"VIVE LA FRANCE"

Reisezeit: Juli / August 2017  |  von Birgit H.

RIEN NE VA PLUS

Die Burg gegenüber am Berg im Abendlicht

Die Burg gegenüber am Berg im Abendlicht

Und die Abendstimmung am Fluss - da war die Welt noch in Ordnung :-/

Und die Abendstimmung am Fluss - da war die Welt noch in Ordnung :-/

Am Abend beschließe ich, nicht neben meinem Auto sitzen zu bleiben, sondern nochmals die wenigen Meter zum Flussufer zu gehen und dort das schöne Abendlicht auf dem Wasser zu genießen. Ich nehme nur mein Handy mit und überlege kurz, ob ich den Autoschlüssel am Platz lassen soll. Aber NEIN, übervorsichtig nehme ich ihn mit. Ein besonders sicherer Platz fällt mir auch ein: ich stecke den Autoschlüssel in meinen Schuh,
NACHDEM ICH MICH ÜBERZEUGT HABE, DASS DAS AUTO AUCH WIRKLICH VERSPERRT IST.

Ich laufe zum Ufer, setze mich da irgendwo ins Gras und hänge so meinen Gedanken nach, bis es langsam dunkel wird. Die Verbindung ist gut hier, ich telefoniere noch mit meinem Sohn, der Akku des Handys wird leerer und ich beschließe, zum Auto zurück zu gehen.

Und jetzt beginnt der Horror:
der Schlüssel ist nicht mehr da.

Irgendwo muss ich ihn bei meinem kleinen Spaziergang verloren haben. Es ist dunkel, das Gelände ist Wiese - keine Chance ohne Licht, abgesehen davon, dass ich ja gar nicht ganz genau weiß, wo ich überall entlang gelaufen bin.

Fakten also:
mein Auto ist zu. Darin befinden sich Geld, Papiere, Kamera, alle Klamotten, Geschirr, Duschzeugs... ALLES. Außerhalb und erreichbar nur ich mit Jogginghose, Shirt und Jacke und Schuhe und Handy, dessen Aku immer leerer wird.

Ich habe also zwei Probleme:
1. ich muss irgendwie IN mein Auto und
2. ich brauche einen Schlüssel, um damit dann auch fahren zu können.

Noch bleibe ich ruhig und überlege, was nun zu tun ist.

Auto öffnen mit Hilfe ADAC und Zweitschlüssel mit irgendeinem Express-Versand herschicken lassen?

ADAC gibt folgende Auskunft:
Schlüssel verloren ist keine Panne, also nicht versichert. Aus Kulanz würden mir 120 € erstattet werden für anstehende Unkosten. Und diese werden beträchtlich sein, da es aufgrund der Elektronik bei den neueren Autos sehr langwierig ist (vermutlich sogar nicht machbar) diese zu öffnen.

Ich weiß mir trotzdem keinen anderen Rat, als für den nächsten Morgen 8 Uhr einen Werkstattmitarbeiter zu ordern.

Meinen Sohn zu Hause informiere ich und bitte ihn, sich sofort morgen früh um einen Express-Versand des Zweitschlüssels zu kümmern.

Im Geiste habe ich die restlichen Reisepläne bereits gecancelt und die Kosten im Bereich einer Fernreise auf die Malediven angesiedelt.

In der Snackbar wird mir freundlicherweise mein Handy ein wenig wieder aufgeladen - ich habe ja nicht einmal ein Ladekabel dabei - und ein Kaffee spendiert. Die letzten Gäste hier, eine größere Gruppe wird plötzlich aktiv: ein Erwachsener und eine ganze Gruppe Kids machen sich mit mir auf - alle bewaffnet mit ihren Handys und "Taschenlampen-Apps" und wir suchen das Wiesengelände ab. Bestimmt 10 Leute und lauter leuchtende Punkte, aber niemand findet etwas. Es ist ja auch aussichtslos. Nach einer halben Stunde geben wir uns geschlagen.

Ich werde noch gefragt, ob ich irgendwo schlafen kann. Und jetzt bin ich froh, dass ich "nur" ein Dachzelt habe. Sowohl mit Wohnwagen als auch mit einem Bus oder Wohnmobil, wäre ich jetzt komplett aufgeschmissen. Aber so kann ich wenigstens zu meinen Decken und Kissen auf mein Auto krabbeln, als die Snackbar zu macht und auch die letzten Gäste gehen.

Ca vier Stunden unruhiger Schlaf mit Alpträumen und dann nur noch Warten, bis es endlich wieder hell wird.

Gegen 6:30 Uhr sehe ich genug, um mich nochmals auf den Weg zu machen. Ich versuche, die Wiese streifenweise, Meter für Meter abzugehen. Mir ist klar, dass es ein Zufall wäre, würde ich den Schlüssel sehen

Auf einmal fällt mir ein, dass ich mich ein Mal am Flussufer auf den Boden gesetzt habe - aber an welcher Stelle war das??? Es war unter dem Gras so ein bisschen steinig, wo ich mein Handy kurz mal ablegte, das fiel mir auch wieder ein. Die Stelle wieder zu finden, ist gar nicht so leicht. Zwei Mal bin ich schon daran vorbei, aber dann erkenne ich sie wieder!

UND DA LIEGT ER!!!!!!!!!

Meine Erleichterung ist unbeschreiblich!

Ich schaffe es noch, den vom ADAC georderten Werkstatt-Mitarbeiter abzubestellen und meinem Sohn die gute Nachricht zu übermitteln, dass er sich nicht um einen Schlüsselversand kümmern muss.
(Anm. ich weckte ihn gegen 8 h - also die Sache mit "EXPRESS" wäre wohl auch sehr fraglich gewesen )

HURRA: die Reise kann weiter gehen!

das ist das Gelände, in dem der Schlüssel IRGENDWO verloren wurde

das ist das Gelände, in dem der Schlüssel IRGENDWO verloren wurde

© Birgit H., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
zur Verfügung stehen: 2 Wochen Urlaub und ein Kombi mit Dachzelt: Start ist in Nürnberg angedacht ist die Fahrt zur Atlantikküste "der Weg ist das Ziel" und in diesem Fall der Urlaub
Details:
Aufbruch: 29.07.2017
Dauer: 16 Tage
Heimkehr: 13.08.2017
Reiseziele: Deutschland
Frankreich
Der Autor
 
Birgit H. berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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