Über Indien zu den hohen Bergen in Nepal und zurück!

Reisezeit: März - August 2009  |  von Jan Schäfer

4 Tage in Singdi

Der Weg nach oben

Als ich mich vor 3 Wochen mit Tanka ueber Orchideen unterhalten habe, hat er mir angeboten, mit ihm in sein Heimatdorf Singdi zu kommen, da es dort sehr viele Orchideen geben soll. Ich hab natuerlich eingewilligt und die Tage gezaehlt, bis es endlich los ging.

Nach 3 langen Wochen des Wartens, wurde ich auf einmal zu Tanka gerufen und er sagte mir ich solle sofort meine Sachen packen, denn jetzt ginge es los. Da wartet man wochenlang und dann muss alles ohne Vorwarnung auf einmal sehr schnell gehen...

Naja in 30 Minuten hatte ich meinen Krempel im Rucksack verstaut und auf dem Scooter gings erst mal nach Pokhara zu Tankas Haus. In seinem gemutlichen Wohnzimmer haengen viele Bilder aus seiner Militaerzeit in Indien und auf dem Regal ueber seinem grossen Fernseher stehen die Plastikdinosaurier seines Enkels. Ich hab dem netten kleinen Jungen dann erst mal ne Zeichnung mit Devanagari-Letters gemacht, da es unter Jungen Ehrensache sein sollte, die Namen seiner Dinosaurier zu kennen. Nach dem leckeren Dal Bhat gings fueh zu Bett, da es am naechsten morgen frueh los gehen sollte.

Um fuenf weckte Tanka mich und hastig packte ich meine Sachen und zog die frisch gewachsten Trekkingschuhe an. Von seinem Haus aus gings 100 Meter die Strasse hoch, wo schon ein angeheuerter Jeep und der Rest der Trekkingtruppe auf uns wartete.

Das Ungetuem aus Blech und Gummi...

Das Ungetuem aus Blech und Gummi...

Danach gings in oestlicher Richtung schnell raus aus Pokhara und hinauf in die ersten Bergketten. Die Strasse wurde zunehmends schlechter und wir immer heftiger in Inneren der Stahlkarosse durchgeschuettelt.

Haarrgh!!! (Der viel zitierte Kampfschrei dieser Jeepfahrt)

Haarrgh!!! (Der viel zitierte Kampfschrei dieser Jeepfahrt)

Unsere Truppe

Unsere Truppe

Die Laune der Truppe war mal wieder hervorragend und der Weg fuehrte immer hoeher in die weissen Nebel des Annapurnavorgebirges.

Nach einer Stunde Fahrt war die Strasse wirklich nur noch ein Witz, der ungefaehr so gehen koennte: Fragt der Kellner die Strasse: "Mochten sie noch ein wenig mehr Asphalt zu ihrem Schlagloch haben?" 
Denn bald wurde das Matsch und Geroellfeld auf dem wir herumfuhren so steil, das der Fahrer uns alle zum Aussteigen bat, um Schlimmeres zu vermeiden.
Waehrend dieser kleinen Verschnaufpause, konnten wir der oertlichen Bevoelkerung beim Gabionenbau zugucken. Diese mit Draht umhuellten Steinkoerbe schuetzen die Haenge vor Erdrutschen, wie sie bei starkem Regen in dieser Region immer wieder vorkommen.

Im Nebel...

Im Nebel...

Der Gabionenbau...

Der Gabionenbau...

Danach ging es hinunter in das Tal in dem Thumsikot, unser Ausgangspunkt des Treks, lag. Tumsikot besteht aus zwei Strassen, einem matschigen Wendeplatz fuer die Traktoren und Jeeps, die dieses abgelegene Oertchen mit der Aussenwelt verbinden. Hier leihten wir uns Wanderstocke aus (sehr nuetzlich!) und begannen auch schon sofort ueber die stabile Haengebrucke den Aufstieg nach Singdi.

Thumsikot

Thumsikot

Sag auf Wiedersehen zur Zivilisation...

Sag auf Wiedersehen zur Zivilisation...

Schon nach 2 Kilometern mussten wir den ersten Fluss ueberqueren und natuerlich hatte mir keiner gesagt, dass es auf dem gesamten Trek fast keine Bruecken ueber diese geben wird. Nachdem ich auch mit dem ueber Steinelaufen nicht mehr weiterkahm, konnte ich mit Freude feststellen, dass meine Lederschuhe zum Glueck bis 20 cm Tiefe wasserfest sind. Auch der restliche Weg wuerde der normale Europaeer auf keinen Fall als Trek bezeichnen, sondern eher als matschigen Balanceakt auf schlammigen Reisfeldrendern. An dieser Stelle moechte ich meinen Eltern fuer die Vererbung meines Gleichgewichtsinns und der Firma Meindel fuer das tolle Profil ihrer Wanderschuhe danken, die mich bisher noch in keiner wichtigen Situation im Stich gelassen haben. Es waere schon ganz nett gewesen, mir vorher zu sagen, dass der Weg so beinahe unpassierbar wird, dann haette ich meine Ausruestung nochmal extra wasserdicht verpackt. Fuer die Napali schien das alles ja ganz einfach zu sein, aber sie haben nicht die Verantwortung ueber fuenzehnhunder Euro Glas, Edelstahl und lichtempfindlicher Metalloxidsensoren an der Huefte haengen.

Heia hier gehts runter, und der Weg ist so schoen befaestigt...

Heia hier gehts runter, und der Weg ist so schoen befaestigt...

Links wie rechts lauert der Kameratod...

Links wie rechts lauert der Kameratod...

