Leinen los und los!

Reisezeit: April - Oktober 2007  |  von Doris Sutter

Auf der Saône

Wir schippern auf der Petit-Saône von Corre bis St.Jean-de-Losne

Kein Skipper der Fluss- und Wanderfahrten liebt, kommt an der Saône vorbei.
Sie steht auf der Liste Frankreichs schiffbarer Flüsse ganz oben.
Sie nur als schnelle Verbindung ins Mittelmeer zu nutzten wäre ein regelrechter Missbrauch.

Sie ist von ihrem schiffbaren Beginn bei Corre, da wo Vogesenkanal, Coney und die kleine Saône zusammenfließen, bis zu ihrem Ende, wenn sie auf die Rhône trifft und dieser ihren Namen abtritt, ein wunderschönes Flüsschen.
An ihrem Beginn ist sie oftmals nicht viel breiter als ein Penichenkanal und entsprechend klein sind auch die mechanischen Schleusen.
Eine Stange hängt über den Fluss, die gefangen und gedreht werden muss, dann setzt sich die Automatik in Gang. Bequem und zuverlässig- meistens-.
Mit zahlreichen Schleusenkanälen wurden gar zu verrückte Mäander des Flusses abgeschnitten.

ein englisches Narrow-Boot

ein englisches Narrow-Boot

Am Beginn eines Kanalstückes ist eine Portes de Garde, ein Sperrtor, das aber üblicherweise offen steht, es sei denn es hat Hochwasser und es besteht die Gefahr einer Überflutung des Kanals. Doch dann werden wohl auch wir nicht mehr fahren. Das Gleiche gilt für die Ecluses de Garde, sie werden nur fallweise benutzt, normalerweise stehen sie offen.
Manchmal sind die Schleusen aber auch direkt neben dem Wehr. Dann Achtung bei hohem Wasserstand, der Sog kann beachtlich sein.
Die Strömung ist im Allgemeinen sehr gering, denn der Fluss ist mit 24 Schleusen gestaut und hat von haus aus wenig Gefälle..
Von Corre bis St. Symphorien, zum Abzweig des Canal du Rhône au Rhin, legen wir knapp 160 Kilometer zurück, bewältigen 19 Schleusen und 2 Tunnel.
Diese sind ampelgeregelt, Einbahnverkehr und gut beleuchtet.

ein Hochwasser-Sperrtor

ein Hochwasser-Sperrtor

Schleuse neben dem Wehr

Schleuse neben dem Wehr

In die meisten der umgangenen Flussstücke kann man einfahren. Sind kleine Ortschaften darin, haben sie Steiger oder Kais zum Anlegen, doch immer auf den Tiefgang achten, Echolot an!
Natürlich gilt auch hier, wie überall in Frankreich, nicht immer auf das verlassen was in den Flussführern steht. Oft sind Wasser- und Stromanschlüsse längst Vergangenheit.

Port sur Saône

Port sur Saône

der Hafen der Charterstation

der Hafen der Charterstation

Einen Stopp muss man unbedingt in Port sur Saône machen.
Im Hafen der Charterfirma wird man zwar kaum einen Platz finden, doch der Kai ist lang. Die Kirche ist sehenswert und mitten im Ort, auf der Hauptstraße ist ein antikes Waschhaus. Ein schöner Kinderspielplatz ist am Anleger und ein par Meter weiter sind Tennisplätze und ein Wildgehege. Und auch die morgendliche Baguette Beschaffung fällt leicht. Nicht vergessen die Gelegenheit zum Sprit tanken zu benutzen. Es gibt erst wieder Diesel in St. Jean de Losne.

Wildgehege

Wildgehege

Auch Scey sur Saône, Perle der schönen Saône, sollte man nicht auslassen. Ein kleiner Marktflecken voller Spuren der Vergangenheit und mit einem "richtigen" Jachthafen.

