Mein Zürich-Reisebericht

Reisezeit: März - Juli 2007  |  von Janine Gruschwitz

Städtetouren: Zürich

Zürich - die letzte große Stadt auf unserer Sight-Seeing-Liste und dazu noch ein echtes Highlight! Keine Ahnung, was genau meine Vorstellungen waren...wahrscheinlich hatte ich gar keine wirklichen Erwartungen und wurde daher so positiv überrascht! Zürich ist zwar mit ca. 360.000 Einwohnern die weitaus größte Stadt der Schweiz (was sich für einen Kölner natürlich auch irgendwie relativiert ), versprüht aber dennoch einen ganz eigenen, gemütlichen Charme - typisch schweizerisch halt! Oft als heimliche Hauptstadt des Landes bezeichnet, bietet Zürich alles, was das Touristen-Herz begehrt: Das Shopping-Paradies der berühmten Bahnhofstraße, interessante Museen, kleine Gassen mit zahlreichen Geschäften, Gaststätten und Cafés - und nicht zuletzt den schönen Zürichsee. Außerdem gilt sie als wirtschaftliches Zentrum der Schweiz und - klischeehaft - als Stadt der dubiosen Geschäftspraktiken und legendären Nummernkonten. Schon allein die Aussicht auf ein paar Zürcher Gnome ist also die Reise wert

So, ihr kennt die Prozedur ja schon - vorab ein paar historische Daten:
Die ersten Bewohner dieser Region waren nachweislich Pfahlbauer aus der Jüngeren Steinzeit. Später errichteten die Römer auf dem heutigen Lindenhof eine Militärstation und in deren Schutz den Marktflecken Turicum, dem die Stadt ihren Namen verdankt. 1218 erhielt Zürich dann die Reichsfreiheit und trat 1351 schließlich der Eidgenossenschaft bei. Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt durch das Wirken von Huldrych Zwingli und Heinrich Bullinger zum Zentrum der Reformationsbewegung in der deutschsprachigen Schweiz, woran noch heute einige Plätze und Gebäude Zürichs erinnern.

Am Bahnhof angekommen wurden wir erstmal direkt daran erinnert, dass in 364 Tagen die EM in der Schweiz und Österreich stattfindet. Wer weiß, wofür man seine neuen Kontakte nach Basel und eben Zürich dann so nutzen kann? Vitamin B ist eben alles! Unser erster Gang führte uns dann - wie üblich - zur Touristeninformation, wo wir mit allerhand Stadtplänen und Informationsbroschüren ausstattet und in den Großstadtdschungel Zürich entlassen wurden Na dann mal los! Schnell die Limmat überqueren und auf zur Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürichs, die über dem Hirschengraben, der einstigen Stadtmauer, liegt. Statt das rote Polybähnchen zu nehmen, das seit 1889 Studenten und Touristen direkt vom Bahnhof zur ETH bringt, haben wir den Aufstieg - sportlich wie wir dank der vielen Schweizer Berge mittlerweile sind - zu Fuß bewältigt und hatten uns die tolle Aussicht von der Terrasse der Hochschule über ganz Zürich dann auch wirklich verdient.

Bahnhof

Bahnhof

ETH

ETH

Joa, hier würd ich auch gern studieren...

Joa, hier würd ich auch gern studieren...

Toller Ausblick von der Terrasse

Toller Ausblick von der Terrasse

Welch Panorama

Welch Panorama

Danach ging es viele viele Stufen wieder hinunter Richtung Fluss, um die rechte Limmatseite, das so genannte Niederdorf mit seinen vielen netten kleinen Gassen, Bars, Restaurants und Boutiquen zu erkunden. Außerdem lohnt sich ein Abstecher in die berühmte Spiegelgasse, wo nicht nur einst Georg Büchner gewohnt hat, sondern auch Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, der im Haus Nr. 14 die russische Reformation vorbereitet haben soll.

Kleine Gassen in Niederdorf

Kleine Gassen in Niederdorf

...und mal wieder Brunnen

...und mal wieder Brunnen

Spiegelgasse Nr. 14, hier hat Lenin gewohnt

Spiegelgasse Nr. 14, hier hat Lenin gewohnt

Automatisch gelangt man schließlich zum Großmünster, dem Wahrzeichen Zürichs. Hier nahm in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die deutsch-schweizerische Reformation unter Huldrych Zwingli und Heinrich Bullinger ihren Anfang. Der romanische Bau wurde zwischen 1100 und 1225 anstelle einer alten Basilika gebaut und war ehemals Kirche eines Chorherrenstiftes, als dessen Gründer Karl der Große gilt. Nach ihm ist auch einer der beiden Kirchentürme benannt, auf den man im Sommerhalbjahr hinaufsteigen und die grandiose Aussicht genießen kann. 187 Stufen sind dafür doch echt lächerlich

Großmünster

Großmünster

...und von der anderen Seite...

...und von der anderen Seite...

...und von drinnen...

...und von drinnen...

...und von der Dachterrasse

...und von der Dachterrasse

Blick aufs Frauenmünster auf der anderen Flussseite

Blick aufs Frauenmünster auf der anderen Flussseite

Beim Abstieg...

Beim Abstieg...

Weiter gings über die Münsterbrücke zurück auf die linke Flussseite und Richtung Frauenmünster, das direkt am Münsterhof, dem schönsten Platz der Zürcher Altstadt, gelegen ist. Das ehemalige Frauenkloster ist eine dreischiffige spätgotische Basilika mit romanischem Chor, die erst in den 70er Jahren eine bedeutende Bereicherung in Form von 5 Glasmalereien von Marc Chagall erfuhr.

