Reise durch Botswana, Namibia und Südafrika

Reisezeit: Juli / August 2003  |  von Karl Martin Mutter

Windhoek - Sossusvlei - Maltahöhe, 2003-08-12

Windhoek - Sossusvlei - Maltahöhe 658 km

Heute war wieder ein normaler Urlaubstag. Woran kann man das bei uns feststellen? Der Wecker klingelte wieder! Um 6 Uhr 30 piepste er uns gnadenlos aus den Federn.
Bereits um 7 Uhr saßen wir am Frühstückstisch. Das Personal war noch mit dem Auftragen beschäftigt als wir uns in großer Eile die Teller füllten. Gepäck holen, an die Rezeption und Rechnung bezahlen. 2.060 N$ = 251,06 Euro für 2 Nächte und zwei Doppelzimmer.
Der nächste Weg führte uns wohin? An eine Tankstelle. Mit vollem Tank nahmen wir die B 1 Richtung Süden unter die Räder. Alle Vier haben die Straßenabzweigung der C 26 in Richtung Walvis Bay übersehen. Gerne wäre ich meinen Mitfahrern auf dieser Route Richtung Sossuvlei gefahren. Liegt doch die Farm von Justus Maiburg bei dem 1997 für einige Tage gewesen bin an dieser Strecke in Richtung dem Gamsbergpass.
An der Stadtausfahrt war wieder eine Polizeikontrolle. Der Polizist empfahl mir ein Fernglas. Wegen leicht überhöhter Geschwindigkeit hatte ich ihn wohl erst recht spät erkannt.

Auf der linken Straßenseite zeigte uns der noch junge Staat Namibia wo seine Schwerpunkte liegen.

Auf der linken Straßenseite zeigte uns der noch junge Staat Namibia wo seine Schwerpunkte liegen.

Anstelle das Geld für Infrastrukturmaßnahmen zu verwenden oder in Bildung zu investieren, baut man lieber ein sündhaft teures Denkmal, wohl zu Ehren des Staatspräsidenten. Für Personenkult haben die Entwicklungsländer immer Geld übrig.

Dabei hat dieses Land so viele natürliche Sehenswürdigkeiten, wie diese Felsformationen südlich von Windhoek. Da könnte man locker auf solche Monumentalbauwerke verzichten.
In Rehoboth bogen wir rechts ab in Richtung Klein Aub. Gut befahrbare Sand- und Schotterpisten gehörten für den Rest des Tages wieder zu unseren Begleitern. Kobos, Klein Aub, Rietong und Büllsport waren Klein- oder Kleinst-Orte entlang unserer Route.

Ein Bauwerk in einer für uns unbekannter Funktion und eines unbekannten Alters am Rand der Namib.
Rund 125 km hinter Büllsport kamen wir in Sesriem an den Parkeingang vom Namib Naukluft Park. Nach dem Kauf des Permit für 84 N$ = 10,14 Euro durften wir die letzten 65 km bis nach Sossusvlei in Angriff nehmen.

In einem topfebenen Tal, links und rechts begleitet von Sanddünen, fuhren wir Richtung Südwest, dem Straßenende in Sossusvlei entgegen.

Maximal 60 km/h waren auf der geteerten Strasse erlaubt. Zeitweilig zeigte unser Tacho mehr als 100 km/h an. Es war schon recht spät, wieder einmal hatten wir Zeitdruck.
Es war schon 14 Uhr als wir am Parkplatz am Ende der Teerstrasse ankamen. Hier war Endstation für Zweirad angetriebene Fahrzeuge.
An den Vorderräder wurde auf "Lock" umgestellt, innen auf Allrad 4 h. Ein Schild zeigte nochmals deutlich, dass das Befahren der Sandpiste nur mit 4 WD erlaubt war.
Zuerst schien es keine Probleme zu geben. Doch dann wurden die Fahrspuren immer tiefer. Nach rund 3 km war die Fahrt zu Ende. Wir steckten im Sand fest. Das Fahrzeug streifte schon mit beiden Achsen den Sand. Jeder von uns Vieren bekam ein Rad zugeteilt und durfte es freilegen. Dann legten wir unter jedes der 4 Räder eine Fußmatte. Ich schaltete das Untersetzungetriebe "4 L" ein.
Meine drei Mitfahrer stellten sich hinter das Auto und halfen mir mit ihrem Schieben. Die ersten beiden Versuche schlugen fehl. Zuerst musste die Hinterachse richtig freigelegt werden. Auch beim zweiten Versuch blieb ich gleich wieder hängen. Wir überlegten und kamen zum Ergebnis, dass wir den Sand in den Fahrspuren keilförmig ansteigend heraus gebuddelt müssen. Dies führte zum Erfolg. Beim dritten Anlauf schafften wir es. Unser Nissan kam wieder frei. Ich fuhr bis zu einer Stelle wo der Untergrund etwas fester aussah. Dort hielt ich an wartete auf die "Fußgänger". Im Bereich der zurück führenden Fahrspuren war der Sand nicht ganz so tief. Wir beschlossen das Auto dort hin zu bekommen und es dann stehen zu lassen. Auch hier waren schöne hohe Dünen auf die wir hinauf steigen konnten. Mit Schieben, rutschender Kupplung, durchdrehenden Rädern und einem fürchterlichen Gestank schafften wir die paar Meter bis zum festeren Untergrund.

