Leinen los und los!

Reisezeit: April - Oktober 2007  |  von Doris Sutter

Auf der Saar nach Saarbrücken

Es is jo nit zum schwätze, nur mol zu saa:

Die Saar ist der größte Nebenfluss der Mosel. Und sie steht ungerechterweise in deren Schatten, denn sie ist mindestens genauso schön wie diese, wenn nicht schöner.
Sie entspringt in zwei Quellflüssen, der Roten und der Weißen Saar am Westhang der Nordvogesen, dem Massif du Donon. Sie durchfließt Lothringen und das Saarland und schneidet mit zahlreichen Mäandern tiefe Täler in den Hunsrück, bevor sie nach 246 km bei Konz auf die Mosel trifft.
In der Kürze liegt die Würze.
Das haben schon die Kelten und Römer erkannt, als sie sich dieses Tal zum siedeln erkoren und sich wohlhabende Handelsherren und stressgeplagte kaiserliche Regierungsbeamte zur Regeneration ihres Nervenkostüms ins malerische, heute saarländische Umfeld zurückzogen. Immerhin befuhren die Römer die Saar bereits mit Schiffen bis 1,50 m Tiefgang. Da der Höhenunterschied zwischen Trier und Saarbrücken 100 m beträgt, muss die Saar damals recht flott unterwegs gewesen sein.
Im 19.Jh. begann die Schiffbarmachung der Saar durch Schleusen und Wehre. Dann war erst mal 100 Jahre Sendepause, bevor auf Drängen des Saarlandes die Bundesregierung 1973 die entsprechenden Gelder locker machte. 1999 war die 91 km lange Strecke endlich durchgehend von Konz bis Saarbrücken befahrbar.
Damit wurde ein wunderbarer Rundtörn über Rhein - Mosel - Saar - Saarkanal - Rhein-Marne-Kanal - Rhein (oder zurück zur Mosel), die kleine Sauerkrauttour fertig gestellt.

Die Saar hat bis zum Anschluss an den Saarkanal 7 Schleusen. Neben den ersten 5 Großschleusen sind die kleinen Kammern der ehemaligen Penichenschleusen erhalten (wenn sie auch etwas größer sind als Penichen-Standartmaß). In diesen kleinen Schleusen werden Sportboote geschleust, wenn nicht gerade die Möglichkeit besteht mit einem Berufsschiff mitzuschleusen.
In den Großschleusen gibt es Schwimmpoller an der rechten Uferseite, in den kleinen arbeitet man von Hand. Sie sind allerdings sehr sportbootgerecht ausgestattet. Neben in die Wände eingelassenen Pollern gibt es auch Stangen für die Taue. Vorsicht - sie haben Befestigungsstege, man muss die Taue umhängen.
Das Wasser hebt sich sehr still ohne Verwirbelungen.
Ein richtiges Highlight sind die Schleusenwärter, freundlich, hilfsbereit und aufmerksam.

die Schleusen an der Saar haben eine kleine Kammer für Penischen und Sportboote und eine große Kammer

die Schleusen an der Saar haben eine kleine Kammer für Penischen und Sportboote und eine große Kammer

Das Tal der Saar kann man nur als lieblich beschreiben.
Bewaldete Hänge reichen bis an ihre Ufer. Manchmal ein winziger Weinberg, hin und wieder ein kleine Ortschaft. Besonders erwähnenswert Saarburg mit einem Wasserfall mitten im Ort, einer Festungsruine, der restaurierten Altstadt, verbunden mit dem Buttermarkt durch einen Tunnel.

Saarburg

Saarburg

Mettlach am Dreiländereck - Deutschland-Luxemburg-Frankreich, Merzig mit einem Kids-Indoorpark und Erlebnisbad direkt am Jachthafen, Dillingen, die Industriestadt im Grünen, Saarlouis, benannten nach Ludwig dem Sonnenkönig, der hier von seinem Baumeister Vauban eine Festung bauen ließ. Völklingen, das fast an der Stahlkrise zerbrochen wäre und natürlich die Landeshauptstadt Saarbrücken, mit einer Fußgängerzone, die ihresgleichen lange suchen muss.

