Leinen los und los!

Reisezeit: April - Oktober 2007  |  von Doris Sutter

Rhein-Herne-Kanal

Der Rhein-Herne-Kanal ist von seiner Mündung in den Rhein bis zum Abzweig in den Dortmund-Ems-Kanal 49 km lang. 1914 wurde er erstmals in Betrieb genommen.
Heute ist er Teil des SportbootRevierRuhrgebiet.

Die Ufer des Kanals sind sehr grün. Industrieanlagen eingebetet in Grünanlagen, Bäume, teilweise richtige Wälder.
Trotzt Industrie macht alles einen freundlichen, sauberen Eindruck.

Das Ruhrgebiet hat sich gemausert.
In diesem ehemals größten Industriegebiet Europas ist eine Industrielle Kulturlandschaft entstanden. Weltweit einzigartig, großartige Kathedralen der Arbeit auf Schacht und Hütte. Zeugen einer Geschichte, die die Welt bewegte, mit einzigartigem Profil. Ein Rundkurs wurde geschaffen, eine Route von 400 km mit 19 riesigen ehemaligen Industrieobjekten, die heute restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Daneben gibt es 6 technik- und sozialgeschichtlich interessante Museen, 9 Aussichtpunkte mit herrlichem Panoramablick, teilweise auf übriggebliebenen Abraumhalden und 12 sehenswerte ehemalige Arbeitersiedlungen. Die älteste von 1665.

Die frühere Zeche Zollverein XII, mit ihrer im Bauhausstil errichteten Schachtanlagen nennt man heute den Eifelturm des Ruhrgebietes. Die Jahrhunderthalle in Bochum, ehemals Gebläsehalle für die Hochöfen des Gussstahlwerkes. Die Dortmunder Zeche Germania beherbergt heute das Deutsche Bergbau-Museum. Das 1928 gebaute Umspannwerk in Recklinghausen zeigt, wie die Elektrizität ins Leben der Menschen kam. Die Zentralkokerei Hansa in Dortmund, ist die letzte erhaltene von 17 Kokserein, die während des Rationalisierungsschubes der 20er Jahre entstanden sind. Ach ja, Bier: ein Mythos im Ruhrgebiet. Mit Kohle und Stahl bildete es einen historischen Dreiklang im Ruhrpott. Die 1859 erbaute Lindenbrauerei gehört zu den traditionsreichsten Braustätten des Reviers. Auch sie zu besichtigen. Zeche Nachtigall und das Muttental, die Wiege des Ruhrbergbaues ist genauso zu bestaunen, wie die Arbeit im Schatten der Hochöfen der Henrichshütte oder die Villa Hügel der Unternehmerfamilie Krupp.

Der Pott kocht ein Touristensüppchen, das sich sehen lassen kann.

Der Rhein-Herne-Kanal (RHK) führt uns mitten hinein in die spannendste Kulturlandschaft Europas.

Schleusen macht uns keinerlei Problem, die meiste Zeit schleusen wir alleine und völlig ohne Wartezeiten.

Bei Kanal-Kilometer 10,2 ist am Südufer die neue Heinz-Schleußer-Marina. Da sie erst 2005 fertig gestellt wurde, ist sie in den wenigsten Kanalkarten eingezeichnet. Schon vom weitem sieht man den Gasometer wie den Koloss von Rhodos über die Einfahrt wachen.
So früh im Jahr haben wir keinerlei Probleme einen Liegeplatz zu bekommen.
Ein Stopp in diesem Hafen ist ein Muss. Von hier aus kann man das CentrO Oberhausen mit seinem riesigen Kinderbelustigungspark besuchen. Es wurde auf dem Gelände der stillgelegten Gutehoffnungshütte Mitte der 1990er Jahre erbaut. Auch einen Besuch wert ist das Sealife, eines der größten Aquarien und der schon erwähnte Gasometer. Bis Ende 2007 beherbergt er "Das Auge des Himmels" eine Ausstellung von Satellitenbildern der Erde. Diese Tonne aus Stahl dürfte wohl einer der spektakulärsten Ausstellungsorte Europas sein und der Ausblick von oben über das Ruhrgebiet ist genauso spektakulär.
Wer richtig mutig ist, kann sich im CentrO in den brodelnden Hexenkessel kaufwütiger Shopper stürzen. Er wird sicher fündig, nur Lebensmittel gibt es keine. Aber dafür Lokale satt.

Oberhausen  von oben vom Gasometer fotografiert

Oberhausen von oben vom Gasometer fotografiert

Das Land NRW hat ein Herz für Wasserwanderer gezeigt und an den Schleusen Warteplätze eingerichtet oder wenigsten sportbootgerechte Poller auf die Mauern der Schleusenvorhäfen gesetzt.
Eine Liegemöglichkeit finden auch große Boote beim MC Castrop-Rauxel, doch das wirkliche Highlight des Reviers ist ein Liegeplatz im Unterwasser des alten Schiffshebewerks Henrichenburg. Dieses Technikdenkmal beförderte früher in einer Wanne bis zu 800 Tonnen schwere Schiffe 14 m hoch in den oberen Dortmund-Ems-Kanal.

Der Rhein-Herne-Kanal ist noch immer eine Wasserstraße auf der hart gearbeitet wird. Es sind uns viele Berufsschiffe begegnet, was den Vorteil hat, dass man zügig geschleust wird. Die Schleusenmeister sind überaus freundlich. Hier sind auch Sportboote Verkehrsteilnehmer.

"Mach ma hinne, wenne mit willst!"
Überall woanders hätte man uns die Schleuse vor der Nase zugemacht, wenn wir noch ein ganzes Stück weg wären und im Oberwasser ein Berufsschiff auf Schleusung gewartet hätte.
"Danke, Kumpel!"

Wassertankstellen gibt es keine und große Yachten müssen unbedingt auf die Brückenhöhe achten, damit ihre Funkantenne nicht in Gefahr gerät.

© Doris Sutter, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Begleitet Beluga und ihre Crew auf ihrer Bootsreise durch Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich. Man kann 100.000 km mit einem Jet zurücklegen, ohne Mitteilungswertes zu erfahren, aber man kann in einer Stunde gemütlicher Fluss- oder Kanalfahrt auf dem altmodischsten aller Fortbewegungsmittel, dem Boot, sensationelle Erlebnisse haben.
Details:
Aufbruch: April 2007
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2007
Reiseziele: Deutschland
Niederlande
Frankreich
Luxemburg
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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