Philippinen 2010

Reisezeit: November 2010 - April 2011  |  von Frank P.

Cebu - Der zweite Beginn

Sibille ist weg.

Ich bin allein.

Na gut nicht ganz allein, ein paar Philippinos sind auch noch hier, so 80-100 Millionen, so genau weiß das keiner, dazu noch ein paar tausend Touristen.

Ich mache mich auf den Rückweg vom Flughafen. Ohne Taxe versteht sich, hier wird nur für teuer gefahren, da laufe ich das Stück nach vorn zur Hauptstraße in Lapu-Lapu und dann nehme ich ein Mulicab. Da es dort nur eine Straße gibt, ist ein fehlerhaftes einsteigen unwahrscheinlich. Es fängt an zu regnen, die Wagen sind erstmal alle voll. Grrr... aber nur kurze Zeit später kann auch ich einsteigen. Bald darauf gibt es ordentlich Stau, nach meinen Berechnungen müßte ich aber in der Nähe der alten Mactan-Brücke sein, wo ich rüber nach Mandaue und dann weiter nach Cebu City muss. Ich übrigen habe ich noch keine Idee, wie ich fahren muss, aber bis jetzt habe ich noch alles gefunden oder erfragt. Weil mir das hier zu langsam geht steige ich aus, da laufe ich ja schneller und ob über die Brücke ein passendes Fahrzeug fährt weiß ich nicht.

Ich hatte recht, die Brücke ist gleich ein paar Schritte weiter und wie der Zufall es will, fährt da auch ein Jeepney mit der Aufschrift Cebu. Na bestens, läuft doch. Alles in Butter.

Alles in Butter? Leider nicht, den auf einmal leert sich das Fahrzeug merklich, kurz darauf bin ich allein und der Fahrer zeigt mir an, er fährt jetzt zurück. Tja... wo immer ich bin, aber nicht ansatzweise in Cebu City. Ich habe sozusagen genau gar keine Ahnung, wo ich bin. Doch ich halte mal das positive fest, da wo ich aussteige, kann ich mindestens drei Händler von Motorrädern sehen. Ich gehe zu einem hin, es wird gerade geschlossen, wie anscheinend bei den anderen Händlern auch. Aber das muss ich mir merken, ich muss nur raus finden, wo ich bin.

Das Personal dort klärt mich auf, ich sei in Mandaue, gut das hatte ich mir allerdings selbst gedacht, die Straße habe ich trotz dreifacher Wiederholung nicht verstanden. Auch sagt man mir, nach Cebu City müsse ich einfach Jeepney 21B nehmen, da drüben fährt gerade einer. Also schnell eingestiegen, unterwegs präge ich mir ein, wo ich lang muss, damit ich hier morgen herfahren kann. Der Weg ist an sich leicht zu merken, das finde ich locker mit dem Scooter. Der Jeepney fährt sogar genau bis zu meiner Unterkunft. Dafür, dass ich zwischenzeitlich mal wieder keinen Plan hatte, gut geklappt.

Bahala na.

Zurück im Hotel, fange ich an, meine Sachen zu packen, morgen ziehe auch ich hier aus. Das Hotel ist zwar recht nett, aber jetzt doch etwas ungünstig gelegen und etwas günstiger suche ich auch.

Via Internet kann ich diesmal gleich eine Unterkunft reservieren. Ich suche auch nach einer Scooter-Vermietung, nichts zu finden, das gibt es doch nicht. Ich frage in der Hotel-Lobby nach, dort hat man keinen Rat. Endlich finde ich eine Vermietung im Internet, ohne wirkliche Webseite, aber ich kann eine Mail senden. Bis ich einschlafe kommt jedoch keine Antwort.

Am folgenden Morgen siedel ich um. Der Scooter-Verleiher hat auch geschrieben, er will wissen, wann und wohin er den Roller bringen soll. Hmmm... stimmt da war kein Laden auf der Internetseite, soll er es halt bringen, Antwort geschickt und los.

Beim neuen Hotel angekommen klappt das Einchecken zwar schnell aber ich muss sofort eine Nacht bezahlen und dann immer Nacht für Nacht. Was denn das für ein Mist? Na egal. Auf geht es ins Zimmer, die Flure verströmen einen Charme mit einer Mischung aus Krankenhaus und Jugendherberge, zwar alles gefliest und sauber, aber es schallt auch schön. Das Zimmer vermittelt den gleichen Charme, allerdings sehr viel weniger Krankenhaus.

