Reise durch Botswana, Namibia und Südafrika

Reisezeit: Juli / August 2003  |  von Karl Martin Mutter

Moremi Game Reserve, 2003-07-29

Crocodile Camp - Moremi - Crocodile Camp 317 km

Der Wecker warf uns aus den Betten. Für unser heutiges Programm hätten wir nicht warten können, bis wir von der Sonne geweckt worden wären. Denn zu diesem Zeitpunkt wollten wir dann schon im Moremi Game Reserve sein. 5 Uhr, eine unchristliche Zeit um in Urlaub aufzustehen. Mit der entsprechenden Vorfreude auf den Tag war es allerdings kein nennenswertes Problem. Laut Karl Martins Statistik haben wir im 5 Uhr 18 den Parkplatz in Richtung Shorobe verlassen. Die ersten 26,8 km waren noch relativ unproblematisch. Es war zwar stockdunkel, keine Fahrbahnmarkierungen, keine Leuchtpfosten am Rand, nicht was das Fahren erleichtert. Nur kurz war einmal ein anderes Auto hinter uns. Sonst waren wir alleine. Um 5 Uhr 44, nach diesen 26,8 km wechselte der Fahrbahnbelag. Aus einer guten Teerstrasse wurde eine Anfangs noch problemlos befahrbare, dann aber immer anspruchsvollere Piste. Größere Steine und sandige Spurrillen wechselten einander ab. Kleinere Rinder, Ziegen oder ähnliches war am Rand des Scheinwerferlichtes auszumachen. Zum Glück rannte nirgends eines der Tiere auf die Fahrbahn. Bei der Kontrollstation am Veterinärzaun kamen wir nach 46,0 km um 6:10 an. Die Dame war noch zu müde um uns zu kontrollieren. Sie öffnete die Schranke und winkte uns durch. Nach 1,8 km verzweigte die Strasse. Geradeaus über die schwierigen und tiefen Sandpisten von Savuti oder der Mahabe Depression in den Chobe Nationalpark. Wir bogen links ab in Richtung "South Gate". Für die 32 km bis zum Parkeingang benötigten wir genau 1 Std. und 2 Minuten, und dies, obwohl der langsam heller werdende Himmel das Befahren der Sandpiste doch erheblich erleichterte. Um 7 Uhr 19 empfing uns der Kontrollpos-ten mit dem Wunsch nach 410 Pula = 74,45 Euro Parkeintrittsgebühren. 2 x 120 Pula (2 x 21,80 €) für 2 Erwachsene, 2 x 60 Pula (2 x 10,90 €) für 2 Kinder und 1 x 50 Pula (9,05 €) für das Auto. Stolze Preise kann man da nur sagen.

