Hawaii !!!

Reisezeit: November 2010  |  von Sabine H.

Tanz auf dem Vulkan - Kilauea

So ca. 13 Stunden Ausflugsprogramm stehen mir heute bevor, aber Zeit für ein Turbo-Frühstück im Hotel bleibt trotzdem, bevor ich mich auf den Supermarkt-Parkplatz 500 m weiter begebe, wo mich irgendein Tourbus abholen soll. Das Turbo-Frühstück besteht zu 98 % aus Ananas, also schiebe ich weiterhin Kohldampf und hole mir in der 24h-bakery gleich am Parkplatz noch american-breakfast-to-go. Einen Blaubeer-Muffin. Das beste, was verfügbar ist. God bless America, aber warum nur mögt ihr keine Käse-Vollkornbrötchen in diesem Land ???? Während ich also an meinem Muffin herumnage, stellen sich mir der Guide Greg und ein junges frisch-verheiratetes Ehepaar aus Michigan vor. Super-nett. Auf einem anderen Supermarkt-Parkplatz am anderen Ende von Kona holen wir 2 weitere Ehepaare ab, aus Colorado und Kalifornien, beide auf "anniversary-tour", die einen 10-Jahre-Hochzeitsreise, die anderen 25 Jahre und erstmals ohne Kinder auf Hawaii unterwegs. Hawaii ist nunmal das Hochzeitsreisen-Mekka der USA.

Nun, da wir komplett sind, legt Greg los. Ich kenne bisher nur weibliche Sabbeltanten, die einfach ohne Punkt und Komma quatschen bis der Arzt kommt. Eine männliche Variante habe ich bisher nicht kennengelernt, aber Greg dürfte der Prototyp sein. Es ist weder uninteressant, unwitzig noch langweilig, was Greg so von sich gibt, aber er macht ja kaum eine Pause zum Luftholen ! Ich schiele immer auf seine Wasserflasche, die er ja eigentlich mal zücken müsste, um seine Stimmbänder zu ölen, aber nicht mal Wasser braucht dieser Mensch. Er quasselt und quasselt und quasselt... unglaublich.

Irgendwann erreichen wir den Hawaii Volcanoes Nationalpark. Der erste Stopp wird am Visitors Centre eingelegt, wo wir von einem Parkranger ganz schnell ins Innere gescheucht werden. Den Grund dafür haben wir schon deutlich in der Nase und als fiesen Geschmack im Mund: Schwefel.

Die Schwefelkonzentration in der Luft ist ungewöhnlich hoch.

Die Schwefelkonzentration in der Luft ist ungewöhnlich hoch.

Die Aussichtsplattform ist zwar eigentlich geschlossen, aber für ein paar Fotos lässt man uns trotzdem raus.

Die Aussichtsplattform ist zwar eigentlich geschlossen, aber für ein paar Fotos lässt man uns trotzdem raus.

Der Dampf aus dem Kilaueakrater

Der Dampf aus dem Kilaueakrater

Im Visitor Centre faszinieren mich vor allem die Seismographen, denn in echt habe ich so ein Ding noch nie gesehen. Einen haben sie zum "Spielen" aufgestellt: Man kann davor auf-und abhüpfen und die Ausschläge seiner selbsterzeugten "Erderschütterung" beobachten.

Der Spiel-Seismograph...

Der Spiel-Seismograph...

...und die echten Seismographen

...und die echten Seismographen

Weiter geht´s zu den Wasserdampflöchern. Hier oben dampft es wirklich aus allen Erdlöchern und wenn man sein Gesicht hineinhält, ist es wie ein Erkältungsdampfbad über einer Schüssel mit heissem Wasser, nur eben größer.

Eine kleine Wanderung durch dschungelähnliches Gelände mit Aussicht auf einen weiteren Krater schliesst sich an. Es ist nur ein kurzer Spaziergang, nichts anspruchsvolles, aber nett anzuschauen. Durch einen Lavatunnel kommt man auf diesem Rundgang auch. Greg hat jetzt übrigens Feierabend. Zuvor haben wir ein kleines Mittags-Picknick genossen und dabei Guide No. II kennengelernt, der hier übernimmt. Er ist Schotte und redet Gott sei Dank nicht halb soviel, wie Greg. Dafür habe ich seinen Namen vergessen.