Den Scooter habe ich für 13.00 Uhr bestellt, da ist noch etwas Zeit, da kann ich noch ein wenig nach Fahrzeugen im Netz suchen. Das erweist sich im Zimmer als nicht möglich, Internet gibt es nur in der Lobby, die dortigen Sitzmöglichkeiten sind zwar optisch schön, wenn auch nicht passend zum sonstigen Ambiente, aber sehr unbequem. Dafür finde ich dann auch fast nichts im Netz, was ich gebrauchen kann. Fahren muss ich eh.

Es wird 13.00, es wird 13.30, kein Scooter, ich drehe frei. Ich kann mich kaum mit Jeepneys auf Fahrzeugbesichtigungstour gehen. Ich frage an der Rezeption nach, dort hat sich keiner gemeldet. Einen Verleih kennt man nicht, auch nicht beim Motorrad-Händler nebenan oder beim Motorrad-Zubehör-Händler gegenüber. Fein, so komme ich genau gar nicht weiter. Ich will doch zu den Motorrad-Händlern, die ich gestern entdeckt habe. Ich bin zwar sicher, dass ich die leicht finde, aber das war schon recht weit weg.

Sibille hat sich noch nicht gemeldet, eigentlich hätte sie zu da sein müssen, wahrscheinlich hat sie genug Stress am Flughafen. Bei Qatar Airways steht der Flug noch immer auf "on time" aber noch nicht auf gelandet, was längst hätte sein müssen. Ich checke Nachrichten, keine Meldung über Flugzeugunglücke. Wohler wäre mir bei einem Lebenszeichen.

Ich kann es jedoch drehen und wenden wie ich will, ich habe kein Fahrzeug. Die einzigen Vermietungen, die ich gefunden habe, gibt es auf Mactan, ich bin aber leider nicht auf Mactan, da war ich gestern, Sibille verabschieden... Ich werde zum Elch...

Dumm hier, dumm da, ich beschließe, einfach mit dem Jeepney dorthin zu fahren, weil wenn 21B von da hier hin fährt, dann muss es andersrum wieder dahin gehen. Logisch. Also aufgemacht, es ist schon 14.00 und der Weg weit. Sibille noch eine SMS geschickt, ob sie gut angekommen ist, ein bisschen unwohl ist mir schon. Immerhin ist in Berlin tiefer Winter mit Schnee und allem drum und dran. Aber im Moment kann ich ja nix machen.

Ich will vorher noch Pass und Geld in den Hotel-Safe geben, was vom Hotel dringend empfohlen wird. Ja, kein Problem, die freundliche Dame an der Rezeption holt eine Plastiktüte hervor, wickelt meine Sachen ein und umwickelt das ganze mit Tesa-Film. Dann wird Name und Zimmernummer drauf geschrieben und mein Name. Ich glaubte, ich bin im falschen Film. War ich aber nicht, ich sollte noch auf der Plastiktüte mit einem Edding unterschreiben. Danach wanderte alles in einen Büro-Rollcontainer, der aber immerhin abgeschlossen wurde. Ich träume... nein, tue ich nicht. Ich kann nur jetzt wenig ändern und im Zimmer scheint es auch nicht sicherer zu liegen. Immerhin könnte ich sehen, wenn es geöffnet wurde. Ich muss einfach mehr Vertrauen haben... Insbesondere, wenn ich nichts ändern kann. Bahala na...

Draußen eingestiegen in die 21B, ja es geht nach Mandaue. Wir quälen uns durch den Berufsverkehr, vielleicht auch den immer währenden Verkehr, wer weiß das schon.

Plötzlich biegt das Fahrzeug ab und zwar in eine Richtung, die jetzt gar nicht in den Plan passt. Bis eben lief alles super. Da ich mein Ziel aber nur visuell, aber nicht nach Namen kenne, kann ich natürlich auch nicht fragen. Ich entschließe mich auszusteigen. Ich bin auf einer großen Straße, was schon mal gut ist,allerdings kann ich nicht sagen, wo genau ich bin. Allerdings habe ich auf dem Weg mehrere Fahrzeughändler gesehen, dann muss es auch in die Richtung in die ich weiter muss, was geben, also einfach laufen, darin bin ich ja geübt. Am Straßenrand ziehe ich mir allerdings erstmal zwei Grillspieße rein, damit ich nicht verhungere. 14 Pesos, den Aderlass kann ich verkraften.