Auch Rupt sur Saône ist ein Besuch wert, schon um das Chateau mit seinem mächtigen Steinturm und die Kirche zu bewundern.

rein in den Tunnel

rein in den Tunnel

im Tunnel

im Tunnel

raus aus dem Tunnel

raus aus dem Tunnel

Wer aber Romantik liebt ist in Ray sur Saône genau richtig.
Man schleicht sich nach der Schleuse in das Flussteil, lässt die rote Tonne an steuerbord und hält sich backbord unter Land (Echolot), dann sieht man schon unterhalb des Schlosses ein paar merkwürdig kleine Stege ins Wasser ragen.
Erstaunlicherweise ragen die Felsbrocken der Uferbefestigung über diese hinaus. Anlegen ist also eine echte Herausforderung. Wir haben die Stege vorne und hinten zum festmachen benutz und dazwischen die Gangway ausgebracht. Kleinere Boote können das natürlich nicht, die machen wahrscheinlich besser an der Wiese fest.
Es ist ein sehr schöner Spaziergang zur Burg. Man kann sie besichtigen. Ein Geheimgang soll sie mit dem Fluss verbinden. Aber man braucht sich mit der Suche danach nicht aufzuhalten, man wird ihn nicht finden. Lieber den Kirchturm mit den glasierten Dachziegeln bewundern und die Grabkammer aus dem 16.Jh. sowie den Park des Chateau ausgiebig durchstreifen.

eine Schrägschleuse, heute liegt ein Steier darin

eine Schrägschleuse, heute liegt ein Steier darin

hallo kleiner Freund

hallo kleiner Freund

schon wieder ein Tunnel

schon wieder ein Tunnel

eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe

eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe

Gray sur Sône
Halteplatz im Oberwasser der Schleuse

Gray sur Sône
Halteplatz im Oberwasser der Schleuse

Die Bordvorräte auffrischen ist in Gray recht einfach, denn ein Super- und Baumarkt sind nur zwei Minuten vom Kai unterhalb der Schleuse entfernt.

Achtung!
Wenn man sich dem Kai an backbord nähert, sieht man ein Schild "Wassertiefe 1 m".
Vor dem Ufer ist eine schräge Mauer, davor ist ein Trempel. Sieht man diesen Trempel kann man vorsichtig anlegen. Wir haben 1,40 m Tiefgang und haben hier immer angelegt. Allerdings sind Steine unter Wasser. Bei Niedrigwasser stimmt das Schild.
Allerdings kann es passieren, dass der Wasserspiegel steigt, wenn das Nadelwehr gezogen wird, dann wird der Trempel überspült und das Boot schwimmt samt Fender auf den Trempel.
Dann hilft nur ablegen und vor Anker gehen oder das Boot abspreizen.
Ist der Tempel beim Anlegen nicht zu sehen, dann äußerste Vorsicht.

im Schleusen Unterwasser Gray ist ein Wehr

im Schleusen Unterwasser Gray ist ein Wehr

das Hochwasser kommt

das Hochwasser kommt

morgens waren unsere Taue 50 cm  unter Wasser

morgens waren unsere Taue 50 cm unter Wasser

Oberhalb der Schleuse ist ein Anleger der Gemeinde am "Strandband" mit einem Kinderspielplatz und der Schwimmsteg einer Charterstation, der auch Freizeitskippern offen steht.

"Wie auf dem Ast ein Vogel,
ein Vogel, von allen bewundert,
beäugelt sich Gray, keck und kokett,
in der Saône, seinem makellosen Spiegel.

Wie Albert Marquiset es ausgedrückt hat, Gray-la-Jolie, die hübsche, an einem sanften Hügel gelegene kleine Stadt. Sie bietet dem Besucher manch angenehme Überraschung. Darunter das herrliche Renaissance-Rathaus mit seinem mit bunten Ziegeln gedeckten Burgunderdach, die Basilika, das Schloss des "Comte de Province", das heute ein Museum ist.

auch in Mantoch, einem der schönsten Liegeplätze an der Saône, ist der Trempel unter Wasser

auch in Mantoch, einem der schönsten Liegeplätze an der Saône, ist der Trempel unter Wasser

Hohe Bäume begrenzen den romantischen Fluss. Charolais-Rinder grasen friedlich an seinem Ufer. Weidevieh, das nicht mit Antibiotika traktiert wird. Entsprechend lecker ist ihr Fleisch.
Eisvögel flitzen von Baum zu Baum, stürzen sich todesmutig ins Wasser und hinterlassen einen blauen Blitz.
Der wohl schönste Liegeplatz an der Petit-Saône ist Mantoche, ein zauberhafter alter Ort mit vielen Häusern aus dem 17.Jh.

