Leinen los und los!

Reisezeit: April - Oktober 2007  |  von Doris Sutter

Vom Sneeker Meer ans Ijsselmeer

Butter, Milch und Beker, wer's nicht mag, der ist kein echter Sneker!

So ähnlich steht es in friesisch am Wahrzeichen von Sneek, der Waterpoort.
Das Sneeker Wassertor aus dem Jahr 1613 ist der einzige Überrest der im 18.Jh. geschleiften Stadtumwallung.

Die zweitgrößte Stadt Frieslands liegt mitten im friesischen Seengebiet. Mit dem größten Jachthafen des Landes ist Sneek ganzjährig ein Wassersportparadies.
Die Sneekweek Anfang August ist eine der bedeutendsten Segelregatten der Niederlande.
Wenn man gerade in dieser Zeit hier Ferien macht, dann gibt's nur eins: einen Liegeplatz oder Ankerplatz suchen und das ganze wie von einem Logenplatz aus genießen.

Im Lage Midden, der tief gelegenen Mitte Frieslands, befinden sich die Seen Sneeker Meer, die Fluessen, Morra und Slotermeer, verbunden durch unzählige kleine Kanäle, Tümpel, Seen und Gräben. Eine richtige Lagunenlandschaft.

Und, man kann es nur immer wieder betonen, das Eldorado für Wassersportler schlechthin.
Entsprechend voll ist es im Hochsommer. Wenn Touristen einfallen wie Heuschrecken, erkennen die Friesen ihre eigenen Dörfer und Städte nicht mehr.
Vielleicht sieht man auch deshalb immer wieder Gartenrestaurants mit friesischen Sonnenschirmen.
Es lebt sich gut in Friesland, ob als Tourist oder Einheimischer, ob als Wassersportler, Wanderer oder Fahrradfahrer.

Kinder werden begeistert die in jeder größeren Stadt zu findenden Pannekoukenships stürmen und für die Alten, was gibt's da besseres als ein Lekkerbeker oder ein nieuwe Haring mit Zwiebeln. Fans sollen diesen zarten Matjes sogar mit einem Bissen verschlingen können.
Na ja, ein Schleckermaul wie ich hält sich da lieber an Krenten- oder Oiliebollen.
Wobei ich wieder mal beim Essen wäre.
Was man in Holland unbedingt probieren muss, egal in welcher Provinz man sich gerade befindet, sind Pommes, Frikandel und Kroketten an einer Imbissbude.
Die können, gemeinsam mit dem Lekkerbekje, diesem herrlichen Backfisch, glatt ein Gastspiel in einem Restaurant ersetzen.
Doch wenigsten einmal muss man sich einen Besuch in einem chinesisch-indonesich-indischen Restaurant gönnen. Eine indische Reistafel haut dich um.
Eine Gelegenheit gleich mal einen oude Genever oder, weil wir ja in Friesland sind, einen Beerenburg zur Verdauung zu nehmen.

Wer nicht wenigsten einmal am Waterpoort vorbeigeschippert ist, der war nicht in Sneek. Deshalb entschließen wir uns quer durch Sneek über die Geeuw und die Wijde Wijmerts ins Heeger Meer zu fahren.

Heeg ist ein altes Fischerdorf, das in früheren Jahren an der Zuidersee lag. Heute blubbert es vor Leben und ich glaube sie können gar nicht so schnell Baggerlöcher ausheben, wie die Jachthäfen wachsen.

Dann liegt das weite Wasser des Heeger Meeres vor uns. Das Fahrwasser ist gut betonnt, man hat keine Probleme mit der Navigation.
Konturlos geht das Heeger Meer in den Fluessen über.

Von Segelbooten  sieht man nur den Mast durch die Landschaft wandern

Von Segelbooten sieht man nur den Mast durch die Landschaft wandern

Zusammen mit dem See Morra und dem Hegermeer bildet der Fluessen ein Kilometer langes Gletschertal aus einer der letzten Eiszeiten.

Am Ostufer des Sees, wo sich die Fahrwasser bei Tonne 72 kreuzen, liegt Elahuizen.
Seine Bewohner fuhren früher auf den Koggen des wohlhabenden Zuiderzee-Städtchen Hindeloopen zur See. Koggen waren im späten Mittelalter die ersten multifunktionalen Frachtschiffe mit denen friesische Kaufleute nach England und zu den Hanse-Städten in der Deutschen Bucht segelten.
Die ersten Koggen war nichts anderes als aufgeblähte Kähne mit einem platten Deck und geraden Vorder- und Achtersteven.

Auch der Fluessen ist sehr gut betonnt. Mit 11 km Länge und 2 km Breite gibt er einem einen kleinen Vorgeschmack auf die Weite des Ijsselmeeres.
Ganz in der Ferne, verschwommen im Dunst liegen die niederen Lande.
Die immer wieder aufsteigen Duftwolken von Jauche bringen uns dieses ausgedehnte Wiesengebiet immer wieder in Erinnerung.
Über den kleinen See Oorden erreichen wir den Morra und je näher wir dem Ijsselmeer kommen, desto größer und zahlreicher werden die Jachthäfen. Ganze Wälder aus Masten tun sich vor uns auf.
Besonders imponiert haben mir die vielen Spielplätze, die man für Kinder in den Jachthäfen angelegt hat.

Viel zu schnell haben wir auch die Warnservaart hinter und Stavoren vor uns. In diesem kleinen ehemaligen Zuiderzee-Fischerdorf steppt wirklich der Bär. Die Liegeplätze im Kanal sind wie Logenplätze.
Man muss anlegen, aussteigen und den nie abreißenden Strom der Boote beim ein- und ausfahren aus der Johan-Friso-Sluis begucken.
Steckt man die Nase in den Wind hat man die Wahl, den leckeren Duft der Fischbraterei oder die große Freiheit des Ijsselmeers zu erschnuppern.

© Doris Sutter, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Begleitet Beluga und ihre Crew auf ihrer Bootsreise durch Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich. Man kann 100.000 km mit einem Jet zurücklegen, ohne Mitteilungswertes zu erfahren, aber man kann in einer Stunde gemütlicher Fluss- oder Kanalfahrt auf dem altmodischsten aller Fortbewegungsmittel, dem Boot, sensationelle Erlebnisse haben.
Details:
Aufbruch: April 2007
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2007
Reiseziele: Deutschland
Niederlande
Frankreich
Luxemburg
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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