Reise durch Botswana, Namibia und Südafrika

Reisezeit: Juli / August 2003  |  von Karl Martin Mutter

Fort Namutoni - Khorixas, 2003-08-06

Fort Namutoni - Khorixas 448 km

Der Wecker randalierte wieder um 5 Uhr 56, immer noch fanden alle es grausam.
Aufstehen, Anziehen, den Rest noch zusammen packen und alles im Auto verstauen.
Schnell machte ich noch 2 Fotos vom Fort Namutoni im ersten noch rötlichen Morgenlicht während Susi die Schlüssel an der Rezeption abgab. Dann das Auto noch voll tanken, zum wievielten Male eigentlich?
Heute mussten wir den Weg in Richtung Okaukuejo nehmen. Ohne Nebenwege waren es rund 130 km. Die Raubkatzen der Etoscha bekamen heute ihre letzte Chance sich uns zu zeigen. An der ersten Schleife hatten wir bereits Glück. Zwei Hyänen trieben sich herum, Tüpfelhyänen. Eine ging spazieren, die Andere vertilgte irgendwelche Fleisch- und Knochenreste. KM quengelte. Er wollte mal wieder mit dem Auto fahren. Hierzu hatte er sich eine Stichstraße zu einem Wasserloch - Kalkheuwel - ausgesucht, auf der wohl nicht viele Autos unterwegs sind. Unerlaubterweise stiegen wir mal wieder aus um den Fahrer zuwechseln. Nach nur wenigen 100 m stand vor uns ein roter PKW mitten auf der Straße. Der Anlass: ein brauner, langer und kräftiger Körper stand mit seinem Hinterteil auf der Fahrbahn. Langsam bewegte sich dieser rückwärts, stand dann bald ganz auf der Pad, hielt kurz inne und trottete dann langsam auf uns zu um nach einigen Metern links in die Büsche abzubiegen, in die Richtung aus der lautes Gebrüll zu hören war.

Eine Löwin! Kamera und Fotoapparat liefen heiß.

Eine Löwin! Kamera und Fotoapparat liefen heiß.

Nein, nicht nur eine, ein ganzer Löwenrudel hielt sich im Gebüsch neben uns auf. Das nennt man Glück. Der Rudelboss, der König der Löwen, war leider nur zu hören aber nicht zu sehen. Der Auftritt der Gruppe dauerte nur wenige Augenblicke, dann war hier nichts mehr zu sehen. KM war ganz happy. Dank seinem Vorschlag haben wir diesen Löwenrudel gesehen und dann ist er auch noch selber zu ihnen hin gefahren. Wegen besseren Standplätzen zum Fotografieren musste mehrfach vor- und zurückgefahren werden. Da ich hierfür doch mehr Routine habe als KM wechselten wir zwischendurch wieder das Steuer, diesmal allerdings intern. Aussteigen wäre sogar in unseren Augen vielleicht etwas zu leichtsinnig gewesen. Ab dem Wasserloch übernahm er dann wieder das Lenkrad.

KM durfte nochmals einige Kilometer fahren. Es wurden alleine diesmal 40 km. Die nächsten 2 Stunden zeigten sich uns wieder bekannte Tiere. Hier, halbverdeckt zwei Giraffen. Zusätzlich sahen wir - allerdings weit weg - einige Elefanten.

Der 3 Kilometer lange Abstecher zum Etosha Lookout war einfach genial. Der Weg führte hinab an den Rand der Salzpfanne. Erlaubt oder nicht. Wir stiegen aus. In Richtung Norden war freie Sicht bis zum Horizont, bis die topfebene Salzpfanne und der darüber gespannte Himmel sich irgendwo trafen und sich ineinander verschmolzen. Hier konnte man von Einsamkeit sprechen. Kein Mensch und auch sonst kein Lebewesen soweit das Auge reicht. Ungefähr 110 km x 60 km dehnt sich "Etosha" = "großer weißer Patz" aus. Meist ist die gesamte Fläche ausgetrocknet. Nur selten, in sehr regenreichen Jahren, bringen kurzzeitig einige Flüsse Wasser in einen Teil der Ebene.