Mit Nepali trekken zu gehen ist ein ganz anderer Trott, als ihn sich die Europaeer angeeignet haben. Bei ihnen ist nicht der Weg das Ziel, sondern nur das Ankommen. Hier wird keine Zeit fuer Blicke in die schoene Landschaft verschwendet und auch zum Fotographieren nehmen sie sich keine Zeit. Im irren Tempo gings vorran und ich hatte meine Probleme trotzdem noch zu fotographieren. Da allerdings keiner auf einen wartet habe ich mich einmal boese verlaufen und nur mit lauten Pfiffen konnte ich die Anderen im unuebersichtlichen Gelaende wieder ausfindig machen. Generell war ich staendig hinten an, da ich mal wieder mit ueber 10 Kilo Rucksackgewicht unterwegs war, waehrend es so aussah als haetten die Nepali ausser Suessigkeiten nur noch gute Laune im Gepaeck.

Zu der Art des Trekkens muss man allerdings dazu sagen, dass wir eine Stecke vor uns hatten, die der normale Tourist in 2 Tagen laufen wuerde, doch wir mussten sie in einem schaffen. Deswegen gab es stets nur wenige kurze Pausen und ein hohes Grundtempo. Das Wetter war eigentlich super... Kein direkter Sonnenschein, kein direkter Regen. Schoen neblig kuehles Trekkingwetter. Allerings lag deswegen die Luftfeuchtigkeit bei gefuehlten 180% und somit versprach auch das Schwitzen keine Abkuehlung. Und ich hab GESCHWITZT!, dass es nicht mehr feierlich war. An machen Stellen war ich staerker am Tropfen, als der Wasserhahn in meinem Badezimmer. Ich hab mich richtig vor mir selber geekelt und hatte groesste Muehe die Kamera vor meinen eigenen Koerperfluessigkeiten zu schuetzen.
Durch das viele Schwitzen, hatte ich natuerlich auch einen ungheuren Durst und meine 1 Liter PET-Flasche war schon nach wenigen Kilometern leer. Als ich Raj fragte, wann denn der naechste Laden kommen wuerde, guckte er mich nur komisch an. "I think there is no shop on the way..."
Wwwas? Kein Wasser? Nein die Nepali trinken einfach ueberall aus den Baechen, somit meussen sie auch keine schwere Wasserflasche mitschleppen. (Aber ich bekomm doch Durchfall von der Bruehe!, das wisst ihr doch). Es waere vielleicht echt nicht schlecht gewesen mir vorher mal mitzuteilen, dass man keine Wasser auf dem Weg kaufen kann.
Naja nachdem ich einige Kilometer uberlegt habe was ich nun tun soll, bin ich zu dem Schluss gekommen, meinem Magen den Haertetest zuzumuten und das Experiment "truebes Wasser" sollte zum Glueck ein happy end haben. (vier Tage lang festen Stuhl!)

Trotz all dieser wiedrigen Umstaende, hab ich dennoch ein paar Schnapschuesse hinbekommen, die ich euch gerne zeigen moechte.
Dazu erst einmal ein kleines Ratespiel: Was ist das?

Und und und?

Und und und?

Richtig, eine Landkarte und zwar die Gewoehnliche! Cyrestis thyodamas thyodamas The common Map!
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Ihr wusstet ja dass es ein Letterschming sein wir, gell?

Ihr wusstet ja dass es ein Letterschming sein wir, gell?

Und dann hab ich noch dieses schoen Paeaerchen beim Liebesspiel stoeren duerfen.

Lasst euch nur nicht steoren, eure Fotos stell ich auch nicht ins Internet...  (und ihr Lustmolche guck es euch auch noch an... zzzz)

Lasst euch nur nicht steoren, eure Fotos stell ich auch nicht ins Internet... (und ihr Lustmolche guck es euch auch noch an... zzzz)

Ausserdem gibt es hier riesige Vertreter der Klasse der Diplopoden.

Hajo!

Hajo!

Bei Beruehrung wird sich geschuetzt...

Bei Beruehrung wird sich geschuetzt...

Wie gesagt, fette Tausendfuessler!

Wie gesagt, fette Tausendfuessler!

Einmal wollte ich eine schoene Orchidee fotographieren, auf deren Bluetzeit ich schon lange warte, doch bevor ich sie ablichten konnte, hatte sie einer von unseren Weggefaehrten schon abgerissen und hielt sie mir vor die Nase... (Nein, ich will sie nicht, sie gefiehl mir dort am Baum, lebendig, viel besser) In diesem Punkt sind die Erwachsenen wie die kleinen Kinder. Immer wenn ich gerade eine schoene Pflanze fotographieren will, schwebt diese darauf hin in hoechster Lebensgefahr! Zuerst stellen sie sich schoen vor das Objektiv, damit ich kein Foto machen kann und dann rupfen sie sie aus und halten sie mir hin... Danke, sie war ja auch wirklich unerreichbar fuer mich.
Im Endeffekt hatte ich somit kein Bild von der Orchidee und ich habe sie auch bisher nicht mehr bluehend gefunden. Schade...

Nach dem wir die wasserreichen Reisfelder hinter uns gelassen hatten, erfolgte der erste schwere Aufstieg. Bei einer der kurzen Pausen zeigte mir Tanka eine neue schoen Naturspielerei. Auf fast jedem Baum oder Felsen waechst eine filigrane Farnart, dessen Blattunterseite kreideweiss ist. Wenn man sich ein Blatt auf die Wange legt, und sich selbst eine zuenftige Ohrfeige verpasst, erhaelt man einen fein gemusterten Abdruck des Blattumrisses auf der Wange.

Einmal bitte auf die Backe hauen!

Einmal bitte auf die Backe hauen!

Ich hoffe man kann den Abruck gut erkennen...

Ich hoffe man kann den Abruck gut erkennen...

Danach machte mich Tanka auf den riesigen Blutfleck an meiner Jeans aufmerksam, doch der Blutegel, den ich darunter vermutete hatte sich schon laengst wieder auf den Acker gemacht und der gesamte Vorfall hat mich im warsten Sinne des Wortes nicht mehr gejuckt. Generell verblasst die "Gefaehrlichkeit" der Blutegel, im Hinblick auf die Schrecken, die noch folgen sollten. Aber dazu erst spaeter mehr...

