Heilbronner Land

Reisezeit: Juli / August 2022  |  von Herbert S.

Gundelsheim

Haben wir gestern nur den Biergarten besucht, so wollen wir heute mit dem Rundgang durch den Ort beginnen.

Wir beginnen mit der katholischen Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, die 1500-1515 im spätgotischen Stil unter Einbeziehung einer älteren Kapelle des Ordensspitals als neue Pfarrkirche erbaut wurde.
1720-1737 erfolgte eine barocke Umgestaltung von Chor und Kirchenschiff. Vollendet unter Hochmeister Clemens August und Komtur Johann Christoph von Buseck.
1976/77 wurde der auf einem Pfeiler-Fundament aufgesetzte Kirchturm abgerissen und duh einen Neubau außerhalb des Hauptschiffs ersetzt.

Eine grundlegende Restaurierung des Gebäudes, der Epitaphe, Altäre, Statuen und Fresken wurde 2008/09 unternommen.

Die St. Elisabeth-Apotheke ist in einem Renaissance-Bürgerhaus mit Erker aus dem 16. Jh. untergebracht. Es war das Pfründnerhaus des Deutschordens-Spitals.
Am 11. Februar 1815 wurden die letzten Pfründner gespeist und mussten das Spital verlassen (mit einer jährlichen Pension von 150 Gulden). Die Güter wurden verpachtet, die Weingärten 1827 an hiesige Bürger verkauft.
Neben dem Erker befindet sich eine barocke Statue der hl. Elisabeth von 1777 (erneuert 1978 durch Ludwig Herold). Die hl. Elisabeth von Thüringen, Wohltäterin der Armen und der Kranken, war Patronin des Deutschen Ordens.
Seit 1832 ist es Stadtapotheke.

Altes Rathaus / Siebenbürgisches Museum
Das 1829 errichtete Gebäude diente von 1860 bis 1979 als Rathaus. Das Stadtwappen an der Fassade kennzeichnet es als öffentliches Gebäude. Dieses wurde im Jahre 1538 vom Deutschmeister und Administrator des Hochmeisteramts in Preußen Walther von Cronberg verliehen. Im Geviert: das Ordenskreuz, das Cronberger Wappen mit den Eisenhütlein, die goldene Kirchenspange der Horneck-Familie sowie ein blaues Schrägband mit einem G, die den Neckar und Gundelsheim symbolisieren.
Heute ist das Gebäude Sitz der Verwaltung des Siebenbürgischen Museums auf Schloss Horneck. Es beherbergt mit über 18.000 Objekten die größte Sammlung zur Kulturgeschichte und Ethnografie Siebenbürgens außerhalb Rumäniens.

Das alte Rathaus ist ein traufseitiger Fachwerkbau von 1541 mit steinernem Untergeschoss und der Tordurchfahrt zum ehemaligen Spitalhof.
Die zwei Obergeschosse enthielten bis 1860 die Amtsräume für Stadtschultheiß, Stadtrat und Bürgerausschuss, 1837-1910 Schulzimmer, später den städtischen Kindergarten und nach 1945 Wohnräume für Heimatvertriebene.
Im Untergeschoss bewahrte man bis ins 19. Jahrhundert die Feuerwehr-Gerätschaften der Stadt auf, in neuerer Zeit waren hier die Kreissparkasse, dann Fachgeschäfte untergebracht

Schild- und Bann- Wirtshaus Zum güldenen Löwen
Privilegiertes Wirtshaus zum Ausschank des herrschaftlichen Weins von Ostern bis Michaelis (29. September). Während dieser Zeit durfte niemand sonst in der Stadt Wein um Geld ausschenken. Nach Michaelis war allen Bürgern der Ausschank erlaubt.
Am Gebäude das Wappen des Hornecker Deutschordenskomturs Johann Christoph von Buseck (1687 -1759).
Hier fand am 27. April 1525 die folgenschwere Unterredung der Führer des Bauernheeres mit dem Ritter Götz von Berlichingen statt. Er sollte ihr Feldhauptmann werden.

Stadtbrunnen
Der Brunnen zeigt in den Reliefs Arbeit und Frohsinn rund um den Wein. Er ist ein Werk des Gundelsheimer Bildhauers Ludwig Herold aus dem Jahr 1974.
An dieser Stelle stand ursprünglich der Hauptbrunnen der städtischen Wasserversorgung, der Löwenbrunnen. Das Wasser wurde von der Sauwiese aus mit Deichein (Teucheln) unter dem Brunnenpfad in die Stadt geleitet. Diese Deichein waren aufgebohrte Kiefern- oder Tannenstämme von drei bis vier Metern Länge, man hat sie mit Eisenringen zu einer dichten Leitung zusammengefügt. Die ständige Wartung oblag dem städtischen Bronnenmeister.