Händler sind aber keine zu entdecken, war ja fast klar, allerdings dürfte das hier die Ecke sein, wo ich rum muss. Es ist wirklich überraschend, wie unterschiedlich die Blickwinkel aus einem Auto, von einem Motorrad und zu Fuß sind. Aber das muss hier sein. Ich bahne mir den Weg vorbei an Grillständen, Obsthändlern und Bekleidungsgeschäften. Insbesondere letzteres hat wenig mit dem zu tun, was die Frau des heimischen Hauses sucht, wenn sie shoppen gehen will. Hier liegt alles auf großen Haufen auf einfachsten Ablagen. Entsprechend sind die Preise, ein Paar Schuhe für 10 Pesos, ein T-Shirt 5 Pesos oder ist das der Preis für 3? Da ich aber andere Kaufsabsichten habe, bahne ich mir meinen Weg durch dutzende von Kunden. Ihren Blicken nach zu urteilen ist dies keine Gegend, wo sich üblicher Weise Langnasen rumtreiben, noch dazu, zu Fuß.

Wie auch immer, es ist genau die Straße, die gesucht habe. Manchmal bin ich zufrieden mit mir selbst, so wie jetzt. Es gibt mehrere Händler. Alles schön und gut, nur entweder verkaufen sie neu oder die gebrauchten Fahrzeuge sehen zum fürchten aus. Abgesehen davon sind kleine Motorräder Mangelware, nur Scooter stehen dutzendfach rum. Die scheinen mir aber für mein Gepäck zu klein. Abgesehn davon sehen die keinen Deut besser aus. Zwar versichert man mir wieder, bei Kauf eines Neufahrzeuges wäre alles in einer Woche erledigt, aber da habe ich zu deutliche Warnungen erhalten, da kann ich mich nicht drauf verlassen. Ich will hier nicht Wochen warten, bis ich endlich losfahren kann. Das ist doch Mist.

Da ich alles zu Fuß erledigt habe wird es nun auch wieder spät, ich muss an den Rückweg denken. Das war nicht erfolgreich. Ich befürchte, das wird ein hartes Stück Arbeit. Ich denke erstmals darüber nach, doch gleich nach Mactan zu gehen. Dort ist Mikes Taverne, eine Unterkunft, betrieben von einem Deutschen, der sehr hilfreich sein kann, so verschiedene persönliche Hinweise im Netz. Problem, Mike macht gerade selber Urlaub und ist erst in 3-4 Tagen da. Im Moment läuft echt nur meine Nase, ich bin immer noch leicht erkältet.

Auf dem Rückweg denke ich mal darüber nach. Auf Mactan könnte ich zumindest einen Scooter mieten, die Unterkunft dort ist auch günstig, weiterhin könnte ich die Zeit bis Mike kommt mit Tauchen überbrücken, wäre ich nicht so verschnupft. Vielleicht ist es morgen ja besser.

Auf dem Weg zurück bekomme ich einen Anruf. Endlich, Sibille ist gut angekommen, kann mich per mail nicht erreichen weil auch zu Hause das Internet rumzickt. SMS hatte sie schon geschickt, ich habe die zwischen Werbe-SMS von SMART Telecom nicht gesehen. Grrr... egal Hauptsache ihr geht es gut.

Wieder im Hotel rufe ich nochmal zu Hause an, unterwegs im Jeepney war das nicht der beste Zeitpunkt und versuche auch zu klären, was da mit dem Internet los ist, was leider nicht gelingt. Ich werde Andre eine Mail senden, wie man den Router resetet, dann geht es eventuell wieder. Danach gehe ich nur noch ins Internet um Angebote zu suchen, nichts ordentliches zu finden, allerdings bricht die Verbindung auch immer wieder ein. Das Hotel scheint nicht nur den Charme einer Jugendherberge zu haben, sondern wir dauch von diversen Jugendlichen bevölkert, ständig klappen Türen, Unterhaltungen finden über den schallenden Gang hinweg statt. Das kann ja heiter werden.

Es wurde heiter, bis spät in die Nacht Türenschlagen, Gekicher, laute Gespräche und Fernseher auf satte Lautstärke. Ich muss hier weg... Hoffentlich komme ich ab morgen in Mikes Unterkunft unter.

Am folgenden Morgen versuche ich dort anzurufen, zunächst ohne Erfolg. Ich probiere die Handynummer, eine Frau meldet sich garstig verschlafen. Ich frage, ob ich mit Mikes Taverne verbunden bin, bekomme nur die Antwort, Mike sei nicht da. Ja, dass weiss ich, die Dame scheint aber nicht bereit für morgendliche Konversation, es ist 8:30. Ich versuche es einfach später nochmal.

Um 9.00 Uhr rufe ich nochmal unter der Festnetznummer an, eine Verbindung kommt zu Stande, wird aber sofort unterbrochen. Was nun los? Wenig später klingelt mein Telefon, auf meine Frage, wer dort sei bekomme ich keine Antwort, nur ein Gespräch zwischen meinem Anrufer und einer dritten Person, die er anscheinend etwas fragt. Ich frage noch 3x nach wer dort sei, als ich keine Antwort erhalte lege ich auf.