Blick von der Münsterbrücke

Blick von der Münsterbrücke

Frauenmünster

Frauenmünster

Glasmalereien von Chagall

Glasmalereien von Chagall

Kreuzgang

Kreuzgang

Geht man weiter südwärts an der Limmat entlang, gelangt man automatisch zum Bürkliplatz, der nach dem Stadtingenieur Arnold Bürkli benannt und 1887 eingeweiht wurde. Heute finden hier regelmäßig Gemüse- und Flohmärkte statt. Direkt am See gelegen ist hier genau der richtige Ort für eine Eis-Pause, die wir uns nach so viel Sight-Seeing in praller Sonne auch redlich verdient hatten! Danach sind wir gemütlich den General-Guisan-Quai hinunter am schönen Zürichsee entlang gelaufen - einfach schön und richtig grün hier alles!

Nettes Häuschen am Seeufer

Nettes Häuschen am Seeufer

Uferpromenade

Uferpromenade

Doch genauso schnell ist man auch wieder mitten im Trubel der "Großstadt" Zürich, nämlich auf der Bahnhofstraße, die, wie bereits gesagt, als Shopping- und Bankenmeile mit den teuersten Grundstückpreisen der Welt(!) bekannt ist. Exklusive Modeboutiquen, Warenhäuser und nette Straßencafés reihen sich auf der Bahnhofstrasse aneinander, die im Wesentlichen von 1864-1867 durch Einebnung des Fröschengrabens und der mittelalterlichen Wehranlagen entstanden ist. Als Herzstück gilt der Paradeplatz, der sich, seit die Schweizer Großbanken hier ihren Sitz eingerichtet haben, als größter Geldumschlagplatz des Landes einen Namen gemacht. Den Schweizer Banken - in der weltweiten Konkurrenz Spitze - werden allerdings immer wieder dubiose Geschäftspraktiken nachgesagt. Regelmäßig ist von Milliarden die Rede, die exotische Diktatoren in den Tresoren unter dem Paradeplatz verschwinden lassen, die böse Bezeichnung von Zürcher Gnomen (= Banker) macht die Runde. Seine Ausnahmestellung verdankt der Platz aber vielmehr der politischen Stabilität und wirtschaftlichen Stärke, was Vertrauen weckt und Kapital anzieht. Deshalb beläuft sich die Bilanzsumme der drei Zürcher Großbanken auch auf unglaubliche 600 Milliarden Schweizer Franken (ungefähr 400 Milliarden €)...also, mir würde ja wirklich schon eine Million reichen

Innenhof auf der Bahnhofstraße

Innenhof auf der Bahnhofstraße

Mareike und die Schweizer Uhren

Mareike und die Schweizer Uhren

...und ich natürlich auch

...und ich natürlich auch

Paradeplatz

Paradeplatz

Biegt man von der Bahnhofstrasse rechts ab in die vielen kleinen Gassen der Altstadt gelangt man schließlich zur St. Peter Kirche, die Anfang des 18. Jahrhunderts ihre heutige Gestalt erhielt. Sie ist die älteste Pfarrkirche Zürichs und an ihrem romanischen Turm sind außerdem die größten Zifferblätter Europas (Durchmesser: 8,70 Meter) angebracht. Der schöne Vorhof gilt zudem noch als hoch romantischer Platz für Verliebte
Ein mindestens ebenso schöner Platz ist aber auch der Lindenhof, der höchste Punkt der Altstadt, der als wahre Oase der Erholung mitten in der Altstadt gilt. Von hieraus hat man nicht nur einen tollen Ausblick auf die gesamte rechte Limmatseite, sondern befindet sich auch historischen Boden, schließlich wurden eben hier die Reste des römischen Kastells von Turicum ausgegraben.

Vorhof der St. Peter Kirche

Vorhof der St. Peter Kirche

Die größten Zifferblätter Europas

Die größten Zifferblätter Europas

St. Peter

St. Peter

Wieder vom Hügelchen runter gestiegen ging es durch die so genannte Schipfe, eines der ältesten Quartiere der Stadt und bis heute eine Handwerkergasse mit netten kleinen Läden, zurück Richtung Bahnhofstraße, um noch ein paar Souvenirs einzukaufen. Gegen späten Nachmittag waren wir dann wieder am Bahnhof, um uns mit Seraina (einer Neuchâteler Erasmus-Studentin aus der Umgebung von Zürich) zu einem gemeinsamen Bummel und anschließendem Restaurant-Besuch zu treffen *lecker* ...und bei immer noch strahlendem Sonnenschein haben wir 3 Hübschen danach den traumhaften Tag am Seeufer gemütlich ausklingen lassen - erschöpft, aber glücklich!

Schipfe

Schipfe

Abends am Zürichsee

Abends am Zürichsee

Putzig  (vor allem Mareikes Schuh im Bild...)

Putzig (vor allem Mareikes Schuh im Bild...)

Seraina, Mareike et moi!

Seraina, Mareike et moi!

...und nun noch ein paar Infos, die man nicht im Reiseführer findet:

Das 1. Pornokino von Zürich

Das 1. Pornokino von Zürich

Hier gibts Kondome und alles, was man sonst noch braucht...

Hier gibts Kondome und alles, was man sonst noch braucht...

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Der Autor
 
Janine Gruschwitz berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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