Ich spuerte bei diesem sehr steilen Aufstieg jedes ueberschuessige Gramm, dass ich mitgenommen hatte und ich war uebergluecklich, als wir endlich auf der Bergkuppe standen. Hier thronte eine kleine Dorfschule ueber dem Tal und die Kinder kamen aus den Klassenraeumen gelaufen um mir zuzuwinken.

Hallo Sir!

Hallo Sir!

An solchen Momenten merkt mann, dass man vermutlich der einzige Europaeer ist, der hier seit langer Zeit langgelaufen ist.

Dann erreichten wir unsere Mittagsstation, wo wir ein leckers Dal Bhat zu uns nehmen sollten. Dazu gab es Wasser mit Glucose und ich habe zum ersten Mal den beruehmt beruechtigten Buttertee getrunken. Geschmacklich liegt er irgendwo zwischen Buttermilch und Sauerteig, aber er war auch nichts besonders Spektakulaeres.
Generell sollte man sich die Getraenke (und auch das Essen) besser gar nicht so genau angucken. Ich hab auf der gesamten Reise mit Sicherheit schon mehr als 10 Kilo Dreck mitgefuttert, aber der soll ja bekanntlich den Magen reinigen. Denn auch in diesen Getraenken befand sich doch immer ein sehr hoher anteil an Schwebeteilchen, der dem allzu aufmerksamen Beobachter doch mal schnell den Appetit verderben kann. Deswegen immer einfach runter damit und sich einreden, dass das gerade genau das richtige war!

Unser Mittagsrefugium

Unser Mittagsrefugium

Vollgetopft gings weiter und der Weg frass sich in einem stetigen Auf und Ab an einem Steilhang entlang. Bald darauf durchquerten wir einen schoenen subtropischen Wald in dem mir die Nepali einen Baum zeigten, dessen Blaetter beim Kauen ein tolles Aroma entfalten.

Doch auch hier war wieder klar, dass wir durch absolutes Leechgebiet schlenderten und alle halbe Stunde zupfte ich mir die Blutsauger vom Schienbein. (Blut aber kein Schmerz)

Der Wald loeste sich langsam in eine steile Graslandschaft auf und endlich konnten wir unser Tagesziel sehen.

Nebel und Graeser...

Nebel und Graeser...

Und Singdi vor Augen...

Und Singdi vor Augen...

Doch leider offenbart das Bild schon, was uns noch bevor stand. Einmal steil runter, und den ganzen Mist wieder hoch. Aber sch... drauf. Denn nur die Harten eben, finden ihren Garten Eden.

Der Abstieg ging wirklich ganz schoen in die Knie und die Steinstufen waren auch etwas rutschig, doch nach 20 Minuten waren wir endlich im Flusstal. Hier gab es schon die ersten freundlichen Begegnungen mit den Dorfbewohnern von Singdi, die an dieser Stelle frische Reisfelder am bestellen waren.

...Wenn du magst, was du tust, musst du keinen einzigen Tag arbeiten...

...Wenn du magst, was du tust, musst du keinen einzigen Tag arbeiten...

Auf der anderen Flusseite wurde Mais und Hirse fuer den Schnaps angebaut.

Hirse (Millet) fuer den Schnaps

Hirse (Millet) fuer den Schnaps

Und dann gings wieder hoch... Zum Glueck war das Tempo nun ganz angenehm, da wir gut in der Zeit lagen und an jedem der vielen steinernen Rastplaetze machten wir ein kurze Verschnaufpause. An diesen Plaetzen findet man fast immer 2 unterschiedliche Baeume. Ficus religiosus und Ficus bengalensis sind die beiden heiligen Baeume, die Vishnu gewidmet sind und das maennliche und weibliche Element verkoerpern.

Nach ueber einer Stunde Aufstieg, waren wir enlich angekommen und konnten in der Abendstimmung einen ersten schoenen Eindruck von Singdi erhaschen.

Singdi - Das Dorf der Wolken

Singdi ist ein typisches Gurung Dorf und besteht aus etwa 350 Huetten, etwa 2000 Einwohnern, 100 Hunden und etwa 10000 Huehnern. Das komplette Dorf ist aus Stein gebaut und in den verschnoerkelten Gassen, dient der Wasserbueffelkot als Fugenmaterial zwischen den Basaltplatten (zum Glueck stinkt Wasserbueffelkacke nicht... oder ich hab mich schon zu sehr daran gewoehnt...egal)

Singdi in der Abendstimmung...

Singdi in der Abendstimmung...

Wenn man das Dorf betritt, hat man absolut nicht mehr den Eindruck im 21. Jahrhundert zu sein. Abgesehen von den neuen Stromleitungen und den Gluehbirnen (der Hauptgrund unseres Besuches), koennte das Dorf aus jeder Zeit zwischen 1850 und 10.000 vor Christus stammen. Es war einfach nur herrlich in diese Welt einzutauchen und von allen Seiten kahmen die Leute und Kinder herbei, um die Neuankoemmlinge zu begruessen und zu begutachten. Doch da es schon dunkel war, und wir alle sehr fertig von der langen Reise waren, liessen wir uns auf der Bambusmatte vor dem Haus von Tankas Bruder nieder und erfreuten uns der Gastfreundschaft der Gurung.

Endlich angekommen...

Endlich angekommen...