Völklingen -- alte Schleuse

Völklingen -- alte Schleuse

Völklinger Hütte

Völklinger Hütte

Auf dem kurzen Stück Saar bis Saarbrücken gibt es vier Sportboothäfen und jede Menge Anleger. Fast jede Gemeinde hat einen gemeindeeigen Steiger, eine Spundwand oder Mauer die auch von der Sportschifffahrt benutzt werden dürfen.
In Saarbrücken gibt es sogar eine Liegestelle gegenüber dem alten Kran, direkt an der Fußgängerzone mit Wasseranschluss und Stromkästen mit Münzeinwurf.

Jede dieser Anlegestellen oder Häfen kann man nutzen um das Saarland einmal richtig kennen zu lernen.
Man wird erstaunt sein.

die Ludwigskirche in Saarbrücken

die Ludwigskirche in Saarbrücken

Die Saarländer sind nämlich ein ganz besonderer Menschenschlag.
Und sie haben auch einen ganz besonderen Dialekt. Vielleicht mit ein Grund warum der Weltkongress der Phonetiker 2007 in Saarbrücken stattfindet.
Ob es allerdings den Nachfahren von Professor Higgins gelingen wird den Saarbrückern die Schnauze zu polieren, ist fraglich.

Fremde waren im Saarland schon immer willkommen. Beim Bau des Saar-Kohle-Kanals waren auch Chinesen beteiligt. Sie kamen mit ihren Familien und einem heilkundigen Mann.
Der machte sich schnell einen guten Namen bei den Saarländern, nur mit seinem Namen selber, da hatten sie so ihre Schwierigkeiten. Es hörte sich so an wie Lemmes.
Dieser Meister Lemmes hatte ganz merkwürdige Heilmethoden. Er stieß eine silberne Nadel direkt in den Punkt, der besonders schmerzte und drehte sie ein bisschen. Schlagartig hörte der Schmerz auf und die so von ihrer Pein Geheilten sprangen wild gestikulierend herum und freuten sich.
Wenn heute einer wie ein Irrer rumhüpft und sich ganz doll freut, dann sagen die Saarbrigger: " Der do, der is vom Lemmes gepickt!"

Für 15 € kann man in der Touri-Info Saarbrücken eine Fahrkarte erwerben, die 24 Stunden gültig ist, egal wohin oder mit welchem öffentlichen Verkehrsmittel man fahren will.

Vielleicht will man auf der Straße der Römer in die Vergangenheit wandeln?
Das Römermuseum in Schwarzenacker; Das römische Bergwerk St. Barbara; Das Quellenheiligtum Sudelfels; Der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim; Die römische Villa Borg; Das römische Mosaik Nennig und Tumulus; und; und;
www.strasse-der-roemer.eu

Wer sich lieber an die jüngste Vergangenheit hält:
Industriekultur Weltkulturerbe Völklinger Hütte; Grube Göttelborn oder der brennende Berg in Dudweiler.
Bei den früheren bergbaulichen Tätigkeiten sind einige Kohleschichten im Berg in Brand geraten. Sie brennen immer noch.

Die Welt der Keramik und der Glasherstellung des Hauses Villeroy & Boch in Mettlach.

Die Zoologischen Gärten in Neunkirchen und Saarbrücken, Naturwildpark Freisen und Wolfspark Merzig.

www.tourismus.saarland.de

Nicht zu vergessen das alljährlich stattfindende Saar-Spektakel in Saarbrücken.
Sommer, Sonne, Sand und .... Saar!
Ein Sammelsurium von Attraktionen und Informationen rund um die Themen Wasser und Wassersport in maritimer Atmosphäre an und auf der Saar.
Rock und Pop, Akrobatik und Artistik, Tanz und Entertainment, Drachenbootrennen, Gondelfahrten, Sternfahrt, Lichterglanz...
Selber nachlesen bei www.saar-spektakel.de
Oder www.die-region-saarbruecken.de

Und Essen!

