Los Vagabundos "Der Weg ist das Ziel"

Reisezeit: Oktober 2012 - April 2013  |  von Deniz & Romy

Honduras: La Ceiba

Lange haben wir überlegt, ob oder ob wir nicht nach Honduras fahren sollen. Nachdem wir so viele krasse Dinge von anderen Reisenden gehört hatten, wollten wir eigentlich erst gar nicht mehr hin. Deniz hat einen Kollegen der hier schon gearbeitet hat und selbst der meinte: Watch your head - pass auf deinen Kopf auf...

Man muss wissen, dass Honduras seit 2009 extrem von Bandenkriegen geplagt wird. Von 2005 bis 2009 war hier der Präsident Manuel Zelaya an der Macht. Dieser hat dem Land um einiges auf die Sprünge geholfen, es gab mehr Jobs für die Leute, einen höheren Mindestlohn und damit weniger Armut und vor allem hat er gegen die Banden, die "Maras" angekämpft bzw. wollte er diese in die Gesellschaft besser integrieren. Er hatte eigentlich sehr gut die Wurzel des Problems erkannt, nämlich dass leider ca. 30 % der Honduraner Analphabeten sind, die nie zur Schule gegangen sind und keine Bildung und somit auch keine besondere Zukunft in der normalen Gesellschaft haben. Leider können hier die Präsidenten nur einmal eine Amtszeit antreten und als seine fast vorrüber war, wollte er ein Referendum machen, dass dieses Gesetz ändert. Da waren einige Leute natürlich nicht begeistert und er wurde am Tag, an dem die Volkbefragung zur Gesetzesänderung hätte stattfinden sollen, von seinem eigenen Militär gestürzt und ins Exil nach Costa Rica verfrachtet.

Nun gut, genug zur Politik. Wir sind dennoch hier gelandet und der erste Eindruck war sehr positiv. Wir sind aus Sicherheitsgründen mit dem 1.Klasse Bus Hedman Alas gefahren, der zwar das dreifache kostet, aber dafür bewaffnetes Personal an Bord hat. Leider kommt es in Honduras auch häufig zu Überfällen auf Reisebusse, wo meist gleich jemand erschossen wird, damit alle anderen eingeschüchtert sind. Da wollten wir also nicht am falschen Ende sparen. Die Busse sind die besten, die wir seit Beginn der Reise betreten haben, es gibt Snacks und Getränke an Bord, vorab eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen (Sogar der Gürtel musste ab!) und es gibt eine Executive Klasse, in der man die Sitze horizontal zurückstellen kann.

Beim Umsteigen in San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt des Landes sind wir ordentlich geflitzt um den Anschluss zu kriegen und bei der Ankunft hier in La Ceiba hat alles super funktioniert. Wir haben ein Taxi zum Casa Espana genommen, sind hier nicht mal über´s Ohr gehauen worden und haben uns mal ausnahmsweise ein superschönes Hotel gegönnt, das in einer angeblich sicheren Gegend liegt. Mit uns kamen noch 2 Mädels, eine aus Norwegen und eine aus Kalifornien. Soweit so gut, dachten wir, ist ja alles halb so wild hier.

Romy war noch ein wenig auf der Dachterrasse die Aussicht genießen und ich motzte von unten "hey wir warten auf dich, wir wollen was essen gehen". Nur gut, dass Romy so eine Bummeltante ist, manchmal ist man nämlich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Kaum sind wir aus der Tür und biegen links um die Ecke und steuern auf eine Kreuzung zu, welche ca. 20m entfernt ist vom Eingang des Hotels. Ungefähr 15m von uns entfernt sehen wir 2 Gestalten die sich unterhalten, plötzlich rennt einer von beiden mit lautem Geschrei weg und was macht der Andere? Na klar, der zieht eine Pistole und schießt 3x einskalt aus kürzester Distanz auf den Weglaufenden. Ich stand wie angewurzelt an der Kreuzung und konnte nicht glauben was ich da gerade gesehen habe. Bei uns kennt man ja so was nur ausem Film (John Wayne usw.) Die Mädels sind sofort zum Hotel zurückgerannt, ich stand da wie angewurzelt konnte nicht glauben was ich da gerade gesehen habe. Ab da war Honduras für uns durch, wollten eigentlich so schnell wie nur möglich wieder raus aus dem Land. Aber es kam alles anders als gedacht.
Die Hotelbesitzerin meinte, so was wäre hier in der Gegend noch nieee vorgekommen, ja nee is klar. Vielleicht wollte sie uns beruhigen, wer weiß. Wir sind auf jeden Fall dann schleunigst in die andere Richtung und zum nächstmöglichen Restaurant schier gerannt. So richtig Hunger hatte von uns beiden keiner aber die Norwegerin hat die Platten weggefegt vom aller Feinsten, die Teller konnte man gerade wieder in den Regal stellen so sauber waren sie nach dem Essen.
Auf dem Rückweg haben wir mit Sicherheit eine Bremsspur vom Restaurant bis ins Hotel hinterlassen . Nachts konnte ich nicht wirklich schlafen, zu aufregend war das Erlebte. Leider sollte das nicht das letzte Mal sein, dass wir einen Mord miterleben. Auf Utila wurde kurze Zeit später Captain Vern auf seinem Catamaran von Piraten übermannt. Hier muss man auf jeden Fall auf seinen Kopf aufpassen.

© Deniz & Romy, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
"Man reist nicht nur um anzukommen, sondern vor allem, um unterwegs zu sein." (J.W.v.Goethe) Getreu diesem Motto begeben wir uns in die Sporen. Unsere Reise begann am Ende einer 2jährigen Zeit in Mexico & sollte uns binnen ca. 6 Monaten von Playa bis nach Feuerland & wieder zurückführen. Vor uns liegen ca. 30.000 km Dieser Blog ist vor allem für unsere Familie und Freunde bestimmt, wir freuen uns aber auch über zahlreiche andere Leser, Kommentare und Anregungen in unserem Gästebuch.
Details:
Aufbruch: 14.10.2012
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: April 2013
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
Honduras
El Salvador
Hongkong
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Der Autor
 
Deniz & Romy berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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