Zuerst gabs ein paar fritierte kleine Snacks, wie Roti und Reiscracker, die wie handgrosse Vogelnester aus Reisschnueren aussehen. Alles very tasty (Mitochah!). Und dazu gibt es Rhaksi, ein alkoholhaltiges Getraenk, dass aus Hirseschnaps und heissem Wasser besteht. Steigt unwarscheinlich schnell in die Birne und macht auch schnell muede. Als Finisher gibt es dann am Ende der langen Esszeremonie wieder das gute alte Dal Bhat, nur ohne Dal, da sie hier keine Linsen anbauen. Der Reis, das ist mir sofort aufgefallen, ist wesentlich dicker als der normale und sein Geschmack muss einfach mit phaenomenal betitelt werden. Natuerlich gab es zur feier des Tages (wie schon am Abend zuvor und auch zum Mittagessen) Fleisch zum Dal Bhat. Ich muss immer wieder erklaeren, warum ich es ablehne. Vegetarier muessen hier wohl eine Rarietaet sein. Danach gebleitete mich Tanka zu meiner Stube in Dach einer kleinen Scheune. Dieses niedlich, gemuetliche Raeumchen hatte scheibenlose Fenster und der Eingang ist so niedrig, dass man selbst noch im gebueckten Zustand aufpassen muss, sich nicht den Schaedel anzuhauen.

Mein Zimmerchen...

Mein Zimmerchen...

So schnell wie an diesem Abend, bin ich schon lange nicht mehr eingeschlafen...

Der erste Morgen

Lange schlafen kann man sich hier getrost abschminken, da die riesige Mannschaft von lautstarken Haehnen schon dafuer sorgt, dass man bei Zeiten auf der Matte steht.

Kikiriki!!!!!!!!!!!!!

Kikiriki!!!!!!!!!!!!!

Mir war aber eh nicht nach ausschlafen zu Mute, da ich voller Neugierde war und darauf brannte das Dorf zu erkunden. Kamal und Raj sassen schon auf der Bambusmatte und nahmen ihren Morgentee mit Keksen ein. Aus unerklaerlichen Gruenden gab es allerdings an diesem Morgen einen Hahn zuviel Gehoef unserer Gastfamilie und die beiden nutzten jede Gelegenheit um sich zum Messen.

Auf die Positionen!

Auf die Positionen!

Los geht der wilde Cockfight...

Los geht der wilde Cockfight...

Die Damenwelt zeigte sich wenig beeindruckt und war viel zu viel mit der Gefiederpflege beschaeftigt.

Die Damen sind wie immer mit ihrem Aussehen beschaeftigt...

Die Damen sind wie immer mit ihrem Aussehen beschaeftigt...

Sie war die Haenne Nummer 1 im Hof! Alle hatten abstand zu ihr zu halten!

Sie war die Haenne Nummer 1 im Hof! Alle hatten abstand zu ihr zu halten!

So sass ich auf meinem kleinen Hockerchen (die Hocker hier sehen aus, als werden sie nur aus zerstochenen Fahrradreifen und alten chinesichen Essstaebchen hergestellt), waehrend ich aus sicherer Entfernung vom Dorf beaeugt wurde.

Guguck!

Guguck!

Hallo!

Hallo!

Dann machte ich mich zu meinem ersten Erkundungstripp auf und ich haette vermutlich mehr als 3 Tage gebraucht, haette ich jede Einladung zum Teetrinken angenommen. Das fotographieren war hier einfach nur der Wahnsinn. Man muss bedenken, dass diese Menschen vermutlich noch nie eine Digitalkamera gesehen haben und somit war die Freude stets riesig, wenn sie sich im Kameradisplay wiedererkannten. Hier mal eine kleine Sammlung der Gesichter der Menschen von Singdi.

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Bei diesem Bild laeuten bei der deutschen Mutter vermutlich alle Alarmglocken, aber hier kuemmert das keinen. (Er wird sich nur einmal schneiden und dann weiss er, dass es scharf ist und dann muss man keinen Gedanken mehr daran verschwenden)

Bei diesem Bild laeuten bei der deutschen Mutter vermutlich alle Alarmglocken, aber hier kuemmert das keinen. (Er wird sich nur einmal schneiden und dann weiss er, dass es scharf ist und dann muss man keinen Gedanken mehr daran verschwenden)

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Dieses traditionelle Arbeitsgeraet der Gurung dient gleichzeitig als Regenschutz und als Tragetasche...

Dieses traditionelle Arbeitsgeraet der Gurung dient gleichzeitig als Regenschutz und als Tragetasche...

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Sie war menine treueste Gefaehrtin...

Sie war menine treueste Gefaehrtin...

...very old man...

...very old man...

Nach nicht allzuvielen Metern hatte sich eine treue Schaar mutiger Anhaenger hinter mir versammelt

Meine Juenger...

Meine Juenger...

und ich kam mir wirklich wie der Superstar Jesus vor, der gerade in ein neues Dorf einzieht und die Massen mit seinen Wundern begeister.

Folgt mir... Ich fuehre euch nach Rom...wo wir den Koenig stuerzen werden und ihr das verheisste Land zurueckbekommt...

Folgt mir... Ich fuehre euch nach Rom...wo wir den Koenig stuerzen werden und ihr das verheisste Land zurueckbekommt...

Auch die Kinder mochten das Weitwinkelobjektiv...

Aehae

Aehae

Und so zog ich immer tiefer meine Bahnen durch das wunderschoen verwinkelte Doerfchen, damit jeder mal den weissen Mann aus naechster Naehe sehen konnte.

Idylle aus Stein

Idylle aus Stein

...und alles ist schoen urig verwachsen

...und alles ist schoen urig verwachsen

...ueber den Wolken...

...ueber den Wolken...

...eine der vielen Kreuzungen...

...eine der vielen Kreuzungen...

An diesem Tag hatten wir einen wichtigen Programmpunkt auf unserem Tagesplan und der hiess Hydropowerstation. Somit gings mit leichtem Gepaeck und Sandalen nach dem Morgen-Dal-Bhat los Richtung Westen. Vorbei an urigen Ficus benjaminica Baeumen

...die Ficus Arten hier sind einfach nur urtuemlich, gemuetlich und verwunschen...

