Abenteuer Peru

Reisezeit: Mai / Juni 2013  |  von Beatrice Feldbauer

Überlebt

Schon vor dem Frühstück ist die erste Gruppe unterwegs zum Vögel beobachten. Sie kommen begeistert zurück. Nicht wegen übermässig vielen Vögeln die sie gesehen haben, aber die aufsteigende Sonne tauchte die ganze Gegend in eine magisches Licht und auf dem Rückweg sind sie vielen Delfinen begegnet.

Nach dem Frühstück bin ich mit David unterwegs. Er kennt sich aus mit verschiedenen Medizinalpflanzen und macht auf Blätter und Sträucher aufmerksam, die bei Krankheiten von der einheimischen Bevölkerung angewendet werden. Er zeigt uns die alternative Moskitoabwehr. Dazu hält er die Hand in ein angekratztes Termitennest und wartet, bis die Termiten seine Hand erobert haben. Danach zerreibt er sie und streicht sie über Hände und Arme. Die Termiten hinterlassen einen ganz speziellen Duft, der die Moskitos abwehrt. Hoch oben entdecken wir ein Wespennest. Mit dem Feldstecher kann man erkennen, wie die Wespen geschäftig herumschwirren.

Lisbeth und Oski geniessen die neue Bank am Ufer des Ucayali

Lisbeth und Oski geniessen die neue Bank am Ufer des Ucayali

Rückkehr der Vogelbeobachtungsgruppe

Rückkehr der Vogelbeobachtungsgruppe

Termiten als Moskitoschutz

Termiten als Moskitoschutz

Ein Wespennest in luftiger Höhe

Ein Wespennest in luftiger Höhe

Wer macht mit beim 'Tarzan spielen'

Wer macht mit beim 'Tarzan spielen'

Die Senoritas sind mit May unterwegs

Die Senoritas sind mit May unterwegs

Später zeigt uns David ein Faultier. Leider hängt es viel zu hoch in den Zweigen und es gibt keine Möglichkeit, es herunter zu locken. Es ist ein Weibchen, was man an seinem Rücken erkennen kann. Unterdessen fängt David an, mit seiner Machete einen Pfad durch das schier undurchdringliche Unterholz zu schlagen. Dabei geraten wir in den weichen Morast. Es scheint, als ob der Boden atmen würde. Bei jedem Schritt blubbert es, und die Abdrücke der Stiefel verschwinden schon nach kurzer Zeit wieder. Und dann bleibt Lisbeth im schweren Lehm hängen. Unglaublich, wie schnell der weiche Lehmboden nachgibt und fast scheint es, dass er jemanden verschlingen könnte. Dank David und Oskis Hilfe ist Lisbeth schnell wieder auf sicherem Grund, aber die Erfahrung bleibt noch einen Moment haften.
Zum Mittagessen sind wir zurück und erwarten die anderen Gruppen. Die Gruppe die beim Fischen war, schwärmt mehr von den vielen Reihern die sie gesehen haben und von den Delfinen, die bei der Überfahrt um das Schiff aufgetaucht sind. Kobi und Veronika waren sogar schwimmen. Fische haben sie keine mitgebracht.

Etwas länger warten wir auf die Gruppe, die mit May in Richtung Lagune unterwegs war. Sie sehen ziemlich mitgenommen aus. Alle sind mehrmals im sumpfigen Gelände stecken geblieben. May hat Bäume gefällt, Brücken gebaut und immer wieder aus dem Sumpf geholfen. Der Schrecken steht allen noch im Gesicht, aber auch die Befriedigung, den Spaziergang überlebt zu haben. Als Abschluss sind sie über die Lagune gerudert und haben die wunderschöne Victoria Regia bewundert. Der Rückweg war dann weit einfacher.

René hat den Morgen entspannt in einer der wenigen Hängematten verbracht. Seit unsere Küche vor ein paar Wochen eingebrochen ist, wurde der Hängemattenraum zur Küche umfunktioniert. Hängematten kann man sich seither direkt vor den Bungalow hängen.

Einmal im Leben Reiseleiter sein!!!

Einmal im Leben Reiseleiter sein!!!