Siebenbürgen-Institut
Fachwerkhaus mit Datierung 1639. Ehemals Bäckerei und Weinstube. Heute befindet sich hier der Sitz des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg, der zentralen wissenschaftlichen Dokumentations- und Forschungsstelle für die Geschichte und Kultur Siebenbürgens, einer multikonfessionell und multiethnisch
geprägten Region im heutigen Rumänien. Dort liegt die Heimat der Siebenbürger Sachsen.
Davor, auf dem Sockelstein von 1777, eine Säule mit einfacher Marienstatue vom Typus der Maria Immaculata. Diese Form der Madonnen-Darstellung war besonders zur Rokokozeit sehr beliebt.

Äußeres Schlosstor
Repräsentatives barockes Schlossportal mit Fürstenkrone, Ordensrittern und Hochmeisterkreuz.
Wappen des baufreudigen Komturs Johan Christoph von Buseck, „des Hohen Teutschen Ordens Ritter, Rathsgebietiger der Balley Francken, Oberamtmann Scheuerberger Gebieths und Obristlieutenant des Stahrembergischen Regiments".
Buseck war von 1729-1759 Komtur auf Horneck und liegt in der Stadtkirche St. Nikolaus begraben.

Schloss Horneck II
Ab 1724 bauten die Ordensbaumeister Franz und Johann Michael Keller Horneck zum Barockschloss um. Hiervon zeugen der Festsaal sowie das Eingangsportal mit dem Wappen des Erbauers Hochmeister Franz Ludwig von Pfalz-Neubu (1694-1732) und Personifikationen der Standhaftigkeit und der christlichen Liebe.
Im Torbogen Abgüsse der Grabplatten der Deutschmeister Eberhard von Seinsheim (1420-1443) und Johann Adelmann von Adelmannsfelden (1510-1515).
Das Schloss Ist heute Sitz des Heimathauses Siebenbürgen. Es beherbergt zudem mit der Siebenbürgischen Bibliothek und dem Siebenbürgischen Museum die bedeutendsten siebenbürgischen Kultureinrichtungen außerhalb Rumäniens.

Der Deutsche Orden
Schloss Horneck war zwischen ca. 1254 und 1805 im Besitz des Deutschen Ordens („Orden der Brüder vom Deutschen Hospii Sankt Mariens in Jerusalem").
Dieser geistliche Ritterorden entstand 1190 im Heiligen Land als Gemeinschaft von Mönchen, die verletzte und erkrankte Kreuzzugsteilnehmer aus dem Heiligen Römischen Reich pflegten und beschützten. Er breitete sich im 13. Jahrhundert im Mittelmeerraum, in Deutschland, in Siebenbürgen (1211-122 und im Ostseeraum (Deutschordensstaat) aus. An seiner Spitze stand der Hochmeister.
Die Führung auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches hatte der Deutschmeister inne. Zwischen ca. 1425 und 1525 residierte der Deutschmeister auf Schloss Horneck.
Horneck.

links: Epitaph von Eberhard von Seinsheim, Deutschmeister 1420-1425. Er bestimmte Schloss Horneck zu seiner Residenz.
rechts: Epitaph von Hartmann von Stockheim, Deutschmeister
1499-1510.

links: Epitaph von Eberhard von Seinsheim, Deutschmeister 1420-1425. Er bestimmte Schloss Horneck zu seiner Residenz.
rechts: Epitaph von Hartmann von Stockheim, Deutschmeister
1499-1510.

links: Epitaph von Johann Adelmann von Adelmannsfelden, Deutschmeister 1510-1515.
rechts: Epitaph von Eberhard von Stetten, Deutschmeister 1443-1447.
**. t

links: Epitaph von Johann Adelmann von Adelmannsfelden, Deutschmeister 1510-1515.
rechts: Epitaph von Eberhard von Stetten, Deutschmeister 1443-1447.
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Deutschmeisterhalle
Ursprüngfich Kelter des Deutschen Ordens, in der die Winzer gegen Abgabe des Zehnten hren Wein keltern mussten. 1983 wurde sie zur Veranstaltungshalle umgebaut.

Im Foyer ist ein Bildstock aus dem Jahr 1516 aufgestellt, der früher an der Straße nach Böttingen stand. Er ist als „Baum der Erkenntnis" (Paradiessymbol) gestaltet, der wegen des Sündenfalls abstarb und verdorrte. Die den Baum krönende Kreuzigung Christi steht für die Erlösungvon den Sünden und für das ewige Leben.

Johannes-Heiligen-Gruppe

Johannes-Heiligen-Gruppe

© Herbert S., 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir mussten aus haushaltstechnischen Gründen nach Aglasterhausen - buchten ein Hotel in Heilbronn und fanden dann stattdessen eine schöne Wohnung in Bad Wimpfen. Der kleine Ort empfiehlt sich als Standort, um sich das Heilbronner Land mit seine hübschen Fachwerkorten und Schlössern anzuschauen.
Details:
Aufbruch: 23.07.2022
Dauer: 10 Tage
Heimkehr: 01.08.2022
Reiseziele: Deutschland
Der Autor
 
Herbert S. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Herbert sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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