...die Ficus Arten hier sind einfach nur urtuemlich, gemuetlich und verwunschen...

erreichten wir schnell die Talsole und ueberquerten den Fluss auf einer frischen Holzbruecke.

On the bridge...

On the bridge...

Der kurze Aufstieg zur Hydropowerstation gestaltete sich allerdings wieder als sehr abenteuerlich, da der Weg durch die starken Regenfaelle der letzten Tage mehr einem Bach als einem Pfad glich.

...ueberall Wasser...und Blutegel...(waehrend man versucht 1 abzureissen, haben sich schon 2 neue festgesaugt)

...ueberall Wasser...und Blutegel...(waehrend man versucht 1 abzureissen, haben sich schon 2 neue festgesaugt)

...auch die Baumfarne wirken wie aus dem Karbonzeitalter...

...auch die Baumfarne wirken wie aus dem Karbonzeitalter...

Am Wasserkraftwerk angekommen zog ich sofort meine Sandalen aus und zupfte so schnell es ging das gute Dutzend Blutegel ab, das schon wieder an meinen Beinen hing. Danach kontrollierte ich noch mal jeden Winkel in meinen Sandalen und fand auch in fast jedem einen geduldig wartenden Anneliden.

Das Kraftwerk war gerade ausser Betrieb und unser Ingenieur machte sich sofort ans Werk das Problem zu loesen. Das Zufuehrrohr, das fuer den noetigen Wasserdruck sorgt, verlaeuft ueber ein riesiges Reisfeld und wir machten uns daran, hoechste Stelle diese Feldes zu erklimmen.

...werkel, werkel...

...werkel, werkel...

... hier gings querreisfeld ein ...

... hier gings querreisfeld ein ...

Rechts das Powerhaus (wer kennt Pilates?) mit der langen Leitung...

Rechts das Powerhaus (wer kennt Pilates?) mit der langen Leitung...

Mit blutverschmierten Beinen (ihr wisst schon wieso) gelangten wir zur Ansaugstelle fuer das Hochdruckrohr und wir ueberzeugten uns vor Ort von der guten Qualitaet der Kraftwerkinfrastruktur.

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Danach folgen wir dem Wasserkanal stromaufwaerts und reinigten eine der Sedimentfallen mit den blossen Fuessen.

Raj beim Stochern in der Sedimentfalle...

Raj beim Stochern in der Sedimentfalle...

Ich hab ja gehofft in dem feinen Bergsand vielleicht ein paar Goldkluempchen zu endecken, aber nach 3 durchsuchten Haenden war mir klar, dass ich mit blossem Auge das Gold unmoeglich von den tausend anderen blinkenden Gesteinsarten unterscheiden koennte.

Es ging weiter Stom aufwaerts, zur Muendungsstelle des Kanals, der sein Wasser aus einem frischen Bergbach bezieht. Kaum war die Truppe angekommen, war auch schon der erste Fisch gefangen.

Banzai!

Banzai!

Mit blossen Haenden wuehlt man in den dunklen Ecken um die rundgeschliffenen Steine und packt bei Bewegungen im Wasser schnell zu. So haben die Nepali zwei Fische fuer ihr Abendessen gefangen. Der Platz um den Zulauf war wunderschoen und es gab hier 3 botanische Schoenheiten zu beobachten, die ich euch nicht vorenthalten mochte.

Das Flusstal...

Das Flusstal...

Ein huebsches Ingwergewaechs (Bestimmung folgt noch)

Ein huebsches Ingwergewaechs (Bestimmung folgt noch)

ein huebsches Springkraut (Impatiens)...

ein huebsches Springkraut (Impatiens)...

Und eine huebsche Orchidee (Gattung Coelogyne)

Und eine huebsche Orchidee (Gattung Coelogyne)

Mit den schoenen Wasserfaellen als Hintergrundkulisse wurde noch fuer ein paar Fotos posiert und danach gings auch schon wieder Richtung Hydropowerstation.

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Beim Weg runter zeigten mir die Nepali dann eine weitere nette Pflanze deren staengel wie saeuerlicher Spargel schmecken und sehr gesund sein sollen.

Der leckere Wildspargel...

Der leckere Wildspargel...

Nachdem ich fast 2 komplette Pfanzen verdrueckt hatte musst ich allerdings aufhoeren, da zuviel des Guten ja nie so gut ist.

Dann bemerkte ich, dass ich auf einmal ziemlich viele Blutschwaemmchen an der Hand hatte. Ich hab sie, bis das Blut floss, ausgedrueckt und mir nichts dabei gedacht, doch dann musste ich feststellen, dass sie anfingen richtig weh zu tun! Und sie juckten! Dagegen wird jeder Mueckstich blass vor Neid. Bald wusste ich auch woher diese Blutschwaemmchen stammten. Wenn man nur mal fuer 2 Sekunden still stand, holte einen die kleine Wolke aus Fliegen ein, die einem hier stets folgt. Und unter ihnen sind winzige (halb so lang wie die normale Stubenfliege) Stechfliegen mit getigertem Hinterteil.

Und das Jucken sollte gar nicht mehr aufhoeren. Sie juckten am naechsten Tag noch tierisch, den naechsten Tag immer noch, ja waehrend ich diese Zeilen schreibe kratze ich immer noch an diesen Stichen und es ist schon 5 Tage her.

Daraufhin wurden diese kleinen Satansbraten zum neuen Saatsfeind Nummer Eins erklaert und den Rest des Weges war ich darum bemueht moeglichst wenig stehen zu bleiben, um nicht noch mehr Stiche abzubekommen (ich bin mit nur 10 Stichen noch super weggekommen). Als wir an der Hydropowerstation Rast machten, machte ich die Nepali auf die neue Gefahr aufmerksam, die um die Saeume ihrer kurzen Hosen herumschwirrte (ich hatte zum Glueck ne lange Jeanshose an), doch meine Warnung schien sie nicht zu jucken, bis es dann die Stiche taten! Sie taten mir ja fast ein bisschen leid, als sie sich am naechsten Morgen chronisch die Beine am aufkratzen waren... "Very itching!", tja ich hab euch gewart, aber ihr wolltet nicht hoeren.