Die Sandpiste der 38 km langen Standardroute nach Moporota oder besser bekannt als 1st Bridge wurde eingerahmt von Mopanewälder und Buschwerk.
Wir hatten gerade mal die Hälfte dieser 38 km hinter uns, als die Sandpiste immer miserabler wurde. Wenn ich nicht mit relativ hoher Geschwindigkeit fuhr musste ich damit rechnen trotz zugeschaltetem Allrad demnächst stecken zu bleiben. Wenn ich nur wüsste was es mit dem "Lock" (Verschluss, Schloss) auf sich hat. Irgendwo sollte noch etwas zuschaltbar sein. Aber wo? Eine Einweisung in die Fahrzeugtechnik haben wir bei der Fahrzeugübergabe in Johannesburg keine bekommen. Zuhause, als ich mir noch entsprechende Zeitschriften gekauft habe, habe ich zwar mal was darüber gelesen, konnte mich aber beim besten Willen kein Detail mehr erinnern. Eine enge, unübersichtliche Kurve lag vor mir. Ich musste Gas wegnehmen, wurde ohne zu Bremsen gleich deutlich langsamer. In der Kurvenmitte wollte ich wieder Gas geben, aber es nutzte nichts mehr, der Sand bremste, die Räder drehten durch, ich saß fest. Das fängt ja gut an am frühen Morgen. Mit vor- und rückwärts fahren kam ich nochmals aus dem Sandloch raus. Es gab keine Alternativroute, ich musste hier durch. Also versuchte ich nochmals, diesmal mit einer höheren Geschwindigkeit. Ich kam zwar ein paar Meter weiter, steckte dafür aber dann umso fester und tiefer im Sand. Jetzt half kein "schaukeln" mehr. Ich würde das Fahrzeug nur eingraben bis es mit dem Wagenboden auf dem Sand sitzt. Dann ging gar nichts mehr. Was tun? Das Auto das ich vor einiger Zeit - der Fahrer hatte fotografiert - mal überholt hatte näherte sich von hinten. Als er mich in meinem "Sandloch" sah bremste er sein Fahrzeug ab und stieg einige Augenblicke später aus. Er schaute sich um und ging zu seinem Vorderrad. Dort drehte er an etwas herum. Wie Schuppen viel es von meinen Augen. Genau, da gab es eine Zusatzsperre an der Vorderradnabe die verhindert, dass die Räder durchdrehen. Trotz nahe stehender Büsche und Bäume und somit sehr eingeschränkter Sicht musste ich auch aussteigen um diese Sperre zuzuschalten. Kaum war ich am Vorderrad sprang Katharina auf der anderen Seite aus dem Auto um mir zu helfen. Es lebe der Leichtsinn. Mittlerweile stand der Fahrer des anderen Fahrzeuges bei uns und schaute uns zu. Vom Englischen wechselten wir rasch in Deutsche. Er und seine Freundin waren aus der Nähe von Basel. Da er schon ein paar Tage hier war, konnte er mir noch einige Hinweise, auf schöne Streckenabschnitte und auch auf die Fahrtechnik geben. Nachdem wir die Räder noch etwas vom Sand befreit hatten versuchte ich mit eingeschaltetem "Lock" mein Glück. Recht problemlos kam der Nissan nun aus dem Sandloch heraus. Dank dem Schweizer war wohl der heutige Tag und die Rundfahrt im Moremi gerettet. Im weiteren Verlauf der Strecke kamen noch etliche, teils erhebliche schlimmere Stellen durch die wir ohne das Zuschalten der Sperren nie hindurch gekommen wären. Nachdem nun alles gut gegangen war hatten wir im Nachhinein ordentlichen Spaß mit unserem kleinen Abenteuer.

Unter dem misstrauischen Blick einer Giraffe legten wir die 2 Kilometer von der unspektakulären 1st Bridge, einer Brücke aus rohen Holzstämmen über einen kleinen Wasserlauf, zur 2nd Bridge zurück.

Die unspektakuläre 1st Bridge

Die unspektakuläre 1st Bridge

Auf der Nord-Ostseite der für ihre Löwen berühmten Mboma Island fuhren wir bis zu den Lechwe Pans. Frischfleisch in Form von Zebras war reichlich unterwegs, nur die Verbraucher fehlten.

dicht belagert, die 3rd Bridge

dicht belagert, die 3rd Bridge

An der dortigen Wasserstelle drehten wir aus Zeitmangel um und fuhren über die 3rd Bridge zur 4th Bridge. Unsere Handlung rief nicht gerade die Begeisterung einer größeren Affenherde hervor. Es half aber nichts, wir mussten sie vertreiben, die Brücke war zu schmal für den Nissan und eine Affenherde.

Elefanten mussten in dieser Gegend auch im Winter nicht hungern

Elefanten mussten in dieser Gegend auch im Winter nicht hungern

Kurz danach ein scharfer Linksknick, wir fuhren ziemlich genau nach Norden, Ziel Xakanaxa. Wir durchquerten die "Mopane Tongue",

Die Hoffnung, dass Dickhäuter friedliche Gesellen sind mag sicherlich mit dazu beigetragen haben, dass ich recht nahe heran gefahren bin. Der kräftige Bulle enttäuschte mich nicht, er blieb friedlich und nahm uns kaum zur Kenntnis.

Kudu-Bullen gehören zu meinen Lieblingstieren in Afrika. Nicht nur weil sie sich sehr elegant bewegen und dabei gut aussehen, vielleicht noch mehr weil sie auch auf dem Teller hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Wie spricht der Elefantenschädel zur jungen Kuh?
"Ich war wie du bist, du wirst werden wie ich bin"

im Dauerflutgebiet

im Dauerflutgebiet

Die Richtung wechselte erneut. Zuerst einige Kilometer nach Westen, dann wieder nach Norden. Wir näherten uns dem Dauerflutgebiet westlich und nördlich von Xakanaxa.

Der Warzenkeiler fühlte sich in dieser feuchten Gegend offensichtlich recht wohl.

Der Warzenkeiler fühlte sich in dieser feuchten Gegend offensichtlich recht wohl.