Ich durfte auch mal wieder fahren, immer westwärts. Es war bald Mittag. Wir waren bereits in der Nähe von Okaukuejo. Der Gedanke ans Essen machte sich bei uns breit. Am Straßenrand, kurz vor dem Wasserloch "Nebrownii" standen wieder etliche Autos. Ich fuhr auch an Rand und stoppte. Wegen der besseren Sichtposition setzte ich mich im geöffneten Fenster auf den Türrahmen.

Ich dachte mir fällt der Fotoapparat aus der Hand. 11 Uhr 32. Eine Löwin, direkt vor mir. Keine 25 m trennten uns. Es war Essenszeit. Mit den Vorderpfoten stand sie über ihrer Beute. In aller Seelenruhe verspeiste sie ein gerissenes Zebra. Wieder wurde gefilmt und fotografiert. Zweimal wechselte ich den Standort um noch näher dran zu kommen. Beim zweiten Standortwechsel lag ich mit meiner Vermutung richtig, dass sie nach der Mahlzeit durst hat und dann zum Saufen ans Wasserloch geht.

Sie tat uns den Gefallen und lief direkt auf unseren neuen Standort zu. Die anderen Tiere, wie Zebras, Gnus, Kudus, Impalas und Strauße machten der Dame respektvoll Platz. Geflüchtet ist kein einziges Tier, sie blieben stehen und beobachteten die Szene. Die Löwin stand praktisch immer im Mittelpunkt eines Kreises. In der Richtung in der sie sich bewegte wichen die Tiere zurück, hinter ihr schlossen sie wieder auf. Ihrem Hängebauch nach zu urteilen, war die Dame schwanger. So einen Bauch konnte man sich nicht anfressen. Nachdem sie ausgiebig getrunken hatte lief sie langsam in südwestlicher Richtung weg und verschwand dann hinter Büschen und Bäumen. Mittlerweile war es 12 Uhr 10. Wir waren vor Begeisterung total aus dem Häuschen. Die ersten 2 Tage hatten wir gar keine Raubkatzen gesehen und heute gleich ein Rudel und dann diese Einzelgängerin beim Fressen.

Die Bildausbeute war absolut Spitze. Dank dem 300 mm Objektiv und der Digitalkamera nahm der alleine der Kopf mit der blutigen Schnauze die ganze Bildgröße ein. Die nächsten 2 Tage schaute sich die ganze Familie immer wieder diese sensationell guten Bilder an. Ich war richtig verliebt in meine Löwin, der Zebra-Fresserin von Okaukuejo. Doch wo sind diese genial guten Bilder? Nein, siw sind nicht im Album bzw. im Tagebuch. Doch dazu mehr am 08. August 2003

Nur wenige Minuten später waren wir in Okaukuejo. Der Shop hatte auch über Mittag offen. Wir kauften ein, setzen uns an den Swimmingpool und machten Picknick. Im Postamt besorgten wir uns noch einen Stapel Briefmarken. 25 Stück für 68,75 N$ = 8,30 Euro oder 0,31 € pro Briefmarke. Dieses, das westlichste der drei Übernachtungsquartiere im Etosha Park gilt als das mit dem meisten Flair. Besonders über die vielen Tiere die abends das Wasserloch besuchen haben wir immer wieder gelesen. Wir haben allerdings inzwischen gelernt, dass man nur das Glauben soll was man selber sieht.
Okaukuejo verließen wir in Richtung Süden, Richtung Andersson Tor.

Die Straße war jetzt wieder geteert. An die Höchstgeschwindigkeit von maximal 60 km/h hielt ich mich nun nicht mehr so ganz genau. Am Parkausgang tauschten Susi und ich die Plätze. Ich konnte nun als Beifahrer die Landschaft genießen. Auf der C 40 fuhren wir südwärts bis nach Outjo. Dort bogen wir rechts ab auf die C 39, in Richtung Khorixas. An dieser Route lagen die Fingerklippe, der versteinerte Wald, der verbrannte Berg und die Felsmalereien von Twyfelfontein. Im Hotelführer hatte ich die "Bambatsi Lodge" ausfindig gemacht. Hier hofften wir auf ein Übernachtungsquartier. Die fast 6 km lange Zufahrt, eine üble private Schotterstrasse, bergauf und wieder bergab, erforderte Susis ganzes Fahrkönnen. Freundlich und in perfektem Deutsch wurden wir empfangen, aber leider nur um uns mitzuteilen, dass ihre Lodge ausgebucht ist. Wie wär's mit einem Schild unten an der Straße? So langsam kamen wir mal wieder unter Zeitdruck. Es war bereits kurz nach 15 Uhr. Trotzdem hatten wir kaum eine andere Wahl als die kleine Schleife zur Fingerklippe mit in unser heutiges Programm aufzunehmen. Sonst hätten wir Morgen wieder retour fahren müssen.