Wenn ihr die hier seht, RENNT! Rennt dafuer 5 Tage lang keinen Juckreitz zu haben, oder rennt einfach nur fuer den Weltfrieden...

Wenn ihr die hier seht, RENNT! Rennt dafuer 5 Tage lang keinen Juckreitz zu haben, oder rennt einfach nur fuer den Weltfrieden...

Waehrend ich den Sonnenuntergang hinter den nebelverhangenen Berghaengen mit Café del Mare in den Ohren genoss, setzte sich die Turbine mit verschnellernden Oszillationen in Gang. Der ganze Trupp Handwerker stand stolz vor dem Generator und Raeucherstaebchen wurden zum Wohle der Goetter angezuendet, um dem Wunder des Stromes zu preisen.

... (zu dem Bild empfehle ich Cafe del Mare (Youtube), fast egal welches der tausend Lieder)

... (zu dem Bild empfehle ich Cafe del Mare (Youtube), fast egal welches der tausend Lieder)

Die stolzen Unterstuetzer des Projekts...

Die stolzen Unterstuetzer des Projekts...

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Danach ging es den "Bach" wieder runter zum Tal und beim ueberqueren der Bruecke dachte ich mir nur: "Oh eine dicke Spinne hat eine schoene Wespe gefangen". Dann schaute ich etwas genauer hin und musst mit Erstaunen feststellen, dass die schoene Wespe die Spinne gefangen hatte"

Ha, erwischt...

Ha, erwischt...

An einem Rasplatz auf dem Weg zum Dorf, machte ich mal eine Verletzungsinventur.
An beiden Fuessen zaehlte ich ueber 30 Blutegelbisse, aber da das Blut stets durch das Durchwarten der Reisfelder und Fluesse abgewaschen wurde, waren sie leider nicht halb so fotogen, wie es Ninas Fuesse bei der World Peace Pagoda waren. Insgesamt hatte ich vermutlich mehr Blutegel abbekommen, als meine komplette Begleittruppe zusammen. Da fragt man sich schon, warum man auf die heimische Blutegelfauna einen so grossen Reiz hat. (Seht mal da, ein A-positiv kommt des Weges...Auf die Saugnaepfe, fertig, los!)
Doch was ich an Blutegeln ueber hatte, machten die anderen durch ihre zerstochenen Beine wett. Und in Anbetracht der Folgen die die Stiche verursachen, habe ich lieber 30 Egelwunden, als auch nur einen Stich der Satansbraten.

Wieder ziemlich ausgepowert liess ich mich auf der Bambusmatte eines neuen Gastgeberhauses nieder und auch an diesem Abend sollte der Rakshi in stroemen fliessen. Es war eigentlich unmoeglich sein Glas leer zu trinken, denn immer wenn man ein paar Schluecke des beissenden Gebraeus getrunken hatte, wurde das Glas von dem zuvorkommenden Gastgeber wieder gefuellt.

Auch an diesem Abend schlief ich hervorragend ein.

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Der zweite Morgen

...Morgenstimmung in Singdi...

...Morgenstimmung in Singdi...

Nach dem kleinen Keksfruehstueck hatte ich noch etwas Zeit durch die Gassen zu schlendern und den Hunden im Morgengrauen beim Spielen zuzugucken. An dieser Stelle mal ein Lobeslied auf die Hunde in diesen Dorf. Ich bin ja offenkundig kein grosser Fan, der asiatischen Hunde, aber die Canivoren in diesem Dorf waren einfach nur fabelhaft. Sie sind sehr aufmerksam, verspielt, gutherzig und was fuer mich ja das wichtigste ist, sie sind leise. Ich kann mich nicht erinnern, hier jemals einen Hund bellen gehoert zu haben. Vermutlich haben diese Hunde stets genuegend Aufmerksamkeit und Spielkameraden bekommen und diese glueckliche Welpheit merkt man ihnen an.
Ausserdem sind die Hunde hier wie ich absolute Vegetarier und ernaehren sich groessten Teils von dem leckeren Reis hier.

...so tolle Tiere...

...so tolle Tiere...

An diesem Tag hatten wir nur einen kleinen Programmpunkt auf unserer Tagesordnung und der hiess dem Healthpost und dem Verteilernetz einen kleinen Besuch abzustatten. Noch vor dem morning Dal Bhat zogen wir wieder in die Berghaenge nach Westen und fanden direkt unter der Dorfschule den Healthpost liegen.

... ih-skuhl (wie die Nepali sagen wuerden fuer school)...

... ih-skuhl (wie die Nepali sagen wuerden fuer school)...

...der Healthpost...

...der Healthpost...

Das Gebaeude wurde mit der Hilfe von Raj und anderen Helfern des FWHC errichtet und wartet nur auf die kurz bevorstehende Fertigstellung. Raj hat mich gefragt, ob ich Aerzte kenne, die hier gerne ein Healthcamp machen wuerden. Also sei an dieser Stelle mal ein bisschen Nachgefragt, ob nicht jemand Lust haette auf diesem gesegneten Stueckchen Erde den Leuten ein bisschen bei ihrem Gesundheitssystem unter die Arme zu greifen.

Kamal und Raj vorm Healthpost...

Kamal und Raj vorm Healthpost...

Das Bettenzimmer...

Das Bettenzimmer...

Kueche und links das Bad..

Kueche und links das Bad..

