Los Vagabundos "Der Weg ist das Ziel"

Reisezeit: Oktober 2012 - April 2013  |  von Deniz & Romy

Honduras: Utila - Bay Islands

Utila Bay Islands

Am nächsten Morgen stand der Taxifahrer, welcher uns am Tag zuvor ins Hotel gebracht hatte, pünktlich um halb acht vor unserem Hotel. Um halb neun ging es mit einem Katamaran Richtung Utila, eine der drei Bay Islands. Die Nachbarinsel ist die Mittelklasseinsel Roatan und dann gibt es noch Guayana für einen dickeren Geldbeutel. So macht sich zumindest keiner Konkurrenz. Utila ist eher die von Fliegen und Sandflöhen verseuchte Backpacker Insel, ganz zu schweigen von der Landkrabben-Plage, es gibt tausende Landkrabben, die jeden Scheiß fressen. Abends muss man aufpassen, dass es nicht knirscht unter einem oder der Zeh ab ist. Angekommen auf Utila wartete die hochschwangere Debbie von der Tauchschule Gunter's Eco Marine mit einem Quad-Abholservice auf uns. So fuhren wir 3 + die halbe Wohnung die wir als Gepäck dabei hatten zu unserer Tauchschule, wo die Romy ihren Tauchschein machen wollte.

Utila Karte

Utila Karte

Was wir gleich am Anfang lernen mussten, sind die Utila-Lügen. Die Lüge Nummer 1 lautet: Ich reise morgen ab. Nummer 2: Ich trinke heute keinen Alkohol, usw. Was das bedeutet, sollten wir später noch erfahren.
In der Regel ist so ein Tauchschein in 3-5 Tagen durch, so lange und auf gar keinen Fall länger wollten wir in Honduras bleiben. Ich selber wollte meinen Advanced Open Water Diver (AOW) fertig machen, damit ich endlich auch mal offiziell tiefer als 18 Meter tauchen kann. Meine bisherige Rekordtiefe lag bei 45 Metern, welche ich nun noch um 16 Meter übertroffen habe (bei 61,7 Metern kam ich in den Genuss einer "Stickstoff Narkose", bei der man sich fühlt wie besoffen). Nach 4 Tagen waren wir mit unseren Kursen fertig, Romy wollte unbedingt auch gleich noch den AOW dran hängen, dies bedeutete, dass wir auf alle Fälle weitere 3-5 Tage bleiben mussten, da dachte ich, ach, dann kann ich ja eigentlich den Rescue Diver (Rettungstaucher) dranhängen, wer weiß wofür man das braucht. So vergingen die Tage auf Utila wie im nichts und auf einmal waren wir schon 14 Tage da.

Gunter's Eco Marine

Gunter's Eco Marine

Ecomarine Tauchshop

Ecomarine Tauchshop

Die Bar

Die Bar

Unser Boot, die "Salva Vida"

Unser Boot, die "Salva Vida"

Gewohnt haben wir in der Taucher-Lodge (auf badisch: Kabuff). Das Zimmer hatte stolze 5qm, Sprünge konnte man auf jeden Fall keine machen Aber bei einem Preis von 5$ pro Nacht muss man halt auch mal die Fresse halten Bei der Größe des Zimmers könnt ihr euch sicherlich vorstellen was da für Möbelstücke drinnen waren, nämlich nix, NO Alle Zimmer lagen von der Straße nach hinten versetzt, damit man ein bisschen Ruhe von der lauten Straße und von der Skid Row Bar genießen kann, in der sich jeden Tag von morgens bis in die Nacht Hammer viele hängengebliebene Amerikaner die Birne weg gesoffen haben. Hier gibt es auch das ekligste Getränk aller Zeiten, Guifity. Wer 4 davon trinkt kriegt ein T-Shirt.

die berühmte Skid Row Bar

die berühmte Skid Row Bar

Guifity...

Guifity...

ABER der Haken an unserer Lodge war, dass unser Nachbar gegenüber eine Mega große Box auf der Veranda stehen hatte. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, aber schon am Abend wussten wir sehr wohl warum die Box da stand. Auf einmal standen wir senkrecht im Bett, es ertönte ein Feueralarm. Dann ging's los, es wurden immer die gleichen 5 Lieder gespielt in einer Lautstärke, wo man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden hat. Wir mussten uns quasi in unserem super großen Zimmer anschreien. Eine Kommunikation war definitiv nicht möglich. Nach einer Rückfrage bei unserer Vermieterin ob das denn oft so ist, wurde mir gesagt dass dies "nur" einmal die Woche vorkommt. Damit konnten wir uns abfinden. Aber schon am nächsten Tag das gleiche Spiel und so ging das bis zu unserer Abreise

Es gab aber zum Glück auch viele positive Ereignisse, wir haben wirklich viele super nette Menschen aus aller Welt kennengelernt...

Team international

Team international

...und natürlich auch viele Tauchgänge genossen.
Die Inseln sind umringt von superschönen Riffen und es gibt einige versunkene Wracks, die wir auch mal bei Nacht besucht haben. Generell sind die Riffe super erhalten aber leider auch hier ist das Meer überfischt. Große Fische sieht man selten aber ich hatte das Glück einen Nurseshark, Eagelray, Stonefish, Scorpionfish (beide giftig), Barrakudas und sogar Seepferdchen zu sehen.

