30.000km - 4 Monate - 1 Paar Schuhe

Reisezeit: November 2012 - März 2013  |  von Marcus W.

Tagong - Yuanyang - Kunming

Die Fahrt von Tagong zu den Yuanyang Reisterrassen war im grossen und ganzen ein selbstzerstoererischer Zweitagestrip. Von Tagong bin ich mit dem Minibus nach Kangding gefahren. An diesem Tag gab es dort keine Moeglichkeit mehr weiterzukommen, also habe ich mir ein billiges Hotel gesucht und bin anschliessend zum Busbahnhof; mein Ticket fuer den naechsten Tag kaufen. Auf dem Weg zurueck vom Busbahnhof ging es dann auch schon los; mein Bauch fing an zu blubbern und ich musste schnellstmoeglich die naechste Toilette aufsuchen. Ich hab dann schnell noch ein paar Flaschen Wasser gekauft, in Vorahnung auf das, was mich noch erwarten wuerde, und bin zurueck zum Hotel. Dort noch einen Plastikeimer und Toilettenpapier an der Rezeption besorgt und auf mein Zimmer verschwunden. Die kommenden Stunden habe ich mich mit waessrigem Durchfall und Erbrechen rumgeplagt. Ich lag in meinem kalten 2mx3m Zimmer und habe mich in den Eimer neben meinem Bett uebergeben. Irgendwann bin ich vor Erschoepfung eingeschlafen, aber ein paar Minuten spaeter wieder aufgewacht, von neuem erbrochen, wieder eingeschlafen, wieder erbrochen... Spaeter hat sich mein Eimer nur noch mit gelber Gallenfluessigkeit gefuellt. Um 4:30 Uhr musste ich dann mein Bett verlassen, um meinen Bus zu bekommen. In Zeitlupe habe ich meinen Rucksack gepackt, mir dann noch eine Loperamid eingeworfen, damits im Bus keine unschoene Ueberraschung gibt, und eine Elektrolytloesung getrunken, damit mich meine schwachen Beine wenigstens noch bis vor die Tuer tragen, um ein Taxi zu rufen, das mich die 800m zum Busbahnhof faehrt.

Ich bin dann acht Stunden mit dem Bus nach Xichang gefahren. Dort angekommen, mit dem Stadtbus zum Bahnhof, wo mein Zug um 00:39 abfahren wuerde. Es war gerade mal 15 Uhr, also musste ich ueber neun Stunden warten. Normalerweise kein Problem fuer mich, ich haette die Zeit einfach in einem Internetcafe verbracht, aber in meinem Zustand war daran nicht zu denken. Also hab ich in ein schaebiges Stundenhotel vorm Bahnhof eingecheckt. Dort konnte ich ein paar Stunden schlafen, bis ich von einem Freier geweckt wurde, der an die falsche Zimmertuer geklopft hat. Einschlafen konnte ich dann nicht mehr also bin ich raus. Ich hatte einen Schlafplatz im Zug, den ich die 10 Stunden lange Fahrt bis nach Kunming auch ausgenutzt habe. Ich erreiche dann das fruehlingshafte Kunming am Vormittag, springe gleich in den Bus, der den Fernbusbahnhof am Stadtrand anfaehrt. Dort am Ticketschalter wird mir gesagt, dass heute nur noch ein Bus nach Yuanyang faehrt, und zwar schon in einer Stunde. Also habe ich wieder keine Zeit zum essen. Ich kaufe mir nur notduerftig ein paar Kekse und Wasser. Der Bus ist zum Glueck ein Schlafbus. Mit an Board sind sogar zwei westliche Paaerchen; aus den USA und Deutschland. Aber ich bleibe auf meinem Bett in der letzten Reihe liegen und rede mit niemanden. Sie waeren wahrscheinlich nur von meinem Anblick und Geruch erschrocken: seit Tagen keine Dusche gesehen, seit drei Wochen keine Waschmaschine, und wahrscheinlich noch der Geruch von Kotze aus dem Mund.

Der Bus faehrt nochmal sieben Stunden und ich komme nach zwei Tagen endlich in Yuanyang an. Nur leider war die ganze Fahrt umsonst. Die ganze Gegend ist mit dichtem Nebel bedeckt. Nach zwei Tagen warten ist der Nebel immer noch nicht verschwunden und es gibt keine Moeglichkeit fuer mich, einen der spektakulaeren Sonnenauf- oder untergaenge ueber den Reisterrassen zu sehen. Was mir aber noch weitaus mehr Sorgen bereitet ist meine Weiterreise. Ich kann China nicht ueber den nahegelegenen Grenzort Hekou verlassen, weil es dort keine Visa fuer Vietnam gibt. Zur Grenze nach Laos wuerde ich, wenn alles gut laeuft, zwei Tage unterwegs sein. Da mein Chinavisum aber am 2. Januar ablaeuft, reicht die Zeit wahrscheinlich nicht mehr aus. Ich verbringe dann einige Stunden mit Internetrecherche und zerbreche mir den Kopf darueber, wohin ich stattdessen weiterreise. Nach all den Strapazen und schlechten Botschaften, entscheide ich fuer mich, dass ich erstmal Urlaub vom anstrengenden Reisen brauche. Ich buche einen Flug nach Kuala Lumpur in Malaysia fuer den 2. Januar. Dort werde ich den Zug nach Singapur nehmen. Im Hafen von Singapur gehts dann auf eine Faehre, die mich in einer dreitaegigen Fahrt auf eine kleine indonesische Insel bringen wird. Dort werde ich dann unter schattigen Palmen bei 30°C ein paar Tage am Strand rumliegen, bevor es zurueck nach Kuala Lumpur geht und von dort nach Nepal weiterfliege.

Jetzt bin ich in einem Hostel in Kunming und warte auf meinen Flug nach Kuala Lumpur, der in sechs Stunden geht. Silvester habe ich uebrigens in einem Schlafbus von Yuanyang zurueck nach Kunming verbracht. Chinesen feiern am 31. Dezember kein Silvester und so habe ich um Mitternacht nur kurz auf die Uhr geschaut und mir kein frohes Neues, sondern einen festen Stuhlgang gewuenscht und bin wieder eingeschlafen.

vom 02.01.2013

Im Schlafbus (mein Platz ist unten, der zweite von links)

Im Schlafbus (mein Platz ist unten, der zweite von links)

Blick aus meinem Hotelzimmer in Yuanyang

Blick aus meinem Hotelzimmer in Yuanyang

© Marcus W., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vier Monate lang werde ich den asiatischen Kontinent bereisen. Am 14. November starte ich mit dem Zug von Berlin aus Richtung Osteuropa. Die genaue Route lasse ich mir offen, fest steht nur, dass ich spätestens Mitte März wieder hier ankommen möchte. Dazwischen liegen Russland, China, Südostasien, Indien und Nepal, die ich bereisen werde. Zurück gehts über den Iran, wenn die politische Lage es zulässt. Insgesamt liegen geschätzte 30.000 km vor mir.
Details:
Aufbruch: 14.11.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: März 2013
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
China
Singapur
Indonesien
Nepal
Indien
Vereinigte Arabische Emirate
Iran
Deutschland
Der Autor
 
Marcus W. berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.