Danach machten sich unsere Ingenieure daran, an dem Hauptverteiler fuer die Stromversorgung ein bisschen rumzuwerkeln. Denn das Wasserkraftwerk versorgt nicht nur Singdi, sondern auch noch ein paar der kleineren Doerfer drum herum wie Sigu. Danach ging es tiefer in den Wal hinein und die Nepali zeigten mir die Fruechte von Melastoma normale einem wunderschoen rosa bluehendem Busch, der nun kleine schwarzblaue Fruechte traegt.

Melastoma normale keine Ahnung wie das auf deutsch heisst

Melastoma normale keine Ahnung wie das auf deutsch heisst

Geschmacklich sind sie eine Mischung aus einer trockenen Walderdbeere und Heidelbeeren. Aber das Beste an den Fruechtchen ist, dass sie die Zunge rize raze blau faerben...

...Baeh...

...Baeh...

Als wir im Dorf zurueck waren und unser morgentliches Dal Bhat eingenommen hatten, stand fuer den Rest des Tages nichts mehr auf dem Programm. Somit konnte ich mich mit meinem neuen Buch "In die Wildnis" vor mein Stuebchen setzen und dem Dorftreiben ein bisschen zusehen.

...links oben, dass war meine Kammer...

...links oben, dass war meine Kammer...

...schlafe mein Kaetzchen...

...schlafe mein Kaetzchen...

...und jeden morgen wird Wasser geholt...

...und jeden morgen wird Wasser geholt...

Nachdem ich so einen sehr entspannten Nachmittag verbracht hatte, ging es frueh zu unserer naechsten Gastfamilie und hier sollten wir ein ausgedehntes Abendessen bekommen. Gestartet wurde mit Tee und geroesteten Maiskolben (auch der Mais schmeckt hier irgendwie besser), danach gab es wieder Roti (fritierte, leicht suesse Teigringe) und die Vogelnester. Dann hin und wieder eine Schale mit Huehnchencurry (fuer mich gabs extra Bohnencurry, was aber auch fabelhaft war) und wieder Dal Bhat zum Abschluss.

Zwischen den einzelnen Malzeiten gehoerte es zu meinen Lieblingsbeschaeftigungen immer neue Spielrunden im Chicken-Rugbee einzuleiten. Hier die Spielregeln:
Zuerst wird eine spielbereite Mannschaft mit vielen kleinen Rotistueckchen auf dem Spielfeld zusammengetrommelt. Und dann wird der Spielball (ein etwa daumengrosses Stueckchen Roti) moeglichst mittig in die augebrachte Menge geworfen. Der glueckliche Faenger sieht sich in der verzwigten Situation, dass er das grosse Stueck Roti in seinem Schnabel unmoeglich in einem herunterschlucken kann, und da es fuer ein Huhn undenkbar ist zu teilen, bleibt dem Ballfuehrer nichts anderes uebrig, als sich im Spiesrutenlauf einen Weg durch die hungrige Menge zu bahnen. Dem Sieger dieses aufregenden Wettstreites winkte als Belohnung die Alleinherrschaft ueber das Rotistueck!

Es war einfach koestlich mit anzusehen, wie sich die Huehner gegenseitig den Weg anschnitten und stets versuchten dem anderen den "Spielball" aus dem Schnabel zu stibizen. Das Landleben ist einfach nur lustig und ich fuehlte mich hier seltsamerweise genauso zuhause wie total fremd.

Tanka war von dem Treiben der Huehner, die auch immer versuchten die Essensreste unter uns aufzupicken, besonders genervt und ich fragte ihn, ob er denn keine Huehner mag. "Doch", sagte er, "aber nur mit Reis und Curry".

Mit Raj habe ich mich an diesem Abend viel ueber die oekologischen Folgen des Fleischkonsums unterhalten (ich musste mal wieder erklaeren, warum ich Vegetarier bin) und er hat mir erklaert, warum es in diesen Bergdoerfern so viele Kinder gibt. Man muss bedenken, dass es hier nicht viel Unterhaltung gibt und was machen die Leute um Spass zu haben? Genau Kinder! Das Machen ist ja auch nicht gerade dass, was man als langweilig bezeichnen kann.
Ich habe Raj daraufhin auch eine kleine Geschichte aus New York erzaehlt. In dieser Stadt gab es vor vielen Jahren in einer Woche eine signifikant hoehere Geburtenrate, die man sich so nicht erklaeren konnte. Dann hat man mal nachgeschaut, was vor 9 Monaten denn in New York los war... Genau, Stromausfall! Seht ihr die Paralelle?

Nachdem es wieder viel Rakshi gab, war ich mal wieder wie geraedert und ich versuchte ein bisschen in der rauchigen Kueche des Hauses auf dem Lehmboden zu schlafen. Doch als ich mich gerade ins Bett legen wollte, wurde mir mitgeteilt, dass es an diesem Abend noch "cultural programm" geben wuerde. Totmuede liess ich mich auf dem Platikstuhl auf dem Dorfkern nieder und musste noch eine Stunde warten, bis endlich die Gluehbirne und die Lautsprecheranlage funktionierten und die Zeremnoie beginnen konnte. Wahrend die Steckdosen in Reihe geschaltet wurden, fing es wieder an zu regnen und der Dorfplatz verwandelte sich wieder in eine riesige Matschpfuetze.

Endlich kommt elektrisches Licht ins Dunkel...

Endlich kommt elektrisches Licht ins Dunkel...

Doch anstatt der erwarteten Musik und des Tanzes wurden erstmal stundenlang Dankesreden gehalten. Ich schlafe ja schon in Deutschland bei solchen Reden gerne ein, aber hier, Dankesreden bei denen man kein Wort versteht und man noch viel Rakshi-Schlafmittel im Blut hat, viel es mir besonders schwer meine Augenlieder oben zu halten. Danach bekam ich (dabei hatte ich doch gar nichts gemacht) zum Dank viele Blumenkraenze und Dankestuecher umgehangen. Nach eineinhalb Stunden in die Luftgucken, musste ich mich allerdings dann wirklich schlafen legen und auch der Tanz und Gesang, der nun endlich einsetzte, konnte mich nicht aus meinen suessen Traeumen reissen.

