbruch: 01.10.2005
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 16.10.2005
Reiseziele: Türkei
Sagalassos
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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