Lomo saltado, ein typische peruanisches Gericht

Lomo saltado, ein typische peruanisches Gericht

Nach dem Mittagessen schliesse ich mich der Gruppe an, die zum Fischen geht. Wir fahren über den Ucayali und steuern durch einen schmalen Kanal hinein in die grosse flache Lagune. An den Ufern werden wir von zahllosen eleganten Reihern erwartet. Wenn wir näher kommen, erheben sie sich mit wenigen Flügelschlagen um in etwas weiterer Entfernung wieder zu landen. Über uns in den Bäumen entdeckt May ein paar kleine Äffchen die übermütig von Baum zu Baum springen.

Ganz hinten in der Lagune werfen wir unsere einfachen Angeln aus und versuchen unser Glück. Zuerst scheint es, dass wir die Piranhas nur füttern. Sobald ein Köder im Wasser hängt, spürt man, wie sich etwas daran knabbert. Aber wenn man die Rute zurück zieht, hängt da weder Fisch noch Köder. Und dann zappelt plötzlich ein Fisch am Haken. Ausgerechnet unsere Vegetarierin Renate hat ihn gefangen. "Er wusste halt, dass ich ihn nicht essen werde", meint sie. Auch an den anderen Angeln bleibt der eine oder andere Fisch hängen, aber wir lassen alle wieder frei, denn zum Nachtessen gibt es Spaghetti. Auf dem Rückweg sehen wir ein paar Delfine, die kurz Luft holen. Leider springen Flussdelfine nicht aus dem Wasser sondern bleiben knapp über der Wasseroberfläche und tauchen gleich wieder unter. Auch eine Schlange entdecken wir, die mit erhobenem Kopf und schlängelnden Bewegungen über den Fluss schwimmt. Es ist eine Giftschlange, und die können plötzlich aus dem Wasser schiessen, erklärt May, so dass wir nicht extra zurück fahren, um sie näher anzusehen.

Am Himmel haben sich unterdessen grosse Gewitterwolken aufgetürmt. Knapp vor dem grossen Regen kommen wir in der Lodge an. Die anderen beiden Gruppen sind noch unterwegs und der Regen wird immer stärker.

Der erste zappelt an der Angel

Der erste zappelt an der Angel

Piranhas fischen und Füsse baden. So entspannt ist Hanna schon.
Und widerspricht all den Schauermärchen von den soooooo gefährlichen Piranhas im Amazonas.

Piranhas fischen und Füsse baden. So entspannt ist Hanna schon.
Und widerspricht all den Schauermärchen von den soooooo gefährlichen Piranhas im Amazonas.

Wir sind bereits am Entspannen, als die anderen endlich abgekämpft, müde und nass aber mit strahlenden Gesichtern zurückkommen. Sie mussten noch einmal den Weg frei machen und waren im tiefen Sumpf fast nicht durchgekommen. Der Boden im Dschungel verändert sich laufend, der Regen hinterlässt Spuren. Belohnt wurden alle mit der Ruderpartie über die Lagune. Die wunderschöne Victoria Regia entschädigt für alle Strapazen. Weil Segundo, der Ayudante der Lodge unterdessen den Pfad mit grossen Palmenblättern ausgelegt hatte, gab es auf dem Rückweg keine grösseren Schwierigkeiten mehr. Ausser dass es inzwischen angefangen hatte zu regnen.

Langsam werden die trockenen und sauberen Kleider rar, und die Garderobe beim Nachtessen wäre vielleicht nicht mehr in jedem Restaurant angebracht. Da wir aber in der Lodge keinen Strom haben, und beim Schein der Petroleumlampen essen, stört das niemanden. Draussen geht unterdessen ein gewaltiges Gewitter über den Dschungel. Heute gibt es keinen Sternenhimmel. Zum Glück haben wir gestern das gewaltige Firmament mit den unzähligen Sternen bewundert. Irgendwann war auch noch der Vollmond aufgegangen und verwandelte die Nacht in eine Zaubernacht.

Heute aber schlafen wir mit dem Regen ein. Im Comedor müssen ein paar Kübel aufgestellt werden, wo das Dach nicht mehr dicht ist. Der Wind schlägt durch die Bäume, rüttelt an den Palmdächern und rund um die Lodge verwandelt sich das Gelände in eine Wasserlandschaft.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieder einmal stehe ich vor dem Start einer Perureise. Mit 12 Freunden werde ich dieses wunderbare Land bereisen. Wir sind alle sehr gespannt, was uns in den nächsten Wochen erwartet.
Details:
Aufbruch: 25.05.2013
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 22.06.2013
Reiseziele: Peru
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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