...gute Nacht Himalaya...

...gute Nacht Himalaya...

Der Weg hinunter

Nach nur sehr wenigen Stunden schlaf (der Himmel wurde gerade hell), weckten mich die anderen (die Haehne waren noch in ihren Staellen) und schnell packte ich meine Sachen und nahm das Fruehstueck ein. Schnell mussten wir uns vom erst halbwachen Singdi verabschieden, denn wir hatten wieder einen sehr langen Weg vor uns. Beim Abstieg zum ersten Tal fragte mich Tanka, ob ich meinen Rucksack mit einer Mulikarawane transportieren lassen wolle. Eigentlich wiederstrebt es mir ja diese netten Tiere mit meinem Kram zu belasten, aber da auch alle anderen der Gruppe ihre winzigen Rucksaecke aufgaben und ich nicht schon wieder der Klotz am Bein sein wollte, willigte ich ein und packte nur Kamera und Wasser in meinen separaten, kleinen Rucksack fuer den Weg.
Da der Rueckweg eigentlich genauso wie der Hinweg verlief, eben nur umgekehrt, werde ich mich auf die wichtigsten Ereignisse beschraenken.
So habe ich zum Beispiel beim ersten Aufstieg meine bisher erste terrestrische (nicht epiphytische) Orchidee gefunden. Und diese war dann auch noch eine der besonderen Augenschmeicheleien.

... ist sie nicht huebsch?...

... ist sie nicht huebsch?...

...schau mir in meine Sexualorgane, Kleines...

...schau mir in meine Sexualorgane, Kleines...

Ansonsten gab es wieder Blutegel und viel hoch und runter. Als wir wieder an unserem Mittagsrasthaus angekommen waren, kippte die Stimmung der Truppe auf einmal, da die Strasse, auf der wir eigentlich einen Jeep nehmen wollten, durch einen Erdrutsch verschuettet sein soll. Nach etlichen Telephonaten ueber Handy und Satellitentelephon beschlossen wir eine andere Route zurueck nach Tumsikot zu laufen, um vielleicht doch noch ein Fahrzeug aufgabeln zu koennen.

Dieser Weg war auch sehr schoen und am Rand konnte man urig, alte Graeber und ein nepalesisches Mini-Riesenrad bestaunen.

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...Terassenromantik...

...Terassenromantik...

Nach 4 Stunden schweisstreibendem Abstieg (die Sonne war am scheinen) erreichten wir endlich wieder die Talsole von Thumsikot. Die Reisbauern hier haben einen anderen Zyklus, als die anderen Reisbauern (die jetzt pflanzen) und somit kam auch ich einmal in den Genuss, an goldgelben Reisfeldern vorbeizulaufen.

...golden rice...

...golden rice...

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...und die Ernte hat gerade erst begonnen...

...und die Ernte hat gerade erst begonnen...

Als wir in Thumsikot ankahmen, bestellte ich mir erstmal ne eiskalte Cola und danach gabs endlich mal wieder ein kuehles Pilsken. Tat das gut! Trotzdem war noch nicht klar, ob wir hier uebernachten mussten, oder ob es noch heute weiter nach Pokhara ging.

Dann fragte mich Tanka, ob ich ein Problem damit haette, auf einem Traktor mit zu fahren. Ganz im Gegenteil! Ich bin schon als Kind sehr gerne Trekker gefahren, da ich das Gewackel und die frische Luft auf der Fahrt liebe. Wir hatten einen himmelblauen Traktor mit einem planenueberspannten Anhaenger und ich war schnell genug gewesen, um noch auf dem Radkasten neben dem Fahrer Platz zu nehmen. Leider gibt es von dieser abenteuerlichen Fahrt keine Bilder, da meine Kamera sicher in den Untiefen meines Rucksackes verstaut war. In Anbetracht es Gewackels (ich haette mir bei einem Schlagloch fast die Rippe gebrochen) war es aber vermutlich die richtige Entscheidung, die Kamera mal ruhen zu lassen.
Die "Strasse" war durch die Regenfaelle nun mehr Bach als trocken und als wir an der Stelle ankahmen, an der wir zuvor aus dem Jeep aussteigen mussten, drehten die Raeder des Traktors total durch. Selbst das Absteigen brachte uns dieses Mal nicht weiter voran. Somit wurde Reisspreu in die Fahrrinnne gestreut, die dicksten Steine aus Derselbigen entfernt und mit der Schubkraft von 8 starken Jungs haben wir unser Gefaehrt den matschigen Hang hochgehieft.

Puenktlich zur Abfahrt nach Pokhara, fing der Regen an (und der selbe Regenschauer haemmert gerade immer noch auf mein Blechdach im Kinderdorf ein; es regnet nun schon zwei Tage non-stop) und der Traktorfahrer warf uns am Highway nach Pokhara raus. Doch da wir nach 10 Minuten immer noch kein Taxi anhalten konnten, mussten wir mit den Regenschirmen als Schutz auf die offene Ladeflaeche eines Mini-Transporters und so gings wie Vieh zusammengefaercht in die dunkle Nacht hinein rurueck nach Pokhara...

Was fuer eine Nacht...

Was fuer eine Nacht...

© Jan Schäfer, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Fotospielplatz der Welt, ich komme! 3 Wochen Indien dann 3 Wochen Nepal anschließend 3 Monate arbeiten in einem Kinderdorf (Pokhara). Dabei hoffe ich auf viele interessante Orte, Personen und Situationen zu treffen.
Details:
Aufbruch: 14.03.2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 29.08.2009
Reiseziele: Indien
Nepal
Chitwan Nationalpark
Der Autor
 
Jan Schäfer berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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