Iceperience - wetterfest oder wetterscheu?

Reisezeit: August 2005  |  von Andrea Becker, Bochum

19.8. Arnarstapi und die Islandpferde

Am nächsten Morgen klingelt tatsächlich um 7.00 Uhr der Wecker - das Pferd ruft. Leider hat sich das gute Wetter vom Vortag verabschiedet. Es ist grau, es ist windig und ein Morgentau ist auch zu erwarten. Wir frühstücken unerschrocken mit Blick auf das Meer und düsen nach Lýsuholl.
Die freundliche Reitlehrerin wartet schon auf uns, führt uns dann in eine kleine Halle und treibt drei passende Pferde von draußen zusammen. Mein Pferd heißt Vini, isländisch Freund, und genau so benimmt er sich auch. Er stellt sich kurz vor, lässt sich dann gemütlich striegeln. Irgendwann wird es aber doch ernst, ich habe ein bisschen Angst vor der eigenen Courage - am Vortag sahen die Pferde deutlich freundlicher und kleiner aus. Doch ist sitze auf. Erstaunlichweise kommt es zu keinen größeren Komplikationen, eigentlich auch zu keinen kleineren. Die Steigbügellänge wird angepasst. Wini und ich lernen uns bei einigen Runden in der Halle besser kennen. Es ist allerdings offensichtlich, dass sich die Pferde langweilen. Sie schreiten betont langsam am Ausgang vorbei. Es fehlt nur noch, dass sie sagen: Los jetzt, jetzt lasst uns nach draußen gehen - wir sind sonst das ganze Jahr auch draußen. Ich steige also ab - auch ohne größere Komplikationen, aber schon im Stil einer unsportlichen 80jährigen, und wir führen die Pferde nach draußen. Ich sitze auf und nach einigen Metern sind wir schon am Strand. Hier blüht Vini richtig auf, er schnaubt, läuft trittsicher durch die Lavasteine und macht auch nicht vor dem Fluss halt. Mittlerweile hat auch der Morgentau eingesetzt, so dass wir auch mit dem Wetter gut zurecht kommen. Ich halte mich tapfer, bekomme sogar ganz gute Haltungsnoten und freue mich fast hysterisch, als es mir sogar gelingt, Vini zum tölten zu bringen. Viel zu schnell geht es zurück. Nach zwei Stunden mit Vini bin ich restlos glücklich und völlig erschöpft. Ich verspreche ihm, in Deutschland reiten zu lernen und dann zurück zu kommen, um ganz entspannt durch die isländischen Weiten zu reiten. (Mittlerweile habe ich tatsächlich angefangen, reiten zu lernen - und ich hatte sogar in Deutschland eine Reitstunde auf einem Islandpferd. Reiten macht glücklich.).

Lýsuholl
Wir suchen die Entspannung und die warme (!) Dusche und finden Sie gegenüber des Reiterhofs im "Freibad von Lýsuholl". Wir baden als einzige Gäste in dem warmen, wirklich nicht heißen Wasser einer nahe gelegenen Mineralquelle. Das wir die einzigen sind, ist kein Zufall (aber auch keine Absicht). Das Bad öffnet eigentlich erst um 13.00 Uhr. Wir sind zwei Stunden zu früh, was aber nach einer kurzen Frage kein Problem ist.

Der weitere Verlauf des Tages: eine Fischsuppe, viel Schlaf und mal wieder ein windiger Wind.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Meine erste Nacht in einer Berghütte, meine erste quasi offroad 4 WD Fahrt, meine erste Fischsuppe, meine erstes Camping bei 8 °C sowie die Antwort auf die Frage: Iceperience - wetterfest oder wetterscheu? DAS ist meine persönliche Bilanz meines ersten Islandabenteuers.
Details:
Aufbruch: 05.08.2005
Dauer: 17 Tage
Heimkehr: 21.08.2005
Reiseziele: Island
Der Autor
 
Andrea Becker, Bochum berichtet seit 21 Jahren auf umdiewelt.
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