Tja, die Namen sind mir alle entfallen, auch die der trails, der Krater, der Lavatunnel, der Mitreisenden...

Tja, die Namen sind mir alle entfallen, auch die der trails, der Krater, der Lavatunnel, der Mitreisenden...

Eingang zur Lava-tube

Eingang zur Lava-tube

Im Inneren

Im Inneren

Lava - gut zum drin herumklettern, aber Achtung ! Scharfes und spitzes Gestein !

Lava - gut zum drin herumklettern, aber Achtung ! Scharfes und spitzes Gestein !

Natürlich ist die Versuchung gross, irgendein Stückchen Lava aufzuheben und mitzunehmen als ultimatives Souvenir aus Hawaii. Es bietet sich ja geradezu an und liegt überall herum. Und man könnte auch auf die Idee kommen, sich zuhause daraus ein kleines Schmuckstück machen zu lassen - ein kleines Bröckchen glattschleifen und in eine schöne Fassung als Brosche, Ring, Anhänger oder sonstwas machen zu lassen... NEIN ! Die Mitnahme von Lava aus Nationalparks ist schonmal sowieso verboten (nichtsdestotrotz würd´s keiner merken). Die Mitnahme von einem Stückchen Lava vom Wegesrand ist nicht verboten, aber man würde es bitter bereuen, so die Legende. Die polynesische Göttin schlechthin - Pele - die Göttin der Vulkane, wacht nämlich über jedes Stückchen ihres Werkes ganz genau und straft diejenigen, die etwas davon stehlen, gnadenlos ab. Und ich glaube, die Verbreitung dieser Legende über´s internet und in einschlägigen Hawaii-Reiseführern ist echt wirkungsvoll, denn auch ich habe mich nicht getraut, auch nur ein Fitzelchen Lava mitzunehmen. Angeblich soll es nämlich zuverlässig schreckliches Unglück über die Person bringen. Etliche Leute, die Lava mitgenommen haben, haben es per Post, Kurier, Paketdienst (je nach Grösse des Stückes) nämlich kostenpflichtig wieder zurück nach Hawaii bringen lassen, nachdem sie plötzlich vom Pech verfolgt waren... Lege sich eben niemand mit einer hawaiianischen Vulkangöttin an !

Unser schottischer Guide fährt uns weiter zum nächsten Touristenübergabe-Punkt. Wir sind in Puna, südlich von Big Islands grösster Stadt Hilo und fahren durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Ich schwimme weiterhin, was Orts- und Personennamen angeht. Guide III übernimmt. Er ist Azubi und daher ist noch seine Aufpasserin dabei - äh tja. Sie heisst ??? und er hat einen ganz klassischen jüdischen Namen, nur "Benjamin" ist es nicht. Egal, wir machen uns nach der 3. Vorstellungsrunde des Tages vom Zuckerrohr-Acker. Ich sitze übrigens schon den ganzen Tag auf dem Copiloten-Sitz und hätte nun nichts lieber getan, als Nicht-"Benjamin" in den Arsch zu treten. Er ist genau das Gegenteil von Greg, redet unendlich langsam und fährt auch furchtbar langsam. Die Strasse ist zwar sehr eng und der Strassengraben tief, aber ein bisschen zügiger wäre ja nun schon schön ! Als ich allerdings einen böse verunglückten PKW überschlagen im Strassengraben entdecke und die Ersthelfer noch dabei beobachten kann, wie sie versuchen, den Fahrer zu befreien, ändere ich meine Meinung spontan. Ist schon tückisch hier, denn es dämmert, es gibt keine Strassenbeleuchtung und die Route ist extrem eng und kurvig, Gegenverkehr kommt wie aus dem Nichts.

So, deswegen haben wir uns also hierher gequält. Die Hawaii-Postkartenmotive stehen hier rum...

So, deswegen haben wir uns also hierher gequält. Die Hawaii-Postkartenmotive stehen hier rum...

Hach ! It´s just soooo Aloha ! Und am Fusse der Palmen im Lavasand sind tausende von Glühwürmchen, die man leider auf dem Foto nicht sieht.