Wer hätte je vermutet, dass es eine saarländische Küche gibt?

Acht Mal hat das Saarland in den letzten 200 Jahren seine Nationalität gewechselt. Dadurch konnten sie ihren urwüchsigen Eigenkreationen einige fremde, kulinarische Genüsse hinzufügen.
Mit ein Grund, warum es im Saarland die größte Gastronomiedichte und die meisten Sterneköche gibt.
Der Besucher allerdings, der sich nicht unbedingt der grenzenlosen Sterneküche ergeben will, wird vor manch rätselhaftem Gericht erblassen.
Wenn aus Grumbeere der Dibbelabbes wird, oder gar Hoorische oder Gefillde, wenn der Lyoner aussieht wie ein Ring Fleischwurst, Verheiratete sich in Speckmilch wälzen oder wenn der Schwenker den Schwenker mit dem Schwenker schwenkt, wenn Croutons zu Kerschdscher werden und Bettsäächer- und Mausohrsalat eine Mahlzeit abrunden, ja, dann hat man die echte Saarländische Küche entdeckt.

Und kee Bang, Saarlänner bremse voor Pällzer, da bremse se aach voor Beigeplätschde.

Vielleicht sollte man sich einfach mal ein paar Nachhilfe-Tage im Saarland nehmen.
Bei der Bliesgau-Lammwoche im Oktober,
der Hochwälder Wildwoche im November,
einem Besuch der Viezstraße oder dem Viezfest im Oktober,
den Hochwälder Kartoffeltagen im Oktober,
den Bettsäächer Tagen an der Eichenlaubstraße,
dem brennenden Hochwald,
dem internationalen Gourmet Markt in St. Arnual
oder einfach bei den Saarland Tafeltouren!

Mehr Infos gibt's bei:
www.viezstrasse-online.de
www.slowfood.de/saarland
www.eurotoques.de
www.bio-spitzenkoeche.de
www.tafeltouren.de
www.gourmetmarkt.org
www.naturpark.org

oder einfach eine E-Mail schreiben an info@tz-s.de
bei www.tourismus.saarland.de

Ach so!
Der Dibbelabbes das Leibgericht der Saarländer, ist ganz einfach:

2 kg rohe Kartoffeln fein reiben und in einem Geschirrtuch fest ausdrücken.
400 g Dörrfleisch knusprig braten, 2 Stangen Lauch etwas mitdünsten, mit 3 Eiern, Salz, Pfeffer und Muskat mit der Kartoffelmasse mischen. Fett in einem Bräter erhitzen, die Kartoffelmasse hinein geben und unter Wenden kräftig anbraten, so dass viele Krüstchen entstehen. Dazu gibt es Feldsalat und Apfelmus.

Und wenn das alles keine Gründe sind mal hinzufahren, dann werdet ihr wohl nie mehr einen guten Grund finden.

Marco Feltgen möge mir verzeihen, aber ich würde aus dieser "kleinen Sauerkrauttour" gerne eine "Dibbelabbes-Tour" machen.

so sind sie halt die Saarländer....

so sind sie halt die Saarländer....

ehemalige deutsch-französische Grenze

ehemalige deutsch-französische Grenze

© Doris Sutter, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Begleitet Beluga und ihre Crew auf ihrer Bootsreise durch Deutschland, Holland, Belgien und Frankreich. Man kann 100.000 km mit einem Jet zurücklegen, ohne Mitteilungswertes zu erfahren, aber man kann in einer Stunde gemütlicher Fluss- oder Kanalfahrt auf dem altmodischsten aller Fortbewegungsmittel, dem Boot, sensationelle Erlebnisse haben.
Details:
Aufbruch: April 2007
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Oktober 2007
Reiseziele: Deutschland
Niederlande
Frankreich
Luxemburg
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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