OUT OF THE OFFICE - ON TOUR IN SOUTH AMERICA

Reisezeit: Oktober 2006 - April 2007  |  von Michael S.

Adios Cusco, Hola Titicaca-See

Freitag, 17. November 2006 Cusco, 15:18 / Daheim 21:18

Mehr als eine Woche ist seit meinem letzen Bericht vergangen, wenn man von der "Bilder-Tour" des MachuPicchus mal absieht. Der Grund für die unkreative Schreibphase liegt vor allem in dem Alltag, den wir hier in den letzten 2 Wochen in Cusco erlebten. Tatsächlich hat sich so etwas wie ein gewohnter Tagesablauf eingeschlichen. Der tägliche Gang zur Schulbank sowie 14 Nächte im gleichen Hotel-Zimmer haben einiges dazu beigetragen.

Gerade eben kamen wir zum letzten Mal von der Sprachschule "heim". In den zwei Wochen konnten wir doch einiges dazulernen! Gut, ohne über die eigenen Wörter zu stolpern, kann ich mich zwar noch nicht mitteilen, aber für ein "tengo hambre" (ich habe Hunger) reicht es schon. Mit einem Cerveza in der Hand, kommen teilweise sogar ganze Sätze über meine Lippen. Bei Nicole geht es übrigens auch ohne Alkohol, *hicks*.

Eine schöne Nebensache unseres täglichen Aufenthalts in der Sprachschule, war es, einige nette Leute kennen zu lernen. Da wäre z. B. Bruno, 59, überzeugter Kölner und Lehrer, der uns auf die Idee brachte, unser Geld lieber für Cocktails anstatt für Telefongespräche in die Heimat auszugeben und uns so in die Welt von SKYPE (Internet-Telefonie für 0.017 Cent von Peru nach Deutschland) einweihte. Oder z.B. zwei junge Paderborner, denen wir wiederum als überzeugte Münchner klar machten, die bayerische Hauptstadt sei mehr als nur Oktoberfest und "äh, ja gut, äh will ich Edmund-Superkompetenzlederhosen-Minister werden, äh oder steigen wir, äh am Hauptbahnhof in den Flughafen ein?".

Während ich nun hier im Patio unseres Hostals in der Sonne sitze, in die Tasten klopfe und nebenbei ein bisschen der Musik lausche, da wird mir noch mal bewusst, dass es durchaus etwas hatte, hier in Cusco eine Zeit lang zu verweilen. Nicole stellte vor ein paar Tagen treffend fest, diese Stadt ist Rom gewissermaßen sehr ähnlich. Wie dort, wird auch hier die "lebende Vergangenheit" von Touristenscharren geradezu heimgesucht, doch trotzdem hat sich die ganze Region hier seine Einmaligkeit und seine Besonderheiten erhalten.

Etwas auf das Gemüt schlägt jedoch manchmal die unübersehbare Armut einiger Menschen, die abends von den Randbezirken in die Stadt zum betteln kommen. Es fällt nicht leicht, sie neben den vielen nervenden "Ramschverkäufern" als nicht lästig zu empfinden. Ein schlechtes Gewissen überkommt einen da irgendwie schnell. Die paar Soles oder Centimos, die man den Leuten in die Hand drückt, verschaffen jedoch nur wenig Abhilfe. Weder den Bettelnden, noch den Touristen. Denn nur ein paar Meter später wird man erneut daran erinnert, dass man sich in einem Land vergnügt, in dem viele Menschen von der Hand im Mund leben.

Trotz alldem hat man das Gefühl, die Leute kommen mit Ihrer Lage ganz gut klar und leben eben nach den Möglichkeiten, denen ihn das Schicksal bereitgestellt hat. Ausgelassen feiern die Cusquenos auf den derzeit überall stattfinden Partys der Regionalwahlen. Im Autokorso fahren sie Fahnen schwenkend um den Plaza de Armas, an dem eine riesige Bühne aufgebaut ist. Abends schwört der zu wählende Kandidat das Volk abwechselnd mit politischen Parolen, Musik - die einer Gehirnwäsche gleicht - und einer Ladung Sylvester-Raketen auf den kommenden Wahlsonntag ein. Wo der Peruaner sein Kreuz auf dem Wahlzettel hinsetzen soll, zeigen übrigens einige Häuser oder Stadtmauern, die nicht mit Zetteln plakatiert wurden, sondern gleich farbenfroh angestrichen wurden. Diesen Sonntag und am darauf folgenden Montag wird es jedenfalls kein Alkohol in Peru geben. Schankverbot! Vermutlich um Ausschreitungen zu verhindern... vielleicht aber auch um zu verhindern, dass das Kreuz "versehentlich" an der falschen Stelle gesetzt wird.

Angesteckt von der Partystimmung werden wir heute Abend erst einmal mit ein paar Ex-Sprachschülern in unser Lieblingsrestaurant "Granje Heidi" gehen, ich ein leckeres Rinderfilet mit Spätzle (!) essen und mir danach noch einen Black Russian mit Baileys statt Vodka gönnen. Der Wirt kam übrigens vor 25 Jahren aus dem Allgäu, heißt Karlheinz oder hier Carlos und betreibt mit seiner Frau Gudrun nebenher noch einen Bauernhof.

Morgen heißt es dann früh aufstehen, um pünktlich im Zug in Richtung Puno zu sitzen. Nach 10 Stunden Fahrt sollten wir dann in der Stadt am Titicaca-See ankommen.

Doch davon, erzähle ich Euch ein anderes Mal

PS: So langsam erreichen die Online-Speicherkapazitaeten ihre Grenzen. Erst hat sich mein Freenet Email-Account voruebergehend verabschiedet, jetzt kann ich hier keine Bilder mehr hochladen. Hoffe, es geht bald wieder

© Michael S., 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
In weniger als 9 Stunden sitzen Nicole und ich im Flieger in Richtung Bonaire. Bonaire? Kannte ich bis August auch noch nicht. Aber KLM hält auf dem Flug nach Lima zufällig auf den Niederländischen Antillen... Eine Woche Erholung, bevor es nach Peru über Chile in Richtung Argentinien geht :-) Der Plan: 6 Monate Südamerika entdecken, Spanisch lernen und Freiheit erleben! Wie heißt es so schön - Zahme Voegel traeumen von Freiheit. Wilde Voegel fliegen...
Details:
Aufbruch: 11.10.2006
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 08.04.2007
Reiseziele: Niederländische Antillen
Peru
Chile
Argentinien
Paraguay
Brasilien
Uruguay
Der Autor
 
Michael S. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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