30.000km - 4 Monate - 1 Paar Schuhe

Reisezeit: November 2012 - März 2013  |  von Marcus W.

Yazd - Garmeh

Nachdem ich in Shiraz und Yazd eher das Standard-Touri-Programm gefahren bin, hat mich wieder die Lust auf ein Abenteuer gepackt. Vielleicht sollte es sogar mein letztes werden, da Berlin langsam immer naeher rueckt und meine Reise sich dem Ende zuneigt.

Im Norden von Yazd befindet sich die Dasht-e Kavir Wueste - 77.600 km² und Temperaturen von bis zu 50°C im Sommer sind die Eckdaten fuer ein gutes Abenteuer. Meine Idee war es eine Nacht in der Wueste zu schlafen. Dazu musste ich den kleinen Ort Garmeh am Rande der Wueste erreichen. Dort gibt es ein Guesthouse namens Ateshooni, von wo aus alles Weitere organisiert werden konnte. Um dem Abenteuer noch ein wenig Wuerze zu verleihen, hatte ich beschlossen, nach Garmeh zu trampen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wuerde ich zwei Tage dorthin brauchen. Wo ich die Nacht verbringen wuerde, liess ich mir ebenso offen, wie die Route.

Am 28. Februar war es soweit. Ich habe noch in meinem Hostel in Yazd gefruehstueckt, anschliessend meinen Rucksack gepackt, zwei Flaschen Wasser, getrocknete Feigen und Nuesse gekauft und dann ein Taxi zum Stadtrand genommen. Dort stand ich gerade einmal fuenf Minuten an der Strasse bis jemand anhielt. Ich habe dann noch zweimal den Fahrer wechseln muessen und kam 80km spaeter in Kharanaq an. Der einzige Ort zwischen Yazd und Garmeh, der in meinem Reisefuehrer erwaehnt wird. Ich bin dort zwei Stunden geblieben, um mir die alten unbewohnten Lehmhaeuser anzuschauen und noch ein wenig ueber die Felder ausserhalb des Dorfes zu laufen. Danach den Rucksack wieder geschultert und Richtung Bundesstrasse gegangen. An einem Rastplatz habe ich zwei Trucker gefragt, ob sie mich Richtung Norden mitnehmen koennen, um dann an einer Abzweigung, die nach Garmeh fuehrt, in ein anderes Auto zu wechseln. Sie sagten mir aber, dass diese Strasse nach Garmeh nicht befahrbar ist und ich bei der Polizeistation in einen Bus nach Tabas steigen und von dort weiter nach Khur fahren soll.

Die Polizisten dort waren recht hilfsbereit. Ich sollte mich auf eine Bank setzen und warten; sie wuerden dann den richtigen Bus fuer mich anhalten und mir bescheid geben. Nach Sonnenuntergang bin ich dann in Tabas angekommen. Ueber den Ort hatte ich keinerlei Informationen, also habe ich jemanden nach einem Hotel gefragt. Das Hotel, was er mir empfohlen hat, war natuerlich zu teuer, also habe ich an der Rezeption nach etwas billigerem gefragt. Letztendlich bin ich in einer Art Pension untergekommen, wo ich auf dem Fussboden schlafen durfte.

Am naechsten Tag stand ich schon um 6 Uhr frueh wieder an der Strasse und habe mit der Hand gewedelt (Daumen nach oben versteht man im Iran wie den ausgestreckten Mittelfinger). Nach einer Stunde wurde ich dann von einem Trucker mitgenommen, der mich die 200 km bis nach Khur in seiner Koje schlafen gelassen hat. Von Khur aus war es dann nicht mehr weit bis Garmeh. Ich habe beim Guesthouse angerufen und wurde dann abgeholt.

Der Betreiber des Ateshooni Guesthouse war ziemlich am schwitzen als ich dort ankam. Er war gerade mit dem Mittagessen fuer eine 50-koepfige Touristengruppe beschaeftigt, die in der Wueste auf ihn wartete. Er hat mich dann in seinem Nissan 4x4 Jeep dorthin mitgenommen. Nachdem alle Gaeste wieder abgereist waren, habe ich ihm beim Aufraeumen geholfen und anschliessend sind wir noch in die Sandduenen gefahren, dort haben wir ein Feuer gemacht, Tee getrunken und auf den Sonnenuntergang gewartet.