Hach ! It´s just soooo Aloha ! Und am Fusse der Palmen im Lavasand sind tausende von Glühwürmchen, die man leider auf dem Foto nicht sieht.

Auf dem Fussweg zum Kalapana Beach - da bin ich jetzt wieder orts- und namenssicher. Hier wachsen ganz frisch viele neue Kokospalmen und im Hintergrund dampft es aus allen Erdlöchern.

Auf dem Fussweg zum Kalapana Beach - da bin ich jetzt wieder orts- und namenssicher. Hier wachsen ganz frisch viele neue Kokospalmen und im Hintergrund dampft es aus allen Erdlöchern.

Kalapana Beach und die Boogie-Boarder

Kalapana Beach und die Boogie-Boarder

Und keine 3 Meter davon die felsige, zerklüftete Lavaküste...

Und keine 3 Meter davon die felsige, zerklüftete Lavaküste...

Hungrig bin jetzt sogar ich. Es gibt Diner für Spinner ! Das junge Eheglück in Form von 2 Mittdreissigern aus Michigan sind meine Tischgesellen. Zunächst hungrig mache ich mich über das erste von zwei riesigen Sandwiches her, um kurz darauf pappsatt die Segel zu streichen. Mit us-amerikanischen Portionen und Grössenverhältnissen werde ich wohl nie zurechtkommen. Mr. Michigan befragt mich allerdings, ob er mein angebissenes 2. Sandwich wohl haben dürfe. Na klar ! Ich nehme den Kerl allerdings nicht ernst, denn Amerikaner sind zwar verfressen, aber auch überaus hygiene-bewusst. Da wird er doch nicht ein angebissenes Sandwich einer ihm komplett unbekannten Deutschen aufessen wollen ? Okay, er will und tut es. Ich wundere mich...

Letzter Programmpunkt - und ich bin schon echt müde - die Lava, die ins Meer fliesst, oder irgendwo an Land herausblubbert. Ist mir ehrlich gesagt, auch schon ziemlich egal. Es ist inzwischen stockdunkel und wir marschieren mit Taschenlampe bewaffnet durch ein Lavafeld und im Hintergrund - ganz weit weg - gibt es eine Eruption ! Boah, toll. Mit Kamera ist nichts mehr zu machen, nur noch ein Blick durch´s Fernglas. Na klar ist das super, zu sehen. Das kriegen längst nicht alle zu sehen, die hierher fahren, aber ich bin sooo müde !

Pahoa: Nicht-"Benjamin" steigt aus und seine Aufpasserin übernimmt das Steuer. Guide IV. Sie wird uns zurück nach Kona/Kailua fahren und sie tut das schnell, effizient und sicher. Und da uns allen der Kopf in den Nacken gerutscht ist, auch still und leise. Nur ein bisschen hawaiianische Musik noch... "Over the rainbow" mit Ukulele-Klängen von Israel Kamakawiòole - seit 12 Jahren tot, gestorben an Fettsucht, aber seit Ewigkeiten ein Superstar auf Hawaii und erst kürzlich weltweit bekannt geworden. Man fragt sich wirklich, wie das funktioniert. Wer gräbt nach Ewigkeiten einen uralten Cover-Song eines international total Unbekannten aus und kriegt das Ding auf Platz 1 der Charts ???

Die Rückfahrt nach Kona/Kailua dauert und zieht sich. Noch ein Toiletten-Stopp in Hilo, wo wir dem wirklich lauten Konzert der versehentlich an Bord von Containern hierher verschleppten Frösche lauschen können. Die sind eine Plage, hier. Genau, wie die Mungos. Aber die story der Mungos erzähle ich in einem anderen Kapitel...

Gegen 23.00 Uhr bin ich zurück im King Kamehameha Hotel und sinke erschossen vor Müdigkeit in´s King Size Bett. Morgen ist ein hang-loose-Tag und darauf freue ich mich tierisch !

© Sabine H., 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
14 Tage Urlaub zur grauesten Jahreszeit ? Da ist das Kontrastprogramm gefragt ! Ich flieg´nach Hawaii !!!
Details:
Aufbruch: 12.11.2010
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 28.11.2010
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Sabine H. berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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