30.000km - 4 Monate - 1 Paar Schuhe

Reisezeit: November 2012 - März 2013  |  von Marcus W.

Chengdu - Tagong

Ich stehe frueh auf, denn mein Bus faehrt um 6:30 Uhr. Den Typen an der Rezeption muss ich wecken, um meine Kaution zurueck zu bekommen. Am Busbahnhof erkennt mich der Busfahrer von gestern wieder. Ich steige ein und bin auf eine abwechslungsreiche Fahrt gespannt, denn an diesem Tag muessen ueber 3200m Hoehendifferenz ueberwunden werden. Der Bus faehrt zunaechst eine schmale Strasse in einer mit Palmen und Bambuswaeldern bewachsenen Schlucht entlang. Auf der einen Seite der Strasse schaut man einen tiefen Hang hinab, ich fuehle mich an die "Death Road" erinnert, die ich 2009 in Bolivien gefahren bin. Dann kommt der gesamte Verkehr vorerst zum erliegen. Nach drei Stunden geht es endlich weiter und man sieht den Grund fuer diesen ungewollten Stop; ein paar Meter weiter oben steht ein zerquetschter LKW am Strassenrand, der wahrscheinlich eine Kurve ausgelassen hat und aus dem Weg geraeumt werden musste.

Wir erreichen dann bald die Baumgrenze, der nebelverhangene Wald endet und man schaut auf einen tiefblauen Himmel ueber der Hochlandebene. Der Bus quaelt sich Meter fuer Meter weiter hinauf und die ersten Fahrgaeste muessen sich aufgrund der extremen Hoehe uebergeben. Ich kann mich zum Glueck nicht beklagen, nur der Geruch im Bus ist nun etwas unangenehm. Die Sonne ist mittlerweile schon untergegangen und wir erreichen nach 13 Stunden Busfahrt den kleinen Ort Tagong auf 3700m ueber dem Meeresspiegel. Ich steige als einziger aus, der Bus faehrt weiter. Dann klopfe ich an ein paar Hoteltueren, die alle verschlossen bleiben. Ich frage eine Frau in einem Restaurant, sie telefoniert mit einer Bekanntin und ich bekomme doch noch einen Schlafplatz in einem bunten tibetischen Zimmer.

Am naechsten Tag gehe ich wandern. Diesmal sogar mit Begleitung. Ein streunender Hund mit hellblauen Augen folgt mir zwei Stunden ueber eine Grassteppe bis zu einem Kloster. Er rennt meistens voraus, wartet dann aber bis ich ihn einhole. Ich springe ueber Weidezaeune, er kriecht drunter durch. Nur an einem Stacheldrahtzaun bleibt er stehen und fiepst. Ich helfe ihm und stemme den Stacheldraht mit einem herumliegenden Zaunpfahl hoch. Angefasst habe ich diesen verlausten Streuner aber nicht und ihn auch immer etwas auf Abstand gehalten. Er hatte zwar keinen Schaum vorm Mund und hat sich auch nicht auffaellig verhalten, aber da ich nicht gegen Tollwut geimpft bin, wollte ich lieber kein Risiko eingehen. Von meinem Proviant habe ich ihm dann doch etwas abgegeben. Als wir am Kloster angekamen, blieb er vor dem Tor stehen und war verschwunden, als ich ich wieder herauskam.

Ich habe anschliessend noch ein tibetischen Dorf in der Naehe es Klosters besucht. Hier bin ich vielen freundlichen Menschen begegnet, die mich mit einem Laecheln und einem munteren "tashidele" (tibetisch Hallo) begruesst haben. Insgesamt bin an diesem Tag an die 30km ueber die Steppe, vorbei an buddhistischen Kloestern und durch tibetische Doerfer gelaufen. Zurueck in meiner Unterkunft war ich aufgrund der duennen Luft zwar halbtot, dafuer aber sehr zufrieden. Mein naechsten Ziel sind die Yuanyang Reisterrassen, mein letzter Stop, bevor ich China ueber Laos oder Vietnam verlassen werde.

vom 28.12.2012

3 Stunden warten

3 Stunden warten

tibetisches Zimmer

tibetisches Zimmer

Wanderung mit Hund (1)

Wanderung mit Hund (1)

Wanderung mit Hund (2)

Wanderung mit Hund (2)

Wanderung mit Hund (3)

Wanderung mit Hund (3)

Klosterschule

Klosterschule

Nonnenkloster

Nonnenkloster

tibetisches Dorf

tibetisches Dorf

ein Yak

ein Yak

Hochlandebene

Hochlandebene

© Marcus W., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Vier Monate lang werde ich den asiatischen Kontinent bereisen. Am 14. November starte ich mit dem Zug von Berlin aus Richtung Osteuropa. Die genaue Route lasse ich mir offen, fest steht nur, dass ich spätestens Mitte März wieder hier ankommen möchte. Dazwischen liegen Russland, China, Südostasien, Indien und Nepal, die ich bereisen werde. Zurück gehts über den Iran, wenn die politische Lage es zulässt. Insgesamt liegen geschätzte 30.000 km vor mir.
Details:
Aufbruch: 14.11.2012
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: März 2013
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
China
Singapur
Indonesien
Nepal
Indien
Vereinigte Arabische Emirate
Iran
Deutschland
Der Autor
 
Marcus W. berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.