Kurz darauf rufe ich nochmals auf der Festnetznummer von Mikes Taverne an, jetzt geht einer ran. Ich frage nach einem Zimmer, da solle ich um 11.00 Uhr nochmal anrufen. Um 11.00 Uhr? Ich muss hier um 12.00 Uhr spätestens raus, frage nochmal nach ob den nicht bekannt ist, ob ein Zimmer frei ist. Nein, ich solle um 11.00 Uhr nochmal anrufen.

Ich sitze nun wie auf Kohlen. Was soll ich nun machen. Erstmal abwarten und frühstücken? Hier wird einem immerhin das Frühstück auf das Zimmer gebracht, eine Karte liegt bereit. Ich versuche telefonisch zu bestellen, dem Ergebnis widme ich ein kurzes eigenes Kapitel. Jedenfalls hatte ich nun kein Frühstück und die Unsicherheit brannte mir unter den Nägeln.

Um 10.45 rief ich nochmal an, wurde scharf zu recht gewiesen, ich sollte doch um 11.00 Uhr anrufen. Ja, hatte man mir gesagt, ist ja auch frech von mir. Da ich auf keinen Fall wieder zu früh anrufen wollte, wartete ich bis 11:05 und bekam nun auch eine Frau an den Apparat, die immerhin für Zimmer zuständig zu sein schien. Eine Auskunft konnte sie mir aber auch nicht geben, fragte, wie lange ich bleiben wolle. Eine Woche, aber wenn sie nur 1-2 Tage erstmal hat auch gut, ich will hier nur erstmal raus und kann dann da weitersehen. Ich bekomme keine erschöpfende Antwort. Mir platzt der Kragen, es muss doch möglich sein, wenn ich in einer Pension/Hotel anrufe, eine Auskunft zu bekommen, ob ein Zimmer frei ist oder nicht.

Ich versuche es so gut es geht am Telefon zu verbergen, frage aber deutlich, es müsse doch möglich sein, mir sagen zu können, ob ein Zimmer frei ist. Wann ich denn komme? Ah, ein Lebenszeichen. Ich komme jetzt gleich, in 1 Stunde bin ich da, jetzt nicht loslassen. Okay, bis gleich. Puh... Schnell auschecken, mein Plastiktütchen aus dem Safe holen, es ist alles da, Bahala na.

Taxe ran gewunken und weg hier, ab nach Mactan. Der Taxi-Fahrer wusste mit der Adresse erneut nicht viel anzufangen, diesmal sei es aber verziehen, dass er das MB´s Garden Inn nicht auf Anhieb kennt. Das ist ja auch nicht Cebu City, sondern durch zwei andere Städte durch und dann in der Pampa. Er schaut aber auf meinen Plan und weiß ungefähr wo, vor Ort wird halt gefragt, das ist okay. Die Fahrt ist lang, wir kommen ins Gespräch, nettes Gespräch, sicher mit dem einen oder anderen Hinweis auf Armut, seine Armut und Fahrpreise. Kleiner Hinweis aufs Trinkgeld. Aber überwiegend nettes beidseitiges Gespräch. Was ich mache, wie wann warum, wo es schön ist auf den Philippinen. Mit Motorrad, aha, er kennt auf Mactan eine Gruppe Motorradfahrer. Ja, ich auch die von Mike Taverne. AHH ! entspringt es dem Fahrer Mikes Tavern, ja die meint er auch und das kennt er natürlich. Das verheisst ja schon mal nichts schlechtes. Und tatsächlich, nach langer Fahrzeit, ohne Umwege erreichen wir punktgenau MB ´s Garden Inn, ein Trinkgeld hat er sich verdient.

Da bin nun, sofort fällt die Werkstatt und jede Menge große Motorräder auf. Reingegangen im großen überdachten aber luftigen Speisesaal sitzen Leute an Tischen, alles in dunkelbraunem Holz gehalten. Fahnen an den Wänden, Fotos. Ich weiß nicht warum, aber sofort habe ich das Gefühl, hier ist richtig. Ich fühle mich auf Anhieb wohl. Irgendwie ist es gar kein Problem mit dem Zimmer, könnte mir sogar aussuchen ob preiswert oder besser. Ich bleibe bei preiswert und da liege ich richtig. 850 Pesos für ein großes nettes Zimmer. Auch hier fühle ich mich auf Anhieb wohl.

Ich hoffe mein Gefühl trügt nicht, aber ich glaube hier geht es jetzt endlich los.

© Frank P., 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
6 Monate auf unbekannten Wegen. Über und unter Wasser.
Details:
Aufbruch: 04.11.2010
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 30.04.2011
Reiseziele: Philippinen
Der Autor
 
Frank P. berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.