Start meines Sabbatjahres mit 9 Wochen Island

Reisezeit: August - Oktober 2009  |  von Matthias B.

Endlich am südwestlichsten Ende Europas: erster Bericht des Jahres

Bericht aus der "Touristenschließfachzone" Amarco da Pera

nun die Geschichten zum Jahrewechsel bin ich Euch noch schuldig.
Hier sind sie nun für Euch.

Silvester habe ich noch in Sagres verbracht , hier hat vor allem das Meer bei ca. 9 bft ein "Feuerwerk" veranstalte, die Gischt spritzte die 40 m hohen Klippen rauf. So das selbst Einheimische Fotos davon machten. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel ist hier in der Hand der Gemeindeverwaltung, so das in jedem Ort ein zentrales Feuerwerk veranstalte wird. Raketen und Knaller gibt nicht zu kaufen, was doch auch etwas für sich hat.

Neptuns Feuerwerk

Neptuns Feuerwerk

Den Übergang in das neue Jahr habe ich Mit Miriam und Alvin gefeiert. Sekt bei Sturm und Regen unter dem Leuchtfeuer vom Cab sao Viechente. Kleine Übung darin wie man auch bei "Un- Wetter" stillvoll feiern kann. Zuvor haben wir die Regionale "Gutbürgerliche Küche" erprobt. Zum Glück traf man dort, bei der Zubereitung der Speisen mehr meinen Geschmack, was sich von der noch vorhanden Weihnachtsdeko so gar nicht sagen läst, oder traf sie ganz genau?

Der Stargast des Abends zwischen Miriam und Alvin.

Der Stargast des Abends zwischen Miriam und Alvin.

Eine "naturidentische skandinavische Nordmanntanne" versehen mit diversen Lichterketten die in unterschiedlichen Farben und Interwallen blickten, blinzten, leuchten und ihre Farbe wechselten. Ein wahres Meisterwerk der optischen Grausamkeiten !!! Die unter Euch deren Kinder, zu Weihnachten mit blinkenden und musizierenden Gegenständen bedacht worden sind, werden mit mir mitfühlen können. Und das ist noch nicht alles, wenn wir uns nur getraut hätten den Einen oder Anderen Weihnachtsmann an diesem Baum zu berührt, hätte er "ho, ho, hooo" oder andrer tiefgründige Lyrik in besten elektronisch von sich gegeben.

Bevor ich das Thema Weihnachten abschlisse noch ein paar Worte zum portugiesischen Weihnachtsschmuck. In der Masse, so scheint es mir, ist man doch deutlich zurückhaltender als bei uns, aber in der Qualität!! ,....ok, ok, ist schon gut ich sag dazu nichts mehr.

Nun wenn ich mich schon nicht weiter über Weihnachtsdekor auslasse, wende ich mich eben mal der Frage zu, wie es um die Angleichung der Lebensstandards in der EU bestellt ist.

Also wo ich mir grade nicht so sicher bin, ob das, das bei uns auch so vorkommt,... habe ich da grade was verdrängt, vergessen, äää ....??? lest und wertet doch selber. Also hier eine mehrfach so oder so ähnlich beobachte Szene.

Ein portugiesische Jungen fragt seine erwachsen Begleiter, ob er mit den Füßen ins Wasser darf. Er bekommt, in diesem von seinen Eltern, "aber nur mit den Füssen" mit auf den weg, was er offensichtlich bereits wider vergessen hat als er am Wasser ankommt. Die Eltern, die an der Strandbar Kaffe schlürfen, schicken die "große" Schwester nach um den Worten der Eltern nachdruckt zu verleihen , diese ist aber nicht weniger vergesslich, in folge dessen die Eltern die Frage ausdiskutieren " gehest du oder ich" , hier musste Sie dann gehen, wobei zwischenzeitlich, wer hätte das erwartet, eine Welle Kamm, die höher war als "Matteo" es gedacht und schwupp ist ganz plötzlich die Hose und auch der Pullover, aber der nur ein kleines bisschen, nass.

Eine andrer Frage die sich mir beim Anblick der Einsatzfahrzeuge der Portugieschen Polizei (GNR) stellt ist, ob diese wohl den Segen des deutschen Tüv bekommen würden.

Auch einen Unterhaltungswert hat, wenn die Portugiesen aus der, ihnen nachgesagten lagen Geduldigkeit, in den ihnen ebenso zugeschriebenen unerwartet einsetzenden Aktionismus verfallen.
Nach mehren Wochen Wind, haben die Wellen am Strand von Amarco da Pera eine Strandbar und Hausfundamente nun soweit unterhöhlt, das akute Einsturzgefahr bestand. So wurde den ganzen Tag am Strand wild gebaggert, und ich meine wirklich wild, ein planvolles Vorgehen wollt ich nicht recht erkennen, schien aber dennoch den Baggerfahren Spaß zu machen . Da wurden für die weggespülten Holzbalken der Standbar, nicht nur im sprichwörtlichen Sinne neue " auf Sand gebaut" und der unterspülte und umgestürzte Strommasten am Strand wider neu "in den Sand gesetzt"

Die Strandbar mit  nun nicht mehr freitragender Terasse

Die Strandbar mit nun nicht mehr freitragender Terasse

Baggerfahren am Strand,

Baggerfahren am Strand,

Dieser Aktionismus war wohl gleich so spektakulär das selbst ein Team des Portugieschen Fernsehen auftauchet und die Arbeiten filmte, wobei im Hintergrund die Wellen den eben angebaggerten Sand weg- und die Pfosten schon wider unterspülten. Und seit mir versichert ich schriebe nicht von wirklichem Unwetter und auch nicht von Provisorien. Kommt mir dann die doch weltbewegende Frage "...was meint denn wohl die heimische Bauaufsicht dazu" in den Sinn, und erstrecht die mir bekannten (Wasser-) Bauingenieure.