Um den Xakanaxa-Airstrip herum fuhren wir nach Süd-Osten zu den Dombo Hippo Pools. Hippos konnten wir keine entdecken. Dafür hatte sich an einem nahe gelegenen See eine größere Krokodil-Kolonie niedergelassen.

Der Schreiseeadler oder Fisheagle beobachtete den See, wohl in der Hoffnung etwas fressbares in dem großen Wasserloch zu finden.

Der Schreiseeadler oder Fisheagle beobachtete den See, wohl in der Hoffnung etwas fressbares in dem großen Wasserloch zu finden.

Ein bunter Vogel, genannt "Saddle billed Stork" wartete in diesem knöcheltiefen Wasser auf Beute.

Ein bunter Vogel, genannt "Saddle billed Stork" wartete in diesem knöcheltiefen Wasser auf Beute.

Vor dichtem Buschwerk zeigte sich ein Kudu.
Inzwischen fuhren wir nach Osten, entlang dem Khwai River zum North Gate. An dem dortigen Campingplatz, direkt an einem schönen Pool mit gemütlich baden-den Hippos, bedauerten wir nicht zum erstenmal, dass wir keine Campingausrüstung dabei hatten. Es war schon spät, wir mussten an die Rückkehr denken. Gerne hätte ich den Park am North Gate verlassen und wäre über Mababe Village und Zankuyo Village zurück nach Shorobe und Maun gefahren. Doch die fortgeschrittene Zeit vergönnte mir dieses fahrerische Highlight. Der fast kerzengerade 30 km lange Verbindungsweg blieb mir als traurige Alternative.

Auch landschaftlich bot der Weg nicht viel. Fast durchgehend links und rechts bewaldet und dadurch auch so gut wie keine Tiere zu sehen. Erst kurz vor dem Parkausgang, die Sonne stand schon recht tief, waren wieder Giraffen zu sehen.

Um 16:28 passierten wir das South Gate.
156,3 km lang war das Vergnügen im Moremi Game Reserve.
2 Std. und 21 Minuten dauerte die Rückfahrt bis zum Crocodile Camp. Die Hinweisschilder die uns zur San-Ta-Wani Lodge leiten wollten mussten wir leider ignorieren. Die Preise fingen hier bei 90 US Dollar pro Person an. Wobei diese Lodge noch außerhalb des Moremi Parks liegt.
Die Preise der Luxusquartiere - und nur solche gibt es im Moremi, im Kerngebiet des Okavangodeltas - waren unbezahlbar.
Im Abu Camp z. B. kommt man für 1.200 € pro Person und Nacht unter. Und das nur bei einem Mindestaufenthalt von 5 Nächten.
Im Schnitt liegen die Preise bei 300 bis 400 Euro pro Person im Doppelzimmer, zuzüglich den Flug- bzw. Anreisekosten zur Lodge.

Im letzten schwachen Licht fotografierten wir den Übergang von der Schotterpiste auf die geteerte Straße.

316 km sowie 13 Stunden und 30 Minuten dauerte der Ausflug. Um 18 Uhr 49 waren wir wieder zurück. Den Ersatzkanister haben wir nicht gebraucht. Ganz knapp hat der Tank gereicht. Ohne Kanister hätten wir die Rundfahrt aber deutlich früher abbrechen müssen, den Nerv in dieser Wildnis auf den letzten Tropfen zu fahren sollte man nicht aufbringen.

Das Abendessen an der Bar schmeckte heute - nach soviel Abenteuer - wesentlich besser als gestern und der Sitzplatz oberhalb des Tamalakane-River ist seit gestern noch eindrucksvoller und interessanter geworden.

Trotz verständlicher Müdigkeit nach diesem langen Tag wir wollten nicht ins Chalet zurück. Der Tag sollte noch nicht so schnell zu Ende gehen. Das Bier und der Wein schmeckten hervorragend.
Nur allzu viel davon sollte man, zumindest als Mann, nicht trinken. Auf der Toilette war ab einem gewissen Zustand eine Verwechslungsgefahr nicht ganz auszuschließen.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Johannesburg über Maun ins Okavangodelta, Moremi NP, Namibia, Etosha NP, Windhoek, Swakopmund, Sossusvlei, Cape Town, Cape of Good Hope, Cap Agulhas, Garden Route, Johannesburg
Details:
Aufbruch: 23.07.2003
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 22.08.2003
Reiseziele: Südafrika
Botsuana
Namibia
Der Autor
 
Karl Martin Mutter berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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