wir 2 unter Wasser

wir 2 unter Wasser

Die Unterwasserwelt von Utila

Die Unterwasserwelt von Utila

Yumuk auf der Suche

Yumuk auf der Suche

Hilfeeeee

Hilfeeeee

Die Bay Islands haben aber ein gutes Tourismuskonzept entwickelt, es gibt hier z.B. jedes halbe Jahr eine Liofish-Derby. Die Lionfish-Plage kommt natürlich von den Amis: vor circa einem Jahr ist (angeblich durch einen Hurrikan) ein Aquarium in Florida ausgelaufen und so wurde der Lionfish, der sonst nur in den pazifischen Gewässern heimisch ist, in den Atlantik eingeschleust. Binnen eines Jahres hat er sich hier millionenfach vermehrt, da er hier keine natürlichen Feinde hat. Und weil sich das Dickerchen sich hier so gut ernährt, legt es alle 4 Tage Eier (da wird geschustert was das Zeug hält muhaaaaa), was er sonst nur alle 6 Monate tut. Die Einheimischen nehmen's ganz gelassen schießen die Viecher bei der Derby ab. Ich habe eine Woche vor der Derby trainiert wie ein Wilder, bei jedem Tauchgang hatten wir Speere dabei und haben jeden Lionfish, den wir vor die Tauchmaske bekamen, abgeschossen. Leider war Romy am Tag des Derbys krank, sie sollte als "spotter" mittauchen, der die Fische sichtet. Ich war als Jäger eingeplant, zuerst fuhren wir an die Nordseite der Insel, wo es die meisten Lionfische gibt. Das restliche Team war auf jeden Fall hochmotiviert. Der Anführer hatte sich geschworen noch 947 Lionfish in seinem Leben zu killen, da er einmal gestochen wurde und als Rache insgesamt 1000 Viecher als Vergeltung abmurksen wollte.
Am Platz angekommen, vor lauter Aufregung und Adrenalin übermotiviert habe ich gleich nach einer Minute den ersten Fisch gesehen, den aber leider verfehlt. Als mein Kollege einen Lionfish getroffen hatte, der noch zappelte, habe ich ihn mit einem Genickschuss den Rest gegeben. Mein Fehler war leider, die Kraft der Stacheln zu unterschätzen und ich wollte den Lionfish vom Spieß mit dem Flossen runterdrücken ins Netz. Der Stachel war so hart, er ging durch die Flosse wie durch Butter, sicher 2 cm in meinem Fuß. Somit war das Derby nach 10 Minuten für mich beendet. Rekordverdächtig Ich war nicht der Einzige im Team...wenn man gestochen wird, muss man den Stich gleich mit heißen Wasser behandeln, was ich auch tat. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, so dass ich schon überlegt hatte weiterzumachen, aber kurz vor dem 2. Tauchgang schwoll mein Fuß an wie ein Ballon und ich hatte höllische Schmerzen. Für die nächsten 3 Tage ging gar nichts mehr.

auf der Jagd

auf der Jagd

Zwei Tage nach dem Derby gab es dann ein großes Grillfest, bei dem die Lionfische in allen Varianten verarbeitet wurden.
Das war nicht das einzige Barbecue, viele weitere sollten folgen, aber eines hatten alle gemeinsam: Es hat jedes Mal geschifft wie aus Eimern.

Naturgewalten auf Utila

Naturgewalten auf Utila

Die Einwohner von Utila sind alle superlocker, mal wurde ein Schwein geschlachtet und an die halbe Insel verfüttert, die Geschäfte öffnen und schließen wie sie lustig sind Gemütlichkeit wird ganz groß geschrieben. So war auch immer wieder "Lazy Boat" angesagt - das Boot ging erst nachmittags raus weil jedem am Abend davor der Hut im Nacken hing
Während der Wahlen blieben mal alle Bars geschlossen, da herrschte hier Dry Law - das Trockengesetz, es gab 2 Tage keinen Alkohol zu kaufen. Aber die Leute haben sich hier eingedeckt als gäb's kein Morgen mehr...

Grillfest in Sandy Bay

Grillfest in Sandy Bay

Das Ende vom Lied war, dass wir statt geplanten 3,4 Tagen insgesamt 5 Wochen auf der Insel waren und ich am Ende meinen Divemaster gemacht habe und Romy ihren Rettungstaucher. Der krönende Abschluss vom Divemaster ist natürlich der Schnorcheltest: Ich durfte alles über 40% durch den Schnorchel schlucken bis es aus allen Lücken herausspritzte und anschließend ein Bier durch die Nase inhalieren, das mein Tauchlehrer in die Maske schüttete. Das Motto war: Wer zuerst spuckt, hat verloren. Das war der letzte feucht-fröhliche Abend auf Utila.

Schnorcheltest

Schnorcheltest

unsere beiden Tauchlehrer in der Mitte

unsere beiden Tauchlehrer in der Mitte

Am nächsten Morgen klingelte um 5 Uhr der Wecker - halb komatös schwanken wir zur Fähre und schlafen später den ganzen Weg bis in die Hauptstadt Tegucigalpa in unserem Bus, welcher eines der sichersten ist (mit Wachpersonal). Abends bestellen wir das Essen lieber gleich ins Hotel bevor wir wieder Zeugen einer Schießerei werden, darauf hatte ich keinen Bock mehr.

© Deniz & Romy, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
"Man reist nicht nur um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein." (J.W.v.Goethe) Getreu diesem Motto begeben wir uns in die Sporen. Unsere Reise begann am Ende einer 2jährigen Zeit in Mexico & sollte uns binnen ca. 6 Monaten von Playa bis nach Feuerland & wieder zurückführen. Vor uns liegen ca. 30.000 km Dieser Blog ist vor allem für unsere Familie und Freunde bestimmt, wir freuen uns aber auch über zahlreiche andere Leser, Kommentare und Anregungen in unserem Gästebuch.
Details:
Aufbruch: 14.10.2012
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: April 2013
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
Honduras
El Salvador
Hongkong
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Der Autor
 
Deniz & Romy berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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