Welchen humoristischen Wert portugiesische Landkarten habe, deutete ich schon an, da geht mir doch ein grinsen über die Lippen , in dem Wissen das es H.C. Andersen auf seiner Portugalreise 1866 ähnliche erging. Manche Dinge haben eben Bestand.

Entdeckungen gibt es auch hier , so fand ich im Touristengetto
nicht wie erwarte einen der großen Supermärkte sondern eine Reihe von kleinen urigen Geschäften, nur erhellt von dem Licht das durch die Fenster dringt, in denen alte Frauen mit blauer Blümchenschürze und brauen Kniestrümpfen, das dürre Haar von einem Tuch zusammen gehalten zwischen Konservendosen und allerlei Kram, 3 Köpfe frischen Salat, ein Eimer Tomaten, ein Korb Apfelsinen verkaufen und neben an gibt es die Kartoffeln und die Zwiebel, ein Geschäft weiter Fleisch mit viel Fett ( EU konform ?), und im nächst Brot (na ja), und am übernächsten süße Köstlichkeiten ....schmatz, schmatz, schmatz, oh lecker, süß, und Klebrig.. Ok ich muss halt Prioritäten setzten, wie sagt doch eine triviale Weißheit "Ein leben ohne Kuchen ist möglich aber Sinnlos"

Und da es hier auch nicht an Kaffeebars mangelt, verbringe ich so mache Stunde mit Tee trinken, dem essen von süßen Teilchen und Leute beobachten, sowohl die "Natives " als auch die "Touris" wobei der "Touristi-vulgari" hier zur Zeit nur vereinzelt anzutreffen ist.

Mal ein Bild zum neidisch machen

Mal ein Bild zum neidisch machen

Besonderen Spaß macht mir aber eine Gattung die hier an einigen Orten in größeren Herden, Rudeln, oder Schwärmen verweilt, verzeiht mir die unpräzise Benennung des sozialen Gefüges , ich werde es noch heraus bekommen. Meist bewegen dies sich nicht aus ihrem eingezäunten Gehege, welches als "Campismo" bezeichnet wird, raus.

Und auf diesem hier, umgeben von Glanzstücken der Betonbaukunst ist richtig was los. Ein besonders " high light" stellt der abendliche Treff in der "Snack bar" dar. Das Publikum, Rentner und Pensionär aus Nordeuropa, treffen sich um, sich von den Starpatzen des Tages, Wohnmobil polieren , Wohnwagenvorzelt von Moos befreien, Sat- Antenne reinigen und anderen als existenziellen erscheinenden Notwendigkeiten zur Erholen.

Das Bunte treiben an dem ich als stiller Beobachter teilhaben konnte, stellt sich für mich so da:

Man betritt als Ehepaar den Raum, gerne auch im "Partnerlook" begrüßt sich mit Handschlag oder dem "Abklatschen" wie es auch 60 Jahre jünger Menschen beim Treffen im Jugendzentrum machen. Hält "small talk" in einer eigentümlichen Sprache "Wetter heute, not god ist aber to huse is kolder " Spielt verschieden Brett Spiele oder "chillt" vorm TV . Meine persönliche Favoritin ist eien Dänin um die 70 Jahre. Ein Gang wie Rambo mit Rasierklingen unter den Armen, weit aus holender Drehung in den Hüften, leicht nach vorn gebeugte Haltung (ähnlich eines Primaten) Baseballmütze mit Schirm nach hinten, Schlapperpulli mit Kapuze , Sohnebrille auf, teure aktuelle Turnschuhen mit lose herunter hängenden Schnürsenkel und spielt "voll cool" Brilliart "... eh alles klar man, da gukste wa" wo bin ich hier ?.....

So viel erst mal wider von Unterwegs, zur Zeit puste gerade ein kühler Nordwind und läst es hier sehr kalt sein. Die Temperaturen befinden sich im einstelligen Bereich.

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© Matthias B., 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Bald ist es so weit, am 1 August starte ich mein Sabbatjahr mit 9 Wochen Island. Ich möchte Euch und Ihnen liebe Leser, von Zeit zu Zeit, von meinen Eindrücken und Erlebnissen live berichten. Hauptsächlich werde ich dies Berichte für alle mir verbunden Menschen schreiben. Es sind natürlich auch alle anderen Interessierten eingeladen meine Reise mit zu verfolgen. erst ein mal so viel zum Interesse wecken. Matthias
Details:
Aufbruch: 01.08.2009
Dauer: 9 Wochen
Heimkehr: 03.10.2009
Reiseziele: Island
Portugal
Der Autor
 
Matthias B. berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.