Die Fingerklippe war nicht der einzige Felsen der aus der sonst recht ebenen Landschaft heraus ragte, er war allerdings unbestritten der interessanteste. Auch hier gab es wieder einige schöne Fotos. Aber nur eines blieb uns.
Die Tour ging weiter. Die "2743" führte uns durch eine wunderschöne Berglandschaft. Mal war die Pad auf einer Anhöhe, mal ganz unten im Tal, teilweise verlief die Strecke im Bett des zur Zeit ausgetrockneten Flusses "Ugab". Für meine Beifahrer war auch einiges zu tun. Aussteigen, Gatter auf, nachdem ich durchgefahren bin, Gatter wieder zu und einsteigen. Es ging bergauf, es ging bergab, wir querten ausgetrocknete Bachläufe, fuhren mitten durch kleine Bauernhöfe mit freundlich winkenden Erwachsenen und Kinder. Touristen waren wohl eine seltene Abwechslung. Hier gab es keine weißen Grundstücksbesitzer. Die Höfe waren alle sehr klein und wurden von Schwarzen bewirtschaftet.

Nicht nur einmal musste ich wegen kleinen Ziegenherden die keine Veranlassung sahen wegen einem Auto ihren gemächlichen Schritt zu verändern langsam machen oder gar stehen bleiben. Durch die immer tiefer sinkende Sonne wurde alles in ein einmalig schönes Licht getaucht. Fotos, wie man sie sich besser und stimmungsvoller nicht vorstellen kann wurden auf dem Chip der Digitalkamera verewigt. Himmel, Berge, Bäume, Büsche und der rote Kalaharisand leuchteten unbeschreiblich schön. Trotz der immer noch ungelösten Quartierfrage waren wir alle in bester Stimmung. Diese kleine Schleife von rund 70 km um die Fingerklippe endete an der Teerstrasse C 39, kurz vor Khorixas. In der Ortsmitte war ein schöne, relativ neue Übernachtungsmöglichkeit, die "Gowati Lodge". Wir bekamen ein Familyroom, unten im großen Raum mit einem Doppelbett, im hinteren Bereich Dusche und WC und oben auf der Galerie, erreichbar über eine steile Treppe 2 Einzelbetten für die Kids. Um Morgen den versteinerten Wald, den verbrannten Berg und die Felsmalereien von Twyfelfontein anzuschauen bot es sich an hier gleich 2 Nächte zu verbringen. Dies würde uns morgen Abend die erneute Quartiersuche ersparen. Leider bekamen wir nicht gleich die Bestätigung für 2 Nächte. Die Dame an der Rezeption musste sich er noch Rückversichern ob das Appartement ab Morgen nicht bereits anderweitig vergeben war. Die Kids waren bereits verschwunden. Sie hatten den Pool gesucht und als gut empfunden. Beschienen von den Strahlen der untergehenden Sonne wurde noch ein ausgiebiges Bad genommen.
Abendessen und Bar waren gut. Doch allzu lange hielten wir es heute - nach diesem anstrengenden und ereignisreichen Tag nicht aus. Die Betten riefen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Johannesburg über Maun ins Okavangodelta, Moremi NP, Namibia, Etosha NP, Windhoek, Swakopmund, Sossusvlei, Cape Town, Cape of Good Hope, Cap Agulhas, Garden Route, Johannesburg
Details:
Aufbruch: 23.07.2003
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 22.08.2003
Reiseziele: Südafrika
Botsuana
Namibia
Der Autor
 
Karl Martin Mutter berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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