Um uns herum Sand, nichts als Sand, in allen Farben und Formen

Nein, ausser Sand gab es auch hier, in dieser unwirtlichen Umgebung Lebewesen. Vor diesem kleinen Käfer hatten wir keine Angst. Der Kontakt mit einer Sandviper blieb und erspart.

Wir beschlossen auf die höchste der in unserer Umgebung liegenden Düne hinaufzusteigen. Auf der dem Wind zugewandten Westseite war der Sand einigermaßen fest, man sank nicht so tief ein. Auf der Leeseite sank man richtig schön ein. Wir kämpften uns hinauf bis zum höchsten Punkt der Düne.

Unten im Tal wuchsen vereinzelt Bäume. Woher die das lebensnotwendige Wasser bekamen? Für uns ein Rätsel.

Vom hell-dunkel Kontrast her wäre es besser gewesen, wenn wir etwas später daran gewesen wären. Bei einer bereits tiefer stehenden Sonne hätten dann die im Schatten liegenden Flächen den bei Profifotografien üblichen dunklen Kontrast geboten. Aber so lange konnten wir nicht warten. Wir mussten zumindest noch bis nach Maltahöhe fahren, bei diesen Verhältnissen eine kleine Weltreise. Mit einer entsprechenden Ausrüstung hätten wir am Parkeingang auf dem Campingplatz übernachten können. Aber woher nehmen?

Beim Abstieg ließen wir uns im Sand von der Schwerkraft hinab treiben.
Karl Martin nahm sich trotzdem Zeit für einen kleinen Gruß, ein Hallo im Sand der Namib. Wie lange wird er halten?

Auch für das Imitieren eines kleinen Sandsturmes hatten die zwei Männer noch Zeit.

Zwei Bäume lebten noch, der Dritte bekam wohl schon vor langer Zeit kein Wasser mehr und ist abgestorben.

Vermutlich die berühmte "Düne 45"

Wir mussten dringend zurück. Die Zeit lief uns davon. Bis zum nächsten Bezahlbaren Quartier in "Maltahöhe" waren es noch gut 200 km. Auf der Rückfahrt änderte ich meinen Fahrstiel. Ich fuhr nicht mehr vorsichtig und defensiv durch den Sand sondern mit einer recht hohen Geschwindigkeit. Die Gefahr des Steckenbleibens war dadurch wesentlich geringer. Am Parkeingang tankten wir wieder mal während Susi und Katharina versuchten im Hotel "Maltahöhe" telefonisch ein
Quartier zu reservieren. Aber wie wählt man in Namibia an einem Telefon eine Nummer? Leicht muffig rief ich dann dort an. Ich kam zwar durch, aber während dem Gespräch versagte die Technik ihren Dienst. Ich konnte eine Frauenstimme hören, aber sie hörte mich nicht, wie sie uns dann am Abend noch erzählte.

Östlich von Namib Naukluft Park, durch eine gottverlassene Gegend, fuhr ich gegen die Uhr und die immer tiefer sinkende Sonne. Zeitweilig war mein Tempo wohl nicht mehr der Sand- und Schotterpiste angepasst. Aber keiner beschwerte sich. Langsam fahren bedeutet unweigerlich irgendwo hier in freier Natur im Auto zu schlafen. Darauf war keiner so richtig wild. Also hofften sie dass ich wusste was ich tat und nicht gänzlich übertrieb. Teilweise auf geraden Straßen, dann stark kurvig und immer leicht bergauf. Die kurze Dämmerung hatte bereits eingesetzt als "Maltahöhe" auftauchte. Da das Ort nicht sonderlich groß war, fanden wir gleich das Hotel "Maltahöhe". Susi und Katharina fragten nach einem Zimmer während ich aus Sicherheitsgründen im Auto blieb. Hier trieben sich Typen herum denen ich nicht ganz traute. Ein Doppelzimmer war noch frei. Dass KM und ich im Auto schlafen müssen hat der älteren Dame nicht gefallen. Von ihrem Personal ließ sie von weiß Gott woher zwei Matratzen holen. Sie selbst brachte noch ein paar Laken und Decken. Ein Notquartier aber wesentlich besser als zu zweit oder gar zu viert die Nacht im Auto zu verbringen. Katharina und Karl Martin machten Quartier in den auf dem Boden liegenden Matratzen.
Alles an diesem Hotel war rustikal. Aber überall wurden die Gäste freundlich behandelt. Nach dem Abendessen, rustikal, gut bürgerlich, setzten wir uns noch etwas an die Bar in der Gaststube. Wir waren die einzigen Touristen, der Rest schien sich hier zu kennen. Dank einer Schmusekatze kamen wir auch noch mit den Wirtsleuten etwas ins Gespräch. Deren Mischung aus Afrikaans und Englisch hinterlegt mit ein paar brocken Deutsch sollten verstehen. Nein, kaum möglich. Meistens nickten wir mit dem Kopf ohne allzu genau zu wissen wozu.
Die Gaststätte leerte sich recht bald. Die Leute mussten wohl am Morgen früh raus und bei der Arbeit kräftig zupacken.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Johannesburg über Maun ins Okavangodelta, Moremi NP, Namibia, Etosha NP, Windhoek, Swakopmund, Sossusvlei, Cape Town, Cape of Good Hope, Cap Agulhas, Garden Route, Johannesburg
Details:
Aufbruch: 23.07.2003
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 22.08.2003
Reiseziele: Südafrika
Botsuana
Namibia
Der Autor
 
Karl Martin Mutter berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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