Direkt vor einem verwunschenen kleinen Schloss wurde ein neuer Kai gebaut. Trauerweiden beschatten ihn. Wasser und Strom gibt es auch. Was will man mehr?
Leider war uns heuer hier ein Aufenthalt versagt. Das hohe Wasser der Saône hatte bereits die Halteringe am Ufer überspült.

Es ist verlockend in die Altarme einzufahren und auch mal eine Insel zu erobern.
Immer schön gegen die Strömung, von unten, einfahren, mit Echolot und dem Temperament einer Schnecke auf Valium.
Nie oberhalb eines Wehres ankern, immer unterhalb. Wenn der Anker rutscht, oder es kommt plötzlich viel Wasser, dann hängt man nicht vor dem Wehr.

Auch die sanften Wiesenufer laden zum Verweilen ein.
Bei Kilometer 239 wird zurzeit eine Brücke gebaut, die wohl keine 3,50 m Durchfahrtshöhe hat.

hier gibts eine neue Brücke, doch wird sie auch 3,50 m hoch???????

hier gibts eine neue Brücke, doch wird sie auch 3,50 m hoch???????

bei Hochwasser heißt es : Augen auf..

bei Hochwasser heißt es : Augen auf..

In Auxonne sind neuerdings an den Schwimmstegen auch Strom- und Wasserkästen. Gegen Gebühr versteht sich.

An den Stegen hängen Schilder:
"DAS IST BEFEHLEND; DASS SEINEN SCHIFF MIT MEHRERE VERTÄUUNGEN BEFESTIGEN; FRAGLICH STROM VON SAÔNE.

Ein nettes kleines Garnisonstädtchen, dieses Auxonne. Napoleon war hier 3 Jahre auf der Artillerieschule. Heute steht er versteinert vor dem Hotel de Ville.

jetzt gibts Strom und Wasser in Auxonne

jetzt gibts Strom und Wasser in Auxonne

was ist das denn?

was ist das denn?

ein Engländer natürlich

ein Engländer natürlich

Napoleon in Auxonne

Napoleon in Auxonne

der Liegeplatz unterhalb der Stadtmauer

der Liegeplatz unterhalb der Stadtmauer

Viel zu schnell hat man die Petit-Saône hinter sich. Jetzt heißt es sich entscheiden!
Will man weiter Via Rhône ins Mittelmeer, abbiegen in den Canal Rhône au Rhin und Doubs oder in den Canal de Bourgogne.
Auf jeden Fall einen Stopp in St-Jean-de-Losne einlegen um seine Tanks am Bunkerboot zu füllen. Die nächste Möglichkeit gibt's erst wieder im Rhein oder am Ende der Saône in Macon
Aurevoir Saône!
Schaut sie euch mal an!

St Jean de Losne, das Mekka der Binnenschiffer

St Jean de Losne, das Mekka der Binnenschiffer

© Doris Sutter, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Begleitet Beluga und ihre Crew auf ihrer Bootsreise durch Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich. Man kann 100.000 km mit einem Jet zurücklegen, ohne Mitteilungswertes zu erfahren, aber man kann in einer Stunde gemütlicher Fluss- oder Kanalfahrt auf dem altmodischsten aller Fortbewegungsmittel, dem Boot, sensationelle Erlebnisse haben.
Details:
Aufbruch: April 2007
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2007
Reiseziele: Deutschland
Niederlande
Frankreich
Luxemburg
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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