Den folgenden Tag bin ich auf einen Berg geklettert, habe in die Wueste geschaut und einen Schlafplatz fuer die Nacht auserkoren. Zurueck im Guesthouse habe ich mir eine Decke und eine Matte geben lassen, sowie ein kleines Lunchpaket und Wasser. Dann bin ich am spaeten Nachmittag in die Wueste gegangen, ein Stunde vom Ort entfernt habe ich die Stelle wiedergefunden, die ich vom Berg aus gesehen hatte: eine grosse Pflanze, mit Blaettern aehnlich einer Palme. Ich hatte noch eine Stunde Zeit mein Lager herzurichten, dann wuerde es dunkel werden. Um meinen Schlafplatz herum habe ich mit einem Stein einen Graben gezogen; ich hatte mal gehoert, dass man so Schlangen fernhalten kann, auch wenn ich eher gehofft habe, dass es dort erst gar keine Schlangen gibt. Aber ziemlich widerliche Spinnen in der Erde und kleine Skorpione unter einem Stein habe ich gefunden. Vielleicht haelt der Graben wenigstens die von mir fern. Bis zum Sonnenuntergang war ich dann mit dem Sammeln von Feuerholz beschaeftigt, also eigentlich kein Holz, sondern getrocknete Blaetter von der Pflanze und dann noch Kameldung. Mit dem Untergehen der Sonne, das vom Heulen der Schakale begleitet wurde, wurde es dann dunkel, und zwar richtig dunkel. Ausser meinem Feuer, konnte ich nur eine schwarze Wand aus Dunkelheit sehen, nur in der Ferne waren die Schatten der Berge zu erkennen. Die naechsten zwoelf Stunden wuerde ich alleine in der Dunkelheit der Wueste verbringen.

Ich habe mir die Zeit mit dem Starren ins Feuer vertrieben und alle 10 bis 20 Minuten musste mal wieder ein trockener Kamelhaufen nachgelegt werden. Das ging einige Stunden so. Um Mitternacht war ich dann muede genug, um mich trotz der Schakale - die dort draussen irgendwo rumschlichen - schlafen zu legen. Fuer den Fall, dass ich nachts aufbrechen muesste, hatte ich vorher zwei Steine im Abstand von 10 Metern auf den Boden gelegt. Sie sollten mir die Richtung anzeigen, die ich laufen muss, um auch bei Dunkelheit wieder zurueck in den Ort zu finden - einen Kompass hatte ich naemlich nicht dabei. Um vorbereitet zu sein, hatte ich meinen Rucksack fertig gepackt und unter den Kopf gelegt. Die Schuhe habe ich auch angelassen, auch damit sich nicht Spinnen oder andere Viecher dort drin verstecken.

Kurze Zeit spaeter bin ich schon wieder aufgewacht, es war ca. 1 Uhr. Der Mond war mittlerweile hinter den Woken vorgekommen und hatte die Wueste um mich herum hell erleuchtet. Der Wind war auch etwas staerker geworden, also habe ich die Decke aus meinem Rucksack genommen und mich komplett darin eingehuellt. Ich bin dann noch einige Male wach geworden. Um 6 Uhr kam dann die Sonne wieder am Horizont hervor. Zu dem Zeitpunkt waren es 10°C und ich bin wieder Richtung Guesthouse aufgebrochen, wo ich dann noch einige Stunden geschlafen habe.

vom 06.03.2013

on the road again... diesmal von Yazd in die Wueste

on the road again... diesmal von Yazd in die Wueste

alte Haeuser in Kharanaq

alte Haeuser in Kharanaq

die Felder um Kharanaq

die Felder um Kharanaq

kurz vor Tabas, aus dem Bus heraus

kurz vor Tabas, aus dem Bus heraus

Ateshooni Guesthouse in Garmeh

Ateshooni Guesthouse in Garmeh

mit dem Nissan in die Wueste

mit dem Nissan in die Wueste

in den Sandduenen

in den Sandduenen

Umgebung von Garmeh

Umgebung von Garmeh

ich gehe in die Wueste

ich gehe in die Wueste

mein Schlafplatz

mein Schlafplatz

nachts im Dunkeln am Feuer

nachts im Dunkeln am Feuer

Sonnenaufgang um 6 Uhr

Sonnenaufgang um 6 Uhr

© Marcus W., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vier Monate lang werde ich den asiatischen Kontinent bereisen. Am 14. November starte ich mit dem Zug von Berlin aus Richtung Osteuropa. Die genaue Route lasse ich mir offen, fest steht nur, dass ich spätestens Mitte März wieder hier ankommen möchte. Dazwischen liegen Russland, China, Südostasien, Indien und Nepal, die ich bereisen werde. Zurück gehts über den Iran, wenn die politische Lage es zulässt. Insgesamt liegen geschätzte 30.000 km vor mir.
Details:
Aufbruch: 14.11.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: März 2013
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
China
Singapur
Indonesien
Nepal
Indien
Vereinigte Arabische Emirate
Iran
Deutschland
Der Autor
 
Marcus W. berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.